Dschungel-Trekking mit Raht

Reisebericht

Dschungel-Trekking mit Raht

Reisebericht: Dschungel-Trekking mit Raht

Oder: Eine abenteuerliche, bis an die Grenzen der Belastbarkeit gehende, 6 stündige Mammuttour durch den noch beinahe unberührten Urwald auf Koh Chang...

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Für unseren letzten Tag auf Koh Chang haben wir uns freiwillig noch einmal eine Menge aufgehalst: Mit dem „Djungle-Man“ Raht geht es in die Tiefen des fast unberührten Regenwaldes im Süden von Koh Chang.
6 Stunden Trekking liegen vor uns und noch bin ich hoch motiviert (weil ich noch nicht weiß, was auf mich zukommt). Maria, unsere Reiseagentur-Ansprechpartnerin vor Ort, hatte uns zwar schon vorgewarnt, das Trekken mit Raht kein Zuckerschlecken wird, dennoch wollten wir uns die Gelegenheit, unberührten Regenwald zu entdecken, nicht entgehen lassen.
Als 30 Minuten nach der vereinbarten Abfahrtszeit, 8:20 war geplant, immer noch niemand da ist, um uns abzuholen, rufe ich Maria an, und es stellt sich heraus, dass wir versehentlich für zwei Tage später eingebucht wurden.
Ein paar Minuten später ist das Sammeltaxi dann da, Raht entschuldigt sich überschwänglich bei uns, sie sind extra von Kai Bae noch einmal umgekehrt, dann geht es also auf die Tour. Am Lonely Beach stoßen noch zwei Londonerinnen zu uns und kurz darauf finden wir uns um Raht versammelt am Tor des Dschungels wieder.



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Wir werden mit Wasser, Bananen, Red Bull und Nescafé eingedeckt („You will be tired!“ verspricht Raht), von Kopf bis Fuß mit Insektenschutz besprüht, dann werden die Rucksäcke geschultert und wir verschwinden im dichten Unterholz.
Sofort umgibt uns massive Feuchtigkeit und obwohl es heute morgen noch angenehm kühl schien, sind wir binnen ein paar Minuten klatschnass geschwitzt. Unsere Gruppe heute ist sehr international, wir 4 sind die einzigen Deutschen, weiterhin 2 Amerikanerinnen aus Florida (Mutter und Tochter – die Mutter ist über 60 und die älteste und fitteste auf der Tour), einem Russen, 2 Schweden, 2 Franzosen und den besagten Mädels aus London.
Immer legt Raht eine kurze Pause ein, um uns Luft holen zu lassen und uns Flora und Fauna zu erläutern. Wir sehen Termitenhügel (meine offenen Trekking-Sandalen werden belächelt – angeblich würden die Termiten mich gleich von der kleinen Zehe bis zum Schopf auffressen – wenn, ja wenn, zum Glück gerade nicht die passende Jahreszeit wäre, erklärt mir Raht), Tarantel-Löcher, Schlangen, schwingen uns an Lianen und Korkeichen entlang.
Durch das extreme Schwitzen werde ich recht schnell von einem Moskito gestochen und der Stich ist so schmerzhaft, dass ich laut aufschreie. Zum Glück haben wir einen Stichheiler dabei (eine kleine Maus mit Metallaugen, die man auf den Stich hält, das Metall heiß wird und so die Ausbreitung des Giftes verhindert), immerhin ist das Grenzgebiet zu Kambodscha maleriagefährdetes Terrain. Raht hat außerdem noch eine orange stinkende Paste dabei, die er auf den juckenden und geschwollenen Stich tupft und die ebenfalls heiß wird – dafür lässt dann zum Glück auch der Schmerz nach.



