Kamerun - Afrika "en miniature" (Teil 4: Die Küste)

Reisebericht

Kamerun - Afrika "en miniature" (Teil 4: Die Küste)

Reisebericht: Kamerun - Afrika "en miniature" (Teil 4: Die Küste)

Im Schlussteil möchte ich den Leser mit dem Küstenstreifen am Golf von Guinea vertraut machen, der - zumindest im nördlichen Teil - stark durch den höchsten Berg Westafrikas, den Mt. Cameroon, geprägt wird. Unzweifelhaft einer der Höhepunkte der Reise ist der Besuch des Limbe Wildlife Centre in Limbe. Im Grenzgebiet zu Äquatorial-Guinea kommt es schließlich noch zu einer Begegnung mit Pygmäen.

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Ins Land der Plantagen

Noch tief beeindruckt von dem auf der Totenfeier in der Chefferie Bafut Erlebten treten wir am nächsten Morgen die Fahrt nach Süden an. 400 Kilometer stehen uns heute bevor und wir werden auch klimatisch voll gefordert werden, geht es doch aus dem relativ angenehmen Bergland 1500 Höhenmeter hinunter bis ans Meer, wo uns tropische Schwüle erwarten wird.

Ich habe mir vorgenommen, in den Ortschaften, die wir durchfahren werden, gezielt auf Motivsuche zu gehen. Das Objekt meiner Begierde: die Frisör-"Salons", die - wie es in Westafrika Brauch ist - ihre angebotenen Haarkreationen auf großformatigen Abbildungen auf den Ladenwänden anpreisen. So richte ich meinen Blick angestrengt nach vorn, um im rechten Moment "schussbereit" zu sein. Zwei-, dreimal gelingt es mir auch einigermaßen.



Herrensalon 1



Als wir dann in dem größeren Ort Dschang einen Tankstopp einlegen, habe ich das Glück des Tüchtigen. Direkt gegenüber der Tankstelle ein weiterer "Salon"! Mit dem Figaro, der vor der Tür auf Kundschaft wartet, wechsle ich ein paar Worte und er posiert willig - und ich denke auch ein wenig stolz - für ein Foto. Leider will mir auf der Weiterfahrt partout kein Damensalon vor die Linse geraten.



Mc Coiffeur (Herrensalon 4)



Einige Kilometer hinter dem Ort führt die Straße atemberaubend 700 Meter die Falaise de Foréké hinunter. Immer wieder liegen schwerbeladene LKWs am Straßenrand, denen bei der Bergfahrt die Puste ausgegangen ist. Kaum zu glauben, dass die Straße erst seit 2007 asphaltiert ist. Wie muss es hier wohl vorher zugegangen sein - besonders in der Regenzeit?!
Kurz nach meiner Rückkehr nach Deutschland lese ich im Internet, dass es hier mal wieder zu einem bösen Unfall mit Toten gekommen ist, als ein PKW mit 9 Personen überladen und zu schnell unterwegs war. Unser Fahrer Ahmadou hat sein Fahrzeug zum Glück gut im Griff und so kommt bei uns keine Angst auf.



Bananenplantage

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Auf der sog. "Deutschen Piste" durchfahren wir nun ein Hochplateau, das von Kaffeeplantagen eingenommen wird. Auf diesem Wege schafften schon die Deutschen ihre Kolonialwaren zum Hafen Douala. Weiter abwärts lösen Bananenplantagen zunehmend den Kaffee ab. (Über den Kaffee habe ich bereits in Teil 3 berichtet.)



Auf kleineren Plantagen wird Ananas angebaut. Diese herrliche Frucht hat mir nirgendwo besser geschmeckt als in Kamerun. Es gab sie fast täglich als Nachtisch, doch wurde man ihrer nie leid, da sie immer frisch, wunderbar saftig und von einer sehr angenehmen Süße war.



Ananasplantage



Ananas

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An Form und Stellung der Blätter lässt sich gut erkennen, dass die Ananas eine Bromelienart ist; doch im Gegensatz zu ihren Artverwandten ist sie kein Epiphyt, d.h. sie wächst nicht auf Wirtsbäumen, sondern wurzelt auf dem Boden.



