Wanderungen in der Einsamkeit

Reisebericht

Wanderungen in der Einsamkeit

Reisebericht: Wanderungen in der Einsamkeit

Eine Wandertour durch die Einsamkeit des Parc Naturel du Luberon im Frühjahr.
Wanderungen durch Schluchten, Ockerbrüche die Höhen des Luberon und noch im Winterschlaf befindliche Dörfer, abseits vom bevorstehende Rummel des Sommers.

Die Vorbereitung

Auf dem Weg in den Frühling

Keine Bildinformationen verfügbar

Alles begann im Winter 2008. Ich war sehr gestresst und etwas ausgebrannt. Da denkt man gleich an Ausstieg auf Zeit. Was liegt da nahe, es Hape gleich zu tun.
Aber der Jakobsweg war mir zu weit entfernt und die volle Distanz war auch zeitlich nicht drin. Aber wandern in der Einsamkeit, nur die Natur und ich, dass sollte es sein. Ob man Einsamkeit auf dem Jakobsweg noch findet, ist eh fraglich.
Was lag also nahe und wo hatte ich noch eine Vielzahl von Touren offen? Natürlich die Provence. Noch genauer, der Luberon. Das Ziel war also schnell ausgemacht. Wanderungen im Bereich des "goldenen Dreiecks", Gordes, Menerbes, Bonnieux.
Kenner sagen jetzt gleich, dass sind doch Touristenorte pur, wo soll denn da die Ruhe herkommen.
Aber mein Plan war ja so schnell wie möglich loszufahren. Im Winter und im frühen Frühjahr ist es dort ja absolut ruhig, fast schon ausgestorben.
Wanderrouten, Neue und Klassiker waren für gut eine Woche schnell gefunden.Wie sollte nun die Unterkunft sein. Der erste Plan, mit einer Rundtour und Übernachtung in Hotel auf der Rundtour hatte ich doch schnell verworfen. Leben aus dem Rucksack (also doch wie Hape) schreckten etwas ab. Wie sich später noch herrausstellte eine gute Entscheidung. Etwas Luxus sollte es doch schon sein. Man(n) gönnt sich sonst auch alles. Dann fiel die Wahl nicht schwer. Ich mailte mein Lieblings "Chambre de hotes" an. Die Eigentümer (ein nettes Ehepaar aus München) freuten sich über die Anfrage (etwa der 8 Besuche von mir in den letzten Jahren). Der Termin Mitte März war dann schnell gebucht und ich musste nur noch durchhalten. Aber mit den Reisevorbereitungen ging die Zeit schnell rum. Ich musste aktuelle Wanderkarten und ein neues Wanderbuch besorgen. Karten habe ich bei Geosmile im Internet bestellt. Optimal sind die Karten von IGN. Carte de Randonnée Nr. 3142 OT Cavallion und Nr. 3242 OT Apt Maßstab 1:25.000. Damit war mein Wandergebiet abgesteckt. An Büchern hatte ich mir den aktuelle Rother Führer über die Provence und den aktuellen Dumont aktiv über die Provence besorgt. Die meisten Touren fand ich jedoch im Führer von Dumont. Trotz der vielen Aufenthalte in den letzten 15 Jahren waren meine vorhandenen Karten und Führer veraltet.
Auch die übrige Ausrüstung musste noch ergänzt werden. Wanderschuhe (die falschen, habe die Touren etwas unterschätzt), Rucksack und Krimskrams. Hier haben wir mit Horizont ein tolles Geschäft in der Stadt.
Es konnte also los gehen, bzw. los fahren!
Eine Route, die ich fast schon im Schlaf kenne. Jeder Kilometer bringt mich meinem Paradies näher, leider ist es ratsam, sich an die 130 KM/h auf der Autobahn zu halten. Schneller, belastet nur die Urlaubskasse unnötig. Am Ziel kann man die Euro besser einsetzen.



