Reisebericht

Reisebericht: Cuba Teil 1

 
 
 
 
 
Reisebericht: Cuba Teil 1

Reise durch die sozialistische Zuckerinsel vor den Toren des Klassenfeindes

Inhalt:

- unterwegs in Havanna
- der Orchideengarten von Soroa
- Tabakbauern und Karstformationen
- die Badeinsel Cayo Levisa
- Cienfuegos und der botanische Garten Soledad


Mit luxuriösen Ressort-Hotels in unmittelbarer Nähe seiner unendlichen Strände aus feinem weißen Sand gilt Cuba als preisgünstiges Reiseziel für den europäischen Badetourismus, der direkt von den beiden internationalen Flughäfen der Insel in diese Exlaven verfrachtet wird und in denen der Cubaner selbst nur Zutritt erhält, wenn er dort arbeiten darf.

Wir wollten wissen, wie lebt der Cubaner in einem der letzten Reiche, die den Sowjetkommunismus praktizieren. Und so begaben wir uns auf eine Busreise kreuz und quer durch die größte mittelamerikanische Insel direkt vor der Haustür des Klassenfeindes.

Man sagt, dass auf Cuba nur noch die Spitzel funktionieren und perfekt indoktriniert wissen Sie, was der kritische Besucher benötigt, um die Wirklichkeit durch die rosa Brille zu sehen.

Dabei gelingt es dem Cubaner durchaus, das restriktive vom Mangel an fast allem geprägte politische System seines Heimatlandes auszutricksen: Er macht Musik, er singt und tanzt und er vergisst dabei, dass die Bausubstanz des Hauses, in dem er wohnt, dem nächsten Hurrikan nur noch vielleicht standhalten wird
Und er glaubt immer noch an den charismatischen Che Guevara, den Helden aus den Jugendtagen des mittelamerikanischen Sozialismus, der sich einst von Cuba und Castro abgewandt hatte, als sich die große Sowjetunion breit zu machen begann.


Durch die riesigen Panorama-Fenster des Hotels Habana-Libre demonstriert Cubas Hauptstadt weit unter mir seine Überlebensfähigkeit in Zeiten des Niederganges. Die Flachdächer der Großstadtleben signalisierenden Hochhäuser verweisen auf unübersehbare Spuren einer Existenz ganz am Rande der Errungenschaften des 21. Jahrhunderts.

Während die Sonne über der Bahia de la Habana und dem Estrecho de la Florida zu ihrem Tageswerk durchstartet, umhüllen die Straßenschluchten weiße Qualmwolken. Gegen das grassierende Dengue-Fieber kämpft die Stadtverwaltung mit chemischen Kanonen. Noch scheint zumindest das Gesundheitssystem zu funktionieren.

Im Foyer des Habana Libre, das sich nach seiner Erbauung nur für wenige Monate einem Dasein als eines der Flaggschiffe des Hilton-Konzernes in der Manier US-Amerikanischer Dekadenz erfreuen durfte, tummelt sich in unseren Tagen der Gruppen-Tourismus an historischer Stelle. Fidel Castro, der sich in diesem Hotel mit seiner Mannschaft einquartiert hatte, sollte hier als Opfer eines Giftanschlages, verabreicht in einem Milch-Shake der Zukunft erspart werden.

Der Anschlag misslang und Havanna beugte sich in sein Schicksal. Die Amerikaner gingen nach Hause. Ihre Autos ließen sie zurück. Dank eines jahrzehntelang andauernden Handelsembargos pflegten die Cubaner all die Buicks, Packards, Chryslers und Studebakers aus den 40iger und 50iger Jahren mehr oder weniger professionell bis in unsere Tage, so dass ihre chromblitzende Karosserie nicht nur die breite zum Meer führende Rampa, sondern die ganze Insel mit der so typischen Nostalgie versieht.

Nicht einmal Fidel Castro selbst konnte dem Charme des Symbols des Yankee-Imperialismus widerstehen und so durchstreifte auch er in seinen ersten Amtsjahren in einem luxuriösen Oldsmobile sein sozialistisches Reich.

El Cristo, eine riesige gegen den Willen einiger Kommunisten auf Staatskosten renovierte Christus-Statue überwacht vom Vorort Casablanca aus den Blick auf die fjordartig das Hinterland einschneidende Bucht und die gegenüber liegende Altstadt von Havanna, deren Wunden, entstanden durch den Zahn der Zeit, von hier aus dem Auge entgehen.

Der Bus bringt uns zurück in die Innenstadt. Nur bruchstückhaft gleiten all die Imponierbauten und Plätze des Molochs Havanna an den meist verspiegelten Fenstern vorüber. Wir erblicken breite Prachtstraßen, gewaltige Denkmäler, die Hafenfestung El Morro, die Kuppel des Capitols, das Flair einer Metropole, während wir über den Malacon, die weltbekannte Küstenpromenade fahren.

Das Ende des fünf Kilometer langen Malacon prägt das aus Stahl, Beton und Glas errichtete Bollwerk der US Interests Section, das sich seit 2006 mit einem imponierenden Flaggenwald umgibt. Ein Ausreise-Interview in diesem reichlich abgeschirmt sich entbietenden Gebäude zu erhaschen, gilt gleich für ganze Scharen fein gemachter Cubaner als Lebensmittelpunkt in einem Dasein im Niedergang kommunistischer Weltbetrachtung.

In Beton eingemeißelte Namenszüge prominenter Dichter und Denker suggerieren die ganze große Freiheit im Land am so nahe liegenden anderen Ende des Golfes von Mexico, der Cuba vom Fortschritt geographisch trennt.

Über ca. 800000 Gräber und 100000 Grabdenkmäler verfügt der Cementario Cristobal Colon, situiert zwischen dem Stadtteil Vedado, dem Vergnügungszentrum von Havanna und dem das regime repräsentierenden Platz der Revolution. Die Hintersinnigkeiten des cubanischen Humors sehen hier einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Auswüchsen des ehemaligen Rotlichtviertels und dem Entdecker Amerikas, dessen Namen die Totenstadt trägt.

Als in den Kirchenkatakomben kein Platz mehr war, hatte 1870 der junge Spanier Calixto de Loira die imposante Nekropole nach dem Motto entworfen: Der bleiche Tod hält überall Einzug, in den Hütten genauso wie in den Palästen und trennte die Plätze für die Toten dennoch nach ihrem sozialen Rang. Im frühen Alter von nur 32 Jahren fand er selbst hier seine letzte Ruhestätte.

Neben den Grabdenkmälern für die Zuckerbarone, umgeben von einem steinernen Wald aus griechischen Tempeln, Mausoleen in gotischer und neoklassizistischer Architektur imponiert heutzutage vor allem das Grab der 1911 verstorbenen jungen Mutter Amelia Goyre de la Hoz, die nach ihrer Exhumierung ihr neu geborenes Kind in den Armen hielt.

Bis heute pilgern Menschenmassen zu dem Ort ihrer letzten Ruhestätte, der für sie ein Symbol für die Ewigkeit unendlicher Liebe auch nach dem Ende des irdischen Daseins markiert. Grund genug für sie, Gedenkplatten an ihre eigene Gegenwart in dieser Welt nach ihrem Ableben in unmittelbarer Nähe hinzufügen zu lassen.

