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Reisebericht: mit einem sack zement durch norwegen
der versuch zu fuß den nationalpark der hardangervidda von ost nach west zu durchqueren
idee und vorbereitung
idee:
nach vielen schlaflosen tagen und bierschwangeren nächten komme ich von meinem ursrünglichen plan, von irkutsk mit dem rad nach ulan bator zu fahren, ab.
zu kurzfristig, zu wenig vorbereitungszeit, und der blick meiner freundin lassen mich schon im vorfeld dieser grandiosen idee scheitern, aber wer weiss. aufgehoben...
statt dessen nimmt die idee, mit meiner freundin nach norwegen zu reisen, und den nationalpark hardangervidda von ost nach west zu durchqueren, immer mehr form an.
vorbereitung:
ausrüstung ist im professionellen stil aureichend vorhanden, und so müssen wir uns nur noch einig werden was wir alles mitnehmen. klar ist, das es nur das notwendigste sein darf, da wir ja alles selbst tragen müssen, und so unabhängig wie möglich unterwegs sein wollen. das heisst spritkocher putzen, trockennahrung einkaufen, die angel muss mit. meine analoge mittelformatkamera macht mir lange kopfzerbrechen.
sie hat immerhin mit stativ allein 4kg. aber ich lass lieber die eine oder ander unterhose weg, anstatt mich von ihr zu trennen. im letzten moment sehe ich das die nähte meines überzeltes neu silikonisiert werden müssen, und so vergeht die zeit rasend schnell.
zum schluss stehen dann zwei fette rucksäcke im vorraum mit 13 und 23 kg.
meiner ist fast so schwer wie ein sack zement.
mir schwahnt nichts gutes und grinse als mich meine freundin mit starrem blick fixiert.
tag 1
24.juni, 4:30 MEZ
der wecker läutet unerbärmlich, und kapituliert auch nicht nach dem 3. mal abdrücken.
also auf, hilft ja doch nix, sonst verpassen wir noch den flieger, der uns um 7:15 von wien-schwechat über amsterdam nach oslo bringen soll.
schon als wir die rolltreppe zur s-bahn hinaufgehen, lassen uns die schweren rucksäcke erahnen was uns bevorsteht. doch die vorfreude endlich nach norwegen zu reisen lässt uns die druckstellen schnell vergessen.
um ca. 14:00 erreichen wir oslo in bestem sonnenschein bei 25 grad celsius. unglaublich, wo doch in österreich seit tagen regenwetter herrscht. nicht wissend das sich dieser zustand bis zum schluss nicht ändern wird, fahren wir mit dem zug vom flughafen nach oslo city.
um den ausgangspunkt unserer reise zu erreichen, müssen wir mit der bergenbahn richtung norden in den kleinen wintersportort geilo fahren.
wir haben noch 3 stunden bis zur weiterreise, und nutzen die zeit um restliches material zu besorgen, restliches material????naja köder für den fisk, sprit für den kocher,dschungelöl für die mosquitos, dnt-ausweis für ein hüttenbackup.(dnt ist der "alpenverein" der norweger).
nach knapp 4 stunden gegen 20:00 kommen wir in geilo an. die sonne brennt noch immer wie irre vom wolkenlosen himmel als wäre es 3 am nachmittag.
wir machen uns und unser gepäck fertig, tanken wasser, nehmen die karte in die hand und navigieren uns durch das kleine touristennest in richtung gebüsch.
die karte ist im maßstab 1:100 000, viel genauer war nicht zu kriegen. insider meinten das wär nicht notwendig da die wege gut mit markanten roten T`s markiert wäre.
im gebüsch entlang einer schilifttrasse plötzlich der erste überfall.
mosquitos. bis ich das vom verkäufer als second choice bewertete öl auf die freien hautflächen schmieren kann, sind die ersten blutigen schlachten gegen ein übermächtiges heer geschlagen. die second choice des händlers stellte sich als goldrichtig heraus, und wir gewinnen trotz unterlegenheit. (the first choice war ein olfaktorischer wahnsinn, und hätt sich auf die beziehung sicher nicht positiv ausgewirkt)
der weg ist dann doch nicht so gut markiert und wir kommen mit einem umweg endlich auf die hochfläche. mittlerweile ist es 23:00 und wir entscheiden uns zu so später stunde die nächstgelgene hütte anzusteuern und dort zu nächtigen.
hakkesetsolen erreichen wir gegen 23:30 und werden dort von einer sehr gastfreundlichen hüttenwirtin empfangen und mit einem kleinen abendessen belohnt.
duschen, ein blick aus dem fenster, noch immer nicht finster, schlafsack, gute nacht, chrchr chrchr.
tag 2
nach leckerem frühstück mit leckerer elchwurst und viel kaffee, machen wir uns auf den weg richtung tuva. eine flache etappe mit vielen kilometern steht uns bevor. mittlerweile ist es schon 10:00 und die sonne sticht vom himmel, ein leichter wind hilft uns beim kampf gegen die fliegenden blutsauger. zwischen kleinen seen und geröllfeldern, die sich wieder mit sumpfflächen abwechseln, geht es richtung westen.
der weltraum, unendliche weiten, wir schreiben das jahr....
der text geht mir immer wieder durch den kopf, unendliche weiten, keine mensch, kein tier und ein irrer horizont.
alle 3 stunden machen wir pause, nagen von der mitgebrachten hartwurst, trinken aus bächen. beim blick zurück kann mann sich gar nicht vorstellen was für distanzen man zurückgelegt hat.
mit viel vorfreude auf kaffee und kuchen erreichen wir die touristenhytte tuva, doch leider ist geschlossen. was wir nicht wissen, und erst langssam registrieren ist, dass die wandersaison erst anfang juli beginnt ,und mit ihr parallel die bewirtschaftung der hytten. so pack ich meinen kocher aus, und mache mal kaffee, um die müden lebensgeister wachzuschütteln.
wir treffen einen jungen wanderer der sich seit 8 tagen von oslo nach geilo durchschlägt, er schaut ein bisl mitgenommen aus. es stellt sich heraus das er von hytte zu hytte wandern wollte, nur mit notproviant.
er fragt mich auf englisch ob ich mit dem knie noch weitergehen könne. ich meine, "welches knie?" "na das rechte, das beim gehen immer etwas hinkt." mir war bis zum dem zeitpunkt nicht bewusst das ich probleme beim gehen habe. ich grinse etwas schwachsinnig und wünsche ihm alles gute.
kurz nach dem wir die hytte verlassen um einen zelplatz zu suchen überrascht uns ein regenschauer, das geht so schnell das wir pitschenass sind bis wir endlich die regenwäsche übergezogen haben.
es ist schon wieder 21:00, das bedeutet eine gehzeit mit kurzen pausen von ca 10 stunden.
eine schlafplatz wäre längst überfällig, doch leider befinden wir uns in einem riesigen geröllfeld, wo es unmöglich ist einen 2 qm großen ebenen platz fürs zelt zu finden.
ausserdem regnet es aus kübeln, und uns ist kalt.
der versuch einen see zu umrunden um zu einer fischerhytte zu gelangen scheitert kläglich am gelände.
nach einer weiteren stunden finde ich einen platz, den wir unter diesen umständen akzeptieren können, und beginnen mit dem zeltaufbau.
so schnell der regen gekommen ist, so schnell ist er auch wieder vorbei, und der heisse feuerball am himmel beschert uns eine wunderschöne abendstimmung und eine irre mückenplage. wir sehen es gelassen und verspeisen unsere treckingnahrung mit mosquitoprotein. ina und ich tauchen noch kurz in einen see, das heisst, einer nach dem anderen. einer wartet ausserhalb und wachelt mit dem handtuch die gelsen weg, bis der ander sich wieder bekleidet hat.
etwas anders wie zu haus, aber unglaublich erfrischend nach einem so langen tag.
füsse massieren, schlafsack, gute nacht, chrchr chrchr
tag 3
mit dem kopf voller frühstücksgedanken grab ich mich aus meinem schlafsack richtung kocher, unser menü besteht immer aus müsli und kaffee. das müsli haben wir nach einem rezept von "jamie oliver" noch zu hause vorbereitet. das ding ist eine wahre bombe, schmeckt zum umfallen gut und ist extrem nahrhaft. anbei das rezept für interessierte zum nachmachen. (hilft auch der verdauung auf die sprünge, vor allem in kombination mit starkem kaffee).
