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Reisebericht: Montenegro: Naturoase Skutarisee

 
 
 
 
 
Reisebericht: Montenegro: Naturoase Skutarisee

Der nagelneue Citroen holpert über die bucklige Strasse. Hinter uns hupt es, vor uns eine Staubwolke aufgewirbelt vom vorausfahrenden Laster. Und wir mittendrin. Ich grinse. Das ist Autofahren mitten durchs südländische Temperament! Wir sind auf dem Weg zum Skutarisee, dem größten See der Balkanhalbinsel ...

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Naturoase Skutarisee

 
 
 
 
 

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Der nagelneue Citroen holpert über die bucklige Strasse. Hinter uns hupt es, vor uns eine Staubwolke aufgewirbelt vom vorausfahrenden Laster. Und wir mittendrin. Ich grinse, das ist Autofahren mitten durchs südländische Temperament! Der C4 mit seinen supermodernen digital-elektronischen Anzeigearmaturen passt irgendwie nicht in diese eher urwüchsige Infrastruktur. Natürlich ist das kein Problem für ihn, auch wenn er sich erst noch mit seinen bisher 450 gefahrenen Kilometern an sein neugeborenes Autoleben gewöhnen muss.

Claudia und ich sind mit dem französischen Leihwagen zum Skutarisee unterwegs. Die Montenegriner nennen den See Skadarsko Jezero, Skadarsee. Den Albanern gehört auch ein Teil des Sees und dort heißt er Shkodersee nach der an ihm liegenden Stadt Shkoder oder Shkodra.

An irgendeiner Stelle der Strasse verfahren wir uns und kommen nun nicht auf direkten Weg zum Skutarisee, sondern fahren in Richtung der Touri-Stadt Ulcinj. Auch gut, dort waren wir bisher im ganzen Leben auch noch nie und nun ist es eben soweit. Doch viel werden wir nicht sehen von dieser Stadt. Das meiste von der geschlossenen Autoscheibe aus. Doch da – wir überqueren gerade das Flüsschen Brdela – gewahren wir komische Fischfanggeräte. Super Fotomotiv! – und schon halte ich kurz hinter der Brücke in einer auslaufenden Kurve, noch kurz vor dem Schild "Halteverbot". Mir ist klar, dass ich hier nicht günstig stehe, doch wenn es denn nicht verboten ist … - Wir sind ja auch gleich wieder zurück! Packen unsere Kameras und eilen auf die Brücke.

Kaum steht das Stativ, bremst hinter mir ein hupendes Auto (oder: hupt ein bremsendes Auto?) und durch das offene Beifahrerfenster schreit mich der vorbeifahrende Polizist an. Ich bin zwar nicht taub, halte der weiteren Ärgervermeidung halber jedoch lieber meine Klappe gegenüber dem Schreihals. Ich weiß, was er meint und trabe brav zurück zum Citroen. Umparken kein Problem, ich finde schnell eine andere Parklücke. Von gegenüber kommt der Fahrer des parkenden VW Golfs hinter mir herangeeilt und tut so, als ob er etwas aus seinem Handschuhfach holen will. Will er jedoch nicht, das merke ich genau: er hat Angst vor Beulen und beobachtet meine Lenkeinschläge eher argwöhnisch. Sieht mein "Anlege-" Manöver so ungeschickt aus?



 
 
 
 
 

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Ab sofort wird ohne Umwege die Richtung zum Skutarisee genommen. Wir sausen durch die erhabenen Landschaften des Rumija-Gebirges, wo Esel es ganz natürlich finden, dass wir sie ungeschoren ziehen lassen. Trotz der ständig die gesamte Aufmerksamkeit des Fahrers fordernden unübersichtlichen Kurven und Kehren. Ich denke: ‚Na, was gibt’s bei einem Esel auch schon zu scheren!’ und lasse die Tiere also tatsächlich ungeschoren weitertraben.

Endlich erreichen wir den Skutarisee. Wir halten genau an einer extra angelegten Ausweichbucht. Von denen gibt es hier zum Glück einige, denn die Strasse hat sich längst zu einem schmalen einspurigen Weg verjüngt. Wir möchten diese beeindruckende Landschaft auf Fotos fixieren, doch aus dem Auto aussteigen mag von uns keiner. Der Citroen ist klimatisiert und hat uns so die ganze Fahrt lang verwöhnt. Autotür kurz aufgemacht – und wir wissen, was wirklich gespielt wird. Wir können uns schließlich doch dazu durchringen, was dazu führen wird, dass wir danach unsere Kleidung auswringen können. Mein Gott ist das heiß und feucht hier! Und mein Gott, ist diese Aussicht herrlich! In der Ferne die Linien zwischen Wasser und Horizont fließen ineinander. Das ist immerhin gerecht, ist doch so anzunehmen, dass es dort hinten genauso drückend ist wie hier! Wir schleichen wieder in unser Auto. Auf dem schmalen Weg entlang des Skutarisees werden wir noch mehrmals anhalten und in außergewöhnlichen Aussichten schwelgen. So atemberaubend schön ist das hier.




 
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Kommentare
  • trollbaby 18.11.2009 | 20:34 Uhr

    Sehr interessant Dein Bericht über diese touristisch noch überhaupt nicht erschlossene Region! Durch die schönen Fotos kann man sich auch alles besser vorstellen!
    LG Susi

  • freeneck-farmer 20.11.2009 | 15:03 Uhr

    Schön, dein Bericht. Und auch die Bilder sind gut. Wir waren hier mit eine alte umgebaute Mercedesbus in 1992, wir sind damals von Deutschland aus durch (damals) Jugoslawien gereist und sind bis an den See gereist. Damals sind wir auch mit ein Boot über den See gefahren, Touristen gab es damals auch nicht.
    LG Anneken

  • enfrente 20.11.2009 | 19:54 Uhr

    Lustig erzählt. Und diese Region ist immer noch nicht richtig erschlossen. Schon damals war es so, als ich mit meiner Familie per Pedes nach Griechenland fuhr und durch Montenegro musste und wir uns dort noch verfahren hatten. Aufjedenfall war uns nicht ganz wohl - lauter finstere Gesichter die ernst schauten und keine Touris zu sehen nur wir...lol. Lang ist es her (ich glaub 1988). Danke für die schöne Anekdote. lg romy


  • Blula 21.11.2009 | 11:41 Uhr

    Dein Reisebericht, in lockerem Stil geschrieben, liest sich sehr gut und hat mir dementsprechend sehr gefallen. Ich habe die Gegend mal -noch vor dem Jugoslawienkrieg- bereist, weswegen mich Deine Erzählung auch besonders interessiert hat und ich mich an manches erinnere. Es hat sich anscheinend seitdem noch nicht viel verändert.
    LG Ursula

  • Claus_Wagner 23.11.2009 | 20:33 Uhr

    Ein sehr schön geschriebener Bericht. Diese Gegend ist mir bislang vollkommen fremd geblieben. Dass sie durchaus ein lohneswertes Ziel ist, zeigt Dein Bericht!
    Gruß
    Claus

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