Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Reisebericht

Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Reisebericht: Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Abseits touristischer Pfade bleibt das Reisen auf Madagaskar auch im 21. Jahrhundert spannend, anstrengend und abenteuerlich. Eine kleine Expedition ins Ungewisse mit Überraschungen aller Art. Oktober 2007

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Ankarana Special Reserve



Von einem Nationalpark zum nächsten

Ankarana Nationalpark

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Die spitzen Felsnadeln des berühmten Ankarana Spezialreservates liegen hinter uns, die flirrende Hitze über den halsbrecherischen Nadeln des Kalkstein-Tsingy, die stolzen Baobabs, asketischen Pachypodien, Euphorbien und sonstigen Heldengewächse des Trockenwaldes, die bei brutaler Hitze auf nacktem Fels wachsen. Dunkelgraue Papageien, Flughunde mit einem Meter Flügelspannweite, Fledermäuse in einer riesigen Karsthöhle, endemische vom Aussterben bedrohte Lemuren (Halbaffen), bunte Chamäleons und zahlreiche Vogelarten - unvergesslich!

Unser neues Ziel hat den melodischen Namen Analamera – ein winziges heiles Fleckchen inmitten der erodierten Erde Madagaskars das noch nicht allzu lange als Reservat ausgwiesen ist. Wir haben fast keine Informationen darüber – außer einer Anmerkung in unserem 10 Jahre alten Reiseführer: Der Park soll unzählige Tierarten beheimaten und touristisch nicht erschlossen sein. Was immer das bedeutet wollen wir herausfinden.

Zunächst bringt uns ein Taxi Brousse, nach Anivorano Nord – wo die madagassische Nationalparkbehörde ANGAP ein Büro unterhält. Das einstöckige Betongebäude steht direkt am Straßenrand im roten Staub der kargen Landschaft und wird scheinbar ständig gefegt. Viel mehr dürfte auch nicht zu tun sein, denn Touristen verirren sich selten hierher oder benutzen den Ort nur auf der Durchreise nach Norden. Der Leiter der Behörde ist ein freundlicher Mann dessen Rang durch einen imposanten Bestand an Stempeln und einem Mobiltelefon repräsentiert wird. Er verkauft uns Tickets für einen 3-Tages-Aufenthalt und bemerkt, dass man den Park nur mit eigenem Zelt sowie ausreichend Wasser und Proviant erkunden kann. Wir benötigen noch ein paar Informationen zur Anreise und den obligatorischen Führer, ohne den man keinen der Parks in Madagaskar betreten darf. Ein Anruf sollte genügen.

Viele Madagassen besitzen heutzutage ein Handy, allerdings gibt es abseits der großen Städte kaum Strom und viele dieser kleinen Hightech-Spielzeuge werden zwar geliebt, können aber nicht geladen werden. Es wundert uns nicht sonderlich, dass wir per Telefon keinen Guide auftreiben können und so uns bleibt nichts übrig als voraus zu fahren in der Hoffnung, dass der Herr noch irgendeinen Kontakt bis zu unserem Eintreffen in Ankarongana zu Wege bringt.



Buschtaxi



Sadjovato - ein Geduldsspiel

Gemüsehandel in Sadjovato

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In einem alten Peugeot 404 mit 3 eingebauten Sitzreihen und 12 Mann Besatzung plus einem Kind geht es nach Sadjovato, dem letzten Ort an der Nationalstraße. Hier müssen wir Wasser und Proviant für 3 Tage einkaufen, da es später keine Gelegenheit mehr geben soll. Das Buschtaxi wird am Ortsausgang von Polizisten kontrolliert und wie fast immer stecken die Fahrer Geldscheine zwischen die Papiere. Außer Sichtweite der „Ordnungshüter“ müssen zwei der Passagiere das Auto verlassen. Sie dürfen später wieder zusteigen, wenn das Fahrzeug zurück gefahren und mit 2 weiteren Passagieren erneut die Polizeisperre passiert hat. So macht man das Bestechungsgeld wieder wett, während die atemraubende Enge von einheimischen Passagieren stoisch ertragen wird.

Sadjovato ist ein Straßendorf mit ein paar Tomaten- und Bananenverkäuferinnen, einer Schule und einem Gemischtwarenladen, der auch als Kneipe dient. Wir haben ausführlich Gelegenheit die Dorfidylle zu studieren nachdem wir die letzten 8 Flaschen Mineralwasser, 3 Dosen Sardinen und Corned Beef und ein paar Stangen Baguette gekauft haben. Am Straßenrand sitzend betrachten wir vorbeifahrende Ochsenkarren, Kinder auf dem Schulweg und total überladene Transporter, immer darauf bedacht, unsere eigene Unruhe so gut wie möglich zu verbergen. Das würde den Einheimischen, die uns verstohlen beobachten äußerst lächerlich vorkommen.