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Zum Glück begegnen wir der Königskobra nicht, die angeblich auf der gestrigen Tour gesichtet wurde. Auch Affen hören wir nur von Weitem und Raht mahnt uns immer wieder zur Ruhe , weil wir zu laut reden, lachen oder durch das dichte Unterholz krachen.
Der Weg ist aber auch echt beschwerlich, über Stock und Stein, in ausgetrockneten Flussbetten, an rutschigen Hängen, geht es immer wieder rauf und runter und das in einem unerhörten Tempo.
Ab und zu erhaschen wir durch das dichte Blätterwerk Ausblicke auf die Berge und Täler unter uns. Raht erklärt uns auch die Kautschuk-Gewinnung (dazu werden die Bäume angeritzt und der Kautschuk läuft dann harz-ähnlich in kleine Auffangbehälter) und wie vielfältige Dinge die Thais aus Bambus herstellen.
Gefühlte 10 Stunden später (in Wahrheit waren es nur 3) nehmen wir unser Mittagessen in einem kleinen Flusslauf ein. Es gibt gebratene Nudeln (spicy or not spicy) und die Gelegenheit, die geschundenen Füße ins herrlich kühle Nass zu tauchen. Die Geräuschkulisse um uns herum schwirrt und riesige bunte Schmetterlinge flattern um uns herum.



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Doch Raht gibt uns nicht viel Zeit und wir machen uns auf, zum Highlight des Tages, einem kleinen Wasserfall, ca. 25 Minuten entfernt.
Ich frage mich ernsthaft, bei all der Dürre, wo hier bitte tatsächlich so viel Wasser sein soll, dass davon ein ganzer Wasserfall gespeist werden soll, doch tatsächlich, eine knappe halbe Stunde später stehen wir vor dem hübschen Naturschauspiel.
Ich bin zu müde, um mich über den tollen Anblick zu freuen und so geschafft und entkräftet, dass ich am liebsten Heulen und mich keinen weiteren Zentimeter mehr von der Stelle bewegen möchte. Ein Königreich für einen Hubschrauber, einen Swimming-Pool und einen leckeren Cocktail – würde ich geben, strecke alle Viere von mir und schaue zu, während die anderen sich die Kleider vom Leib reißen und sich erleichtert ins kühle Nass stürzen.
Raht ist natürlich immer noch in Bestform und topfit und stürzt sich von dem Felsen direkt in das 9 Meter tiefe Auffangbecken des Wasserfalls. Die anderen tuen es ihm nach und genießen die Erfrischung nach all den Strapazen.
Nach einer weiteren halben Stunde und einer stunt-reifen Kopfsprungeinlage unseres Djungle-Mans machen wir uns müde auf den Rückweg.



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Raht versucht uns zu motivieren, in dem er erzählt, es wären nur noch 10 Minuten bis zum Auto – aber schließlich werden aus den 10 Minuten wieder 3 Stunden und ich ziemlich stinkig. André tut mir echt leid, da ich nur noch am Nörgeln bin, die einzige der Teilnehmer, die weiter munter drauf los stapft ist die 60 jährige Amerikanerin. Hut ab! Die Gruppe entscheidet sich dann doch, glücklicherweise, auf den sagenhaften „Monkey Table“ (was auch immer das sein mag, ein Affentisch?!) zu verzichten und Raht erbarmt sich unserer und scheucht uns nun den in seinen Augen „einfacheren“ Weg zurück. Wir queren nun größtenteils ebenerdig Bambushaine, sehen riesige alte Baumriesen und gelangen schließlich zu einer schmutzigen Blechhütte mitten im Dschungel, nebst Einwohner, denen Raht unserer Essenreste überlässt.
Meine Füße sind längst taub und voller Blasen und unsere T-Shirts kleben nass und stinkend auf der Haut.



Um die Hütte sieht es aus wie auf dem Schlachtfeld – in Thailand werden nur 80 % des Mülls überhaupt entsorgt, der Rest verrottet in der Natur. Leider ist auch das Umweltbewusstsein der Thais gleich null – der Müll wird eben einfach verstreut. Ich spreche Raht darauf an, doch der zuckt nur die Schultern, und sagt, jeder sei für sich selbst verantwortlich. Das mag ja auch stimmen, dennoch befinden wir uns in einem Nationalpark und es zerreißt mir fast das Herz, sehen zu müssen, wir Kinder zwischen verrosteten Blechdosen und Unrat herumtollen. Eine junge Mutter mit einem kleinen Jungen in Windeln – beide schauen uns verängstigt aus schwarzen Augen an – hockt unter dem Strohdach.
„Was würdest Du dafür geben, hier zu leben?“ fragt mich die junge Schwedin. „Nothing!“ sind wir uns einig.



