UDINE

Reisebericht

UDINE

Reisebericht: UDINE

Kurzreise nach Udine (30. Juli bis 3. August 2009)

Ein Wochenende in Udine

Udine, Piazza della libertà

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Wieder zog es uns nach Italien. Unsere Route führte über Salzburg, Richtung Villach, über die Katschberghöhe (1641 m). Auf der Höhe des Millstädter Sees hatte es schon 31 Grad und in Italien 32,5 Grad. Wir fuhren den Tagliamento entlang, zweimal über sein breites und fast trockenes Flussbett.
Der Tagliamento ist 178 km lang, entspringt am Mauriapass in der Provinz Belluno und mündet zwischen Bibione und Lignano Sabbiadoro in die Adria.
Der Fluss, ein sogenannter Torrente, gilt als einer der letzten Wildflüsse der Alpen. Seine ausgedehnten Schotterflächen bilden ein einzigartiges Ökosystem, das allerdings durch geplante Baumaßnahmen bedroht ist. Der Tagliamento ist ein bevorzugtes Ziel vieler Geländewagenfahrer. Im Jahr 2004 führte dies zwar zu ersten Sperrungen des Flussbettes für wilde Geländefahrer. Diese Sperre wird jedoch von etlichen „Motorsportlern“ ignoriert, die das große Abenteuer auf dem doch so harmlosen Schotterbett suchen.

Gegen 17 Uhr gelangten wir in Udine an unserem Hotel „Friuli“ an.
Gleich zogen wir los zu einem ersten Stadtbummel bei 33 Grad – gaaaanz langsam und den Temperaturen angemessen. Zur Piazza Libertà und zur Loggia di San Giovanni mit dem Uhrturm. Und der herrlichen Loggia del Lionello, die so an Venedig erinnert. Darüber ragt das Castello hervor. Ein wunderschönes Stadtbild – und kaum Touristen zu sehen!

Udine ist eine dieser Städte, an denen man auf dem Weg nach Süden achtlos vorbeifährt. Ohne zu wissen, was einem entgeht. Über die alte Markstrasse, die Via Mercatovecchio, gingen wir zur Piazza Matteotti weiter. In der Via Mercatovecchio entstand der erste Markt, der im Jahre 1223 von dem Patriarchen Berthold von Andechs (!) dem damals mittelalterlichen Flecken gewährt wurde. Palazzi säumen Straßen und Märkte, aber sie prunken nicht so mit ihren Formen und „barocken Wülsten“ wie so mancher Palast in Venedig oder Florenz. Sie sind schön, aber halten sich bescheidener im Hintergrund.
Motivation für deren Bau war jedoch sehr wohl der Prunk. Im 17. und 18. Jahrhundert eiferten einheimische Adelsfamilien mit den reichen Patriarchen von Udine in einem kostspieligen Wettstreit um die prachtvollsten Paläste. Dadurch kam auch Giovanni Battista Tiepolo (1696–1770) von Venedig nach Udine, um die Ausschmückung der Palazzi vorzunehmen.
An der Piazza Matteotti finden mehrmals die Woche Märkte statt – für Obst- und Gemüse, aber auch Textilien und Schuhe. An der Nordseite steht die Chiesa di S. Giacomo, mit einer Fassade aus dem 16. Jh. und flankiert von einer Kapelle (18. Jh.).

Zum Abendessen kehrten wir in der Osteria Pappagallo (Papagei) ein und verlangten zuerst nach Wasser, Wasser, Wasser. Zur Vorspeise gab es vom Lokal spendiert einen Teller Prosciutto crudo – San Daniele ist ja nicht weit von Udine entfernt und bekannt für seinen wunderbaren Schinken. Da ich Mortadella liebe, bestellte ich Mortadella con aceto balsamico und es erschlug mich die Menge – ein ganzer Teller voller klein geschnittener Wurstscheiben, in Essig eingelegt. Sehr schmackhaft, aber bei weitem zu viel! Ich befürchte, ich werde nie mehr in meinem Leben nach Mortadella verlangen. P. wählte als Vorspeise wieder seinen Insalata di polipi. Dann ließen wir uns Spaghetti con busara (mit 2 riesigen Krustentieren, vermutlich Langusten) und Gnocchetti mit Tomaten und Zucchini schmecken. Der Vino della Casa war ok. Wir waren lange die einzigen Gäste. Im Fernseher nebenan lief ein Krimi und eine Leiche nach der anderen wurde irgendwo herausgezogen.