unsere etappe soll uns heute in richtung rauhellern führen, von tuva ca. 26 km entfernt.
trotzdem wir schon ganz gut eingespielt sind, dauert es seine zeit bis wir fertig zum abmarsch sind. gegen 10:00 machen wir uns auf den weg. täglich routine schleicht sich in den tagesablauf.
alle 2-3 stunden kurze pause, nahrungsaufnahme, bestehend aus hartwurtst, dazwischen immer viel trinken. das kühle nass kann man problemlos aus den klaren bächen beziehen. zwischendurch meldet sich unser beider, durch jahrelanger arbeit als krankenschwester schwer geprägter, "gesunder hausverstand". zum beispiel: klares pipi als parameter zur kontrolle der ausgewogenen flüssigkeitsbilanz.
mit diesem mass kommen wir so ca. auf 4-5 liter pro tag. einfuhr natürlich.
gegen 14:00 erreichen wir das erste ziel, heinseter. eine wunderschöner hytte an einem reissenden fluß mit eigenem windrad. doch auch dieser potentielle kaffee und kuchenspender hat noch geschlossen. so ziehen wir nach einer stunde sonnnenliegen und 10 cm hartwurst weiter. auf den weg nach rauhellern merken wir das erste mal die riesigen distanzen in den knochen. die füße schmerzen, der rücken quitscht und der kopf im inneren macht auch komische geräusche. so quälen wir uns über die steinige piste, und beschliessen als belohnung in der touristhütte in rauhellern einzuchecken, natürlich nur falls sie offen hat.
gegen abend gelangen wir an den see "langesjoen", wenn man dem nordufer folgt gelangt man zur besagten hytte.
und wirklich steht dieses wunderschöne rote gebäude vor uns. leider hat auch diese geschlossen. doch das glück bleibt auf unserer seite und eine kleine unbewirtschaftete hytte unweit daneben nimmt uns in empfang.
eine pensionierter geologe aus bergen, der kurz zuvor eingetroffen ist, leistet uns gute gesellschaft. der erste mensch seit tagen. er gibt uns hilfreiche infos zu unserer tour und meint das im westen noch sehr viel schnee liege, was für unseren weiterverlauf problematisch sein könnte. mit diesen infos und plattgelaufenen sohlen beschliessen wir erst mal für morgen einen ruhetag einzulegen. noch dazu wo das wetter auch weiterhin stabil schön sein soll, und der platz hier wunderschön ist.
das sehr kühle wasser des gebirgsees umschliesst für ein paar sekunden meinen körper als ich wieder auftauche und von fliegenden proteinen mit stachel belästigt werde. zum abschluss des tages massieren wir uns noch gegenseitig die wunden füsse und gelangen wahrscheinlich auch deswegen in einen traumlos tiefen schlaf. chrchr chr chr.
müsli granola ala jamie oliver:
zutaten:
200g dinkelflocken, 150g gemischte nusskerne (hasel-,wal-,para-,mandeln), 50g gemischte samen und kerne (sonnenblumenkerne,kübiskerne,mohnsamen,sesam), 50g kokosraspeln, zimt, 150g trockenfrüchte (rosinen,cranberries,aprikosen..), ahornsirup, honig, 5el olivenöl.
flocken, zerkleinerte nüsse, samen, kokos auf ein blech legen und gut vermischen, mit ahornsirup, honig und olivenöl beträufeln, wieder gut vermischen und verteilen.
backofen auf 180 graf vorheizen, das blech für 25-30 min in den ofen schieben.
alle 5 min herausnehmen erneut durchmischen und wieder zurückschieben.
wenn das müsli goldbraun gebacken ist das blech endgültig rausnehmen, zerkleinerte trockenfrüchte dazugeben, fertig.
luftdicht etwa 2 wochen haltbar.
tag 4
die sonne kitzelt mich aus den schlaf und sofort meldet sich mein kaffeehunger.
die vielen jahrelangen nachtdienste hinterlassen spuren in meinem alltag. schwarz und zäh wie öl.
an der türschwelle sitzend schweift mein blick über die landschaft. an wikinger erinnert tagträume ich in den morgen und lasse die seele baumeln, im wind.
bis mich der hunger an nahrungsbeschaffenheit denken lässt und ich beschliesse mit den fischen im langesjoen in engeren kontakt zu tretten. sprich ich will meine in oslo erworbenen köder ausprobieren.
der verkäufer meinte, wenn bei diesen blinkern kein fisk anbeißt, dann ist auch keiner im wasser. ein im nachhinein mir perfekt erscheinende werbestrategie des verkäufers.
leider hat die werbung, wie so oft, nicht das gehalten was sie versprochen hat.
mein kontakt zu den fischen im see bezeichne ich mittlerweile als fischmeditation.
nur blöd das man davon auch nicht satt wird, aber vielleicht eine weitere gewinnbringende methode um gestressten großstädtern tierschonend das geld aus den taschen zu ziehen. da hätte ja jeder was davon, der guide, der städter und das tier.
das mittagessen besteht dann aus reis mit tomatensuppe. zur nachspeise kaffee.
tag 5
nach den infos über die schneelage im westen beschliessen wir unsere tour etwas abzuänderen und wollen in 2 tagen nach dyranyt, welches an der verbindungsstrasse oslo-bergen liegt.
schweren herzens verlassen wir rauhellern richtung stigstuv. eine kurze, flache etappe von ca. 13 km führt uns durch unberührte natur.
am frühen nachmittag erreichen wir die touristhytte, die uns freundlich aufnimmt, obwohl sie eigentlich noch geschlossen hat. wir bekommen ein wahnsinnig tolles abendessen serviert und sind wieder mal begeistert von der gastfreundschaft der norweger.
tag 6
tag 6 soll unser letzter tag in der hardangervidda sein.
eine wunderschöne letzte etappe bringt uns durch reissende bäche, vorbei an alten steinhäusern zurück in die zivilisation nach dyranyt, wo uns ein kaffe und kuchenspender der extraklasse erwartet.
obwohl wir, kaum dort angelangt, unsere blasengepflasterten füsse in die viel bequemeren flip flops stecken, werden wir freundlich aufgenommen.
wir haben 2 stunden bis uns ein regionalbus zurück zum ausgangspunkt nach geilo bringt. diese zeit nutzen wir um unsere bäuche mit absolut leckerem kuchen und kaffee vollzustopfen.
leute mit weissen socken in trekkingsandalen und kleinen digitalkameras in der hand hüpfen in mir nicht bekannten rhythmus aus reisebussen, um darauf gleich wieder, nach betätigung des auslöseres ihrer 7 megapixelgeschosse, im bauch dieser monster zu verschwinden.
mir unerklärlich wie man die kulinarischen köstlichkeiten so verschmähen kann.
tag7/8/9...
kaum in oslo eingetroffen sitzen wir auch schon im zug nach schweden um neue welten zu entdecken.
aber wieso wir mit einem rostigen fahrrad von einer hütte mitten im wald für ein 6er dragerl bier und ein bisl teegepäck 5 stunden fahrzeit auf uns nehmen, oder warum einige orte in schweden very special sind, wird hier nicht verraten, aber vielleicht in einer anderen geschichte erzählt.
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Eine schöne Geschichte! Aber wo ist jetzt das Müsli-Rezept, oder habe ich das übersehen?
LG Beate -
Schöner Bericht! Ich habe vor vielen Jahren, als ich bezüglich Wandern in Norwegen auch noch recht unerfahren war eine Wanderung durch die Hardangervidda von Finse aus schon am ersten Tag wegen meterhohem Schnee wieder abgebrochen bzw. gar nicht erst begonnen. Am 21. Juni waren die Norweger dort noch alle mit Langlaufskiern unterwegs und die Hütten wie auch bei eurer Tour geschlossen. Es ist aber dann dennoch noch ein wunderschöner Urlaub geworden. Das Müsli-Rezept wurde mich übrigens auch interessieren.
Viele Grüße
debby83 -
Schöner Bericht, liest sich sehr angenehm. Für mich bitte auch das Müslirezept und den Namen des Mückenmittels. Gruß Christian!!
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