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Schockiert, aber dennoch froh, dem Ende der Tour nahe zu sein, mobilisieren wir den letzten Rest unserer Kräfte und treten die letzte Etappe des Tages an. An einer völlig zerstörten Brücke in einem wieder mal ausgetrockneten Flussbett erzählt uns Raht von den Folgen des letzten Tsunamis.
Dann kommt endlich das Auto in Sicht und die Gruppe bricht in erleichtertes hysterisches Schreigeheul aus. Wir schwingen uns auf die Ladefläche des Pick Ups und brausen zurück in Richtung Klong Phrao und White Sands – zurück in die Zivilisation. Alle wollen nur noch unter die Dusche, um den Dreck, das Öl, die Sonnenmilch und den Mückenschutz von ihren geschundenen Körpern zu waschen. Und wir sind uns alle einig: NIE WIEDER TREKKING MIT RAHT! Obwohl ganz sicher jeder für sich stolz ist, diese Tour gemeistert zu haben. Und wer weiß, wie lange noch dieser noch halbwegs intakte (einer der wenigen auf der Welt) Urwald existieren wird, bis die Planierraupen geldgieriger Hotelinvestoren diese noch so ursprüngliche wunderschöne Insel dem Erdboden gleich machen, um eine 5 Sterne Hotelkette nach der anderen zu bauen. Wir können wenigstens noch sagen, wir waren mittendrin im Dschungel, mit Raht, dessen Liebe zur Natur, seinem Nationalpark und zu seiner Insel hoffentlich noch vielen Urlaubern zu Teil wird.


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Kommentare

  • Jane

    Liebe Beate,
    danke für Deine positive Bewertung und Deinen Kommentar - ja, die Tour hatte es echt in sich. Und ich zähle mich nicht gerade zu den unsportlichsten Menschen auf diesem Planeten. Aber bei der Luftfeuchtigkeit und den Temperaturen kommt garantiert jeder ins Schwitzen! Es war ein echtes Erlebnis.
    Liebe Grüße
    Jane

  • mamaildi

    Dieser Bericht ist wenigstens ehrlich! Und deshalb gefällt er mir sehr gut! Würdest du es nun weiterempfehlen oder nicht? Oder anders gefragt: würdest du so etwas wieder machen - mit einem anderen Guide?
    Liebe Grüße - Ildiko

  • B.Koehler

    Ha ha, da war ich auch, nur ungeführt und blind stolpernd! Super viele Schlangen da, zu viele für mich, bin nach einer Stunde wild schreiend geflohen! War aber lustig!
    Schönen Tag noch, Benny.

  • Jane

    Hallo Ildiko, hallo Benny,
    danke auch Euch für die Kommentare und Bewertungen.
    Auch wenn ich rumgemeckert habe und völlig am Ende meiner Kräfte war - ja, ich würde es wieder machen. Dieses Erlebnis, einmal im Leben mitten in undurchdringlichem Dschungel zu wandern, ist unvergesslich. Auf Koh Chang gibt es noch andere Veranstalter, die es aber wohl etwas gemütlicher angehen lassen und deren Touren nicht so lange dauern. Auf jeden Fall immer viel Trinken und niemals ohne Guide losmarschieren. Wir waren schon nach 5 Minuten im Unterholz völlig orientierungslos und hätten uns ohne Guide niemals alleine zurückgefunden. Ja Benny, das kann ich mir vorstellen. Alleine hätten mich da keine 10 Pferde hinein bekommen, zu Mal es wirklich Taranteln und Kobras gibt (haben zwei Tarantel-Bauten gesehen, beide hatten gerade Nachwuchs zu dem Zeitpunkt ;-)).
    Die kleine Schlange war übrigens harmlos, Raht hatte sie gefangen und jeder durfte sie mal anfassen.
    Liebe Grüße
    Jane

  • Jane

    Apropos: Für die ganz Verrückten gibt es noch Tagestouren mit Raht auf den höchsten Berg von Koh Chang ;-)))

  • trixenixe

    Hey, habe die selbe Tour mit Rath gemacht, es war super cool. Wir hatten einen Vorteil, es hat die ganze Zeit geregnet (Oktober), somit haben uns die Moskitos in Ruhe gelassen. Der Nachteil, wir waren nass bis auf die Haut, trotz Regenponchos. Zudem war die Gruppengröße sehr überschaubar, nur 5 Personen(mein Freund und ich, 2 Franzoden und eine Thai) + Rath. Auf dem Heimweg haben wir Rath´s kleine Freunde die Affen getroffen und mit Bananen gefüttert, die Babyaffen sind super süß, jedoch ist der „Boss“, wie Rath das männliche Oberhaupt nett, mit Vorsicht zu genießen.
    Toller Bericht, von den Inhalten ist er so wie ich es auch erlebt habe(im Wasserfall baden, Lianen schwingen, Essen am Fluss, kennenlernen von Flora und Fauna). Ich fand es auch anstrengend, jedoch war ich nicht völlig fertig am Ende. Ich denke es hängt von der Jahreszeit und vom Wetter ab. Ich würde es übrigens auch nochmal machen, mein Freund nicht, der war auch total fertig und danach leider krank.
    Grüße

  • Jane

    Hallo Trixenixe, herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Oje, ich hoffe Dein Freund ist danach recht schnell wieder auf den Beinen gewesen. Es freut mich, dass Dir mein Bericht gefallen hat und Du ähnlich empfunden hast. Touren mit Raht sind halt ein Erlebnis! Liebe Grüße, Jane

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  • Blula

    Gelesen habe ich diesen interessanten und spannenden Bericht sehr gerne, nachtun möchte ich es Dir nicht, denn ich habe leider einen Horror vor Schlangen.
    LG Ursula

  • Jane

    Liebe Ursula, vielen lieben Dank für Deinen Kommentar und die positive Bewertung! Keine Angst, die Schlangen auf Koh Chang waren harmlos. Da haben mir die Taranteln schon mehr Respekt eingeflößt ;-)

  • Schoena

    Hallo Jane, das kann ich voll nachempfinden. Wir haben so eine Tour vor einigen Jahren in Ecuador gemacht. Zum Glück bekamen wir gleich Gummistiefel. Es war eine rutschige Tour, immer auf und ab. Am Ende war ich auch fix und fertig, aber missen möchte ich diese Erfahrung nicht. Es ist schon ein besonderes Erlebnis und Du hast es sehr gut rüber gebracht.
    Viele Grüße Ingeborg

  • Jane

    Hallo Ingeborg, herzlichen Dank für Deine positive Bewertung und Deinen Kommentar. Oft ist es wirklich so, dass man Erlebnisse auf Reisen hat, die so anstrengend sind, dass man fllucht und schimpft und sich selbst über sich ärgert, warum man sich hat zu der Tour breitschlagen lassen, aber dann, ein paar Wochen später, wenn man alle Eindrücke hat sacken lassen, beschleicht einen ein wenig der Stolz und das gute Gefühl, etwas Außergewöhnliches erlebt zu haben. Und das sind dann die Erlebnisse, von denen man am längsten zehrt...

  • weltverbesserer

    Hallo, wir haben gestern die gleiche Tour mit Raht "überstanden" und leider erst heute (zum Glück!) interessiert diesen Bericht gelesen. Es war in der Tat mal etwas Besonderes und führte auch die Teilnehmer unserer Gruppe an den Rand der Belastbarkeit. Wie bei einem "Jump and Run-Spiel "eilten" wir durch den Regenwald.
    Da wir unsere Tour in der Regenzeit durchgeführt haben, durften wir auch, die mit Regen gefüllten Bauchläufe und Wasserfälle, unter großer Anstrengung, überwinden. Wer Lust hatte, durfte mit Raht den Wasserfall hinauf "klettern" und anschließend barfuß durch den Regenwald wieder hinunter schlittern.
    Allerdings wird auf Sicherheit wenig Wert gelegt. Wer seine Gruppe barfuß auf glitschigen Steinen, über einen steil abfallenden Wasserfall führt, kann nicht über einen Mangel an Leichtsinn klagen.
    Bei all dem Getier (Schlangen, Spinnen u.ä.) möchte man auch nicht unbedingt barfuß durch das Gestrüpp wandern.
    Unsere Ausbeute war jedoch mager: Eine Vogelspinne, mehrere kleinerer Spinnen, eine Wasserspinne, eine kleine Eidechse, eine Art riesiger Nacktschnecke, Affen nur an der Strasse.
    Erleichtert, müde, nass und dreckig erreichten wir nach 7 Stunden endlich das Ende der Tour.
    Zusammenfassend kann man sagen, dass die Tour sicher ein tolles Erlebnis ist, aber sehr anstrengend, schwer und teilweise gefährlich. Für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet! Viele Grüße André und Simone

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Dschungel-Trekking mit Raht 4.08 13

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