Am Freitag schien sich der Himmel etwas zu bewölken, aber das sieht in Italien ja oft so aus und dann versengt uns die Sonne doch wieder. In Bayern begannen an diesem Tag die Sommerferien, die SZ schrieb, dass am Wochenende 280.000 Fluggäste vom Münchner Flughafen in den Urlaub starten werden. 280.000 Menschen, das ist die Bevölkerungszahl von Augsburg – Udine hat nur 95.000. Zu diesen 280.000 fahren aber auch noch Unzählige mit dem Auto in den Süden – über Brenner und Tauerntunnel etc. In der SZ wurde von der „berüchtigten, weil unglaublich zeitraubenden Blockabfertigung“ im Tauerntunnel geschrieben. Das hatten wir uns erspart!
Wir gingen frühstücken und trafen auf das dürftige italienische Frühstück mit Gipssemmeln, knochenhartem Zwieback und viel zu süßen Croissants. Aber wir sind ja nicht nach Udine gefahren, um zu frühstücken - das Mittagessen interessiert uns sowieso viel mehr. Und erst das Abendessen!

Nach dem Frühstück packten wir die Koffer ins Auto, zahlten und ließen das Auto auf dem geräumigen Hotelparkplatz zurück. Los ging es, vorbei am „Tempio S. Niccolo“, erbaut 1931. Eine wuchtige Kirche mit zwar hübscher Kuppel, aber sonst dominiert die faschistische Brutal-Architektur, mit abweisenden, trutzigen „Helden“ vor dem Portal. Wir durchschritten die hohen, leeren Hallen und wandten uns dann angewidert ab. Draußen hatte es schon wieder 29 Grad, weshalb wir jede Eile vermieden. An der Piazza XX. Settembre stehen wirkungsvolle Palazzi, z. B. an der Kopfseite zum Dom hin ein hübscher, kleiner venezianischer Palazzo, an der Seite des Platzes ein imposanter barocker Palazzo in dem ein Ministerium untergebracht sein muß – leider wird der Platz als Parkplatz mißbraucht und kann nicht wirken.

Da wir tags zuvor am Dom vorbeirannten, ohne ihn zu bemerken, widmeten wir ihm heute etwas mehr Aufmerksamkeit. Die Cattedrale Maria Annunciazione, erbaut 1236-1461, ehemals romanisch, später barockisiert, beherbergt in einigen Seitenaltären sogar Gemälde von Giovanni Battista Tiepolo.

Die Kathedrale Mariä Verkündigung ist die größte und bedeutendste Kirche der Stadt. Sie entstand als kleines, dem hl. Oderich geweihtes Gotteshaus, das der Patriarch Berthold von Andechs 1236 erbauen ließ. Das erweiterte Gebäude wurde 1335 vom Patriarchen Bertrand de St- Geniès zur Kirche S. Maria Maggiore geweiht. Im 18. Jh. Wurde die Kirche barockisiert. Anfang des 20. Jh. wurde der Fassade ein mittelalterliches Aussehen zurückgegeben. Dem Dom ist ein Glockenturm angeschlossen, ein gedrungener Bau von Bartolomeo delle Cisterne (1441), der ursprünglich dem 1348 errichteten, achteckigen Baptisterium angebaut war. Der Turm sieht aus, als wäre er nicht fertig geworden.
Zwei der Domportale mit schönen Basreliefs stammen aus dem 14. Jh.: das vorderseitige Portal (Erlösung) und das Nordtor (Krönung), zugeschrieben einem deutschen Meister. Der Innenraum wurde im 18. Jh. Umgestaltet. Besonders zu erwähnen sind die Barockaltäre der Seitenkapellen, die Fresken (ca. 1725) von Tiepolo, von dem auch das kleine Auferstehungsbild (1738) im eleganten Marmoraltar von Giuseppe Torretti stammt. Von Tiepolo ist auch das Altarbild in der Dreifaltigkeitskapelle. In der Kapelle S. Nicolò, die mit einem weiteren Raum und dem alten Baptisterium heute das Dommuseum bildet, ist mit den Fresken von Vitale da Bologna (Bestattung des hl. Nikolaus und Begebenheiten aus dem Leben des Heiligen, 1349) der bedeutendste Bilderzyklus des 14. Jh. in Friaul erhalten.

Wir verließen den Dom und konnten uns nicht sattsehen am Stadtbild, an den Zedern und Pinien vor dem Turm der Kathedrale. Wir entdeckten einen kleinen Park gleich gegenüber dem Dom, in einem Säulengang war eine Leseecke eingerichtet, mit Bücherregal und Sesseln. Daneben stand eine Bühne und Sitzreihen davor, offenbar wurden hier im Rahmen der „Udinestate“ Theaterstücke und Konzerte aufgeführt. „Udinestate“ nennt sich offensichtlich das Sommerprogramm der Stadt, bestehend aus Theatervorführungen und Konzerten. Auch hinter dem Castello war eine große Bühne aufgebaut.

Wir setzen uns auf die Marmorbank in der Loggia del Lionello und schauten einem Maler zu, wie er die Loggia und den Ausblick von seinem Standort aus, auf die Loggia di San Giovanni, malte. Immer wieder schauten ihm Kinder und Passanten dabei zu, er ließ sich nicht stören. Ein Brautpaar, die Braut eine bildschöne Asiatin, kam daher, umwuselt von Freunden, die allesamt fotografierten und filmten. Das Standesamt ist in der Loggia del Lionello untergebracht.

Zum Mittagessen wählten wir die Osteria Al Fagiano (Fasan). Mittags gibt es hier nur Kleinigkeiten, was uns gefiel, denn es war viel zu heiß zum üppigen Essen. Wir bestellten den ortsüblichen Tocai, das Glas zu 1,50. Als ich sah, dass es Artischocken in Öl gab, wäre ich vor Gier fast in die Vitrine gefallen. Ich bestellte also "Carciofone con Gambo" (Artischocken mit Stiel) und Affettato misto (Schinken, Salami, Bresaola) und P. einen großen Teller Insalata caprese. Der Besitzer, ein uriger Typ mit halblangem, wirren, blonden Haar, werkelte unablässig hinter der Theke. Wir genossen die lockere Atmosphäre der Osteria, in der man abends auch richtig toll essen kann. Einige Straßen weiter lockte uns das „Schönste Kaffeehaus von Udine“, das "Caucigh" in der Via Gemona. Es ist wunderbar wienerisch, im Hintergrund erklang Kammermusik. Das Kaffeehaus war total leer. Wir waren die einzigen Gäste. Später kam ein Ghanese, der uns anbettelte. Ich gab ihm einen Euro, worauf er zum Kaffeehausbesitzer ging, ihm den Euro in die Hand drückte und ein Getränk verlangte. Ich hörte immer wieder das Wort „Ananas“, der dunkle Mann tätschelte den Kaffeehausbesitzer und redete heftig auf ihn ein, er wollte irgendwas mit Ananas. Er bekam das Gewünschte, zog sich in den Nebenraum zurück, brachte nach einiger Zeit das leere Glas zurück, verabschiedete sich von allen freundlich und zog wieder ab.

Für heute ging es noch weiter nach Lignaro an die Adria, wo uns ein heißer Urlaub (36 Grad im Schatten) auf einem Schiff von Freunden erwartete.



Ein schöner Rücken kann auch entzücken


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. UDINE 3.50 2

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps