Bali - Insel der Götter oder der Touristen?

Reisebericht

Bali - Insel der Götter oder der Touristen?

Reisebericht: Bali - Insel der Götter oder der Touristen?

Ich hatte so viel Gutes und Schönes über Bali gehört, dass mir angst und bange wurde: Herrliche Sandstrände, gepflegte Hotels, schönes Wetter, freundliche Menschen und bei Bedarf Nightlife in Kuta, der Touristenhochburg im Süden der Insel. Warum so weit reisen, wenn die Kanaren und Balearen ähnliches bieten? Ich wollte es wissen, buchte ein Hotel und nahm den Flieger.

Ankunft in Tanjung Benoa

Die 16stündige Flugreise von Frankfurt am Main nach Denpasar mit Zwischenstopp in Singapur erfordert Geduld und Vorfreude. Mein Hotel war dafür in nur 30 Minuten erreicht. Es stimmt schon: Im Süden der Insel befinden sich die 4- und 5 Sterne-Hotels direkt am Strand. Aber sie sind in gepflegte Gärten und Parkanlagen eingebettet und überragen kaum die Bäume. Der Anblick des tropischen Gartens vor meinem Hotelzimmer ließ die Müdigkeit rasch verfliegen. Der versprochene 4*-Standard wurde, wie sich auch in der Folgezeit herausstellte, in jeder Hinsicht erfüllt.



Gartenanlage des Hotels "Grand Mirage"...



Nach wenigen Schritten in einer anderen Welt

Überraschend selten trifft man außerhalb des Hotels auf Touristen. Sie befinden sich entweder im Pool, am Strand oder auf Erkundungsreise ins Landesinnere. Ich machte mich, wie immer an fremden Orten, zunächst zu Fuß auf den Weg. Was wäre Bali ohne seine Götter, kam mir in den Sinn - und schon wurde ich an der Hauptstraße fündig: Abgesehen von den großen und berühmten Tempelanlagen auf Bali hat jedes Dorf, jedes größere Haus "seinen Tempel". Dort werden täglich in der Frühe frische Speisen zubereitet, appetitlich dekoriert und auf Tischen, Mauern oder auf dem Fußweg plaziert: zu Ehren der verschiedenen Götter. Dass sich auch streunende Hunde über das Nahrungsangebot freuen, nehmen die Balinesen in Kauf. Denn auch Tiere haben eine Seele.



Abstecher zur Schildkröteninsel

Auf der Schildkröteninsel bei...

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Nördlich von der Hotelzone liegt die Siedlung Benoa Harbour. Von hier aus gibt es nicht nur eine Schiffsverbindung zur Insel Lombok östlich von Bali, sondern auch eine Garage, dessen Besitzer über ein Motorboot verfügt. Welch ein Zufall, dass er mich gegen ein kleines Honorar zu einem Trip zur Schildkröteninsel einlud. Meeresschildkröten, die dort ihre Eier vergraben, wandern wegen strenger Artenschutzbestimmungen nicht mehr in den Kochtopf. Stattdessen werden die Eier eingesammelt und die ausschlüpfenden Babyschildkröten aufgezogen, um sie später in die Freiheit der Meere zu entlassen. Um die Attraktivität der Anlage für Besucher zu erhöhen, kann man auf dem Eiland auch Schlangen, Flughunde, handzahme Raubvögel und andere Lebewesen besichtigen.



Insel Nusa Lembogan - bezauberndes Eiland



Bootstour zur Insel Nusa Lembogan

Man kommt auf Bali schnell mit freundlichen, manchmal auch hartnäckigen Fremdenführern, Fahrzeughaltern oder Bootsbesitzern ins Gespräch. Angesichts der Armut auf der Insel versucht jeder auf seine Weise, das karge Einkommen ein wenig aufzubessern. Ich entschied mich für einen unaufdringlichen Bootsführer, der mich zur Nachbarinsel Nusa Lembogan bringen sollte. Der Preis war schnell ausgehandelt und für deutsche Verhältnisse mehr als günstig. Dort angekommen, erschloss sich mir in Riffnähe eine phantastische Unterwasserwelt auch ohne Schnorchelausrüstung. Denn das Boot hatte einen Glasboden.

Auf der Insel gibt es neben einem Tempel auch ein Restaurant. Nachdem ich ersteren bestaunt hatte, ließ ich mich in letzterem nieder. Die Seele baumeln und den Blick hinüber nach Bali schweifen lassen. Am Horizont der Vulkan Gunung Agung, von Einheimischen als "Sitz der Götter" verehrt. Beim letzten Ausbruch 1963 verschüttete er allerdings ganze Dörfer und deren Bewohner.



Nusa Lembogan



Schiffe versenken ohne Abwrackprämie

Zeitig rief der Bootsführer zur Rückfahrt nach Bali auf. Er wusste, dass am späten Nachmittag der Wellengang zunimmt und ein Stück Indischer Ozean mit starker Strömung zu überwinden sei. Was bei manch anderer Landratte zur Seekrankheit geführt hätte, hinterließ bei mir lediglich nasse Klamotten und die Erinnerung an eine ebenso bewegende wie bewegte Seefahrt. In der Bucht von Benoa Harbour beeindruckte mich ein "auf Reede liegendes" Frachtschiff älterer Bauart. Was nicht mehr seetauglich ist, so erfuhr ich, wird hier auf Grund gesetzt. Der Anblick scheint keinen zu stören. Sicher haben unterhalb der Wasserlinie etliche Meeresbewohner ein neues Zuhause gefunden.



