Diskussion: Wie baue ich meinen Reisebericht auf?

promomentum

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am 01.12.2008 16:01 Uhr

Wie baue ich meinen Reisebericht auf?

Ich entschließe mich gerade, einen neuen Reisebericht zu schreiben. Super! – Womit soll ich aber anfangen? Welche Punkte bringe ich in welcher Reihenfolge in meinem Text unter? Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Welche Wirkung lässt sich beim Leser durch welche Herangehensweise erzielen? Gibt es da überhaupt Regeln???
Das sind Fragen, die viele von Euch sicherlich kennen. In dieser Diskussion geht es also um den Aufbau eines Berichts. Nach welchen Aspekten strukturiert ihr eure Erzählungen - chronologisch, thematisch oder sogar alphabetisch? ;o) Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen...

promomentum

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am 05.12.2008 11:43 Uhr

Sagt der Aufbau des Berichts etwas über den Schreibanlass aus?

Wenn ich mir hier im Forum Berichte durchlese und auch meine eigenen anschaue, fällt mir auf, dass der Großteil einem inneren zeitlichen Ablauf folgt. Meine Beobachtung ist, dass es hier wohl hauptsächlich um eine Beschreibung oder Darstellung von interessanten Ereignissen und eigenem Erleben geht. Viele Berichte haben eine starke künstlerische Komponente. Im Gegensatz zum Reisehandbuch, das eher sachbezogen aufgebaut ist, habe ich im Bericht die Möglichkeit, meine „literarische“ Ader auszuleben, indem ich das Erlebte nach meinem Empfinden frei überformen kann. Was ist dann aber das Ziel des Schreibens? Schreibe ich für mich selbst ein Reisetagebuch, um mich besser erinnern zu können, oder für andere, um sie zu interessieren und anzuregen? Was sind Eure Schreibanlässe?

am 17.12.2008 13:28 Uhr

Der szenische Einstieg

Nimmt man einen Artikel der Großen (Zeitungen) mal etwas genauer unter die Lupe, stellt man eins ziemlich schnell fest: Fast alle Autoren wählen den szenischen Einstieg.
„Ein szenischer Einstieg wird meist anhand eines einzelnen Schicksals gewählt, eine Person steht stellvertretend für das Ganze.“ So definiert Fründt (Autor des Buches: Reisen und Schreiben) diese Form des Einstiegs in einen Text.
Schauen wir uns mal in der Reisecommunity um, lesen wir, dass es schon viele Autoren genauso machen. Gerd Krauskopf steigt zum Beispiel in seinen Bericht: Polens Vorkarpaten so ein: "Während ein verführerischer Duft von frisch gebackenem Brot in meine Nase steigt, fällt mein Blick auf einen überdimensional dicken weißen Walross-Schnauzer. Und im nächsten Moment bemerke ich in diesem Gesicht ein paar freundlich leuchtende Augen und eine entgegen gestreckte Hand, die mich mit festem Griff herzlich willkommen heißt. Es ist Roman ..." Ich könnte hier noch etliche Beispiele für einen gelungenen Einstieg anführen. Eins wird auf alle Fälle klar: Solche Anfänge unterhalten, erzeugen Stimmungen und machen neugierig auf das, was da kommt.

promomentum

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am 17.12.2008 14:47 Uhr

Szenischer Einstieg und Szenenübergang

Ich gebe Dir völlig Recht, Dörte. Der Einstieg hat einen starken Einfluss darauf, ob man den Text weiterlsen möchte oder nicht. Es gilt die Aufmerksamkeit des Lesers zu bündeln und ihn so auf das Kommende neugierig zu machen. Ein szenischer Einstieg bannt natürlich auch, allerdings nur dann, wenn das zu vermittelnde "Bild" tatsächlich in meinem Kopf entsteht und es dem Verfasser gelingt, mich an meinem Ort "abzuholen".
Weiterhin sind die "Gelenkstellen" zwischen den einzelnen Szenen eines Berichts nicht zu vernachlässigen. Sie machen einen Text "geschmeidig", also gut und flüssig lesbar. Der Rapport darf, wenn man den Leser bei der Sache halten möchte, nicht abreißen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich versuche das durch homorvolle Einschübe, einen Tempowechsel in der Erzählweise oder die Verschiebung des Erzählfokus.

am 18.12.2008 12:57 Uhr

Szenischer Einstieg und Ausstieg

Haben Sie schon einmal etwas von einer Rahmenhandlung gehört? Sie schließt das Erzählte ein, indem man mit ihr beginnt und am Ende wieder zu ihr zurückkehrt. Ähnlich verhält es sich mit dem szenischen Einstieg ... Wer möchte, kann am Ende seiner Erzählung das Einstiegsbild wieder aufgreifen und den Artikel damit auch beenden. Natürlich darf die Szene nicht hundertprozentig der vom Anfang entsprechen. Es genügt schon, wenn der gleiche Name (der Person oder des Ortes) wieder fällt ... Das gibt dem Artikel etwas in sich Geschlossenes und Rundes. Probieren Sie es mal!

mariapeklak

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am 11.02.2009 13:55 Uhr

Re: Wie baue ich meinen Reisebericht auf?

Ich schreibe fast in oder von jedem Urlaub einen Reisebericht. Bei größeren Unternehmungen, wie letzten Sommer die Trekkingtour durch die Mongolei, begleitet mich ein Heft für Notizen, in das ich bei Pausen, abends oder morgens Notizen mache. Dabei halte ich vor allem kleine Begebenheiten fest, die man sonst einfach vergisst. Die wirklich großen Erlebnisse bleiben ja ohnehin hängen. Aus diesen Notizen und vielen Bildern stelle ich dann zu Hause meinen Bericht zusammen. Den kriegen natürlich alle Mitglieder der Reisegruppe - und bis jetzt waren alle begeistert. Vor allem, weil sie viele Details erfahren haben, manche haben diese kleinen Begebenheiten während der Reise nicht mal bemerkt!
Wenn ich irgendwann mal Zeit habe, stelle ich meinen Bericht über diese Trekkingtour hier rein.
Wenn wir zivilisiert unterwegs sind, ist ein Laptop dabei und ich schreibe schon unterwegs mit.

Noch ein Tipp: einfach anfangen!

Good luck
Maria

promomentum

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am 11.02.2009 17:04 Uhr

die kleinen Dinge

Das habe ich auf einigen Touren, so z.B. auf meiner Wintertour durch Deutschland, ähnlich gemacht. Ich hatte ein paar leere Blätter und ein Stift mit dabei. Wenn ich die Muße hatte, habe ich mal versucht momentane Stimmungen schriftlich zu fixieren. Das fand ich gar nicht so einfach aber umso interessanter, 1. sich die Zeit zu nehmen (man hat sie ja im Uralub eigentlich) und 2. den Gedanken, Eindrücken und Sinnen eine Form zu geben. Das sah dann auf dem Blatt teilweise ziemlich chaotisch aus, da mein Stift nicht so schnell nachkam. Wenn ich den Blick zurückwende, boten mir diese Randnotizen die Möglichkeit, ein Stück eigener Geschichte zu rekonstruieren und v.a. "nachzufühlen". Meinen Laptop werde ich aber auch in Zukunft zu Hause lassen ;o)

Suedschwede

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am 17.03.2009 21:55 Uhr

Bordbuch

Seit vielen Jahren schreibe ich ein Urlaubstagebuch - wir nennen es Bordbuch. Darin wird der Tagesablauf, unsere Aktivitäten, Orte an denen wir waren, was wir gesehen haben , die gewanderte, geradelte oder gefahrene Strecke notiert . Darüber hinaus werden kleine Begenheiten, lustige Aussprüche (nicht nur der Kinder), Hinweise, was uns besonders gut oder auch gar nicht gefiel, Mißgeschicke und persönliche Empfindungen aufgeschrieben. Daraus werden zusammen mit den Fotos, die ich mache (Landschaft und Familie), die Urlaubsbildberichte geschrieben.
Da diese Berichte jährlich anstehen, dürfen sie nicht immer gleich aufgebaut sein, sie sollen ja gelesen werden!
Um Anregungen zu finden, lese ich deshalb gerne die Reiseberichte anderer und habe festgestellt - minutiöse Beschreibungen aus dem Reisetagebuch direkt übernommen, lese ich fast nie zu Ende. Es interessiert mich nicht, was es zum Frühstück gab, wie lange man auf den Bus gewartet hat ... . Es ist manchmal schwierig, die Notizen zu ordnen und das auszuwählen, was nicht nur rein subjektiv Bedeutung hat. Andererseits will ich aber einen Bericht und keine Geschichte schreiben.
Vielleicht finde ich hier noch ein paar gute Ideen!

am 18.03.2009 14:35 Uhr

RE:Bordbuch

Ich finde, das ist ein guter Maßstab: Jeder fragt sich einfach selbst, was er gerne liest und wo er am ehesten aussteigt und versucht dann, das eine nachzumachen und das andere zu vermeiden.

fevi27

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am 02.11.2011 09:51 Uhr

Wie baue ich einen Reisebericht auf

Ich persönlich schreibe so etwas wie ein Logbuch während der Reise, so wie es schon auch andere vor mir hier aufgeführt haben. Wenn ich dann nach Hause komme sehe ich mir meist ein paar andere Reiseberichte an, welche ich in der Vergangenheit gerne gelesen habe und für gut befunden habe, dann sehe ich mir deren Aufbau an und versuche einen Teil des Aufbaus mit meinen Aufzeichnungen zu einem Ganzen zusammen zufügen. Meine persönliche Erfahrung ist es wenn man mal im Schreiben drinnen ist entwickelt sich sowieso ein ganz eigener Flow und eine individuelle Geschichte und somit wird ein Reisebericht immer eine ganz besondere Textsorte werden.
Ich persönlich liebe es Reiseberichte zu lesen mich davon inspirieren zu lassen und dann meinen ganz eigenen und persönlichen Bericht zu verfassen.
Lasst euch nicht von all den Regelwerken einengen, schreibt was ihr für richtig und gut befindet und natürlich werdet ihr im Nachhinein immer etwas ändern wollen, doch das ist der Prozess des Schreibens, wie auch im Leben, könnte man danach immer etwas Besser machen. Also ran an den Laptop oder den Rechner und haut in die Tasten. Viel Spass und viel Vergnügen dabei.
lg fevi27

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