In der vietnamesischen Provinz

Reisebericht

In der vietnamesischen Provinz

Reisebericht: In der vietnamesischen Provinz

„Wo fahren wir hin, Phuk?“,
„Kim Boi“
„Wo ist denn das?“
„Provinz Hoa Binh, ca. 80 Kilometer südwestlich von Hanoi“
„und was gibt’s da?“
„Warme Quellen, einen Stausee, kaum Touristen und viel Regen.“

Vietnam im Regen

Onkel Ho mit Router

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Phuk, der begnadete Organisator der Stiftung, die Horst und mich als Referenten eingeladen hatte, zuckte angesichts des Wetters mit den Schultern. Schließlich war es Ende Februar, die ungemütlichste Zeit im Norden Vietnams. Je weiter wir aus Hanoi in das hügelige Hoa Binh kamen desto wolkenverhangener wurde die Landschaft. Die Spitzen der bizarren Hügel lagen in den Wolken. Die Luft war feucht und damit die gefühlte Kälte höher als die tatsächliche. Na ja, wir waren ja zum Arbeiten hier und nicht zum Vergnügen.

Das Hotel lag in einem kleinen Ort in der Nähe von Kim Boi. Es erfand sich gerade neu. Als ehemaliges Erholungsheim der Gewerkschaft wurde es an Investoren verpachtet, die es von Grund auf renovierten. Leider war vieles noch nicht fertig, die große Schwimmhalle zum Beispiel. Die warmen Quellen aber funktionierten und man konnte sich in großen Wannenbädern herrlich entspannen. Beeindruckend auch die modernen Seminarräume. Auf dem Sockel mit der Büste Ho Chi Minhs stand der Router für das WLAN.

Wenn das Hotel fertig ist, gibt es eine hervorragende Anlage einschließlich Karaoke Bar, Affenkäfig und unverbautem Blick über tiefgrüne Reisfelder auf die steilen Berge der Umgebung.



Mögen Sie Hund?

Um es gleich zu sagen: ich nicht. Aber ich habe es todesverachtend probiert! Es schmeckt wie Leber, nur härter, etwas bitter, leicht penetrant. Einer der Teilnehmer hatte ihn uns angeboten. Alle andern drehten sich um und grinsten breit, als er damit an unseren Tisch kam. Also nix von wegen aus Höflichkeit essen sondern das war eine klare Mutprobe mit der die Teilnehmer die Autorität der Referenten testen wollten. Gott sei Dank gab es an jedem Tisch (jeden Abend) eine Flasche Wodka. Ein Gläschen vertrieb den Geschmack.



Joggen im Reisfeld und Nudelsuppe zum Frühstück

Zu meinen Angewohnheiten gehört es, morgens früh joggen zu gehen. Um 6 Uhr waren schon einige Seminarteilnehmer unterwegs und praktizierten Tai Chi. Ich lief aus dem Hotel durch das kleine Dorf Richtung Reisfelder. Eine herrliches Gefühl, durch Reisfelder zu laufen aus denen der Dunst aufsteigt. An der Brücke über einen Fluss gab es eine Entenzucht. Die Tausende von Enten flatterten aufgeregt über den schmalen Teich als sie mich kommen sahen. Ein Stück weiter durch die Felder wieder ein Dorf. Die Hausfrauen informierten mit schrillen Stimmen ihre Nachbarinnen über die seltsame Gestalt, die in kurzen Hosen und engem Hemd an ihnen vorbei lief. Die aufgeregten Schulkinder auf ihren Fahrrädern drehten sich mehrfach staunend um. Die Mutigsten probierten dann ihr Schulenglisch an mir aus. Die Hunde verteidigten ihr Revier und liefen ein Stück kläffend hinter mir her. Vielleicht war es ja Einbildung, aber es gab nur junge Hunde. Was wohl mit den älteren passiert sein wird?

Nach dem Lauf duschen und frühstücken: Nudelsuppe! Es gab nur Nudelsuppe. Alle Versuche, dem Kellner ein labbriges Toast abzubetteln waren vergeblich. Es gab nur Nudelsuppe.