Parken zum Nulltarif in der Benoa Bay



Lebhaftes Markttreiben in Denpasar

Größe und Vielseitigkeit des Marktes sind kaum zu beschreiben. Er findet nicht nur auf den Straßen und Plätzen am Fluss statt, sondern auch in einem mehrstöckigen Marktgebäude. Sich dort zu verlaufen, ist kein Kunststück. Kleine Restaurants und Garküchen liefern alles, was dem Gaumen lieb ist und was der Magen verträgt. Einen halben Tag sollte man für einen Besuch schon einplanen.

Auch ein Besuch von Kuta an der Südwestküste Balis sei dem empfohlen, der das pulsierende Stadt- und Nachtleben sucht. Außerdem ist der Ort wegen seines schönen Strandes und der hohen, zum Surfen einladenden Wellen beliebt. Traurig nur, dass in Kuta 2002 und 2005 Bomben hochgingen und viele Menschenleben forderten. Die Anschläge wurden fanatischen Islamisten zugeschrieben. Während die Bevölkerung Balis zu über 90 Prozent aus Hindus und nur zu rd. 6 Prozent aus Muslimen besteht, ist die Relation auf den übrigen Inseln Indonesiens umgekehrt.



Markttreiben in Denpasar



Der Abschied von Bali fällt schwer

Die schönsten Eindrücke von Bali lassen sich nicht in Worte fassen. Und wer in diesem Bericht bezaubernde Landschaftsbilder vermisst, möge mir verzeihen. Immer, wenn ich mit einem kundigen Fahrer quer durchs Land auf Tour war, hatte ich die Kamera entweder nicht dabei, oder ich erstand die schönsten Motive von Reisterrassen und Vulkanen als Ansichtskarten.

Auf jeden Fall sollte der Besucher Balis auf organisierte Bustouren verzichten. Auch von einem Mietwagen oder Moped ist angesichts des für Europäer chaotischen Straßenverkehrs dringend abzuraten. Es gibt genug Möglichkeiten, mit einem Taxifahrer (oder dessen Bruder, Schwager, Onkel) preiswerte Ausflüge zu den interessantesten Plätzen der Insel zu vereinbaren. Mit Englisch kommt man im allgemeinen gut zurecht. Falls nicht, hilft ein Lächeln. Das wird gern erwidert.



Wo man hinschaut: Freundliche Gesichter


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Kommentare

  • 238EWT

    Liebe Beate, auf Bali war ich im Sommer 2005. Ja - es wird mehr über dieses herrliche Fleckchen Erde mit seinen liebenswerten Menschen zu berichten sein, wenn ich das nächste Mal auf der Insel war. Dann logiere ich mit Sicherheit an der vom Tourismus noch ziemlich unberührten Nordküste und toure in Richtung Java.
    LG Eberhard

  • kawasakipower

    Oh da werden Erinnerungen wach,auch ich habe Bali lieben gelernt.Ich habe Bali kreuz und quer bereist und alles aufgesaugt,es war herrlich.
    Gruß Melanie

  • traveltime

    So wie du es geschrieben hast, habe ich es 2002 erlebt.
    Durch deinen Bericht wurden Reiseerinnerungen der schönsten Art gewewckt!
    LG Rolf

  • pleuro

    Sehr schöne Einblicke in die Insel, interessant und gut geschrieben! Ich kenne Bali nicht, aber Dein Bericht macht Lust darauf, es selbst kennen zu lernen! LG Anne

  • Blula

    Danke für diesen schönen Bericht, der mich an meine erste wirkliche Fernreise erinnert hat... . auf die Trauminsel Bali...
    LG Ursula

  • globetrotter

    Sehr schöner einfühlsamer Bericht. Gut, dass ich ihn endlich entdeckt habe!
    Unsere Bali-Reise liegt noch länger zurück als deine ( Mitte der 90er Jahre)
    .Wir mieteten am Flughafen einfach ein Auto und machten uns eine Woche lang auf Entdeckungstouren.Die Sternehotels mieden wir, es gab überall kleinere Hotels bei den Sehenswürdigkeiten.
    Ich hatte mich vor der Reise etwas mit der Landessprache befasst und konnte so ein paar Ausdrücke, was alle begeisterte.
    Anmerkung: indonesisch ist eine sehr einfach strukturierte Sprache, z.B. heißt es . ich gehe, ich gehe gestern, ich gehe morgen für unterschiedliche Zeiten, der Plural wird durch Vertdoppeln des Wortes gebildet: ein Beispiel. orang ist der Mensch, orang-orang sind dann mindestens 2 Menschen:)
    LG Ute

  • freeneck-farmer

    Sehr schönes Bericht das ich nochmal gelesen habe. Auch alle Kommentare sind gut.
    Auch ich war in der 90er Jahre 2x mal auf Bali, 2x eine Woche weil wir entweder nach Sulawesi oder Lombok wollten. Indonesien ist immer eine Reise wert.
    Noch etwas Bahasa Indonesia:

    Selamat jalan! : Gute Reise!
    Sampai jumpa lagi: Auf Wiedersehen
    Apa khabar/kabar? : Wie geht’s?
    Terima kasih! : Danke!