Die Anreise

Der Ort der Ruhe und Entspannung

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Los ging es am 16.03.. Der Tag war trübe, aber nicht die Erwartung auf das kommende. Auf der Autobahn war nicht viel los und so ging es flott voran. Bei der ersten Rast wollte ich erste Hilfe leisten. Eine Dame sprach mich und bat mich ihr mit 10 € für eine Telefonkarte auszuhelfen. Rückzahlung wurde sofort zugesagt. Die Dame hatte angeblich am Morgen in Köln den Geldbeutel vergessen. Hätte mich stutzig machen müssen. Gab es denn keine Zahlstellen vorher? Dort hätte es doch schon auffallen müssen. Die Nummer die sie mit meinem Handy angerufen hatte war wohl auch getürkt. Natürlich warte ich noch bis heute auf meine 10 €. Aber ich habe es verschmerzt. Jeden Tag eine gute Tat!
Die Route ging über Metz, Nancy, Dijon, Lyon, Orange gen Süden.
Mit zunehmender Nähe zur Provence würde es wärmer. Wie ich es mir vorgstellte hatte. Die nächste Rast dann in Dijon-Brognon. Echt zu empfehlen, eine richtige Parkanlage. Ein Café und ein Croissant. Lecker, wie im Urlaub. Lyon ist schnell erreicht und die Entscheidung durch den Tunnel zu fahren war gut. Immer wieder die gleiche Frage. Durch den Tunnel oder übers Land. Immer wieder die gleiche Entscheidung. Ab durch den Tunnel und die Stadt. Zuerst über die Soane und dann nach dem Tunnel rechts. Vor dir liegt die Altstadt von Lyon. Eine Reise wert, aber man hat ja ein Ziel. Also wieder keine Zeit. Auch schon Tradition, nach dem Tunnel ändert sich das Wetter. Schiebedach auf und Frühling schnuppern.
Ab Valance blühen die Obstbäume. Wieder eine Rast und die Jacke bleibt im Auto und der Café wird auf der Terrasse eingenommen. Noch immer kaum Verkehr und ich komme meinem Ziel ruckzuck näher. Erstaunlich die Leistung der Franzosen, 800 KM Autobahn und fast keine Baustelle. Wie machen die das, die Franzosen. So etwas ist bei uns unvorstellbar.
Bei Orange teilt sich die Autobahn und es geht in Richtung Avignon, Marseille weiter. Die Abfahrt Avignon-Sud ist meine und es hat 20 Grad. Super! Der Mont Ventoux trohnt schon im Hintergrund und der Luberon ist auch schon in Sicht. Noch knappe 40 KM und das Ziel Goult im Luberon ist erreicht. Die Spannung steigt. Was hat sich alles verändert? Die Ankunft im "Le Buisson" ist wie immer über herzlich. Man fühlt sich gleich zu Hause, so als wenn man Freunde besucht. Die Natur ist aber noch im Winterschlaf. Lediglich die Obstbäume und einige Stäucher blühen schon. Das Zimmer über Küche ist hergerichtet. Den Kamin lasse ich heute aber noch aus. Mit mir sind nur noch ein weiteres Ehepaar (auch mehrfach Wiederholungstäter wie ich) zu Gast. Es ist Vorsaison und die übrigen 4 Zimmer sind noch leer. Herrliche Ruhe. Die Eigenümer haben schon für das Abendessen vorgesorgt. Es gibt eine kalte Platte mit frischem Salat, fromage de chevre und paté, dazu ein vin rouge aus der cave de Lumierès. Jetzt kann der Urlaub beginnen. Die Fahrt macht sich doch bemerkbar und um 22.00 Uhr ist das Licht aus. Morgen soll´s mit dem Wandern ja schon losgehen. Die Vermieter haben mir auch schon eine Eingewöhnungstour ausgesucht. Einfach ein toller, ganz persönlicher Service. Ich verschiebe also meine geplante Tour. Es sollte sich lohnen.
In der Nacht wird es kalt und morgen will ich zuerst noch joggen gehen. Die Fahrt muss aus den Knochen.



Für die kalten Abende



Der erste Tag -Eine Wanderung auf Hannibals Spuren nach Lioux?-

Hoffentlich hält der Stein

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Der Morgen ist fantastisch. Es ist noch früh, blauer Himmel soweit ich sehe. Aber es ist s....... kalt. Das Auto ist zugefroren. Da hilft nix, die Laufschuhe an und raus. Die Runde ist mir ja bekannt. Ich bin sie bestimmt schon 30 mal gelaufen.Meine Traumrunde zum wach werden. Im Haus schläft wohl noch alles. Nach dem ersten Schock läuft es sich prima. Alles ist noch so wie es vor einem Jahr war. Auch die Jagdhundemeute des Nachbars schlägt mit einem riesigen Geheule an. Aber dann der Ausblick. Lacoste, der Maquis de Sade schläft sicher auch noch, Bonnieux, die Weinberge und dann der Blick auf Goult. Hoch ins Dorf die Zeiltung "La Provence" im Cafe de la Poste kaufen. Im Café ist schon eine Menge los, obwohl es erst kurz nach acht ist.
Zurück im Haus duftet schon der Café und das Frühstück wartet. Es hat doch deutschen Charakter und macht Laune. Ich lerne auch die Miturlauber kennen. Nach dem Frückstück wird die Tagesroute bekanntgegeben. Man soll ja wissen wo ich so unterwegs bin.
Danach geht ´s noch mal ins Dorf. Es muss ja Proviant eingekauft werden. Es gibt 2 Metzger, eine Bäckerei und eine Epicerie im Dorf. Diese ist so alt, dass ich vermute in den hinteren Ecken hat sich schon die Resistance getroffen. Aber es gibt einfach alles. Obst, Wasser, Fromage de chevre und Tierfallen.
In der Metzgerei kaufe ich noch eine Paté. Ich will ja nicht verhungern. Langsam wird es wärmer und die ersten Kunden sitzen vor dem Cafe de la Poste bei einem Petit noir und einer Zigarette. Da setze ich mich dazu, lasse nur die Zigarette weg. Nach einigen Minuten hat man die Zusammenhänge im Dorf verstanden. Es spielt sich alles auf der Straße oder im Cafe ab. Der Boutiquebesitzer von gegenüber wickelt wohl seine Geschäfte im Cafe ab, im Laden ist niemand. Alle kennen sich, alle küssen sich. Wie oft? 3 mal. Lustig.
Aber dann geht es los. Ich fahre über St. Pantaleon und Joucas Richtung Lioux. Hinter dem Dorf erhebt sich eine Steilwand die rund 100 Meter hoch ist. Dort oben will ich hin. Aber die Fahrt geht noch weiter. Startpunkt die das Dörfchen Croagnes. Ist es überhaupt ein Dorf? Will an der Chapelle Madeleine parken. Sieht aber nicht aus wie ein Parkplatz. Es taucht eine Frau auf, die mir sagt, dass ich ruhig das Auto abstellen könne. Ihr Hund würde das Auto bewachen. Sie pflegt das Blumenmeer um die Kapelle und wohnt wohl nebenan. Es geht los über einen schottrigen Anstieg. Die Schuhe sind wenig geeignet. Ich merke jeden Stein durch die Sohle. Citywanderschuhe. Da habe ich die Provence wohl etwas unterschätzt. Nach einem langen Anstieg mit schönen Ausblicken auf den Luberon im Rücken und den Berge der Provence, den Mont Ventoux, vor mir erreiche ich eine schöne Stelle für eine erste Rast. Es ist gut einen Stunde vergangen und ich habe keine Menschenseele getroffen. Die Einsamkeit fängt gut an. Nur die innere Ruhe fehlt noch. Es geht weiter bergan durch Gestrüpp und über Steine mit merkwürdigen Auswaschungen. Es sieht ziemlich rissig aus. Dann erreiche ich die Abbruchkante, genannt "Falaise de la Madeleine" (Klippe der Madeleine). Es geht tief nach unten. Unten Im Tal ist es total rughig. Die ersten Obstplantagen stehen vor der Blühte. Die Felder sind akurat vorbereitet. Die Lavendelfelder sind noch grau. Die Bahnen sehen aber toll aus.
Plötzlich ein Loch im Boden. Man kann durch den Fels duchschauen und sieht unten das Dorf. Sieht irre aus. Kein Hinweis auf die Gefahr!!!
Das Dorf Lioux hat ca. 300 Einwohner. Im Wappen gibt es einen Elefanten. Wie kommt ein Eelefant in die Provence? Ist ja wohl kein einheimisches Tier. Die Falle in der Epicerie hätte auch nicht gereicht.
Nein, die Sage berichtet, dass Hannibal beim Zug über die Alpen auch in Lioux vorbeikam. Wer´s glaubt!. Es geht entlang der Abrisskante abwärts ins Tal zurück in Richtung Auto. Eine Rast an der Kante ist noch drin. Die Sonne ist so intensiv, dass die Pinien schon wunderbar duften. Drei Raben ziehen Ihre Kreise am Himmel und schrauben sich wie Adler immer höher. Schön zu zuschauen. Wieder der Blick auf den Luberon und auf das kleine Dörfchen in dem mein Auto bewacht wird. Die Tour hat gut 9,5 KM. Als Einstieg wirklich ein guter Tipp meiner Vermieter.Nicht allzu zu anspruchsvoll. Das Auto wurde gut bewacht und es geht verschwitzt (inzwischen sind aller Jacken und Pullover ausgezogen. Nur noch ein Hemd, fast wie im Sommer) zurück nach Goult. Nach einer Dusche gönne ich mir einn Aperitif. Natürlich einen Pastis von "Henri Bardouin". Der oder keiner!
Auf dem Rückweg mache ich noch in Joucas halt. Ein schönes gemütliches Dorf auf einem Berg, wie fast alle. Es ist noch nix los. Startpunkt für die nächste Tour.
Nach der Dusche mache ich noch eine Fahrt über Menerbes (Für Peter Mayle Fans ein muss!!! Nur das berühmte "Cafe de Progres" macht doch Fortschritte und wird renoviert.) nach Bonnieux ins Restaurant Flambee zum Abendessen. Im benachbarten Cafe Clerici sollen sich ja die Trunkenbolde des Luberon treffen. Der Hunger ist riesig. Das Tagesprogramm ist geschafft und es geht nach 5 KM joggen und 9,5 KM wandern zurück ins Haus.
Der Abend wird auch nicht lange. So den ganzen Tag an der frischen Luft mit der Bewegung macht Müde. Da braucht man kein TV.
Hoffe das Wetter hält. À demeng wie der Provencale sagt.