Ananas

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Auch die Ananas ist ja ein Produkt, das Europa und die restliche Welt wie die Kartoffel, die Tomate, den Mais und den Kautschuk den spanischen Eroberern zu verdanken hat. Wer anders als Kolumbus könnte es gewesen sein, der als erster auf diese Frucht stieß. Es war im Jahre 1493 auf seiner zweiten Reise, als er die Insel Guadeloupe entdeckte. Dort - wie eigentlich im gesamten tropischen Bereich Mittel- und Südamerikas - war sie schon lange bekannt und wurde als Nahrungsmittel, sowie zur Weinherstellung und als Medikamant verwendet. Der Name "Ananas" leitet sich von dem Wort "naná" (= Frucht) in der Guarani-Sprache her. (Aus dieser Indio-Sprache stammen übrigens auch die Namen Piranha, Tapir, Maracuja, Maniok und Jaguar.)

Da die Ananas nicht lange haltbar ist, hatte man genau wie bei den Bananen lange Zeit das eine große Problem: Wie kann man verderbliche Waren auf einer langen Schiffsreise unbeschadet durch die feuchtheißen Tropen nach Europa oder in die USA transportieren? Das erste Kühlschiff der Welt, der französische Dampfer La Frigorifique, wurde ja erst 1874 in Dienst gestellt und überführte zwei Jahre später als erste Ladung Rindfleisch aus Argentinien in die Alte Welt. In Frankreich und England kultivierte man im 18. und 19. Jahrhundert die Ananas in Gewächshäusern.

Die ersten beiden deutschen Bananendampfer, "Pungo" und "Pionier", wurden im 1. Weltkrieg fertiggestellt und sollten das Kolonialprodukt aus Kamerun nach Hamburg und Bremen bringen. Sollten, denn sie mussten den Siegermächten übergeben werden.



Zurück zu meiner Fahrt durch das Plantagenland. Es liegt auf der Hand, dass für den Anbau von Kaffee, Bananen und Ananas sehr viele Arbeitskräfte benötigt werden. Insbesondere die Ernte geschieht bei all diesen Produkten von Hand. So verwundert es nicht, dass wir jetzt durch eine dichtbesiedelte Gegend fahren. Ein langgestrecktes Straßendorf folgt auf das andere. Willkommene Fotomotive bieten sie nicht gerade, wirken sie doch recht ärmlich und schmuddelig. Dazu trägt auch die nunmehr vorherrschende dunkelbraune Bodenfarbe bei sowie das Graubraun der Holzhütten. Auch die Menschen steuern kaum Farbe bei. Jeans und T-Shirts bestimmen jetzt das Bild. Welch ein Kontrast zu der Buntheit der Dörfer und Märkte im Norden des Landes!



Mt. Cameroon und Buea

Jeden Meter weiter abwärts wird es schwüler. Kurz vor Douala biegen wir von der "Deutschen Piste" ab und klettern langsam, aber stetig, wieder in die Höhe. Vor uns ein mächtiges Bergmassiv, dessen Spitzen in dichte Wolken eingehüllt sind. Wir fahren die SW-Flanke des Kamerunbergs hinauf. Mit 4095 m ist dieser noch tätige Vulkan die höchste Erhebung Westafrikas. Seinen Ausbrüchen verdankt das weite Umland seine Fruchtbarkeit.

Die Konstellation ist die gleiche wie in Java und Bali. Diese Inseln liegen äquatornah m Bereich der immerfeuchten Tropen und müssten aufgrund der Lage so unfruchtbar sein wie die Böden Sumatras oder Borneos (Kalimantan); doch eine Kette von Vulkanen sorgt noch immer für äußerst nährstoffreichen Nachschub aus den Tiefen des Erdmantels. Das tropische Klima tut durch die schnelle chemische Verwitterung der Lava und Asche das Seine, dass die Nährstoffe rasch zur Verfügung stehen. Nur aufgrund dieser Zusammenhänge konnten Java und Bali zu einer der am dichtesten besiedelten Regionen der Erde werden.

Mein Foto eines Lavabrockens am Hang des Kamerunbergs zeigt deutlich, wie das doch recht harte Gestein unter dem Einfluss von Wärme und Feuchtigkeit zerbröselt und zu mineralhaltigem Boden wird.



Lava-Verwitterung



Wie anders sind dagegen die Bedingungen in den inneren und wechselfeuchten Tropen ohne segensreiche vulkanische Aktivitäten! Meine Leser kennen sicherlich die gelblichen bis tiefroten Böden der Regenwälder und Savannen. Wer hat sie nicht schon in der Regenzeit verdammt, wenn sein Fahrzeug Mühe hatte, in der schmierig-seifigen Bodenmasse nicht stecken zu bleiben, oder in der Trockenzeit, wenn rote oder gelbe Staubschwaden durch jede kleine Ritze ins Fahrzeuginnere drangen...