Hoa Binh, Vietnam



Mit Herrn Professor ins Wohnzimmer

Jeden Abend im Hotel wurde dann auch langweilig. Der bekannte deutsche Professor, der uns an diesem Samstag im Seminar besuchte, drängte uns zu einem Spaziergang ins Dorf. Irgendwie entstand der Eindruck, dass der Ort nur aus Gaststätten bestand. Breite Flügeltüren waren zur Strasse hin offen, die Innenräume beleuchtet, darin große Tische und Regale. In manchen Vitrinen lagen Zigaretten und Kekse. Wir wollten uns schon in eines dieser „Lokale“ setzen, da klärte uns Phuk auf, dass das die Wohnzimmer der Leute hier sind. Na ja, man kann ja auch nicht alles wissen. Eine schöne Bar fanden wir aber auch noch.



An den Stausee von Hoa Binh

Prost mit Reisschnaps, Kim Boi...

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Sonntag war dann der große Ausflug an den Stausee von Hoa Binh angesagt. Doch erst noch Mittag essen mit der örtlichen Prominenz des Distrikts. Natürlich floss der Wodka in Strömen. Mein Glas war immer voll! Ich prostete herzhaft auf den Parteisekretär, schüttete das Glas in einem runter, schüttelte mich und füllte dann unter dem Tisch mein Glas mit Mineralwasser auf.

Obwohl einige Kollegen stärker schwankten als das Schiff, erlebten wir eine fröhliche wenngleich kalte Bootstour auf dem Stausee. Wir saßen oben an Deck, feucht von innen und außen. Der Stausee war ein Geschenk Russlands zur Elektrifizierung Vietnams und die Turbinen lagen unterirdisch, damit sie nicht zerbombt werden konnten.
Nach mehr als einer Stunde kamen wir an einen Tempel, den wir uns kurz anschauten. Durchgefroren erreichten wir wieder den Hafen. Im Dunkeln ging es zurück ins Hotel.

Nicht so ganz traurig fuhren wir nach einer Woche wieder nach Hanoi. Seltsam war nur, dass meine Aktentasche nicht mehr zu schließen war. Die Luftfeuchtigkeit hatte das Papier auf das doppelte Volumen aufquellen lassen.



auf dem Hoa Binh Stausee, Vietnam


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • Guido

    Muss wirklich ein grossartiges Erlebnis sein, morgens früh durch die Reisefelder zu joggen und gleichzeitig das echte leben der Einheimischen kennenzulernen.

  • KalliZ

    Ja, ein beeindruckender Reisebericht!

  • Jazzmin

    Vielleicht hättest du mal jungen Hund bestellen sollen -:).

  • klarinos

    Toller Bericht, trotz des Hundes ...
    Erinnerungen werden wach ...

  • liebilein

    Tja, die Nudelsuppe (vietnam.: Pho) zum Frühstück.
    Zunächst gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile hat sie mein Mann lieb gewonnen und 12 Kilo abgenommen. Ihm spart sie 3 Brote mit Wurst und Käse und sättigt bis zum Mittagessen. (Ich bin Morgenmuffel und bringe morgens außer Obst nichts runter).
    Einmal am Wochenende gekocht, wird die Hühnerbrühe in kleinen Portionen eingefroren und am Morgen mit Tiefkühlgemüse und Nudeln ergänzt. Macht keine Arbeit und man startet warm in den Tag.

  • Weltreiselust

    Das erklärt auf jeden Fall wo die alten Hunde hin sind....

    Gruß
    Weltreiselust

  • yogini

    Lieber Tonie,
    daswar ja eine feuchte Angelegenheit - innen und außen
    Ohne Pho ging auch bei uns nichts!!
    Aber das mit dem Hund ..... !!
    Ansonsten gut geschriebn - das feuchte Klima kann man "nachspüren"!
    Yogini

  • nach oben nach oben scrollen
  • trollbaby

    Sehr unterhaltsam geschriebener Bericht! Aber wo die alten Hunde sind....? Frag bei Deinem nächsten Besuch mal in den Restaurants nach! ;-)
    LG
    Susi

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. In der vietnamesischen Provinz 4.08 12

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps