Milford Track - die schönste Wanderung der Welt

Reisebericht

Milford Track - die schönste Wanderung der Welt

Reisebericht: Milford Track - die schönste Wanderung der Welt

Der Milford Track ist eine viertägige Wanderung durch den Fjordland - Nationalpark auf der Südinsel Neuseelands, die ungeführt oder als geführte Wanderung gebucht werden kann. Der Milford Track zählt zu den schönsten Wanderstrecken der Welt.

Milford Track – die schönste Wanderung der Welt

The finest walk in the world

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Jedes Jahr wandern etwa 14 000 Menschen auf den Spuren der alten Pioniere durch den Fjordland Nationalpark in Neuseeland. Start ist mit einem Boot ab Te Anau Downs, 4 Tage später erreicht man nach 54 erwanderten Kilometern Sandfly Point. Von dort ist es nur noch eine kurze Stecke wieder mit dem Boot bis zum Milford Sound.



„A day, you can´t pay for!“
Unser Guide empfängt uns auf dem MacKinnon Pass mit heißem Tee und Schokoriegeln. Er sitzt etwas geschützt hinter einem Felsen und strahlt mit der Sonne um die Wette. Schneefelder glitzern, ein kleiner See, fast am höchsten Punkt gelegen, gleicht einem dunklen Auge in der weißen Wildnis und am tiefblauen Himmel rollen einzelne Wolken über die verschneiten Berggipfel. Allerdings, so hatten wir uns Hochsommer am schönsten Ende der Welt nicht vorgestellt.



Tag 1

Es geht los

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Wir sind schon 2 Wochen mit dem Auto in Neuseeland unterwegs gewesen. Der Höhepunkt der Reise soll nun die Teilnahme am Milford Track sein. Seit gestern gibt es kein zurück mehr. Wir haben uns erklären lassen, was wir unbedingt mitnehmen müssen, wie man einen Rucksack packt und allgemeine Informationen über die Tour erhalten.
Jetzt sind wir an Bord des kleinen Schiffes, das uns auf die andere Seite des Lake Te Anau bringt, raus aus der Zivilisation, rein in die Wildnis. Regen klatscht gegen die Panoramascheiben – also normales Wetter in der regenreichsten Landschaft Neuseelands.



Wer ist der Guide ?

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An der Hütte empfängt uns unser Guide, leicht zu erkennen, denn er ist der einzige, der kurze Hosen trägt. Beim Begrüßungstee bittet man jede Nationalität, ein Lied zu singen. Mein Mann und ich schauen Hilfe suchend in die Runde. Aber wir sind die einzigen Deutschen. Begeisterter Applaus würdigt unseren Mut nach dem Liedvortrag: „Horch, was kommt von draußen rein..“



Tag 2

Übung

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Ein rascher Blick aus dem Fenster bestätigt: Es hat aufgehört zu regnen. Die Luft ist schwer von Feuchtigkeit und dicke Nebelschwaden ziehen den Clinton River entlang. Dieser Fluss hält auch die erste Herausforderung bereit. Nur über eine lange Hängebrücke lässt er sich überqueren. Wir lernen, wie man allzu starkes Schwingen vermeidet - durch mehrmaliges Hin- und Herlaufen unter Anleitung. Am Ende der Tour sind wir in dieser Technik fast Meister.



Dschungelpfad

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Bei dem Abzweig zu einem kurzen Rundweg in die Sumpflandschaft halten wir uns brav an die Anweisung: Immer wenn du den Hauptweg verlässt, musst du den Tagesrucksack an der Abzweigung stehen lassen. Der Guide, der am Schluss geht, wartet beim Gepäck auf den Besitzer. Sollte er nicht kommen, startet man eine Suchaktion. Ohne diesen Hinweis gibt es wenig Chancen, einen Vermissten wieder zu finden. Wildnis ist nicht nur romantisch – schwer zu begreifen, für Bewohner Mitteleuropas.



Haltet den Dieb

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Der Himmel klart immer mehr auf und gibt atemberaubende Ausblicke auf die Schneefelder der Berggipfel frei. Schon einige Kilometer vor Pompolona Lodge verraten sich die eigentlichen Herren mit ihrem Geschrei. Kea! Kea! Diese äußerst selbstbewussten Bergpapageien stehlen vor der Hüttentür zum Auslüften abgestellte Wanderschuhe, durchwühlen Mülleimer und – das habe ich mit eigenen Augen gesehen – treten gegen Türen, in der Hoffnung, dass sie nicht abgeschlossen sind und sie so an die Vorräte im Zimmer gelangen können.
Das Essen am Abend würde manchem guten Restaurant Ehre machen. Und, ohne dem Pionier Quintin Mackinnon zu nahe treten zu wollen, ziehe ich es seinen berühmten Pompolonas vor.
Was das sind? Fladenkuchen aus Hammelfett!



Tag 3

Trollwald

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Am dritten Tag starten wir in der Morgendämmerung. Die Hängebrücken haben ihre Schrecken verloren, und würden die mit Flechten und Moosen überwucherten Bäume plötzlich anfangen zu sprechen, ich wäre kein bisschen erstaunt. Die Sonne taucht die Gipfel in zartes Pink. Die „Zigzags“ des Anstiegs beginnen.



Hallo Freunde !

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Langsam aber stetig gewinnen wir an Höhe. Zigzag, zigzag, zigzag zigzag, kurze Verschnaufpause und die Aussicht genießen, zigzag, zigzag – die nächste Spitzkehre markiert ein Schneemann! Wo sonst die Wildblumen des Sommers ihre Pracht entfalten, glitzert eine geschlossene Schneedecke. Natürlich haben wir keine langen Unterhosen an und die Handschuhe liegen auch zu Hause im Schrank. Aber die überwältigende Schönheit auf der Passhöhe lässt einem die Kälte vergessen.



„A day, you can´t pay for! A day, you can´t pay for!”

Hütte auf dem Mackinnon Pass

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Auch unser Guide ist völlig aus dem Häuschen. Vor dem Abstieg statten wir einer weiteren Attraktion einen Besuch ab: der Toilette mit dem schönsten Ausblick der Welt!



1154, der höchst Punkt



Sutherland Falls

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Der Weg nach unten ist steil und anstrengend. Felsen türmen sich auf, Moos macht die Steine glitschig und die unzähligen namenlosen Wasserfälle verführen immer wieder dazu, stehen zu bleiben und den Blick abschweifen zu lassen.
Inzwischen haben wir alle wärmenden Kleidungsstücke wieder in den Rucksack gepackt.
In strahlendem Sonnenschein biegen wir zur Quintin Lodge ein.
Aber es ist noch nicht Zeit, die Beine hoch zu legen. Etwa eineinhalb Stunden sind es hin und zurück zu den gewaltigen Sutherland Wasserfällen, den fünfthöchsten der Welt. 540 Meter stürzt das Wasser, unterbrochen durch Felstreppen, manchmal nur noch als Nebelwand bis es als ruhiges Bächlein den Weg fortsetzt. Ganz Mutige klettern durch den Wasservorhang zur Felswand. Wir haben jedoch Angst um die Schuhe. Schließlich liegen noch 21 km vor uns.



Tag 4

Dead Lake

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Es ist kaum zu glauben, aber auch am 4. Tag vergoldet die Sonne die Berggipfel, bevor die ersten Strahlen die mächtigen Sutherland Falls noch einmal in der Ferne aufblinken lassen. Der Pfad erfordert keine besondere Aufmerksamkeit, wir saugen das üppige Grün von Neuseelands feuchtestem Gebiet in uns auf. Kein Stein ist ohne Moosdecke, Flechten hüllen die Bäume wie Schleier ein und auf jedem Farnblatt glitzern die Wassertropfen. Ein fernes Rauschen kündet den nächsten Wasserfall an. Das Wasser entspringt aus unendlichem Grün, fällt, verschwindet in Felslöchern, teilt sich auf, um endlich in einem türkisfarbenen Becken zur Ruhe zu kommen. Mir fehlen die Worte, um die Schönheit und Stimmung dieses Ortes wiedergeben zu können.



Mackay Falls

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Beim Lunch sammeln wir unter einer Hängebrücke sitzend Sonnenschein und Farben für den Winter in unsere Heimat, denn die Tour neigt sich dem Ende zu.



Geschafft

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Und irgendwie muss es den Sandfliegen an diesem Tag auch zu warm gewesen sein. Sandfly Point ist praktisch sandfliegenfrei.
Ein kleines Fährboot schließt den Kreis: raus aus der Wildnis – rein in die Zivilisation.



Tag 5

Bevor die Touristenhorden einfallen, erleben wir den Milford Sound so ursprünglich, wie ihn wohl auch Donald Sutherland, der erste europäische Anwohner hier, gesehen hat.
Leichter Morgendunst kündigt einen weiteren sonnigen Tag an – am schönsten Ende der Welt.



Früh am Sound



Tipps:

Um den Milford Track zu gehen gibt es zwei Varianten.

1. Organisierte Tour
Übernachtung in komfortablen Hütten
warme Duschen
Trockenraum
Vollverpflegung (Anlieferung meist aus der Luft)
Preis: ca. 800.-€
Diese Alternative hatten wir gewählt.

2. Unabhängige Wanderer
sehr einfache Hütten mit großen Schlafsälen
keine Duschen und Trockenmöglichkeiten
komplette Verpflegung und das Geschirr müssen mitgetragen werden


So oder so empfiehlt es sich, sehr frühzeitig zu buchen. Der Track ist meist schon auf Monate im Voraus ausgebucht. Wir haben uns ein halbes Jahr vorher angemeldet.
Pro Tag dürfen max. 90 Wanderer (40 unabhängige Wanderer, 50 in geführten Touren) auf die Strecke; das macht pro Saison etwa 14 000 Menschen auf dem Track.
Camping ist verboten.



Sonnenaufgang an der Pompolona Lodge


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Kommentare

  • reisekatze

    Na, vielleicht komme ich da auch mal hin, so was gefällt mir, Wandern mit einem kleinen bisschen Komfort. Habe ich auf meinem Merkzettel notiert

  • Gipsy

    Schöner Reisebericht, der mit Worten und Bildern diese verwunschen erscheinende Landschaft des gemäßigten Regenwaldes der Fjordlands vor Augen führt!
    Ich war im Rahmen einer 12-wöchigen Radltour auf beiden Inseln auch am Milford Sound, wir konnten aber ohne Anmeldung den Track nicht gehen. Jetzt bin ich glücklich, Ihren Bericht darüber zu lesen.

  • Jane

    Vielen lieben Dank für den Bericht! Wir planen den Track im Februar 2009 zu gehen, bisher habe ich aber immer nur Berichte von Wanderern auf eigene Faust gelesen. Wir wollen die Tour auf jeden Fall mit einem Guide begehen. Dein Bericht hat uns wieder ein mal bestätigt, dass es das Geld tausendmal wert ist! Tolle Bilder! Toll geschrieben!

  • winni

    Das muss schon ein schönes Erlebnis gewesen sein. Der Bericht gefällt mir. vg winni

  • wortis

    Ich habe den Bericht mit Genuss gelesen und kann alles nur bestätigen. Haben ihn 1994 gemacht, auch guided, nur leider nicht mit so einem Glück am MacKinnonPass . Dafür Lammschulter mit Minzsoße und einem Döschen Bier in der Quitin Lodge ((-;
    Wir mussten übrigens auch singen, waren auch die beiden einzigen Deutschen. Da aber die Amerikaner in großer Zahl vorhanden waren... haben wir doch gleich "Muss sie denn zum Städele hinaus" angestimmt.
    Wir hatten 4 Tage sehr gute Freunde, dank Elivs
    Immer eine schöne Reise
    wünscht
    Andrea

  • RdF54

    Ein mitziehender und schöner Bericht! Bin zwar kein "Bergmensch" aber ich habe ihn mit Genuss auf mich wirken lassen!

    LG Robert

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