Weite Sicht über die Falaise de la Madelaine



Joucas und die Gorges de la Veroncle -Eine Mühlentour der besonderen Art-

Für die zweite Tour sollte es etwas besonderes sein. Schon der Name, "Gorges de la Veroncle". Hört sich grausig an, aber die Beschreibung liest sich toll.
Aber zuerst kam noch der Frühsport dran. Wieder meine Runde joggen um den Berg und die Aussicht bei um die null Grad geniessen. Wieder ein sonniger Tag. Nach dem Frühstück hoch ins Dorf zum "cafe creme" und Zeitunglesen auf der Terrasse des Café de la Poste. Man kennt schon einen Teil der Einwohner.
Dann geht die Fahrt nach Joucas. Noch ist alles im Winterschlaf, bis auf die Obstbäume und die Fosythiesensträucher. Ein tolles Farbengemisch vor dem blauen Himmel der Provence. Eben ein besonderes Licht. Aber die Sonne wärmt schon und es riecht nach Frühling.
Parkplatz gibt es im Dorf genügend. In einigen Wochen sieht es auch hier anders aus. Nachdem ich alles gepackt habe treffe ich einen Einheimischen mit Jagdhund, der wissen will, wo ich hin wandern will. Er wünscht mit einen schönen Tag. Auch das gibt es wohl nur außerhalb der Saison.
Zunächst ist der Weg bis zum Einstieg in die Schlucht nicht spektakulär. Es geht über Felder und durch kleine Wäldchen, in denen hunderte von Elstern leben müssen. Schrecke eine ganze Kolonie auf, die lärmend davon fliegt. Alfred´s "Die Vögel" lässt grüßen.
Dann ist der Einstieg erreicht. Zunächst geht man durch das ausgetrocknete Bachbett. Sie Fließrichtung des Baches soll sich nach einem Erdbeben im Jahre 1887 geändert haben. Danach waren auch die Getreidemühlen in der Schlucht funktionslos geworden. Bis zur ersten Mühle, die wie auch die anderen nur noch eine Ruine ist, ist der Weg noch gemütlich. Die Mühlen wurden mit dem Wasser des Baches betrieben. Das Wasser wurde hierzu über Kanäle in große Zisternen geleitet und gesammelt. Danach schoß das Wasser nach unten in das Mühlrad. Dies alles wird an Schautafel gut erklärt. Die Ruinen lassen aber noch alles sehr gut erkennen. Ich denke nur daran, was es vor 1887 eine Schinderei gewesen sein muss, in dieser Wildnis solche Mühlen zu bauen und dann noch Getreide dort hin zuschaffen. Die Mühlen reichen bis tief ins Tal. Der Weg wird langsam etwas anstrengender. Eine Klettersteige über einen Felsen ist zu überwinden. Dann höre ich doch plätscherndes Wasser. Also fließt nicht alles Wasser in eine andere Rictung. Vor mir taucht ein kleiner (Gebirgs-) See auf. Wäre es jetzt Hochsommer, würde ich die Wanderklamotten ausziehen und ein Bad nehmen. Aber trotz des Schweißes im Hemd ist es dafür noch etwas zu frisch. Der Pfad wir immer enger, auch die Schlucht verengt sich. Es tauchen noch 2 Mühlen auf. Über der Schlucht kreisen Vögel. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Nach gut 4 Stunden habe ich noch keine Menschenseele getroffen. Mache mir mal Gedanken darüber wie ich hier raus komme, falls etwas passiert. Der Blick auf´s Handy zeigt, dass darauf kein Verlass ist. Empfang null. Zum Glück wissen meine Vermieter wo ich unterwegs bin. Aber die Landschaft und die Stille ist zu überwältigend, als daß ich lange darüber nachdenke, was wäre wenn! Ich geniesse das was ich gerade erlebe. Das Tal wird wieder etwas breiter. Um eine Biegung des Baches, der jetzt über Felsplatten (nicht in einem Bett) läuft, entdecke ich menschliche Spuren. Sind die von vor 1887 oder neuer. Hier baut wohl jemand Steinpyramiden. Aber eine Richtungsanzeige kann ich nicht erkennen. Vielleicht wird man irregeleitet und dann...... An was man so alles denkt. Die Felswände die sich rechts und links auftürmen sehen toll aus. Teilweise auch durchlöchert und ausgewaschen. Wo sind hier die Höhlen?
