Annaeherung an die Türkei in 4 Teilen..

Reisebericht

Annaeherung an die Türkei in 4 Teilen..

Reisebericht: Annaeherung an die Türkei in 4 Teilen..

Kein Reisebericht im klassischen Sinne,vielleicht die innere Reise der Annaeherung an ein Land und seine Kultur bis zur Auswanderung. Eine Jahre dauernde Expedition also. İn diesem Falle die Türkei.

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Teil 1: Türkei per Zufall

Es war 1986. Erneut planten meine Frau und ich, unsere Ferien in Kreta zu verbringen. Ein befreundeter Reisebürobesitzer machte uns auf ein last-minute – Angebot nach Antalya aufmerksam. 4 Tage vor Abflug erstanden wir uns Reisehandbücher und Standardwörterbücher in türkisch, um uns erstmals mit diesem faszinierenden Land, von welchem wir eigentlich gar nichts wussten, vertraut zu machen.

Wir gelangten mit einer Gruppe von ca. 20 Schweizern nach Antalya, wo wir etwas ausserhalb der Stadt ein soeben fertiggestelltes Hotel bezogen. Vom Hotel führte eine Felsentreppe direkt ans Meer herunter, wo sich auch Türkenfamilien der umliegenden Häuser aufhielten. An diesem Strand erlebten wir sie erstmals: Die Neugier auf Fremdes und die ehrlich gemeinte Gastfreundschaft von Leuten aus einfachsten Verhältnissen.

Nach zwei Tagen des Beobachtens aus sicherer Distanz, des Anlachens der Kinder, schenkten wir einem Mädchen einen Apfel. Kurze Zeit später kam es wieder zu uns und gab uns mit Händen und Füssen zu verstehen, dass wir Tee trinken kommen sollten und zwar sofort. Wir radebrechten von duschen und umziehen und wir würden gerne kommen, auch wir waren natürlich neugierig.

Die ganze Familie brach sofort auf. Ein Kind wartete vor dem Hotel und führte uns zum Elternhaus. Die Familie, welche uns dort erwartete, erkannten wir kaum mehr. Die Kinder sauber herausgeputzt in den schönsten Kleidern, die Mutter und Grossmutter, welche sich ausschliesslich meiner Frau zuwandten und uns in der einfachen, aber sehr sauberen Stube Platz anboten. Nachbarn stiessen hinzu und nach etwa einer halben Stunde traf auch das Oberhaupt der Familie ein. Er versuchte nun sogleich mit mir ins Gespräch zu kommen.

Es ergab sich eine Unterhaltung in Form von einzelnen Wörtern, herausgelesen aus dem Wörterbuch, vielen Missverständnissen, Gelächter. Dazu servierte uns die Mutter Tee und die Kinder boten uns Süssigkeiten an. Diese Freude der Familie, dieser Stolz des Vaters, diese 2 Stunden in einer türkischen Familie gleich zu Ferienbeginn, sie machten uns neugierig und zugleich mutig genug, dieses Land und dessen Einwohner ausserhalb der schützenden Hotelanlagen kennenlernen zu wollen.

Denn zugleich erlebten wir im Hotel etwas eher Erschreckendes: Den Tourismus, der bestimmt, wie der Türke oder die Türkei zu sein hat. Dazu eine kleine Anekdote: Am ersten Abend gabs hervorragende Lammkoteletts mit Reis, Gemüse und überschwänglichem Dessert zum Abendessen. Am folgenden Abend wurden uns hervorragende Lamm-Spiesse mit Zutaten serviert. Zweimal Lammfleisch hintereinander löste in unserer Reisegruppe grossen Protest aus. Ausser uns beiden beschlossen alle, abends auswärts zu essen. Die Kellner, der Koch und der Besitzer verstanden die Welt nicht mehr. Sie hatten ihre ersten Feriengäste verwöhnen wollen und nun sowas!!! Die restlichen Ferienabende verbrachten wir alleine auf der Felsterrasse, mit Blick hinunter aufs Meer, aufmerksam bedient, verwöhnt mit vierstöckigen Fruchtdesserts, garniert mit ausgehöhlten Kürbissen und Kerzen. Traumhaft! Zwei Tage später war die Schweizergruppe von Durchfall geplagt....... Irgendwo muss das Essen nicht so perfekt gewesen sein............

Wir zogen nach einer Woche weiter. Alle Türken rieten uns, nach Kemer, nach Bodrum, nach Izmir zu gehen, dort sei was los, gäbe es Luxushotels und viele Touristen. Die gutgemeinten Ratschläge bewogen uns, den Weg nach Osten einzuschlagen. Über Alanya, damals ein kleines Nest mit vielleicht 4000 Einwohnern und ganz wenigen Hotels, gelangten wir nach einer, für uns abenteuerlichen Fahrt, nach Anamur. Dieser Ort liegt 250 km östlich von Antalya. Du findest ihn auf der Karte genau vis à vis Zypern.



Wochenmarkt in Anamur


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Kommentare

  • trollbaby

    Ein sehr interessanter und faszinierender Bericht! Faszinierend deswegen, dass ein Urlaub in einem fremden Land so viel bewirken kann, dass man tatsächlich dorthin auswandert. Einen Urlaub wo verbringen ist ja immerhin doch noch etwas anderes, als dann tatsächlich dort zu leben. Aber Ihr scheint Euer Paradies wirklich gefunden zu haben!
    Du hinterfragst, wie wir in Europa wohl die bei uns lebenden Türken behandeln. Dazu gibst Du am Ende des Berichtes doch auch gleich eine Antwort. "Bei allem waren wir uns bewusst, dass wir Gäste sind in diesem Land, dass wir uns entsprechend zu verhalten haben und es uns nicht zusteht, alles nach unserem Geschmack umzukrempeln." Das sollten sich, meiner Meinung nach, viele der hier lebenden Türken als Leitsatz nehmen, dann gäbe es weit weniger Probleme!
    LG Susi

  • u18y9s26

    Herzlichen Dank für diesen hervorragenden Bericht der das Thema Integration aus ungewöhnlicher Sicht greifbar und verständlich rüberbringt. Ich wünsche euch noch lange glückliche Zeiten in eurer neuen Heimat.
    LG Ursula

  • Pana53

    Auch eine Erfahrung die wir machten, sich Loslösen vom Tourismus, eigene Wege gehen, Land und Leute kennenlernen. Die reichliche und abwechslungsreiche türkische Küche genießen, auch im Hotel. Sich abnabeln vom Reisebegleiter, ist eh alles mindens vier Mal so teuer was der empfiehlt. Eine Fahrt mit einem Dolmusch ist viel interessanter und dann noch von einer Familie eingeladen zu werden um einen schmackhaften Cay zu genießen. Alles ist möglich . . . herrlich! LG Frank

  • Pana53

    Zusätzlich möchte hier aufgreifen, dass das Thema Integration sehr von jedem Einzelnen anzufassen ist.

  • walteranamur

    Hallo Frank
    Zweifellos ist der Schritt auf eigene Faust aus der eingezaeunten Aİ-Anlage oft der Schlüssel zu einmaligen Erlebissen. İch finde, Urlaub in Resorts kann durchaus positiv sein, doch irgendwann waere auch Neugier für Land und Leute angesagt. Ansonsten war man nicht in der ürkei, sondern in einem Resort wie es genauso auf Tunesien, Aegypten, Mallorca zu finden ist, austauschbar eben...

  • walteranamur

    Hallo Susi

    Danke für deine Meinung. Dazu möchte ich noch was anfügen. Vor allem in der ersten Zeit in der Türkei war es schon beeindruckend, wie gross die Neugier der Türken auf "die Neuen" war, vor allem aber, wieviel Zeit sie verschenken konnten, um eine mit uns zu radebrechen, in Wörterbüchern nachzuschauen usw. usw.
    Diese ehrliche Neugier war ein ganz entscheidender Grund für uns, so schnell wie möglich sprachlich weiter zu kommen. Das hiess Vokabeln und Saetze büffeln.
    Ob wir das ohne dieses offene Entgegenkommen auch so engagiert gemacht haetten?