Das sind die uralten Böden, die schon längst ihre Nährstoffe an die Vegetation abgegeben haben, innerhalb derer sie in einem ewigen,geschlossenen Kreislauf umgewälzt werden. Sobald die Bäume gerodet werden, gehen auch sie für immer verloren, denn eine Humusschicht bildet sich so gut wie nicht wegen der schnellen Zersetzung der organischen Substanzen.
Zur Veranschaulichung des Gesagten füge ich zwei Bilder typischer tropischer Bodenprofile an. Beide sind aus Kamerun. Auf der Roterde (Eisenoxid Hämatit) stand einst Regenwald (bei Edéa), das Foto mit dem gelblichen Profil (Eisenoxid Goethit) entstand südlich von Ngaoundéré, also in der Feuchtsavanne.



Roterde 1



So weit der kleine Exkurs in die Thematik der tropischen Böden. Zurück zum Kamerunberg. Direkt vor der Küste gelegen, trägt er auch zu einem besonderen Mikroklima bei. In seinem Vorfeld entwickelt sich ein Monsun, der dafür sorgt, dass seine nach Südwesten gelegenen Hänge mit 11.000 mm Jahresniederschlag zu den regenreichsten Gebieten der Erde zählen.

Bergenthusiasten unter meinen Lesern sei gesagt, dass - ähnlich wie auf den Kilimandscharo - begleitete Touren zur Besteigung angeboten werden (Bericht einer Besteigung unter www.merleundfriedemann.de). Wem das zu langsam geht, dem sei das seit 1973 jährlich im Januar/Februar stattfindende Mt. Cameroon Race of Hope empfohlen. Ich meine, dass es Zeit wird, dass mal ein Nicht-Kameruner dieses 26-Meilen-Rennen gewinnt!! Interessierte Teilnehmer mögen sich aber bitte vor Steine werfenden Affen in Acht nehmen! Dies ist kein Witz! Eine entsprechende Warnung wird im Internet ausgesprochen!

Berichte einer Besteigung findet man unter:
www.merleundfriedemann.de
"Bei den Göttern auf dem Dach Westafrikas", Reisebericht 289988 unseres Geo-RC-Mitglieds GeU-on-tour.



Das "Puttkammer-Schlösschen"



In 1000 m Höhe erreichen wir Buea. Dieser heute etwa 52.000 Einwohner zählende Ort wurde ab 1901 zum Sitz der deutschen Kolonialverwaltung ausgebaut. Hier oben ließ sich das tropische Klima leichter ertragen als in der Hafenstadt Douala. Auf den Gouverneur Jesko von Puttkammer geht der weiße Holzpalast zurück, der noch heute von der Höhe oberhalb der Stadt weit ins Land hinausblickt. Da er heute als Nebenresidenz des kamerunischen Staatspräsidenten dient, ist Anhalten und Fotografieren in weitem Umkreis stregstens verboten. Ahmadou legt für uns eine Extrarunde um einen Kreisverkehr in der Stadt ein, von dem aus sich wenigstens ein Bild aus dem fahrenden Bus machen lässt. Das Tele überbrückt die große Entfernung und lässt das sog. "Puttkammer-Schlösschen" noch eingermaßen gut erkennen.



Hier und da sieht man einigen Häusern noch deutlich ihre deutschen, kolonialzeitlichen Wurzeln an. Passenderweise steht vor einem sogar eine Mercedes-Limousine. Da es schon recht spät geworden ist, müssen wir auf einen Spaziergang durch die Stadt verzichten.



Kolonialarchitektur


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Kommentare

  • trollbaby

    Lieber Hartmut!
    Wie schön, dass Du den Bericht über Deine Kamerun-Reise doch fertig gestellt hast! Und was für ein Glück für Dich, dass Du von vorne herein ein paar Anschlusstage gebucht hast, so ist Dir diese nervenaufreibende Warterei am Flughafen entgangen, die Deine Mitreisenden erdulden mussten. Der Ausflug zu den Pygmäen behält sicher einen fahlen Beigeschmack, aber wenigstens war die Flussfahrt zu diesem Dorf sehr beeindruckend. Deine Fotos unterstreichen - wie schon in den vorangegangenen Berichten - perfekt Deine Erzählungen! Es war ein Vergnügen, mit Dir durch Kamerun "zu reisen"!
    LG Susi

  • mamaildi

    Da kann ich mich Susi nur anschließen: es war ein Vergnügen, mit dir durch Kamerun zu reisen - mit viel Interesse habe ich auch diesen letzten Teil gelesen und die schönen Bilder dazu genossen. Dein Erlebnis bei den Pygmäen zeigt, dass sich nicht immer alles den Erwartungen gemäß darstellt - aber wenn das so wäre, müsste man gar nicht mehr reisen. Solche verstörenden Wirklichkeiten trifft man mittlerweile in vielen Ecken des Planeten. Die Folgen einer zu rasanten Entwicklung in Richtung "Zivilisation"? Von Tourismus? Macht immer wieder nachdenklich! Danke für deine tiefgehenden Berichte!

