Balloons over Bagan

Reisebericht

Balloons over Bagan

Reisebericht: Balloons over Bagan

...und dann schwebe ich durch die Luft, unter mir wird die ganze Pracht in seiner unbeschreiblichen Dimension sichtbar. Im Osten erhebt sich die Sonne und taucht die Ebene von Bagan in einen märchenhaften Nebel.

„Und nun möchte ich sie noch auf eine Sehenswürdigkeit aufmerksam machen, nicht ganz so bedeutend, wie die Pagoden: Dort unten, mit dem roten Dach, das ist mein Haus.....“ Lee Hooper, Chefpilot meines Ballons, öffnet die Gasdüsen, eine Flamme zischt in die tief dunkelrote Ballonhülle, wir gewinnen unmerklich an Höhe. „I’m sorry, I have to wake up my family!“, spricht’s, beugt sich über den Ballonrand und lässt ein ‚Ming ga lar bar’ in die Tiefe erschallen. Von unten, irgendwo aus dem Bereich des Hauses mit dem roten Dach, echot es zurück „Ming ga lar bar.....“. 12 schmunzelnde Gesichter im Ballon. Lee hat uns voll im Griff.

Es ist 5:30 Uhr, als ich im Dunkeln von einem Oldtimerbus ohne Türen aber mit Holzläden an den Fenstern und der Aufschrift „Balloons over Bagan“ abgeholt werde. Noch in drei anderen Hotels werden vereinzelt Touristen eingesammelt. In meinem Bus schaukeln kurze Zeit später sechs müde Gesichter aus Deutschland, Kanada und Hongkong durch die Nacht. Nach einer halben Stunde erreichen wir ein kleines Provinzfußballstadion. Der Platz hat aber auch schon bessere Zeiten erlebt, das ist in diesem Augenblick jedoch egal. Auf dem Rasen liegen drei riesige Ballonhüllen, es wird - typisch britisch – Tee gereicht, aber auch Kaffee. Es ist eine britische Firma, die hier die Konzession erhalten hat, mit drei Ballons jeden morgen, soweit es das Wetter zulässt, aufzusteigen und einen traumhaften Sonnenaufgang über dem Tempelfeld zu erleben. Insgesamt 28 Plätze stehen jeden Tag nur zur Verfügung, auch ich habe es ausschließlich jeder Menge Glück zu verdanken, dass ich nun eine Sicherheitsbelehrung von meinem Piloten erhalte. 250 US-Dollar kostete 2006 das gediegene Erlebnis, aber das sollte es wert sein. Man gönnt sich ja sonst nichts...

Dann, in kaum vorstellbaren wenigen Minuten, werden die riesigen Ballone ‚aufgeblasen’ und schon erklimme ich die mir zugeteilte Wabe an einer der vier Korbecken. Es ist eng und ein bisschen aufgeregt bin ich schon: hundertprozentig schwindelfrei bin ich nämlich nicht! Und dann hebe ich ab, leicht wie eine Feder schwinge ich mich aus dem Stadion hinaus in den morgentlichen Himmel. Lee gibt alles an den zischenden, bollernden Düsen. Und fängt dann an zu erzählen in seinem typisch britischen slang und mit Humor. „ Oooh, sie sind vor zwei Jahren schon mit mir gefahren! Sorry, dass sie nun die gleichen Witze hören. Schreiben sie mir doch in zwei Jahren einfach vorab eine Mail, damit ich mir etwas Neues einfallen lassen kann.....“ Lachen!



Über den Tempelruinen von Bagan

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Und dann schwebe ich durch die Luft, unter mir wird die ganze Pracht in seiner unbeschreiblichen Dimension sichtbar, als sei ich in eine unbekannte, nie gesehene Welt architektonischer Formen geraten. Es ist, als sei ich auf einem anderen Planeten entschwunden. Die Ebene von Bagan ist eine Trockensteppe, an einer Biegung des Ayeyarwady gelegen. Dort im Osten erhebt sich die Sonne und taucht die Landschaft in einen märchenhaften Nebel: der Dunst der morgentlichen Herdfeuer wabert über die noch kühle Landschaft. Aber schon die ersten Sonnenstrahlen erwärmen die Ebene. Um diese Tageszeit zeigt sich die Natur noch in schönen matten Farben – das zarte Grün des Laubes, das rosige Braun der Erde und der Baumstämme – wie Aquarellfarben, die später im grellen Licht der aufsteigenden Sonne verschwinden werden. Tempel und Pagoden ragen aus dem Buschland, Stufenpyramiden in glühend roten Backstein. Einige der Pagoden sind vergoldet, schon am Morgen blenden sie in der Sonne. Zwischen den großen Monumenten tüpfeln hunderte kleinerer Pagoden die Ebene, umrahmt von Feldern und kleinen Wasserstellen. Das Landvolk zieht, auf Miniaturgröße geschrumpft, wie die kleinen Plastikfiguren bei Modelleisenbahnen, über Trampelpfade zu ihren Feldern. Mein Ballon zeichnet sich als Silhouette auf dem kargen Boden und – Lee zieht nun alle Register an den Gas- und Steuerseilen – zuletzt auf der Kuppel des kolossalen Dhama-yan-gyi-Tempels ab. Ich kann mich nicht satt sehen. Schwindelgefühle? Welche Schwindelgefühle? Ich bin in meinem eigenen Traum und genieße jede Minute.

Nach einer Stunde bereite ich mich auf die Landung vor: Im Korb niederkauern und an den Haltelaschen festhalten, diszipliniert nach den Vorgaben der Sicherheitsbelehrung. Man kann ja nie wissen...... Geradezu sanft aber setzt Lee uns auf den Boden auf, die Luft wird von vielen fleißigen burmesischen Helfern der Firma aus dem Ballon gedrückt, wir steigen aus dem Korb. Stilecht wartet Champagner und Obst auf uns. Und eine Urkunde gibt es auch.

Ein grandioses Erlebnis, ein Fahrt durch eine andere Welt, wie Peter Pan durch eine Märchenmystik, mein Traum ist in Erfüllung gegangen! „Kye’ zu’ bar“, danke.


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Kommentare

  • traveltime

    So habe ich es auch erlebt.
    http://www.vera-rolf-hehnen.de/Balloon/balloon.html
    hier ein paar Fotos

  • venus

    sehr interessant, vielen Dank...

  • RdF54

    Neben Segeln ist das Ballonfahren wohl einer der schönsten Fortbewegungsmöglichkeiten!! :-))
    LG Robert

  • INTERTOURIST

    Mit Worten Bilder gemalt. Kurzweilig und pointiert.
    Sicher liegt es auch daran, dass ich 2003 (ach du Sch.... 10 Jahre her!) auf den Pagoden saß und die Sonnenauf- und untergänge genossen habe.
    Ballon gefahren bin ich damals nicht. Das will ich aber nachholen.
    Bis dahin ist Bagan aber mit Sicherheit von Touristen überrannt und die Abgeschiedenheit und Ruhe von damals dahin.
    Die Email Adresse von Lee wäre wirklich ein zusätzlich guter Tipp.

    Grüße Jörg

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Balloons over Bagan 4.27 11

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