Als nach 4 Stunden endlich das ersehnte Buschtaxi kommt, das uns die 10 km nach Ankarongana bringen soll, ist es wieder ein alter Peugeot, voll gestopft mit Menschen, einem Gepäckturm obenauf und einem kaputten Hinterreifen. Der Fahrer muss ihn ca. alle 20 min mit der Handpumpe wieder flott machen und die Fahrt dauert entsprechend etwas über eine Stunde. Die Straße ist nicht mehr als ein staubiger zerfurchter Feldweg aber die Gegend sieht zumindest für Echsenfreunde verlockend aus: jede Menge Chamäleons in den Büschen und eine dicke gelb-schwarze Schlange kreuzt den Weg.



Jedes Transportmittel ist erlaubt


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Kommentare

  • winni

    Leider ist auf der Seite 6 nichts. Habt ihr die Reise privat gemacht oder mit einer Reisegesellschaft? War die Reise im Oktober 2007 und wie kann man es selber organisieren? Auch hätte ich gerne mehr Informationen, wie ihr die Reise vorbereitet habt. Wie ist das Wetter im Oktober dort. lg winni

  • doubleegg

    Hallo winni,
    es gibt eigentlich nur 5 Seiten? Die Reise war im Oktober 2007 und privat organisiert. D. h. wir haben den Flug mit Air France und 3 Inlandsflüge mit Air Madagascar im voraus gebucht. Die restlichen Strecken mit Buschtaxis. Die Route wurde vorher genau nach den Flügen festgelegt, da wir nur 3.5 Wochen zur Verfügung hatten. Wir haben ausschließlich Nationalparks und Reservate bereist. Wetter im Oktober ist ok, nicht zu heiß und noch keine Regenzeit. Ein paar Brocken Französisch oder besser Madagassisch sollte man sich vorher schon aneignen. Ein neuer Reiseführer Madagaskar kommt - glaube ich - dieses Frühjahr in den Handel.
    Herzliche Grüße doubleegg

  • Weltenbummlerin

    Hallo doubleegg!
    Toller Bericht. Obwohl ich während meiner Reise den Nordteil des Landes nicht bereisen konnte - jetzt war ich da!
    Viele Grüße,
    weltenbummlerin

  • Sahara

    Wow, was für eine tolle Reise! Ich bin von Madagsakr begeistert und dieser Bericht hat es geschafft, mich dorthin mitzunehmen! Danke dafür!!!

  • Focuswelten (RP)

    Hi!

    Tolle Reise, die Du da "hingelegt" hast. Der Bericht hat mich ganz besonders gefreut, da ich dieses Jahr auch wieder nach Madagaskar fahren - und diesmal endlich wieder den Norden bereisen werde. Letztes Jahr ging es nicht, da die Wirbelstürme bei unserer Zeit auf Madagaskar den Nordteil vom Rest der Insel vollständig abgeschnitten hatten.

    Veloma
    Beppo - Focuswelten

  • RdF54

    ein schöner fesselnder Bericht!!
    LG Robert

  • trollbaby

    Beim Lesen dieses tollen Berichts kommt Abenteuerfeeling pur hoch! Dafür 5 Punkte!
    LG Susi

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  • brandriba

    Ganz, ganz toll, hat echt Freude gemacht virtuell mitzureisen. Dafür von mir 5PT!!
    LG Dani

  • Blula

    Ganz, ganz toll und packend erzählt. Bin fasziniert, nicht nur von Euren Eindrücken, sondern auch von den großartigen Fotografien. Super!!
    LG Ursula

  • BuWe

    Ein faszinierender Reisebericht, liebe Elke. VlG Anne Do.

  • Zaubernuss

    was für ein schöner Reisebericht! Ich danke Dir für die vielen Einblicke in eine mir unbekannte Welt!
    LG: Ursula

  • mamaildi

    Wie schön, wenn immer mal wieder ältere Berichte in der Zierleiste auftauchen, da findet man dann solche Schätzchen!!
    Vom "Ende der Welt" wird häufig gesprochen - du bringst es uns hier näher. Klasse erzählt und dann noch die tollen Bilder dazu, dickes danke!
    LG Ildiko

  • windweit

    Ich bin fasziniert! Das ist eine Art von Abenteuer, wie ich es mag. Auch wenn ich es hasse, viel Gepäck durch die Gegend zu schleppen und von Mücken zerstochen zu werden. Und ich kann gar nicht verstehen, warum ich den noch nicht gelesen habe.
    LG Gabi

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