  • tumtrah

    Liebe Susi, liebe Ildiko! Ich freue mich sehr, mit meinem Bericht Euren Geschmack getroffen zu haben. Ein solches feed-back spornt immer wieder an, die Mühe des Schreibens auf sich zu nehmen. Zum Glück ist es jedoch nicht nur Mühe, sondern auch sehr, sehr viel Spaß!
    Ich bedanke mich auch für Eure gute Benotung!
    LG Hartmut

  • Claus_Wagner

    Lieber Hartmut,
    heute habe ich Deinen letzten Teil der Kamerunreportage gelesen.
    Natürlich ließ sich auch dieser Teil sehr gut lesen und hat mir gut gefallen. Herausragend gefielen mir die Frisörsalonbilder und Dein Besuch bei den Pygmäen.
    Besonders der erhoffte Besuch in der Ursprünglichkeit hat tiefgreifende Dinge bei Dir ausgelöst. Es war interessant daran teilhaben zu können.
    Nun möchte ich noch ein paar Worte über den kompletten Bericht loswerden.
    Für mich war diese Reportage kein Kurzweilvergnügen. Nein, ich musste mich einlesen und Zeit dafür nehmen. Und so konnte bei einer besonderen Reise dabei sein.
    Ich habe die hervorragende Bebilderung, Deinen Schreibstil und die vielen sehr gut recherchierten Informationen genossen. Durch diesen Bericht habe ich in der Tat ein Stück Afrika kennengelernt.
    Dieses Werk verdient nur die ganze Punktzahl.
    Liebe Grüße
    Claus

  • tumtrah

    Lieber Claus,
    auf dein Urteil lege ich immer ganz besonderen Wert, weil ich das Gefühl habe, dass du mit besonderer Akribie an die Sache gehst. Wenn dir dann Inhalt in Wort und Bild sowie auch die Art und Weise des "Herüberbringens" zugesagt haben, erfüllt mich das mit Genugtuung. Meinen allerherzlichsten Dank dafür!
    Viele liebe Grüße!
    Hartmut

  • ingepeter (RP)

    Guten Abend Hartmut, lange habe ich gelesen und Deine Reise versucht geistig mit zu unternehmen. Du musst wahnsinnig viele Aufzeichnung gemacht haben, soviele Details!!!!
    Das Wechselbad Deiner Gefühle auf dieser Reise, Du hast es perfekt herüber gebracht.
    Schön, dass Du nach dem etwas faden Pygmäenbesuch noch eine lustige Begebenheit hattest. Ich applaudiere Dir virtuell zu einer tollen Reisebeschreibung Gruss Inge

  • tumtrah

    Hallo Inge, ich freue mich sehr über dein Kompliment. Hab ganz herzlichen Dank! So viele Aufzeichnungen, wie du glaubst, habe ich gar nicht gemacht. Pro Tag höchstens 2 Din A6-Seiten. Aber ich habe ein recht gutes Gedächtnis und wenn ich eine Reise intensiv erlebe, bleibt eben dementsprechend viel hängen. Natürlich recherchiere ich anschließend auch noch im Internet oder in Reiseführern.
    Wenn du Lust hast, kannst du hier in ein, zwei Tagen etwas über Äthiopien lesen.
    Viele liebe Grüße!
    Hartmut

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  • Viola3

    Vielen lieben Dank für die schöne Stunden, die ich beim Lesen und Staunen verbracht habe!:-).Was von eine Bericht! Wie schön die Bilder!
    Selber möchte ich im Dezember mit Brummi-Tours nach Kamerun . Nach der Lektüre freue ich mich noch mehr!
    Viele Grüsse
    Viola

  • tumtrah

    Liebe Viola, 3 Uhr 02! Da staune ich aber, dass du dich zu nachtschlafener Zeit noch ans Lesen meiner Kamerunberichte, ans Schreiben eines Kommentares und ans Bewerten von Fotos gemacht hast. Dafür sei dir ganz herzlich gedankt! Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen und Erlebnisse in diesem bunten Land. Vielleicht greifst du ja auch zur Feder. (So sagte man zumindest in der Vor-Computerzeit.)
    LG Hartmut

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