Mit Wüstenschiffen in ein Meer der Stille

Reisebericht

Mit Wüstenschiffen in ein Meer der Stille

Reisebericht: Mit Wüstenschiffen in ein Meer der Stille

Nachdem ich schon einige Male in Gruppen in die Wüste gereist bin, musste ich die Einsamkeit und Stille für einmal nur mit zwei Kamelführern und ihren vier Kamelen auf mich wirken lassen. Mentale Erholung pur!

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20.04.2007

Anreise

Nachdem ich schon zwei Mal mit der Caravane Chaima in der marokkanischen Sahara war, will ich dieses Mal alleine mit zwei Kamelführern die Stille geniessen gehen. Die Caravane hat alles für mich organisiert, ich muss nur zahlen.

Leider muss man über Casablanca fliegen, um Ouarzazate zu erreichen, wo ich erwartet werde. Wie so oft hat der Flug nach "Casa", wie die Einheimischen Casablanca nennen, Verspätung. Dieses Mal habe ich Glück und ich erwische den letzten Flug nach Ouarzazate an diesem Tag. Ich musste auch schon in Casa übernachten. Und wenn ein Anschlussflug der Royal Air Maroc wartet, dann auch richtig, nämlich auch auf's Gepäck. Schliesslich erreiche ich Ouarzazate eine Stunde zu spät, um 1:00 nachts. Ali, der Chauffeur der Caravane, erwartet mich schon, um gleich die Fahrt nach Zagora unter die Räder zu nehmen. In Ouarzazate war ich schon zwei Mal und habe die grösste Attraktion, die Kasbah Taourirt, bereits gesehen.

Morgens um 3:30 endlich haben wir Zagora erreicht. Ali begleitet mich zur Caravane, ein schönes, grosses Haus mitten in der Palmerie (Palmenhain) von Amezrou. Ich übernachte in der Caravane. Ali zeigt mir mein "Zimmer", eine sehr bequeme und grosse Matratze mit Wolldecke auf dem Dach. Ich darf zwischen rauschenden Palmenkronen schlafen. Bald nachdem ich mich hingelegt habe, werden die Geräusche der Nacht (zirpende Zickaden) von den Geräuschen des Tages (laut zwitschernde Spatzen) abgelöst. Nach vier Stunden Schlaf bin ich schon wieder hellwach, das Tageslicht lässt mich nicht länger schlafen.



Ein Tag in Zagora

Nach einer erfrischenden Dusche, erwarten mich Malaga (einer der zwei Kamelführer) und Hamid (Besitzer der Caravane) zum Frühstück im Garten.

Anschliessend fahren wir ins Städtchen. Wir besuchen Ibrahim, Hamids Schwager, in seinem Bazar. Er hat auf Anraten von Hamid den ersten Stock seines Ladens neu gestaltet und empfängt seine Kunden jetzt auch dort. Beim gewohnten süssen Pfefferminztee kaufe ich zwei Chechs (Tücher für den Kopf-Turban) und zwei Gandoras (weite, luftige Gewänder). Nach der Wüste werde ich bestimmt nochmal kommen, er hat noch viele interessante Dinge!

In der Markthalle von Zagora kaufe ich Kajal. Nein, nicht Stifte sondern das Pulver. Kajalpulver ist zermahlener schwarzer Stein. Ich könnte schon jetzt einen Grosshandel damit aufziehen, weil ich so viele Frauen kenne, denen ich Kajal nach hause bringen soll. Es ist auch eine fantastische Sache! Es sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch noch gut für die Augen. Es hat desinfizierende Eigenschaften. Ich habe schon erlebt, dass bei einer Frau mit schlimm tränenden Augen, das Problem sofort behoben war, sobald der Kajal in den Augen war. Oder im anderen Extrem, eine Frau mit sehr trockenen Augen, die selbst in Europa Augentropfen braucht, sie diese absetzen konnte, als sie anfing den Kajal regelmässig zu benutzen.

Am Nachmittag fahre ich mit Hamid nach Tamegroute. Wir müssen sehr langsam fahren, da der Wind auf der Ebene ziemlich stark bläst. Leider ist die Bibliothek in Tamegroute geschlossen. Also machen wir uns gleich auf den Weg in den Untergrund. Ein Junge führt uns in die Kasbah, zu Beginn ist es stockdunkel. Erst als wir einen der Belüftungsschächte erreichen, kann ich wieder was sehen. Wir erreichen das Töpfereiviertel. Ich bekomme eine interessante Führung, auf der mir erklärt wird, wie aus einem Brocken Lehm ein fertiges Gefäss entsteht.

Wieder in Zagora fahren wir kurz entschlossen auf einem Schotterweg den halben Berg von Zagora hoch, bis wir einen Rohbau erreichen, der ein Hotel werden sollte, von dem man aber nicht weiss, ob es je fertig wird. Zwischendurch befürchte ich, dass das Auto gleich einen Achsenbruch hat. Der Nervenkitzel lohnt sich, die Aussicht von oben ist atemberaubend. Die tief stehende Sonne und die vorüber ziehenden Wolken liefern die nötige Dramatik.

Zurück in der Caravane, mache ich mich ans Packen für die Wüste. Es muss alles Notwendige in meine Sporttasche, was aber kein Problem ist. Unterdessen kocht Malaga eine herrliche Tajine mit Hackfleischbällchen. Dazu gibt es erfrischende Gurken und saftige Oliven.

Kaum sind wir fertig, hören wir auch schon in der Ferne den Beginn des Abendkonzertes des ersten Zagora-Musikfestivals. Hamid und ich marschieren los. Der Wind bläst unvermindert und bis wir beim Konzertplatz ankommen, ist das Konzert abgebrochen. Schade! Nach einem kurzen Spaziergang durch Zagora kehren wir zur Caravane zurück. Nach einer Wasserpfeife und schön süssem marokkanischem Tee, begebe ich mich auf die Terrasse und geniesse vor dem Einschlafen den Sternenhimmel.



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Kommentare

  • u18y9s26

    Du schreibst über die Maßen ausführlich. Das macht es nicht leicht bis zum Ende zu lesen, es sei denn man lässt sich auf die Ruhe der Wüste und dieser Reise ein.. So eine Reise macht jedoch sicher echte Begegnung mit den Menschen möglich. Deine Porträtfotos haben mir sehr gefallen. Mich hat sehr beeindruckt, mit welchen einfachen Möglichkeiten das Kochen in der Wüste zum Erlebnis wird. In welcher Sprache hast du dich mit deinen Begleitern unterhalten?
    LG Ursula

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