    Wir Niederländer haben ja (mittelerweile) eine gute beziehung zu Indonesien und lernen in der Schule auch ganz viel über Indonesien.
    LG Anneken

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  • moho

    toller Bericht. mehr davon :-)
    LG Moni

  • anrau

    Ich kann ALLEM nur zustimmen :-)

    LG Angela

  • ingepeter (RP)

    Hallo Eberhard, ein kurzweiliger Bericht, gefüttert mit guten Tipps! Dein Hinweis dort keinen Mietwagen zu nehmen sollte unbedingt ernst genommen werden. Ein Taxi zu nutzen (Deine Empfehlung) ist günstig und auch stressfreier, denn die Verkehrssituation zeigt sich in der Beschilderung und Fahrweise schon recht unübersichtlich. Gruss Inge

  • fhaid

    Hallo Eberhard, wir waren 2009 vier Wochen auf Bali und hin und hergerissen. Auf der einen Seite das Fremde und Exotische, auf der anderen der Massentourismus und eine Insel, die aus allen Nähten platzt. Wenn man ein bisserl hinter die Kulissen schaut, ist von "echter" Exotik aber nicht mehr so viel zu sehen. für uns hat Bali sehr polarisiert. Interessant war es allemal!

    Lg und immer "Gut Licht" - Florian & Birgit

  • Guido

    Lieber Eberhard,
    danke für deinen Bericht . Ja Bali mit seinen liebenswerten Bewohner ist eben doch etwas anders als die Balearen. Du hast einige mir unbekannte Inseln nähergebracht die ich gerne bei unserem nächsten Bali Urlaub 2012 kennenlernen möchte.
    Liebe Grüsse
    Guido

  • Al_Bule_Gila

    Hallo Eberhard,
    zu Fuß durch einen neuen Ort, so mache ich das auch meistens. :) Mindestens zwei Mal verlaufen sonst fühle ich mich nicht wohl.
    Ich habe mir später auf Bali den Roller gemietet, trotz der Horror-Geschichten und obwohl ich in Deutschland niemals auf so eine Kiste steigen würde.

    Das Chaos hat für mich eine natürliche Ordnung, wenn was größeres kommt, muss man schnell weg sein, nur nach vorne schauen und nach links einfach abbiegen. Ich habs überlebt...

    Vielen Dank für deine Eindrücke der Insel und für die nette Begrüßung auf meinem Bericht zu Bali!

    Grüße, Albert

    PS: Ich bin erst seit gestern angemeldet und muss mich noch ein bisschen hier rein fuchsen. :)

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  • Streunerin

    Der Reisebericht ist wunderbar geschrieben,und so haben wir den Urlaub auch erlebt.Wir waren drei Wochen dort und zwar in Sanur.Und das war im November 2010.
    LG Birgitt

  • windweit

    Tsstss, "die Kamera nicht (immer) dabei". Das geht aber nicht ;-)
    Du hast es aber trotzdem geschafft ein farbenfrohes Bild der Insel zu entwickeln.
    LG Gabi

  • RELDATS

    War erst vor einer Woche in Bali (drei Tage Kuta und vier Tage in einem Hotel bei Lovina) und finde den Bericht gelungen, doch auch etwas durch die rosarote Brille betrachtet. Kuta ist leider ein "Ballermann" , aber am meisten hat mich der allgegenwärtige Dreck und Abfall, nicht nur an den Stränden, gestört. Eine Schande die Plastikflaschen- und Tüten. Bali, eine Insel der Götter ? Leider nicht, meinen Erfahrungen nach!
    Nette Grüße........Josef

  • Schili

    Sehr schöner Reisebericht. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich anscheinend, was das Selbstfahren im Ausland betrifft, von einer ziemlichen schmerzbefreitheit beseelt zu sein scheine...Lach. Ich fand's auf Bali gar nicht so wild. Liegt aber unter Umständen auch daran, dass ich schon deutlich lebensverneinendere Fahrstile (Beirut, Dakar, Bamako....) erleben durfte - Köln am Freitag abend auf den Ringen nicht zu vergessen....;-) An Bali denk ich gern zurück. Gruß aus Köln.

  • views-of-life

    Ich kann mich nur anschliessen....
    Ein wirklich schöner und sehr interessanter Reisebericht der richtig Lust auf Bali macht.
    Deine Tipps finde ich auch klasse und werde sie beherzigen wenn ich nach Bali reise.
    Leider habe ich es bisher noch nicht auf die Insel der Götter geschafft aber auf meiner Liste steht sie ganz weit oben.
    LG Steffi

  • rrobby

    danke für den schönen Reisebericht, in ein paar Wochen reise ich selber nach Bali!
    LG Robert

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