Der Havanna-Tourismus trifft sich am Eingang zur Altstadt, wo der cubanische Staat es geschafft hat, die an anderer Stelle reichlich marode Bausubstanz der spanischen Eroberer zu restaurieren. An der Plaza de las Armas dem Bus entstiegen, befinden wir uns gleich inmitten des kolonialen Havanna, das die UNESCO 1982 zum Weltkulturerbe erkor und das endlich als zu rettendes Objekt menschlicher Entfaltung entdeckt wurde, obwohl immer noch Jahr für Jahr bislang ausharrende Bausubstanz in großem Ausmaß in den vielen Nebenstraßen aufgrund ihres Alters und mangelnder Pflege der Wetterlage im Zentrum tropischer Stürme zum Opfer fallen.

Wie überall auf der Welt an Orten, wo sich Touristen treffen, tummeln sich auch auf der Plaza de las Armas Souvenirhändler, Kleinkünstler und Antiquare. Dabei ist ihre Gegenwart im sozialistischen Cuba, das keine freie Marktwirtschaft kennt, keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Zugelassen wurden sie, weil Raoul Castro, Bruder und Nachfolger des großen Fidel geradezu ein Faible entwickelt hat, den internationalen Tourismus nach Cuba zu locken und so übersieht die Macht des Staates großzügig die hier aufblühenden Keime der kapitalistischen Bourgeoisie.

Alte Bausubstanz umgeben von den Blüten der Tropen beflügelt die Fremden, das alte Havanna zu entdecken und durch eine hübsche Parkanlage dem ehemaligen Gouverneurspalast entgegen zu streben, dessen Fassade bereits hinter Bäumen hervorlugt und als Stadtmuseum besichtigt werden kann.

Eingeweiht wurde der Palacio de los Capitanes Generales im Jahr 1780. Für ihre Übersee-Gouverneure konzipierte hier das noch funktionierende spanische Weltreich ein Domizil, das mit barocker Pracht buhlte. Die repräsentativ ausgestatteten und mit originalen Einrichtungsgegenständen möblierten Räume vermitteln dem Besucher ein Bild davon, welchen Wert das Kolonialreich darauf legte, jederzeit darauf gerichtet zu sein, den König des Reiches zu empfangen. Der kam jedoch erst, als es mit dem spanischen Weltreich schon lange vorbei war. 1991 besuchte König Juan Carlos das sozialistische Cuba und den zum Stadtmuseum mutierten Palast der Gouverneure seiner machtvollen Vorgänger.

Bevor der Palast, durch dessen Räume heutzutage jeder spazieren darf, 1967 zum Museum wurde, richteten sich hier alle ein, die seit dem Ende des Kolonialreiches das Sagen innehatten. Im Gouverneurspalast residierte die US-amerikanische Besatzungsmacht, anschließend bis 1920 der jeweilige Präsident und bis 1959 richtete sich hier die Stadtverwaltung ein.

Es ehrt die Vertreter der sozialistischen Revolution, dass sie das, was der entschiedene Klassenfeind einst nur für die Spitze einer bourgeoisen Elite errichtet hatte, erhält und pflegt und als Teil der Geschichte Cubas der Öffentlichkeit übereignet, auf dass sie so wie einst der mächtige Gouverneur eines europäischen Weltreiches, das angekommen war, Amerika zu erobern, in den schattigen Patio blickt, in dem eine Statue von Christoph Columbus an die Entdeckung der neuen Welt erinnert.

Reste der ersten Wasserversorgung der Stadt in unmittelbarer Nähe der Plaza des Armas veranschaulichen die technischen Fertigkeiten der Kolonialherren zu jenen Zeiten, als man des Besuchs des spanischen Königs entgegenharrte.

Entlang der in jüngster Zeit mit neuem Glanz versehenen altehrwürdigen Wohnhäuser, mit deren Errichtung das spanische Weltreich für seine nach Übersee abgeordneten Untertanen die Fremde zur Heimat mutieren ließ, schlendern wir zur Kathedrale von Havanna.

1777 fertig gestellt, erhielt das barocke Kirchengebäude, bei seiner Planung der heiligen Jungfrau gewidmet, erst 1793 den Status einer Kathedrale. Bis 1899 soll im wenig spektakulären düsteren Innenraum die Asche des Columbus eine Heimstatt gefunden haben und 1998 erlebte das nur ansatzweise gepflegte Gotteshaus mit dem Besuch des Papstes, der tausende Gläubige an diesen Ort führte, seinen wichtigsten Tag, während sich ansonsten sein jährliches Highlight darauf beschränkt, dass am Sylvestertag die Bürger von Havanna gegen die große Holzpforte schlagen, um sich Glück für das neue Jahr zu erwünschen.

Rund um den Kathedralen-Platz drängen sich die Fassaden restaurierter Paläste mit Alterspatina. Im Verlaufe des 18. Jahrhunderts begann man die Plazuela de la Cienaga, den kleinen Sumpfplatz, über den das Aquädukt der städtischen Wasserleitung verlief, mit dem Flair einer Metropole auszustatten und so vergewisserten sich hier der königliche Schatzmeister, ein wohlhabender Sklavenhändler und sogar im Jahr 1720 der Generalgouverneur am Puls der Zeit zu residieren, während die Gegenwart die Strenge der Fassaden ihrer historischen Gebäude mit den Tischen und Stühlen des Restaurants El Patio, die zum Verweilen einladen, zu mindern versteht.

Überall in den Seitenstraßen, die den Kathedralenplatz umgeben, schwebt der Geist des nie wirklich gegangenen US-amerikanischen Schriftstellers Ernest Hemingway, einem der Idole des 20. Jahrhunderts, der für den Genuss eines jeden der mit Alkohol versetzten Getränke, die er täglich zu konsumieren pflegte, seine Lieblings-Bar ausgewählt hatte und so trank er seinen Mojito in der Bodeguita des Medio und seinen Daiquiri im El Floridita.
In der Calle Obispo verleitet das Haus Nr. 117-119, erbaut im Jahr 1570 als ältestes von Havanna mit seinen dunkelbraun gebeizten Balkonen jeden Touristen zum Knipsen. Untergebracht ist hier das Zentrum für die Restaurierungsarbeiten der Stadt.

Ansonsten versucht sich Havanna in den schattigen Straßenschluchten als Konsumparadies für all jene, die über konvertible Pesos verfügen und so haben sich Designerläden und die Minigalerien der allmählich entstehenden Künstlerszene hier etabliert.

Ausländische Besucher und die Bürger Havannas schlendern einvernehmlich durch die Straßen, deren offene Läden ein Reiseführer aus den 1920iger Jahren als Hölle, voll von Diamanten und Panamahüten, Schildpatt und Stickarbeiten von den Kanarischen Inseln beschrieb. In den Fenstern der Cafes stapelten sich damals Schokolade und Mandelkuchen. Weinhändler hielten russischen Likör in kunstvoll bearbeiteten Flaschen bereit. Der Kampf, den immer noch real existierenden Sozialismus unauffällig zu überwinden, ist bemüht, einen verträglichen Abklatsch der nicht voll und ganz rühmlichen Vergangenheit zu reanimieren.

Aufwendig renoviert wurde das Hotel Ambos Mundos. Das ursprüngliche Stadthaus eines Grafen aus dem 18. Jahrhundert, diente eine Zeitlang Ernest Hemingway als Unterkunft. Sein hier als Mini-Museum der Nachwelt erhaltenes Zimmer, in dem er seinen Roman „Wem die Stunde schlägt“ verfasst hat, kann besichtigt werden.

Unser Reiseleiter zieht es vor, seine Schäfchen lieber mit dem vertraut zu machen, was Hemingway all zu gut schmeckte und lädt sie zur großen Vorstellungsrunde auf der Dachterrasse des Hotels ein.

Nachdem wir uns bei einem Mojito bekannt gemacht haben, blicken wir wie einst Hemingway von der Terrasse des Ambos Mundos über die Dächer von Alt-Havanna und auf die Hafeneinfahrt, durch die gerade das statistisch errechnete einzige Schiff eines jeden Tages gerade seinen Weg findet.

Musik und Tanz erleichtert den frustrierenden Alltag des Cubaners. Mittels der magischen Klänge der Trommeln erlebt er die tanzenden Götter seiner afrikanischen Wurzeln selbst in den emsigen Straßenschluchten von Alt-Havanna, die wieder vom Virus des Westens infiziert zu sein scheinen. Wir bestaunen eine schwarzafrikanische Performance vom Dach des Ambos Mundos aus.

Propere Schulkinder, gekleidet in einheitliche Uniformen, markieren Cubas Bildungswesen, das bewusst den sozialistischen Status des Gleichseins hervorhebt. Fröhlich begegnen sie ihrem Alltag, dort wo Havanna seine Grenzen der Bescheidenheit weg zu radieren im Begriff ist.

Befestigt durch ein Seil verrichten Fensterputzer nach Akrobatenart ihre Arbeit. Unfallverhütung auf cubanisch.

Die quirlige und gleichzeitig gemütliche Atmosphäre der ausschließlich Fußgängern zugänglichen Altstadt-Straßen hinter uns lassend, erreichen wir den Paseo de Marti mit dem Parque Central. Dort wo eine Statue des Nationalhelden Jose Marti für die Geschichte des unabhängigen Cubas steht, beginnt das Zentrum der Stadt.

Gänzlich unerwartetes Rebellentum vermittelt die mit Vehemenz ausgetragene Diskussionsrunde an dieser Stelle. Wie man uns erklärt, soll Ursache der hitzigen Auseinandersetzung indes nur ein anstehender bzw. bereits ausgetragener sportlicher Wettkampf von um Pokale konkurrierenden Sportvereinen sein.

Das altehrwürdige Hotel Inglaterra galt als eine der nobelsten Herbergen von Havanna und auch in unseren Tagen verheißen seine Fassaden mehr Luxus als diejenigen des Habana Libre.

In unmittelbarer Nähe erwartet das Gran Teatro aus dem Jahr 1838 mit seinen prunkvoll überkuppelten Türmchen seine Besucher als das größte Schauspielhaus Lateinamerikas. Regelmäßig ausgebucht sind seine Opernaufführungen.

Nur noch die Akademie der Wissenschaften und das geologische Museum residieren im prächtigen Capitolio. Als getreue Kopie seines Vorbildes in der Hauptstadt des auserkorenen Klassenfeindes im fernen Washington war das Capitolio seit 1929 Sitz der Regierungsinstanzen.

Wir verlassen den auch heute noch eleganten Prachtboulevard, entlang dessen sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts die reichsten Familien der Stadt eine Residenz errichteten, mit letzten Blicken auf strahlende Fassaden und auf die glänzende Karosserie nostalgischer Automobile und tauchen ein in den Moloch Havanna, der noch keinen Weg gefunden hat, seine immer noch vorhandene alte Bausubstanz zu erhalten.

Nur wenige Gehminuten von dem feinen Prachtboulevard entfernt, erreichen wir das Havanna, dem weder Battista, noch Fidel Castro je Aufmerksamkeit zu schenken gewillt waren. Vom Zahn der Zeit vegetieren die einstmals solide errichteten Häuser des Kolonialreiches vor sich hin. Mangels alternativer Möglichkeiten sind alle diese Ruinen bewohnt.

Dank privater Verbindungen unseres deutschen Reiseleiters finden wir Einlass in das Refugium einer Familie, die hier mehr schlecht als recht ihr Dasein fristet. Die Devisen, die gleichwohl ein deutsches Reiseunternehmen, wie dessen Kunden, die sich schämen, ungeniert in Privatsphäre einzudringen, hinterlassen, tragen dazu bei, allerlei Elektrogeräte anzuschaffen, die für den cubanischen Normalbürger als nur schwer zu beschaffender Luxus gelten.

Zum Haushalt gehören eine Frau, ihr Lebensgefährte und zwei erwachsene Kinder. Der Sohn hat gerade ein Informatik-Studium abgeschlossen, die Tochter besucht noch die Universität. Was das liierte Paar tut, bleibt im Dunkeln und so kommt nicht wirklich zu Tage, wovon die vier erwachsenen Menschen wirklich leben. Es bleibt die Vermutung, dass diejenigen die hier wohnen, zu jenen gehören, die Fidels bis heute nicht revidierten Leitspruch „Socialismo o muerte – Sozialismus oder Tod“ dogmatisiert in den vergangenen 80iger Jahren, zumindest ansatzweise zu torpedieren verstehen.

Nur wer in Cuba den Mechanismus des Schwarzmarktes beherrscht, nur wer Mittel und Wege findet, über harte Währungen zu verfügen, kann Waren erwerben, die jene ergänzen, welche im Rahmen staatlicher Zuteilung auf Bezugsschein das unmittelbare Überleben sichern. Und weil die Fähigkeiten des Menschen mit den Anforderungen, die das Leben ihm abverlangt, wachsen, entwickelt der Cubaner Möglichkeiten, nach dem zu greifen, was all die seit 1994 zugelassene freie Industrie und Bauernmärkte sowie Joint-Venture-Unternehmen mit westlichen Staaten in das Land bringen.
Bei der Bewältigung aller Herausforderungen helfen die Götter des Santeria-Glaubens. In jedem Haushalt cubanischer Bürger mit afrikanischen Wurzeln gibt es einen Altar für die Götter, die die Sklaven einst nach hier brachten und die sich zumindest äußerlich so gut als Protagonisten des Katholizismus tarnen lassen. Täglich versorgt mit frischen Opfergaben, halten sie ihre Hände über die Häupter ihrer Gläubigen auch noch in Zeiten, in denen sich die Kirchen längst geleert haben.

Auf dem Weg zum Rum-Museum erreichen wir die perfekt restaurierte Plaza de San Francisco, in deren Mitte der Löwenbrunnen dominiert.

Die Südseite des Platzes beherrscht als Bollwerk des Katholizismus, den die Spanier in die Karibik brachten, die Basilika de San Francisco de Asis aus dem Jahr 1739, für deren Besichtigung für uns keine Zeit verbleibt. Ein enger Zeitrahmen prägt auch diese organisierte Reise, die, wie ich am Ende resümieren werde, etwas zuviel das laissez-faire, unterstützt durch den Genuss mehrmals täglich verabreichter Rum-Cocktails zum Höhepunkt des Cuba-Aufenthaltes erhebt.

Der Produktion des aus Zuckerrohr hergestellten Rums, des hochprozentigen Schnapses, der Ausdruck des Lebensgefühles der gesamten Karibik ist, widmet sich das Rum-Museum. Galt doch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts der Rum in Anbetracht seiner wenig aufwendigen Herstellung und weil er im Halse brannte, als Gesöff für die Unterschicht – Erinnerungen werden wach an alkoholselige Seeleute – begann seinerzeit der Spanier Don Bacardi damit, ihn salonfähig zu machen, seinen Alkoholgehalt zu reduzieren, dem Zuckerrohr durch einen Holz-Kohle-Filter ein samtweiches Bouquet zu verpassen, ihm den Geschmack eines vornehmen Getränkes hinzuzufügen.

Mit seiner 1862 in Santiago de Cuba gegründeten Destillerie setzte Bacardi den Grundstein des bis heute andauernden Erfolges für die meistverkaufte Spirituosenmarke der Welt. Eng verbunden mit der Geschichte Cubas während der Zeit der amerikanischen Dekadenz, bevor Fidel Castro einen Staat nach sowjetischen Vorbild gründete, sind die Annalen des Firmenimperiums Bacardi, deren Inhaber 1960 entschädigungslos enteignet die Insel verließen. Bis heute streiten sich die gegenwärtigen Herren von Bacardi mit der Firma Pernod Ricard über das Patent für die Marke Havanna Club, die wir am Ende unseres Rundganges durch das ziemlich dunkle Museum in der dazu gehörenden Bar probieren können und die im angrenzenden Verkaufsraum für konvertible Pesos Touristen flaschenweise angeboten wird.

Vor dem Rum-Museum erleben wir Ausschnittsweise das ausgestorbene Hafenviertel von Havanna, in dem das Leben mangels Handelsaktivitäten ruht. Ein wenig Farbe für diesen Gott verlassenen Ort spendet nur der Anblick eines der wunderschönen alten Amischlitten, die überall wohin uns der Weg auch noch führen wird, darauf warten, das alte Cuba wieder aufzuwecken.

Geradezu einem Klischee für die Machtentfaltung im Schatten der großen Sowjetunion entspricht der weit und breit betonierte Platz der Revolution. Ihn umgeben die teilweise noch unter Battista, Castros dekadentem Vorgänger, errichteten in der schnörkellosen Architektur des 20. Jahrhunderts entworfenen Regierungsgebäude, zu denen auch der Sitz des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Cubas gehört.

Auffallend ist das riesige in Stein gehauene Portrait des charismatischen Revolutionshelden Che Guevara, der auch in Deutschland die Protestjugend von 1968 so inspirierte, an einem der schlichten Plattenbauten.

Die Mitte des Platzes prägt das gewaltige Denkmal für den eher ein Mann des Wortes als einer des Kampfes gewesenen Unabhängigkeitskämpfer Jose Marti, der lange vor der sozialistischen Revolution fiel, den Fidel Castro jedoch allenthalben in sein Pantheon der Helden des Staates übernommen hat.

Wir erleben den riesigen Aufmarschplatz, auf dem Fidel Castro Jahrzehnte lang seine berühmten acht Stunden-Ansprachen hielt am 30. April im Vorbereitungsfieber für den 1. Mai 2008, für den ein Erscheinen des seit mehr als einem Jahr aus der Öffentlichkeit krankheitsbedingt verbannten Fossil der fortdauernden Revolution in Aussicht gestellt ist.

Musiker haben sich in großer Zahl eingefunden, den siegreichen Kommunismus zu feiern und proben mit Verve ihr Können. Alle scheinen fröhlich bei der Arbeit zu sein und niemand scheint daran zu denken, dass auch die DDR im Jahr 1989 noch mit Enthusiasmus ihren 40. Jahrestag beging, bevor ihre Bürger das Licht ausschalteten, davon liefen und Honecker im Stich ließen. Da Cuba eine Insel ist und die Wassermassen eines Meeres es von rettenden Ufern trennt, vertrauen sie gegenwärtig noch zwangsweise Fidels etwas pragmatischerem Bruder Raoul, der damit begonnen zu haben scheint, den Regimefeind zu akzeptieren, selbst dann, wenn er wie ich die Aktionen mit einer auffälligen Kamera auf Film bannt, obwohl der Platz der Revolution, wie mir zugängliche Reiseliteratur vermittelt, grundsätzlich nicht abgelichtet werden darf.

Untergebracht im Weltstadt suggerierenden ehemaligen Präsidentenpalast, in dem Battista, der letzte Führer Cubas vor der politischen Wende, unterstützt durch die Übersee-Mafia die Staatsmacht in Händen hielt, ist das Revolutionsmuseum.

Das Foyer und das Treppenhaus, ausgestattet in weiß und gold wurde durch Tiffanys, New York gefertigt. Man vertritt die Ansicht, dass Ironie mit im Spiel war, gerade in den feierlichen Hallen, die sich die Führung des von Washington wohlwollend bedachten Regimes errichten ließ, die Geschichte der sozialistischen Republik anhand von Fotodokumenten der Allgemeinheit vorgeführt wird.

Und so spaziert der Besucher durch die Zimmerfluchten von Battistas Protzpalast um den Weg der tapferen Kämpen zu bestaunen, die im Verlauf der 50iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Weltbühne betreten hatten, Cuba vom Mief der US-amerikanischen Geldelite zu befreien und dem Volk das zurück zu geben, was ihm gebührt.

Gerechtigkeit und ein auskömmlichen Leben für den einfachen Arbeiter war ihr Ansinnen, dem von Dekadenz geprägten Cuba ein neues Gesicht zu verleihen. Dass die Rechnung nicht aufgegangen ist, belegen die Fotos der Helden der Revolution indes nicht. Sie zeigen nur verblichenes Heldentum, während dem Volk keine Zeit bleibt, hier zu lustwandeln und so sind die Touristen aus dem nach wie vor dekadenten Ausland nahezu unter sich, während die Cubaner damit beschäftigt sind, Wege aus der Mangelwirtschaft zu erfinden.

Bevor wir uns dem vornehmlich für Touristen aufbereiteten Cuba für die Dauer von zwei Wochen stellen, verlangt die Regie des Tages dem Außenbereich des Revolutionsmuseums unsere Aufwartung zu machen. Raketen, Flugzeuge und die in einem gläsernen Verschlag untergebrachte Yacht Granma, mit der Fidel Castro 1956 aus seinem mexicanischen Exil nach Cuba zurückkehrte beschreiben in der Manier der Sowjetära das revolutionäre Ambiente im Freilichtanteil des Museums. Eifrige Soldaten bewachen das Gelände und bestehen darauf, dass keiner der durchaus auch für jeden besoldeten Spitzel als völlig harmlos eingestuften älteren Touristen aus dem politisch nur für den Ausgleich der Mächte eintretenden Mitteleuropa auch ja seine Handtasche abgibt, bevor er sich den ausladenden Wunderwaffen nähert, auf dass er nicht auf die Idee kommt sie mitzunehmen.

Während unser Bus die Fahrt in den westlichen Teil der Insel beginnt, blicke ich auf die heute vom ganz entspannten Frühlingslicht der Sonne angestrahlte Küstenzone entlang des Malecons, Havannas Promenierzone. Während der Hurrikan-Saison im Herbst schlagen die Wellen des Golfes von Mexico, der Cuba von den USA, dem Sehnsuchtsland der meisten
Cubaner trennt, hier wieder bis über die Dächer der teilweise immer noch maroden Bausubstanz, die klimatisch bedingt oder auch mangels finanzieller Mittel nur teilweise restauriert werden kann.

Wir durchfahren den immer noch feinen Stadtteil Miramar mit seinen erstaunlich wohl erhaltenen Villen, die sich in die grüne und bunte Vielfalt der Pflanzen der Tropen einschmiegen und die Karibik jenseits von politischen Zwängen suggerieren. Meine Frage, wer hier lebt, will unsere linientreue cubanische Reisebegleiterin nicht wahrheitsgemäß beantworten und blockt ungeschickt ab. Glaubt man gängigen Publikationen, soll Fidel Castro sich ein tausendfaches Millionenvermögen angehäuft haben, was seiner Ideologie widersprechen würde. Wenn diese Aussage zutreffend wäre, würde sich erklären, wer Miramar genießt und so mag dieser Nobelvorort nicht nur den Ausländern vorbehalten sein, die das US-Handelsembargo zu umgehen wissen oder die über Führungspositionen in Konsulaten und Botschaften verfügen.

Ergänzt wird das feine Flair von Miramar durch die Imponierbauten großer Hotelanlagen, die besser gepflegt wirken, als das schmuddelige in die Jahre gekommene Habana Libre im Zentrum. An ihnen vorüber rollt unser Bus auf der Autobahn in westlicher Richtung.

Mangels wirtschaftlich nicht gegebener Motorisierungsmöglichkeiten für den Durchschnitts-Cubaner, geht es schnell voran auf der relativ gut ausgebauten Autopista, die die Hauptstadt mit der Provinz Pinar del Rio am westlichen Ende der Insel verbindet.

Nur hier und da einige LKWs, Busse, Militärfahrzeuge und die Mietwagen der Touristen teilen sich die grundsätzlich freie Fahrbahn mit unserem Bus, während wir durch Wiesen- und Weideland, ab und zu unterbrochen durch Dörfer dem Land des Tabaks inmitten der wildromantischen Sierra del Rosario mit ihren Karstformationen zustreben.

Ein Inszenario für ausländische Touristen ist der Ort Soroa, zu dem ein imposanter botanischer Garten inmitten tropischer Natur gehört. Unweit des Einganges erwartet hier ein Open-Air-Restaurant seine mit konvertiblen Pesos zahlenden Gäste. Nachdem Fidel Castro in den vergangenen 90iger Jahren erkannte, dass der Pakt mit dem Teufel seinem Staat blanke Münze einbrachte, ordnete er an, Cuba für den internationalen Tourismus aufzubereiten und so erleben wir Soroa fein gemacht. Aufwendig gepflegt wird der sich über einen Bergabhang sich ausbreitende riesige garten, indem 700 Orchideenarten, von denen alleine 200 auf Cuba heimisch sind, die Aufwartung gemacht werden kann.

Wenngleich der Garten offiziell als Orchideario bezeichnet wird, bietet das kontinuierlich ansteigende Gelände natürlich viel mehr als nur Orchideen und so entbietet sich uns die ganze Vielfalt tropischer Pflanzenpracht.

Während wir all die Formen und Farben einer exotischen Welt bewundern, haben bereits die Legionen aggressiver Mücken ihre Startplätze verlassen und beginnen damit, auf der blanken Haut ihrer Opfer genussvolle Diners zu zelebrieren und so begleiten meine Aufnahmen von dem für unsere Reisegruppe bereit stehenden Trio Orquideario ihre mir bereits zugefügten Stiche. Den Genuss ihrer cubanisch caribischen Rhythmen beeinträchtigt der Gedanke an eine Infektion mit Dengue-Fieber, der allgegenwärtigen Plage dieser Region.

Unseren ebenfalls zu musikalischen Ergüssen animierten deutschen Reiseleiter stören die Mücken nicht und ich beschließe, ihnen ebenfalls ab sofort einfach die Aufmerksamkeit zu verweigern.

Zum mit tropischer Natur umhüllten Sightseeing- Feeling in Soroa gehört auch ein romantischer Wasserfall, zu erreichen auf einem in die Tiefe führenden Wanderweg.

Jahreszeitlich bedingt vor Einsetzen der Regenzeit fehlt dem Gebirgsbach das Wasser für den publikumswirksamen Auftritt. Und so verbleibt nur der Blick vom Mirador de Venus ganz nach unten, wo kühle suchende Einheimische ein Bad an der Stelle nehmen, wo das Wasser sich in ausreichender Menge gesammelt hat, ihren erhitzten Körpern die ersehnte Abkühlung zu bieten.

Hineingebettet in den tropischen Regenwald der Westküste Cubas ist die auf den ersten Blick nahezu elitär erscheinende Bungalow-Hotelanlage Villas de Soroa. Die passablen Außenanlagen vermitteln Wonnegefühle, in einem Hotel der gehobenen Klasse zu domizieren.

Auf den Boden der Tatsachen zurück bringt uns der Anblick des Inneren unseres Daches über dem Kopf. Klein und unkomfortabel ist der Zwei-Bett-Bungalow, der zum Trost gleich zwei Terrassen, eine vorne und eine hinten bereithält.

Durch intensiv bearbeitetes Kulturland führt unsere Tagesfahrt zu den Höhepunkten des westlichen Cubas. Exakt angelegten Bananenpflanzungen folgt weites Wiesenland, das als Weidefläche für Rinder dienen könnte, aber, und das ist nicht zu erkennen, auch brach liegen könnte, weil seine Bearbeitung im gegenwärtigen Produktionsplan übersehen wurde.

Pinkelpause für Touristen an einem properen Rastplatz. Die dicken Bäuche der Barrigona-Palmen erregen unsere Aufmerksamkeit. Wegen ihrer ausgeprägten Ausbuchtungen am Stamm, die an Frauen kurz vor der Geburt eines Kindes erinnern, bezeichnet der Volksmund sie auch als schwangere Palmen.

Wir durchfahren ein Dorf. Die allesamt ordentlichen Unterkünfte der cubanischen Landbevölkerung, die uns bei der Durchquerung der der Weltengemeinschaft so desperat entgegen stehenden vorletzten Bastion des Weltkommunismus, werden uns im Verlauf der kommenden zwei Wochen noch oft im Vorüberfahren begegnen.

Ordentlich bestellte Felder stellen die Notwendigkeit des Lebensmittelbezugs per Berechtigungskarte in Frage. Wo bleiben die Früchte des Feldes, fragt sich der Ketzer? Werden sie etwa ins Ausland verkauft um Devisen einzuhandeln?

Den rund reisenden Touristen verordnet die staatliche Reiseagentur perfektes Sightseeing an der Terrasse des Hotels Los Jazmines mit einem Blick auf die traumhafte Schönheit des Tales von Vinales mit seinen aus der Ebene steil herausragenden begrünten Kegelbergen, den bizarren Mogotes aus Kalkstein, deren Alter die Geologen auf 150 Millionen Jahre einschätzen.

Das Flachland zwischen den Felsgebilden dient als Anbaufläche für Cubas neben dem Zucker berühmtestes Produkt, dem Tabak, aus dem die Zigarre hergestellt wird.

Einer der Tabakbauern hat es irgendwie geschafft, vom staatlich verordneten Tourismus-Boom zu profitieren. Sein Anwesen, das den Eindruck von durchaus wohlhabendem Bauernland vermittelt, darf besichtigt werden.

Nur schwächlich recken sich kleine Tabakpflanzen der Sonne entgegen. Sie warten auf die in Kürze einsetzende Regenzeit. Wenn der Boden wieder mit reichlich Wasser versorgt wird, wird die magische Pflanze der indigenen Völker Mittelamerikas sprießen und ihre wundersamen Fähigkeiten entwickeln, die einst im 16. Jahrhundert der Jesuitenpater Bernabe Cobo in seiner Historia del Nuevo Mundo anmerkte.

Während wir die zum Trocknen dicht an dicht in einem malerischen Schuppen aufgehängten Blätter in Augenschein nehmen, gedenke ich als leidenschaftliche Weiterraucherin in Zeiten der Verdammung des Tabaks als legitimes Genussmittel dessen langer Geschichte. Als Gabe der Götter verehrten die in Mittelamerika ansässigen Urvölker den Rauch der verbrennenden Blätter, der sie in Trance versetzte und ihnen währenddessen den Kontakt mit ihnen und mit den Geistern ihrer Vorfahren ermöglicht haben soll.

Die bequemen Stühle auf der Terrasse des Tabakbauern warten auf den Raucher aus dem Lied „Fumando Espero“, der eine Zigarre genießend auf die schöne Frau seiner Sinne wartet –„ und gib mir den Rauch aus deinem Mund, den trunken machenden Rauch, der die Flamme der Liebe entfacht“.

Dass ausländische Touristen, herangekarrt in Bussen, selbst sein erstaunlich komfortables Wohnhaus heimsuchen, Blicke in seine Intimsphäre werfen, ist dem Tabakbauern, der sein Einkommen dank glücklicher Beziehungen zu Raouls Tourismus-Ministerium zu multiplizieren weiß, kein Problem. Wer in Cuba einen Weg findet, sein Dasein jenseits staatlicher Zuteilung einzurichten, ist ein stolzer Bürger. Hoch lebe die Revolution, die sich sogar hier und da ganz offiziell überlisten lässt.
Zu Fuß nähern wir uns den pittoresken Kegelbergen, die Cubas Westen, das Land des Tabaks kennzeichnen. Der Mai hat begonnen und so fehlen der Landschaft entlang der Straße die Tabakkulturen, die Ende Oktober ausgesät und zwischen Januar und März geerntet werden. Während der Sommermonate wachsen auf den Feldern Boniato, Malanga und Mais. Zwischen allen Wachstumszeiten kurz vor der Regenzeit entgehen uns jegliche landwirtschaftlichen Höhepunkte.

Unser Ziel ist die Mural de la Prehistorica, das Ziel unseres Reiseleiters indes der Ausschank eines von all den phantastischen Rum-Cocktails, die Cuba zu bieten hat – wir werden ihm später frönen.

Einstweilen nähern wir uns langsam dem grell bunt großflächig bemalten steil aufragenden Mogote Dos Hermanos, dessen künstlerische Bearbeitung Fidel bereits in den 60iger Jahren persönlich in Auftrag gab, um mit der Mural de la Prehistorica das sozialistische Dasein der Naturbevölkerung seines Inselreiches – woher auch immer seine Erkenntnisse stammten – zu vermitteln.

Alles was der Ehre und dem Segen des Comandante dient, wird gehegt und gepflegt, und so beweist auch der Einsatz des Teleobjektivs die Perfektion der Farben an der den Widrigkeiten der tropischen Wasserfluten ausgesetzten riesigen Felswand. Jahr für Jahr werden Kunststudenten damit beauftragt, an einem Seil befestigt, die Farben des patriotischen Kunstwerkes aufzufrischen.

In Sichtweite der bunten Felswand bereitet ein vom Tourismus partizipierender Einheimischer die beste Pina Colada weit und breit. Auf Kosten des Reiseveranstalters greift eine Gott lob ohne Ausnahme alkoholischen Genüssen nicht abgeneigte 17-köpfige Reisegesellschaft vergnüglich zu und schlürft die gut gekühlte Mixtur aus frischer Kokosnuss, gestampftem Eis und die Gemeinschaft beflügelndem weißen Rum mit Vergnügen..

Ein ganzes System malerischer Höhlen prägt das Tabakland mit seinen imposanten Felsformationen. Nur Ausschnittsweise ermöglicht ein einziger Reisetag die künstlerische Entfaltung der Natur, die mit Hilfe von Wind und Wasser den Kalkstein bearbeitet, kennen zu lernen und so nähern wir uns nur einer der weniger spektakulären der ihrigen, die dennoch

dem eiligen in ein enges Zeitschema gepressten Reisenden einen Hauch von tropischer Karstlandschaft zu bieten hat.

Am Ende der Höhle wartet auf unsere Gruppe das Mittagessen in einem Open-Air-Restaurant und so verbleibt keine Zeit, die mit einem üppig grünem Kleid bedeckten überhängenden Felsformationen ausreichend zu bewundern.

Kurz und leicht begehbar ist der Weg durch die Düsternis der Unterwelt, bevor der Wanderer das Tageslicht wieder erreicht.

Entlang der malerischen Landschaft aus mit Palmen und Bananenkulturen bepflanzten Ebenen, unterbrochen durch die typischen steil aufragenden Karstberge, nähern wir uns Vinales, dem beschaulichen Zentrum des Tabakanbaues, der Kleinstadt die mit kolonialen Häuserzeilen längst der Geheimtipp für den Individualtourismus geworden ist.

Während die meisten unserer kleinen Truppe im Gruppenreisen üblichen Schnellschritt die Hauptstraße entlang laufen, komme ich der freundlichen Einladung der Bewohner eines der hübschen Häuser nach, einen Blick in einen der privat geführten Paladores zu werfen und resummiere , dass kein Cuba-Tourist ein internationales Hotel benötigt um seine Nächte bequem zu verbringen.

In Vinales scheinen die Weisungen aus Havanna, den Tourismus als Einnahmequelle zu nutzen, tatsächlich eher Rettung als Ausverkauf zu verheißen. Jenseits der längst in der Küstennähe blanke Devisen einbringenden für die Inselbewohner verbotenen Badeparadiese vermischt sich hier erhaltene Bausubstanz im französisch-karibischen Stil aus vorsozialistischer Zeit mit dem Willen der Cubaner, selbst teilzuhaben am Plan, die schwärenden Wunden des Niederganges zu heilen.

Ein riesiges am Fahrbahnrand aufgestelltes Plakat mit dem Portrait des Che Guevara, des bis heute auch außerhalb der Grenzen Cubas unvergessenen Rebellen gegen die Thesen des Kapitalismus unterbricht unsere Fahrt durch die Sierra del Rosario, die sich teilweise als Nationalpark geschützt, den ursprünglich die gesamte Insel bedeckenden Tropenwald, die einstige undurchdringliche grüne Hölle bewahrt hat.

Man könne die ganze Insel im Schatten der Baumkronen durchwandern, ohne auch nur einmal einem Sonnenstrahl zu begegnen, vermerkte der Chronist der spanischen Eroberer, Bartolomee de las Casas in seinen Dokumentationen über die neue Welt.

Dem dichten Urwald folgen Kolonien von Königspalmen. Bis zu 40m Höhe kann der cubanische Nationalbaum erreichen. Vielfältig verwendbar sind alle seine Bestandteile angefangen mit den Wedeln und endend mit dem Holz der gewaltigen Stämme.

Wir erreichen die nordwestliche Küste. Zusammen mit einem kleinen Heer anderer Touristen warten wir geduldig auf die Abfahrt eines kleinen Schiffes, das uns zur der Küste vorgelagerten brettflachen Insel Cayo Levisa bringen wird.

Mit reichlicher Verspätung, weil der Schiffsmotor nicht in gang kommen wollte, legt das Boot schließlich ab. Die Sitzplätze sind rar gesät und so erlebe ich die kurze Seereise im Stehen und schwenke die Kamera auf die flache Felsküste, die ihre dientes de perro, Hundezähne bezeichneten Formationen, mit ausufernd gedeihenden Mangroven bedeckt.

Mitten durch die Mangrovensümpfe führt der Weg der auf der Insel Levisa angekommenen über einen nicht enden wollenen Holzsteg.

Cayo Levisa, eine von unendlich vielen Inseln, die Cubas Nordküste vorgelagert sind, verfügt über einen jener traumhaft schönen Badestrände, die Cubas Träume vom internationalen Tourismus wahr werden lassen. Jenseits der boomenden riesigen Ferienanlagen in Varadero mit seinem 20 km langen Sandstrand ist die kleine Insel Levisa ein Hort der Ruhe.

Schnell haben sich die Tagesausflügler auf Levisa verteilt, um für nur wenige Stunden den schönsten Sandstrand der Provinz Pinar del Rio zu genießen. In der grellen Sonne vermischt sich der weiß schimmernde karibische Korallenkalk, aus dem sich der Sand zusammen setzt, mit den zartblauen Tönen des Meeres zu einer Einheit, die, so könnte man meinen, gar all die Dogmen, die Kommunismus und Kapitalismus so entscheidend trennen, aufzuweichen im Stande ist.

Das Mittagessen unserer Reisegruppe in einem der beiden Strandrestaurants von Cayo Levisa begleitet der auf Cuba schier unvermeidliche Auftritt von Musikanten, die mit den Klängen, die der Seele Lateinamerikas schmeicheln, sich ein paar konvertible Pesos zu ergattern hoffen.

In den Mangroven-Sümpfen unterhalb des Holzsteges, der den Badegästen erlaubt, trockenen Fußes wieder das Schiff zu erreichen, bewegen sich die gepanzerten Glieder der hier heimischen Krabben nur wenig in der Hitze der Mittagszeit. Weil sich auch die Rückfahrt zum Festland reichlich verzögert, vertreiben wir uns die Zeit ihrem von Langsamkeit regierten Alltag Aufmerksamkeit zu schenken.

Durch das Hinterland der westlichen Nordküste führt der Weg zurück nach Havanna. Ganze Wälder aus Palmen, deren ausladende Wedel dem Hitze starrenden Land Schatten spenden, wechseln ab mit teils grüner und teils brauner Landschaft, die die Regenzeit erwartet, um wieder die Früchte der Felder heranwachsen zu lassen, der eine Bevölkerung mit streng limitierten Lebensmittelzuteilungen entgegenharrt.

Beschämt, aber auch verwundert über die Aufnahmeerlaubnis, lasse ich nur für einen Augenblick das entlarvende Auge der Kamera über die Ausstattung eines staatlichen Ladens schweifen, der nur gegen Zuteilungskarten seine bescheidenen Schätze herausgibt.

Irgendwo entlang der Route abseits der Autobahn, der wir zwei Tage vorher nach Westen gefolgt waren, hat unser Bus in einer der vielen Kleinstädte angehalten, in denen sich die Landbevölkerung in ihr Dasein eingerichtet hat. Auffallend hier wie anderswo ist die Sauberkeit, die dieses Drittweltland von all den anderen, die es so gibt, wohltuend unterscheidet.

Anrührendes Kleinunternehmertum propagiert den Willen der von caribischer Leichtigkeit erfüllten Menschen, sich die Alltagslage zu verbessern.

Weder das Dogma von Sozialismus oder Tod, noch der Traum von Miami, interessiert die noch heran wachsende nächste Generation. Jenseits aller Probleme der Erwachsenen genießen die Kleinen das tägliche Ende des bis in die Nachmittagsstunden andauernden Unterrichts.


Auf der Autopista national verlassen wir die Hauptstadt in südöstlicher Richtung. 1200 km lang, aber nur 30 bis 190 km breit ist Cuba. 310 km trennen uns vom heutigen Tagesziel, der zum Weltkulturerbe erhobenen Kolonialstadt Trinidad.

Viel zu schade ist es, die kleine Pause in der Finca Campesina am Rande der Autobahn nur zu einem Kaffee zu verbringen. Die ausschließlich für Besitzer von konvertiblen Pesos eingerichtete weitläufige Raststätte unterhält ihre Besucher mit einem kleinen Zoo.

Bestens vertraut mit der deutschen Sprache ist der Chef der Anlage, dessen dressiertes Meerschweinchen sich überlegen darf, wer von den es umringenden Touristen die bereit stehende Flasche Rum gewinnt, in dem er errät, welche Richtung es wählt.

Das Land, durch das unser Bus auf weitgehend leerer Fahrbahn schnell vorankommt, gilt als das landwirtschaftliche Herz der Insel. Zentral-Cuba bietet mit seinen sanft gewellten weiten Ebenen die idealen Voraussetzungen zum Anbau des Zuckerrohres, das anders als der Tabak, die Sonne und nicht den Schatten bevorzugt. Deshalb haben die Kolonialisten einst den nahezu die gesamte Insel bedeckenden Tropenwald so gründlich entsorgt, dass er sich um 1770 halbiert hat und dass 1959 nur noch 10 Prozent von ihm verblieben waren.

50 Jahre nach dem Sieg des Sozialismus über die Bourgeoisie ist in der falschen Jahreszeit nicht ohne weiteres überall erkennbar, ob das Zuckerland zum Nutzen des Volkes noch planmäßig kultiviert wird oder ob es mangels Arbeitsanreiz in Anbetracht zu geringer Entlohnung unbearbeitet bleibt.

Dass Cienfuegos als einer der wichtigsten Industrieorte Cubas gilt, lässt sein Zentrum nicht erwarten. Mediterranes Flair erfüllt den breiten Boulevard, an dem wir gerade den Bus verlassen haben, um die 2005 in die Liste des Welterbes der UNESCO aufgenommene Stadt, die auf eine Geschichte von weniger als 200 Jahre zurückblickt, kennen zu lernen.

Nicht nur die Industrieanlagen, die Cienfuegos umgeben, bleiben draußen, auch der sozialistischen Mangelwirtschaft scheint der Zutritt verwehrt. Perfekt renoviert und akribisch gepflegt, begrenzen die baulichen Hinterlassenschaften der 1819 aus Louisiana zugewanderten Siedler mit französischer Abstammung, an denen alle kriegerischen Auseinandersetzungen, die Cuba beutelten, vorüber gegangen sind.

Geschäftiges Leben und Treiben erfüllt die zur Fußgängerzone ausgebaute Avenida und so scheint es jedenfalls: diejenigen, die hier flanieren, sind keine Touristen, sondern die Einwohner einer erstaunlich wohlhabend wirkenden cubanischen Stadt, die zwischen Mangelwirtschaft und ansatzweise zugelassener Privatinitiative den Spagat erprobt und es versteht, sich die vielen Pforten öffnenden Pesos Convertibles zu beschaffen, die wie einstmals die D-MARK in der DDR in den Inter-Shop führen. Die cubanische Version des Inter-Shops, gefüllt mit all den Waren, die niemals zugeteilt werden, erwartet sodann auch einladend ihre Kunden.

Nicht annähernd die pralle Fülle mittelamerikanischer Märkte außerhalb von Cuba präsentiert die Markthalle von Cienfuegos, in der Bauern der Umgebung die Früchte ihrer Felder und Gärten, die sie in staatlich exakt vorgeschriebenem Maße privat verkaufen dürfen, wohl sortiert auf viel zu großen Tischen feilbieten.

Nur einem geringen Anteil der Bevölkerung Cubas ist es möglich, das was die staatlichen Läden, die nur gegen Lebensmittelkarte unabdingbar notwendiges abgeben, an Orten wie diesem zu erwerben. Dass es sie gibt, rechtfertigt die Anwesenheit der Kleinunternehmer, die offensichtlich zufrieden sind und wie es gemacht wird, fragt man natürlich nicht.

Neoklassizistische Prachtbauten, entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert als das fruchtbare Agrarland Zentral-Cubas die Plantagenbesitzer zu Zuckerbaronen erhob und in unermesslichem Reichtum schwelgen ließ, bilden die Kulisse rund um den Parque Marti .

Ein Musikpavillon inmitten des Platzes, der als einer der schönsten der ganzen Insel gilt, sorgt abends für einlullende Unterhaltung, wenn die Bürger der Stadt sich wie all die Flaneure vergangener Zeiten treffen, um nach Feierabend zu entspannen, zu tanzen und fröhlich zu sein.

Zu Ehren seines Vaters errichtete hier der Zuckermillionär Don Tomas Terry 1889 das noch heute seinen Namen tragende Theater, das 1895 mit einer weithin beachteten Aida-Aufführung eingeweiht wurde.

Die Statue des Begründers der dem Regime grundsätzlich verhassten Kapitalisten-Dynastie
steht immer noch im protzigen Vestibül dieses prunkvollen der Musik gewidmeten Palastes. Nicht nur mit Zuckerrohr, sondern hauptsächlich mit dem Verkauf wieder aufgepäppelter Sklaven, verdiente Terry seine Millionen, um lässig einen Teil davon erübrigen zu können, seiner Heimatstadt musikalischen Kunstgenuss vom feinsten zu bieten und das Auditorium mit kostbaren Edelhölzern auszustatten

Die Bretter, die die Welt bedeuten, animieren auch unseren von der Muse geküssten Reiseleiter der darstellenden Kunst wieder einmal zu huldigen.

Vorbei an zum Flanieren einladenden Arkaden, die den zentralen Platz umgeben, fährt der Bus zu den Teilen der Stadt, die sich an die gut geschützte Bahia de Cienfuegos anlehnen. Die einen natürlichen Hafen bildende Bucht, die nur über einen schmalen Durchgang mit dem Ozean verbunden ist, hatte 1494 Columbus auf seiner zweiten Reise in die neue Welt entdeckt. Jahrhunderte lang diente dieser Ort Piraten und Schmugglern als Unterschlupf.

2008 suggerieren Villen und Bungalows im sozialistischen Cuba ganz normales Karibik-Flair. Noch nicht durch riesige Hotel-Anlagen verbaut, umgibt sich die Küstenlandschaft um die Bahia de Cienfuegos mit dem Charme der Zeit, als sich auf Cuba das amerikanische Geldestablishment auszutoben pflegte.

Zu einem stilvollen Lunch besuchen wir den Palacio del Valle. 1913 hatte der spanische Superreiche Don Ciscle del Valle y Blanco das ursprünglich kreolische Landhaus für sage und schreibe 1,5 Millionen Dollar in einen maurischen Palast nach dem Vorbild der Alhambra seiner andalusischen Heimat ausbauen lassen.

Im Foyer des Schlosses empfängt uns Carmencita mit virtuoser Beherrschung des Pianos und einem publikumswirksamen Lächeln.

Stets perfekt herausgeputzt hält die schon etwas ältere Dame, seitdem der Palast 1990 unter der Führung des benachbarten Hotels Jagua zu einem teuren Restaurant umfunktioniert wurde, hier die Stellung als Teil einer perfekten Inszenierung des dekadenten Cuba für den internationalen Tourismus.

Wer im Palacio del Valle speist, hat Zutritt zu all den märchenhaften Räumen orientalischer Prachtentfaltung, die sich der spanische Aristokrat errichten ließ, die später der Bruder des Diktators Battista erwarb, um sie zu einem Spielcasino umzufunktionieren und die in sozialistischer Zeit nur noch als schlichte Hotelfachschule genutzt wurden.

Und so inspizieren wir ungeniert all die prächtigen Räumlichkeiten, für deren authentisch arabisches Flair del Valle im Jahr 1917 marrokanische Handwerker nach hier kommen ließ, um sie mit Bogenfenstern, Säulen und islamischen Arabesken auszustatten, auf dass sie ihm die maurischen Erinnerungen seiner andalusischen Heimat in die Karibik transferierten.

Von der Bar auf dem Flachdach des Hauses, die in der Mittagszeit ihrer Gäste noch entgegen harrt, schweift der Blick weit über die Bucht und eine bebaute Landspitze, die ich gerne erkunden möchte, aber nicht darf. Die Regie der Gruppenreise erfordert die Weiterfahrt.

Außerhalb des Zentrums durchfahren wir die Randgebiete von Cienfuegos. Saubere Wohnhäuser bestimmen auch hier die Szenerie der cubanischen Gegenwart. Warum schafft es ein Staat, zu dessen primären Werten Sauberkeit gehört, es nicht, auch eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen, in der alles was notwendig ist, problemlos erworben werden kann.

Weitaus mehr als 2000 Pflanzenarten versammelt der ca. 20 km südöstlich von Cienfuegos seine Besucher erwartende Jardin Botanico Soledad auf seinen rund 94 ha Fläche. Ein Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften demonstriert uns während eines viel zu kurzen Spazierganges durch die Anlage die interessantesten hier gedeihenden Bäume.

Begründet wurde der botanische Garten im Jahr 1901 durch den Plantagenbesitzer Atkins, der für seine Zuckerfabrik mit der Zucht besonders widerstandsfähiger Arten experimentierte. Seit 1919 und bis zur sozialistischen Revolution übernahm die Harvard-Universität die Führung und den Ausbau der Anlage zu einem botanischen Garten, der mit seinen mehr als 300 verschiedenen Palmenarten und seiner riesigen Anzahl aller möglichen Pflanzen der wärmeren Zonen auf kaum einer organisierten Rundreise als Programmpunkt fehlt.

Kurz vor dem Ausgang aus dem Garten ist sie wieder, die typisch cubanische tägliche Alkoholfalle und natürlich tapsen wir in sie hinein.

Bereits daran gewöhnt, mehrmals täglich einen Rumcocktail zu genießen, dessen hochprozentige Essenz zuverlässig vor Montezumas Rache schützt, versammeln wir uns vor der Theke, an der bereits die Gläser für die professionelle Zubereitung des Mojito bereitstehen und Sodawasser, Zitrone, Zucker und frische Minzeblätter sich mit der Kraft des weißen Rums gut gekühlt vermischen.

Begleitet wird die in der Hitze des Tages notwendige schöpferische Pause durch die hier wie überall bereit stehenden Musiker und natürlich durch unseren der Muse zugetanen Christian, den hart arbeitenden Reiseleiter aus Deutschland, der Mojito-geölt einen Lieblings-Song aus seiner Jugendzeit professionell zum besten gibt.







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Kommentare
  • wasserhexe (RP) 22.08.2010 | 15:57 Uhr

    Hallo Monika, ich habe Deinen Reisebericht seeeeehr aufmerksam gelesen !!!!
    Du bist offensichtlich geschichtlich nicht nur sehr interessiert, sondern auch sehr sattelfest ! Hut ab,... das habe ich nicht 'drauf. Aber auch Du bist eine mitteleuropäische Touristin, die mit den Augen und der Erziehung usw. unserer Welt nach Kuba gefahren ist. Ich weiß nicht welche Rolle Euer Reiseleiter gespielt hat, ich weiss nicht wie er
    "angehaucht" ist, ich weiss nicht welche Mitreisenden dabei waren... aber Ihr habt Kuba nicht wirklich erlebt, Ihr habt Teile von Kuba gesehen, genau wie wir auch. Wir 3 sind fast 4 Wochen durch Kuba-einmal rund um die Insel mit dem Auto gefahren, haben bis auf 2 Nächte bei Kubanern geschlafen, haben mit ihnen erzählt-sowohl mit"Linientreuen", als auch "Nichtlinientreuen" und nach dieser Reise maße ich mir noch viel weniger als vorher an über Land, Leute, Kultur.. herzuziehen! Gruss wasserhexe

  • schherb 21.12.2010 | 16:10 Uhr

    Also ich finde den Artikel gut und habe ich interessiert gelesen - auch wir haben Kuba in Eigenregie bereist (und ganz bewußt alles wie Varadero o.ä ausgelassen). Wir haben in Hotels gewohnt , aber auch in Paladares, haben in Hotels aber auch in Privatrestaurants gegessen. Sicher gibt dies mehr Einblick, aber keinen allumfassenden. Was ich ein wenig vermißt habe, sind mehr Bilder.
    Bei Interesse lest meinen reisebericht unter
    http://www.umdiewelt.de/Karibik/Kuba/Reisebericht-4208/Kapitel-0.html
    Danke
    LG Herbert

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