Motorrollertour Frankreich - Alpes de Haute Provence

Reisebericht

Motorrollertour Frankreich - Alpes de Haute Provence

Reisebericht: Motorrollertour Frankreich - Alpes de Haute Provence

Oliven, Wein und Lavendel prägen auf unserem gemeinsamen Weg das Landschaftsbild. In hübschen, oft etwas verschlafen wirkenden Orten laden die Terrassen kleiner Bars zur Kaffeepause ein - Impressionen einer Motorrollertour durch die "Alpes de Haute Provence"

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Hohe Berge und die Gorges de Daluis

Col de la Cayolle

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Schon im Ort Barcelonnette weisen Schilder auf die umliegenden Pässe hin. Es ist daher nicht sehr schwer auf die D902 in Richtung Col d'Allos (2.247m) zu gelangen. Nach etwa 2 Km zweigt die Zufahrt zum Allos ab und beginnt am Hang entlang Höhe zu gewinnen. Zunächst ist die Straße noch relativ breit, Autos sind selten. Wir überqueren ein kleines Viadukt und das Asphaltband zwischen Kiefern, Büschen und Felsen verengt sich allmählich auf wenige Meter. Unverhofft biegt die kleine Straße rechts ab und eröffnet den Blick ins Seitental von Malune, welches vom hellen Felsen des 2.900m hohen Grand Séolane überragt wird. Nach der Umkurvung des ausladenden Seitentals bietet sich uns ein fantastischer Blick auf den gegenüberliegenden tiefen Einschnitt der „Gorges du Bachelard“ (Bachelard-Tal). Das Sträßchen zum Allos klettert noch ein wenig weiter den Hang hinauf und der dünner werdende Baumbestand bestätigt: weit kann es nicht mehr sein! Und dann haben wir sie erreicht - die grüne Passhöhe mit ihren ein oder zwei Fress- bzw. Souvenirbuden.
Nach wenigen Kilometern und einigen weiteren engen Kehren erreichen wir La Foux, einen idyllischen kleinen Weiler mit Kirche und einigen Häusern. Hinter der nächsten Kurve bekommen wir dann das totale Kontrastprogramm geboten: La Foux d'Allos, ein Retortenort aus Betonbunkern, einer hässlicher als der andere. Verstärkt wird dieser Eindruck leider noch durch die zahlreichen Liftanlagen, die sich über die Hänge ziehen.
Über die Örtchen Colmars und Thorame-Haute schwingen wir uns, immer am Fluss Verdon entlang, über die z.T. recht schmale D 908 zum Col de la Colle-Saint-Michel (1.431m) hinauf. Charakteristisch für den Pass sind seine üppigen Almwiesen und Schluchten aus Kalkgestein. Wir durchfahren das Vaire-Tal mit seinem Kontrast zwischen bewaldeten Berghängen und kahlen Felsen.
Mein Tipp: Unbedingt einen Abstecher zum Bergdorf Méailles, am Rande eines imposanten Kalkfelsens über dem linken Ufer der Vaire gelegen, machen. Von der Hauptstrasse führt ein winziges Sträßchen über 4 Kehren zunächst hinunter zum Talboden, windet sich dann zum Dörfchen hinauf und führt anschließend über weitere 9 Kehren an der Westflanke des Tales wieder zur D 908.
Kurz hinter Annot - der Ort ist zwar keine Touristenattraktion, aber der alte Ortskern ist dennoch sehenswert - biegen wir auf die D 2202 nach Daluis ab. Das Tal der Var bildet zwischen Daluis und Guillaumes einen tief eingeschnittenen Canyon - die Schlucht „Gorges de Daluis“
Der Streckenverlauf auf der knapp 12 Kilometer langen, teilweise auf überhängenden Trassen verlaufenden Route durch die Gorges de Daluis, ist schlichtweg atemberaubend. Die Tiefe der Schlucht, die Höhe der Bergkuppen rings herum sowie der Blick auf schwindelerregende Serpentinen geben reichlich Adrenalinstösse. Besonders jetzt, in den späten Nachmittagsstunden, wenn das Sonnenlicht schräg einfällt, ist das intensive Dunkelrot des Schiefers, gepaart mit einigen grünen Farbtupfern, von bezaubernder Schönheit. Dazu der strahlend blaue Himmel der Provence und immer wieder herrliche und tiefe Blicke entlang der fast senkrecht abfallenden Felswände in die Schlucht. Spätestens jetzt wissen wir, warum wir nach Südfrankreich wollten.
Von Guillaumes geht es zunächst das immer enger werdende Tal der Var hinauf bis nach Entraunes, einem eher unscheinbaren Örtchen. Nach wenigen Kilometern durchfahren wir den 230 Meter langen, unbeleuchteten „Tunnel de Bramus“. Hoffentlich kommt jetzt kein Radler entgegengeschossen! Kurz darauf folgen die ersten Serpentinen. Im Anschluss schlängelt sich die Straße am Hang entlang oberhalb des mittlerweile recht tief eingeschnittenen Tals weiter empor. Zwei kurze Tunnel, eine Brücke und einige weitere Serpentinen lockern den weiteren Anstieg auf, bis wir schließlich Estenc erreicht. Weiter geht es durch ein traumhaft idyllisches Hochtal mit blühenden Wiesen, eingerahmt von Nadelwald und einem Ring aus Felsen. Glücklicherweise begegnen wir so gut wie keinem Auto, denn bei der Kulisse fällt uns schwer, den Blick auf das schmale Asphaltband vor uns zu lenken. Am Ende des Hochtals, als die blühenden Wiesen hinter uns zurückbleiben, stellt sich unweigerlich die Frage, wie denn eigentlich die Straße aus diesem Felsenkessel herauskommen will. Die Antwort folgt nach einer Linkskehre und der Durchfahrt durch mehrere kleine Tunnel. Mit der Aussicht auf die letzten zwei- oder dreihundert serpentinenartigen Höhenmeter geht es nun hart am Abgrund entlang bis zur eher unscheinbaren Passhöhe des Col de la Cayolle (2.326 m). Die Passhöhe bietet lediglich einen kleinen Richtungsstein und einen Parkplatz.
Der Weg nach unten kommt weniger knackig daher als die Auffahrt über die Südrampe. Die Straße schlängelt sich auf vielen Kehren und Kurven gemächlich durch die Bergwelt. Die Straßenbreite schrumpft jedoch gelegentlich für mehrere Kilometer auf nur eine Fahrspur zusammen An der rechten Seite reicht dann die oft senkrechte Felswand bis an die Straße, auf der linken Seite schützt uns nur eine winzige Mauer oder eine Leitplanke vor dem Abgrund. Mehrere Male unterfahren wir imposante, Respekt einflössende Felsüberhänge. Schließlich weitet sich die Schlucht wieder; die letzten Kilometer bis ins Tal werden von langen Geraden dominiert und die Zivilisation rückt merklich näher, bis wir in Barcelonnette schließlich das Ende der Abfahrt erreicht haben. Tourlänge 330 km



Gorges de Daluis



Marché et la ville de Sisteron

Es ist schwül geworden; das Thermometer zeigt 36 Grad. Ein Ruhetag angesagt. Gelegenheit für mich, den Markt in Laragne-Monteglin zu besuchen. Den sollte man sich nicht entgehen lassen. Das bunte Treiben zieht sich über viele Plätze und durch einige Gassen der Altstadt. Es gibt von allem etwas, viele Dinge des täglichen Gebrauchs, aber auch reichlich von dem, was man nicht braucht.
Gegen Mittag statte ich noch dem Städtchen Sisteron, der „Pforte zur Provence“, einen Besuch ab. Eine der Hauptattraktionen der Stadt ist die Zitadelle. Von dort hat man einen phantastischen Blick auf die Stadt, die beiden Flüsse Durance und Buech sowie auf die umliegenden mächtigen Felsmassive. Unterhalb der Zitadelle liegt die Altstadt von Sisteron mit ihren engen Gassen und steilen Treppen. Schön sind die dreischiffige, dunkle Kathedrale und der Uhrturm mit provenzalischem Glockenkäfig. Vier Rundtürme sind übrig gebliebene Zeugen der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Tourlänge 120 km



Brücke von Sisteron



Abschlussrunde

Les Tourniquets

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Zum Ausklang unserer Reise machen wir noch einen Abstecher ins Hinterland von La Motte.
Über die Serpentinen “Les Tourniquets”, nur wenige km von La Motte du Caire entfernt, wedeln wir noch einmal durch eine grandiose Landschaft, wobei die Bitumenflicken der kleinen Nebenstrassen leider oftmals die akute Gefahr eines Bandscheibenvorfalls heraufbeschwören. Unterwegs kehren wir noch einmal in einem kleinen Dorf abseits aller Touristenpfade in einem urigen Restaurant ein und lassen uns das Tagesmenü schmecken: Salat mit Serranoschinken, gebratene Ente, Käse, Eis und einen starken, schwarzen Kaffee. Genuss mit allen Sinnen. Tourlänge 200 km



Durch die Gorges de la Nesque nach Avignon

Papstpalast in Avignon

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Alles geht einmal zu Ende. Mein Ziel heute wieder Avignon. Noch einmal genieße ich Kurven und Landschaft pur. Nebenstrassen führen mich durch eine fast menschenleere Gegend aus sanftgrünen Hügeln, alpiner Berglandschaft und rustikalen Natursteindörfchen - eine charmante Fahrt durch südfranzösische Lebensart und Kultur. Ich fahre über Sisteron durch das “Vallee du Jarbon”, erklimme so ganz nebenbei den Col de la Pigière (968m) und den Col de Macuègne (1.068m) und erreiche Montbrun-les-Bains. Die eng aneinander an einer Felswand errichteten Häuser erinnern an eine Orgel, deren Pfeifen sich gen Himmel recken. Noch ein Foto von dem schönen alten Thermalbad, dann durchfahre ich auch schon Sault. Der Ort liegt auf einem Felsvorsprung im Herzen des Plateau de Vaucluse, mitten im Lavendelland. Es ist die Zeit der „Fete de Lavende“. Leider sind schon alle Felder abgeerntet; sie verströmen aber immer noch ihren herben, intensiven Lavendelduft. Da es noch recht früh am Morgen ist, gehe ich nochmals auf Tour, schwinge durch die „Gorges de la Nesque“ hinunter in die Rhone-Ebene. Die Nesque, im Sommer nur ein kleines Bächlein, hat sich im Lauf der Zeit ein bis zu 300 m tiefes Tal gegraben. Die Schlucht liegt nicht weit südöstlich des Mont Ventoux (1.909m) und gilt neben diesem als landschaftlicher Höhepunkt der Region. Schöne, weiche Kurven ziehen sich entlang der Schlucht, der Asphalt ist griffig, die Landschaft hat einen herben Charme und immer wieder gibt es reizvolle Blicke auf den Mont Ventoux. Spektakulär sind auch die kurzen Naturtunnel, die glücklicherweise nicht allzu gefährlich sind. Wer mit dem Motorroller durch die Provence fährt und diese Straße nicht mitnimmt, hat etwas verpasst.
Am frühen Nachmittag erreiche ich Avignon. Zeit genug, mir noch die „Stadt der Päpste“ an der Rhône anzusehen. Die Altstadt mit ihren prächtigen, mittelalterlichen Häusern wird von dem wuchtigen, wehrhaften Papstpalast dominiert und ist von einer intakten, imposanten Befestigungsmauer umgeben. Sie zählt ebenso wie die berühmte steinerne Brücke Pont St. Bénézet zum UNESCO-Weltkulturerbe. Noch ein letztes Baguette gegessen, ein wehmütiger Blick zurück, dann geht es Verladeterminal des Autoreisezugs. Die Heimat ruft - ganz, ganz leise.



Lavendelfeld



Tourinfos

Reisezeit: 20.08.2010 - 29.08.2010
Klima: trocken, nicht zu heiß
Teilnehmer: Wolfram, Karl-Heinz, Günter (Günni), Ralf
Fahrzeuge: 1 Honda Silver Wing FJS 600, 1 Suzuki Burgman 650,
1 Honda Gold Wing, 1 BMW
Unterkunft/Essen: Motorradhotel “Maison Saint Georges” /
F-04250 La Motte du Caire, >>> http://www.st-schorsch.de/
Tourlänge: Tagestouren 150 - 330 km
Karten: Die Generalkarte Côte d'Azur/Provence 1:200 000,
Verlag MAIRDUMONT, ISBN: 3895252336; 6,50 €
Michelin Provence-Alpes-Cote d`Azur,
ISBN: 9782067148413, 6,99 €

Bilder: Weitere Bilder finden Sie auf meiner Homepage in der Rubrik Reiseberichte unter http://www.motorroller-info.de



Pont St. Bénézet


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