  • Zaubernuss

    Beim Lesen Deines sehr persönlichen Reiseberichts, der auch Lebensbericht zu sein scheint, erfahre ich viel über die Menschen in der Türkei, wie sie leben, wie sie untereinander verbunden sind, wie sie mit fast kindlicher Neugier auf alles Fremde zugehen. Aus Deinen Schilderungen spricht grosse Liebe zum Land und Respekt zu seinen Bewohnern. Ich empfinde Deine Art, auf Menschen zuzugehen als grosse Bereicherung. Unter den vielen Reiseberichten wird bei Dir der Erfolg einer gelungenen Reise nicht an aufregenden Tagesetappen, wichtigen Orten und Sensationen gemessen, sondern an Gastfreundschaft und Verständnis für eine uns fremde Kultur. Danke und liebe Grüsse: Ursula

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  • walteranamur

    Danke für deine Gedanken, Ursula. Nun, es gibt ja auch in Europa ein Zitat, welches sehr oft verwendet wird. "Wir sind nur auf einen kurzen Besuch auf dieser Welt". Er beinhaltet natürlich dieses "Gastsein". Wenn wir dies bereits in Bezug auf das Leben in unserem Heimatland anwenden, wieviel mehr müssen wir es dann im Zusammenhang mit den fremden Laendern und ihren Einwohnern ganz nach vorne stellen?
    Gastsien heisst nicht zwingend, alles schlucken. Es gibt durchaus Bereiche, bei denen ich mich vehement wehre oder auch kritsiere.
    Das hat aber weniger mit "Land und Leute" zu tun, als vielmehr mit dem, was wir Bür0okratie oder Verwaltung nennen. Denn auch diese funktioniert auf der ganzen Welt nach teilweise sehr aehnlichen Mustern. Dies zu trennen und nicht zu verallgemeinern, scheint mir sehr wichtig.

  • ingepeter (RP)

    Hallo Walter, aus jeder Zeile spürt man, dass Du dieses Land liebst. Deine ersten Schritte dort erinnern mich an meinen ersten Türkeibesuch (wir korrespondierten darüber). wir waren in Gökova - nordwestlich von dem Zielflughafen Dalaman. Eine landschaftlich schöne Region und damals bevorzugt von wohlhabene Türken für einen Urlaubsaufenthalt. Es gab wenig Hotels, viele private Ferienhäuser eigentlich wenig internationalen Tourismus. Unglaublich schön für uns. Wir lernten die Menschen, die dort entweder lebten und arbeiteten oder ihren Urlaub verbrachten,durch diese Gastfreundschaft, die Du beschreibst kennen. Eine für uns unvergessliche Zeit.
    Jeder, der Deinen Bericht liest, wird über Integration der Türken in Mitteleuropa nachdenken mit welchen Ergebnis auch immer.
    Deine/Eure Leidenschaft zu dieser Region wird uns hier noch viele wunderschöne Impressionen bieten - danke für einen nachdenkenswerten Bericht Gruss Inge

  • WildCampen

    Hallo! Ich habe mal einen Bericht zum Thema Wild Zelten in Zypern erstellt. In diesem Land waren wir 2 Wochen am Wild Zelten. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr ihn euch mal ansehen würdet. Es ist mein erster Bericht also bin ich auch für Tipps immer offen. Einige Tipps über das Reisen in Zypern habe ich natürlich auch hinzugefügt! Es gibt übrigens auch jedemenge Fotos von der Zypern -Reise zu sehen. http://wild-campen.de

  • Elaira

    Merhaba und danke für deinen faszinierenden Bericht - es ist unglaublich, wie sehr eine Reise das Leben doch verändern kann!
    Ich kann deine Begeisterung für die Türkei nachvollziehen, auch mir geht es bei diesem vielschichtigen Land so ähnlich. Meine allerersten Reiseerinnerungen habe ich an Edremit - es war 1986 und ich war mit meinen Eltern zum ersten Mal im Ausland auf Urlaub. Ich erinnere mich wie du an unvoreingenommene, neuierige und äußerst hilfsbereite Menschen und ein Land voller Abwechslung und mit einem eigenen, ruhigeren Lebensrythmus.
    Seither kehre ich in regelmäßigen Abständen immer wieder in die Türkei zurück - wie ein Jojo werde ich von diesem Land immer wieder angezogen .
    Ich finde es sehr mutig von dir, dass du den Schritt der Auswanderung gewagt hast und dein Paradies gefunden hast!
    çok selamlar Tamara

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