Es wird immer abenteuerlicher. An einer Stelle muss man an Seilen und Klettersteigen nach unten. Zuerst muss aber der Rucksack und die Stöcke abgeseilt werden. Zusammen geht garnicht.
An einer entscheidenden Stelle verpasse ich wohl einen Abzweig über den Bach. Nach einigen Minuten komme ich an das Ende meines Weges. Aber ich war nicht der einzige. Nach links geht bergauf und das Pfädchen endet, nach rechts siehts einladender aus. Man muss durch eine Hecke fast in der Bauchlage. Sehe aus wie Sau. Der Weg endet aber auch vor einer 2 Meter hohen Felswand. Was nun? Ein riesiger Fluch auf den Wanderführer. Eigentlich müsste es hier oben weitergehen. Von Steigeisen und Seilen stand nichts in der Beschreibung. Ich versuche es an der Wand hoch zu kommen und denke an den Handyempfang. Irgendwie schaffe ich es nach 2, 3 Anläufen die Wand zu überwinden. Einige Meter oberhalb geht wirklich ein Weg, dem ich folge. Ich weiß ja nicht ob es der richtige ist. Innerlich diktiere ich schon den Beschwerdebrief an den Verlag. Aber was soll´s, ich wollte ja Abenteuer. Was beschwere ich mich!!!
Ich komme in ein weiteres Tal, das sich immer weiter öffnet. Jetzt kann ich schon Murs oberhalb der Schlucht erkennen. Das Dörfchen lag früher an einer Pestmauer. Heute sieht es verschlafen aus. Ich freue mich auf einen Cafe. Aber das Dorf hat wohl nur eine Bar und die macht gerade Frühjahrsputz. Also nix mit Cafe. Aber ich sehe nach gut 5,5 Stunden mal wieder ein Paar Menschen. Beruhigend! Der Ort sollte bei der zu erst geplanten Rundtour Etappenort sein. Aber eine Übernachtungsmöglichkeit um diese Jahreszeit sehe ich nicht. Gut, dass es das Le Buisson gibt!
Nachdem ich Murs verlassen habe, will ich mit einen Picknickplatz suchen. Es geht jetzt nur noch bergab wieder nach Joucas. Nach einer Begegnung mit einem nicht so freundlichen Rudel Hunde finde ich ein Plätzchen und vertilge meine Reste. Der Weg nach unten ist wenig spektakulär. Es geht durch Wald. Der Schatten tut aber gut. In Joucas gehe ich durch ein Paar Gassen, die voller Menschen sind. was ist denn hier los? Ich merke aber schnell, das hier ein Künstler am Werke ist. Die Menschen sind nicht ganz echt. Auch hier ist die Bar geschlossen. An der Alimentation gönne ich mit eine Cola. Die Dame hat auch Cafe. Genial. Vor dem Laden ist der einizge Tisch auch nich frei. Den Belege ich und genieße bei einem tollen Blick Richtung Roussilion und den Luberon den Nachmittag. 13 KM tolle Landschaft und Ruhe liegen hinter mir. Ein schöner Tag. Auch die Dame will wissen, wo ich denn war. Die Wanderung findet Sie auch toll. Zurück in Goult setze ich mich noch etwas in den Garten. Es gibt hier tolle Sitzplätze mit phantastischen Ausblicken. Heute Abend kocht Madame Gähler für die Gäste. Ist ja fast wie "en familie". Die Abende sind immer das Highlight und ich habe richtig Hunger. Ich bin schon gespannt auf das Menü.
Beim nochmaligen lesen der Wegbeschreibung finde ich auch meinen Fehler. Die Beschreibung war natürlich richtig. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!!

Nun das Menü des Abends:
Paprikamousse auf Frischkäse mit Kräutern
Foie gras auf warmen Chicoree und Himbeeren
Dorade im Plastikbeutel gegart auch grünem Spargel, Kartoffel und Orangen
3 Sorten Ziegenkäse mit Orangensauce
Zitrone/Limettentart

Es war s........ lecker!!!!



Hier war doch schon mal jemand



Die große Tour von Viens zum Colorado provencal von Rustrel

Farben des Ockers

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Der Ort in dem der Honig fleißt ist der Ausgangspunkt für die längste geplante Wanderung zum Farbenspiel der Ockerbrüche bei Rustrel

Für den dritten Tag hatte ich mir die längste Tour ausgesucht. Nach zwei Tagen einlaufen sollte das gehen und die Tour führte nicht durch Schluchten und andere anstrengende Land-schaften. Nur die Länge machte mir etwas Kopfzerbrechen. 20 KM und ca. 6.30 Std. Wanderzeit.
Aber, wie beginnt der Morgen in der Provence! Zuerst eine Laufrunde um den Hausberg. Wieder blauer Himmel und knapp unter null Grad. Im Dorf eine Zeitung gekauft und zurück unter die warme Dusche. Das Frühstück ist auch wieder ein Genuss. Der Familie Gähler wird das heutige Pensum erklärt. Sie staunen nicht schlecht, zumal ich ja am Morgen schon eine 5 KM Runde gedreht habe. Aber dieser Urlaub soll ja nicht zum körperlichen erholen sein. Ich will mich ja auspowern. Dann erst soll die Erholung kommen.
Nach dem Frühstück, was ja zum Glück nicht ganz authentisch französisch ist, geht es noch-mal ins Dorf zum Cafe de la Poste. Der 2. Café wartet und das Dorfleben. Wie schnell kann man kleine Strukturen herausfinden. Die Bewohner scheinen das Leben, so ohne Touristen, zu genießen. Keine Hektik, jeder scheint für einen Plausch Zeit zu haben. Auch ich habe ja ei-gentlich Zeit. Nur heute muss ich mich sputen. 6.30 Std. warten und es wird früh dunkel.
In der Alimentation und der Boucherie wird der Proviant aufgefüllt. Baguette, Ziegenkäse, Tomaten und Paté. Nur der Vin Rouge bleibt daheim.
Dann geht es los. Schon die Anfahrt nach Viens ist traumhaft und dort wartet ja noch das Paradies. Ich habe dir Route etwas geändert. Ausgangspunkt ist nicht Rustrel, sondern Viens. Viens ist ein verträumtes 500 Seelen Dörfchen abgelegen in den Bergen. Jetzt ist dort be-stimmt nichts los. Die Anfahrt führt über Apt Richtung Céreste. Vor Céreste geht es nach St-Martin-de-Castillon. Ein noch kleinerer Weiler mit einer tollen Aussicht auf den Luberon. Es duftet überall all nach Eichenfeuer aus den Kaminen. Weiter über die D 190 durch einsame Landschaften nach Viens. Das Dorf liegt ruhig in der Morgensonne. Auch hier provenzali-sches Dorfleben. Bevor die Wanderung losgeht, steht der erste Einkauf für zu Hause an. Nach Viens pilgern nämlich die Honigfans. Hier lebt der Imker Bresc. Er gehört zu den besten Im-kern Frankreichs. Typisch Frankreich, und das fast am Ende der Welt. Aber der Honig soll bis in die USA verkauft werden. Direkt hinter dem Stadttor liegt der kleine Laden. Wenn nie-mand im Laden ist, geht man 80 Meter weiter und klingelt am Wohnhaus der Familie Bresc. Dann gibt es zuerst eine Einführung in die Vielfalt der Honigsorten des Luberon und der Montagne der Lure. Alles zum Probieren. Streng der Reihe nach, aufsteigend mildesten zum intensivsten. Ich entscheide mich für Lavendel und Montage der Lure Honig. Das Auto ist ja dabei, da kann es auch gerne ein Glas mehr sein. Dafür hat sich das umplanen der Tour ge-lohnt.
Die Strecke Viens-Rustrel soll 3.40 Std. dauern. Die erste kniffelige Aufgabe ist das finden des Einstiegs der Tour. Schon nach 150 Metern verlaufen. Das fängt gut an. Wann wird es dunkel? Aber dann finde ich den Einstieg. Es geht über einen kleinen Höhenrücken durch Felder und an kleinen Häusern vorbei. Links sieht man den Luberon und rechts thront der Mont Ventoux in der Sonne. Ganz weiß, dort oben in über 1.900 m liegt noch Schnee. Dann komme ich durch ein Wäldchen, was eigentlich keines mehr ist. Wohl im vergangenen Som-mer hat es dort gebrannt. Nur noch verkohlte Baumstümpfen. Gespenstig!!
Der erste Teil der Strecke ist wenig spektakulär. Vorbei an einem Weiler geht es bergab. Es taucht die Chapelle St. Laurent auf. Sie kann jedoch nicht besichtigt werden. Es geht weiter bergab. Das lässt schon einiges für den Rückweg erahnen. Wieder ein kleiner Weiler der mit-ten in der Woche ausgestorben wirkt. Nun muss ein wenig aufpassen, da mehrmals abgebogen werden muss. Nachdem man den oberen Rand des Colorado erreicht hat, hat man einen tollen Blick auf das Dorf Caseneuve. Es sieht aus wie eine Burg. Sicher gab es Zeiten da war eine burgartige Bauweise angebracht.
Nun kann man die Ockerbrüche zwischen den Kiefern schon erkennen. Das Farbspektrum reicht von einem tiefem rotbraun bis zu fast weiß. Hier hat die Natur richtig zu gelangt. Die Ockerbrüche sind schon lange nicht mehr in Betrieb, wie die bei Roussilion. Die Ockerbrüche von Rustrel sind weitläufiger. Zu dieser Jahreszeit spielt es aber keine Rolle. Es sind kaum Menschen unterwegs. Bis jetzt habe ich niemanden getroffen. Bei Wandern durch die Stein-brüche muss man aufpassen. Hinter jeder Ecke, hinter jedem Hügel entdeckt man ein neues Farbenspiel. Es stehen auch Steinsäulen herum, dann kommt man sich wieder wie in der Sa-hara vor. Die Markierung ist hier etwas schwierig zu finden. Aber man findet immer irgend-wann den Ausgang. Was nicht empfehlenswert ist, ist zu stürzen oder in die rote Erde zu grei-fen. Das Zeug kriegt man fast nicht mehr aus den Klamotten.
Am ursprünglichen Einstieg zur Wanderung gibt es ein Büfett. Hier sehe ich zum ersten mal seit 3.30 Std. wieder Menschen. Da ich etwas spät dran bin und nicht in die Dunkelheit kom-men will, fällt die Kaffeepause aus. Weiter noch etwas durch Colorado provencal. Der Ver-gleich mit der USA finde ich jedoch etwas übertrieben. Der Abstecher ist eher etwas unge-wollt, da die Beschreibung etwas zweideutig ist. Haben Einstiege wohl so an sich. Aber ich finden den Weg wieder, den nun an einem Bach entlang führt. Kurze Zeit muss ich ihn über-queren. Er hat aber kein Hochwasser. Einige Damen stehen am Ufer und wollen auch hinüber, sind sich aber nicht schlüssig. Ich leihe meine Stöcke aus. Ein freundliches merci und au revoir und weiter geht´s. Ab und zu Zivilisation ist nicht verkehrt. Es geht zum Cirque des Barriès. Und meine Vorahnung bestätigt sich. Von nun an geht es bergauf. Zum Glück gibt es noch einige Ockerbrüche mit tollen Farbkombinationen zu sehen. Da fällt der Anstieg nicht so auf, obwohl es dazu noch ganz schön warm geworden ist. Nach einem Abzweig mache ich auf einer Felsenplatte mit Aussicht Pause. Der Proviant muss verarbeitet werden und die Kleider getrocknet werden. Dann geht es weiter bergauf. Die Aussicht ist jetzt zweitrangig. Wieder ist die Beschreibung zweideutig und es werden einige 100 Meter mehr. In einem nun sanft ansteigenden Tal sind Hinweisschilder zu sehen, die darauf hinweisen, dass hier einmal in der Steinzeit und wohl noch früher bereist Urtiere gelebt haben. Der Fuchs, den später vor mir gemütlich den Weg kreuzt gehörte sicher nicht dazu. Die Zeit wird langsam knapp, da sich die Sonne schon langsam zum Horizont neigt. Nach Plan wohl noch eine gute Stunde.
Der Wanderweg bleibt nicht lange auf der Straße. Es geht über Felder bergauf. Dann endlich sehe ich Viens wieder. Die Taschenlampe kann im Rucksack bleiben. Aber es ist noch gut 30 Min. bis ins Dorf. Jetzt merke ich auch meine Füße. Alles in allem hat die Tour gut 7 Std. gedauert. Im Dorf steuere ich die einzige Kneipe an. Das Café du Jardin. Im Sommer gibt es dort ein kleines Gartenlokal. Jetzt ist aber nur die Bar geöffnet. In der Ecke brennt der Holz-ofen. Die Toilette ist sehenswert. Ich dachte Stehtoiletten gibt es nur noch in Hong Kong. Hier auf der Unisextoilette gibt´s auch noch eine. Es geht nach einer kühlen Pression zurück zu meiner Fluchtburg und zum Entspannen. Auch auf dem Rückweg ist mir niemand begeg-net. Auf dem Dorfplatz, der wohl auch als Boule Platz genutzt wird, steht eine Skulptur, die einen Boule Spieler darstellt. Die anwesenden Boule Spieler stehen fast genauso regungslos da. Ein tolles Spiel.
Das Abendessen wartet. Ich will wieder zu den Trunkenbolden des Luberon. Ins Cafe Clerici nach Bonnieux. Heute soll es etwas Handfestes geben. Und dann wohl früh ins Bett. Draußen bläst ein kühler kräftiger Wind. Es soll aber keinen Mistral geben.



Farbspiel der Natur



Der Einkaufstag mit dem Freitagsmarkt in Bonnieux. Einer der schönsten Märkte des Luberon

Fortsetzung folgt


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • daniel.olzien

    Ich habe den Bericht gerade auf der Homepage empfohlen. Jetzt hoffe ich natürlich, dass Sie dranbleiben und wir noch mehr hören!

  • Blula

    Schön und sehr anschaulich geschildert. Habe ich sehr gerne gelesen und bin deshalb auch schon sehr auf die Fortsetzung gespannt!
    Viele Grüße!

  • Zeitreisende

    Hat mir sehr gut gefallen....freue mich auch schon auf die Fortsetzung ! LG Dani

  • pleuro

    Ich freue mich auch auf die Fortsetzung!
    LG Anne

  • astrid

    Wieder ein Bericht der begeistert und meine Reisezielliste erweitert. Ich schließe mich allen anderen an: Wie geht's weiter??
    Herzlichen Gruß, Astrid

  • Zaubernuss

    Ich bin gerne mit gewandert und bin neugierig, wie es weitergeht. Dein lebendiger Bericht lässt die Sehnsucht nach der Provence aufleben!
    LG: Ursula

  • Asterix2

    Da möchte man direkt loswandern und diese herrliche Landschaft geniessen.
    Ein anregender Bericht und auch ich freue mich auf die Fortsetzung.
    Herzlich und begeistert, Maria

  • nach oben nach oben scrollen
  • Ralf53

    Der Bericht hat mir sehr gut gefallen ! Teilweise kenn ich die Gegend, da ich dort schon mit dem Motorroller war (Luberon, Roussillion, Gordes). Dieses Jahr werde ich erneut mit Freunden dort die Gegend erkunden.

    Gruß Ralf

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Wanderungen in der Einsamkeit 4.91 11

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps