Fahrt mit der Transmongolischen Eisenbahn

Reisebericht

Fahrt mit der Transmongolischen Eisenbahn

Reisebericht: Fahrt mit der Transmongolischen Eisenbahn

Eine kurze Beschreibung unserer Fahrt von Ulaanbaatar (Ulan Bator) nach Beijing (Peking)



Nach der Abfahrt, pünktlich 7:15, rollt Zug Nr.24 zunächst durch die „Vorstädte“ Ulaanbaatars (meist Jurtensiedlungen) gen Süden. Danach geht es über grüne Bergsteppen mit weidenden Pferde-, Ziegen-, Schaf- und Rinderherden. In zahlreichen weitläufigen Kurven hat man die Möglichkeit, Teile des Zuges zu fotografieren. Hier hält der Zug auch öfters, um Gegenzüge abzuwarten, da die Strecke eingleisig ist (laut einem Zeitungsbericht wollen die Russen allerdings mehrere Hundert Millionen Euro in einen Ausbau investieren – nicht ganz selbstlos, schließlich verfügt die Mongolei über riesige Vorkommen an Bodenschätzen). Offizielle Stopps gibt es nur in Coyr und Sajnsand. Auf diesen Bahnhöfen hat man Gelegenheit von fliegenden Händlern Wasser (!), Halbedelsteine (kann zu Problemen mit dem mongolischen Zoll führen) und Souvenirs zu erstehen. Hinter Coyr beginnt die etwas monotone Fahrt durch die Gobi – Steppe soweit das Auge blickt, ab und zu Hügel am Horizont. In Dzamin Uud erfolgt die mongolische Pass- und Zollkontrolle. Die Zollbeamtin will unbedingt eine Einreisezollerklärung haben, womit wir aber nicht dienen konnten, da bei der Einreise (mit dem Flugzeug) eine solche nicht verlangt worden war. Schließlich gibt sie sich geschlagen und lässt uns ausreisen. In Erlian, wenig später, die gleiche Prozedur auf chinesischer Seite – nur muss man hier keine Zollerklärung ausfüllen, sofern man nichts zu deklarieren hat. Die Pässe werden eingesammelt und erst nach über 2 Stunden zurückerstattet. In der Zwischenzeit wird der Zug von der russisch-mongolischen Spurweite auf die chinesische umgerüstet. Den Waggon darf man dabei nicht verlassen (wie in einigen Reiseführern behauptet) – auch dass Zuschauen aus den Türen wird von den zahllosen Polizisten nicht gerne gesehen (was soll man hier schon ausspionieren können?). Nach dem Umspuren und der Rückerstattung der Pässe darf man dann endlich den Zug verlassen, um im kleinen Supermarkt des Bahnhofes einzukaufen (Getränke!). Natürlich stürzen sich die Reisenden aus allen Waggons darauf – fast ist man an eine Massenpanik erinnert. Im Laden kann man übrigens seine letzten mongolischen Tugriks loswerden, auch Dollars werden in kleinen Scheinen akzeptiert – nicht jedoch Kreditkarten! Trotzdem ist es empfehlenswert, bereits einige chinesische Renmimbi (auch Yuan genannt) mitzubringen – u.a. auch fürs Taxi in Beijing (auf dem Hauptbahnhof gibt es keine Wechselmöglichkeit). Da die Schaffner nur über rudimentäre Englischkenntnisse verfügen, erledigen wir unsere Einkäufe im Eiltempo – haben wir doch angeblich nur 15 Minuten Zeit dafür (später stellt sich heraus, dass wohl 45 Minuten gemeint waren – allerdings pfeift der Zug, wohl im Gegensatz zu den Zügen in Russland, kurz vor Abfahrt 2 – 3 mal, so dass man in einem Spurt noch seinen Waggon erreichen kann). Nach einem kühlen Tsingtao-Bier (600 ml kosten ca. 40 Cent) fallen wir aufs Bett. Am nächsten Morgen rollt der Zug durch grüne Landschaften – welch eine Wohltat fürs Auge. Wenig später geht es in die Berge – dutzende von Tunneln versperren immer wieder den Blick auf schroffe Felsen, in die zahlreiche Stauseen eingebettet sind. Hier wird uns erstmals klar, welche wirtschaftliche Kraft im Reich der Mitte steckt – immer wieder geht es an Baustellen vorbei, auf denen neue Bahnlinien und Autobahnen errichtet werden. Leider beweisen die Architekten nicht immer Sinn für die Schönheiten der Natur – geradezu brutal verschandeln Industriekomplexe die oft wunderschöne Landschaft. Kurz vor Beijing kann man einen Blick auf die berühmte Große Mauer erhaschen – entgegen der Behauptung im Reiseführer hält der Zug jedoch nicht in Badaling, dem Ort mit dem berühmtesten (und überlaufendsten) Teil der Mauer. Um 14:04 Uhr erreichen wir schließlich den Hauptbahnhof von Beijing – auf die Minute genau!



Bahnhof Ulaanbaatar



Tipps

Im Juli 2010 haben wir, nach einer Tour durch den Westen der Mongolei, die Gelegenheit genutzt, mit dem Zug von Ulaanbaatar nach Beijing zu fahren – die Tickets haben Verwandte, die in der Mongolei leben, besorgt, was wesentlich günstiger ist (120 € pro Person in der ersten Klasse), als diese in Deutschland zu buchen. In Ulaanbaatar kann man ein Reisebüro aufsuchen, das die Tickets besorgt. Achtung: Züge, die aus Moskau kommen, kann man erst einen Tag vor Abfahrt buchen – was in der Hochsaison ein großes Risiko darstellt, da die Züge meist ausgebucht sind. Nur die Züge, die ab Ulaanbaatar eingesetzt werden, sind einige Wochen vorher buchbar. Wenn man über die finanziellen Mittel verfügt, ist es zu empfehlen, erste Klasse zu buchen – die Abteile verfügen über 2 Betten und eine weitere Sitzgelegenheit, die hochgeklappt werden kann, um das Gepäck zu verstauen, sofern man es nicht unter dem Bett unterbringen kann (eine weitere Ablage für Rucksäcke etc. befindet sich unterm Dach). Außerdem gibt es ein kleines Separee mit Waschbecken und Handdusche, das man sich mit dem Nachbarabteil teilt. (Die Abteile der zweiten Klasse weisen 4 Betten auf und sind ziemlich eng geraten). Eine Klimaanlage ist aber auch in der ersten Klasse nicht vorhanden – lediglich ein kleiner Propeller sorgt für etwas Luftzug (gegen Ende der Reise fiel dieser zudem noch aus). Die Fenster im Abteil können nicht geöffnet werden, lediglich im Gang ist das bei jedem zweiten Fenster möglich. Die Folge: Am Nachmittag herrschen im Waggon 40° C. (Also wenn möglich nicht im Hochsommer fahren!) Wichtig: Man sollte unbedingt genügend zu trinken mitnehmen – bereits am frühen Nachmittag war im Speisewagen das Bier ausgegangen, etwas später auch Wasser und andere Getränke. Im Waggon steht zwar genügend heißes Wasser zu Verfügung – man muss aber unbedingt eine Tasse o.ä. mitbringen, sowie Teebeutel oder Instantkaffee – es wird nämlich nicht, wie in einigen Reiseführern behauptet, von den Schaffnern Tee serviert. Auch etwas Verpflegung kann nicht schaden – die Speisen im mongolischen Speisewagen sind, vorsichtig gesagt, gewöhnungsbedürftig. Das Essen im chinesischen (ab der Grenze) ist wesentlich schmackhafter! Am Morgen kann man dazu noch zwischen „continental“ (Spiegelei, Toast und Marmelade) und chinesischen Frühstück wählen.


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Kommentare

  • dpfuhl

    Viele gute Tipps und Infos! Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Dinge vor Ort in der Mongolei oft anders laufen, als in Reisführern oder im Web geschrieben. Da ist es immer gut, Informationen aus erster hand zu bekommen.

  • Janzour

    Vielen Dank füpr die tolle Beschreibung - sah mich in Gedanken wieder in der Transmongoischen Eisenbahn in Wagen 4 Platz 23 (oben rechts) Richtung Peking sitzen ...
    Weiterhin noch schönes Reisefieber,
    Claudia

  • Blula

    Ein, wie ich finde, sehr guter Bericht, in dem Du Deine Reiseerfahrungen sehr anschaulich wiedergibst. Vielen Dank.

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Fahrt mit der Transmongolischen Eisenbahn 4.46 13

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