Medizin Malaria in Deutschland?

Die Anopheles-Mücke ist schon da. Eine Malaria-Epidemie ist dennoch nicht zu befürchten, sagen Experten

Es ist noch keine 70 Jahre her, da starben auch in Deutschland und der Schweiz Menschen an Sumpffieber. Längs der Flüsse, in überfluteten Auen, lebten zahllose Mücken, die eine Krankheit übertrugen, die man heute nur noch aus den Tropen kennt: Malaria. Seit dieser Zeit aber ist hierzulande kaum ein Fall mehr bekannt geworden. Doch die Dinge ändern sich: Bedingt durch das wärmere Klima, breitet sich die Mücke Anopheles plumbeus jetzt im ehemaligen Stammland wieder rapide aus, vor allem südlich des Mains.

Untersuchungen der vergangenen vier Jahre zeigten zudem, dass die Tiere offenbar ihr Verhalten geändert haben und ihre Eier nun auch in Klärgruben und Regentonnen ablegen - früher waren die Mücken wählerisch und hinterließen ihre Eier vornehmlich in feuchten Astlöchern und Stammgabeln. Und internationale Warentransporte bringen immer neue südliche Mückenarten nach Deutschland - zum Beispiel den Japanischen Buschmoskito.

Durch den Flugverkehr wäre es sogar möglich, dass bald auch wieder Plasmodien zu uns gelangen, die eigentlichen Malaria-Erreger: Ein Passagier, der nach dem Tropenurlaub den Parasiten in sich trägt, könnte von einer "deutschen" Anopheles-Mücke gestochen werden, die die Plasmodien dann aufnimmt und weitergibt. Sogar die gefährlichste Form, die Malaria tropica, könnte theoretisch von der wiedergekehrten Mücke übertragen werden - früher verbreitete sie nur die harmlosere Form Malaria tertiana.

Gleichwohl sehen Experten noch keinen Grund zur Sorge: Unterhalb von 28 Grad vermehren sich die Erreger nur zögerlich. Außerdem benötigen sie in der Mücke zwölf bis 18 Tage, um überhaupt infektiös zu werden. Die meisten Anopheles-Moskitos leben aber hierzulande gar nicht so lange. Und selbst wenn es doch zu vereinzelten Malariafällen käme, würde das europäische Gesundheitssystem eine größere Epidemie verhindern: Sobald ein Patient mit Malaria auffällt, wird er behandelt, und somit ist der Übertragungsweg unterbrochen.

Für eine echte Malaria-Epidemie müssten viele infizierte Menschen sowie viele infektiöse Anopheles-Mücken eine schicksalhafte Infektionsdynamik entwickeln. Das scheint, nach heutigem Stand, in Deutschland, Österreich oder der Schweiz unmöglich - trotz der Rückkehr der Anopheles-Mücke.

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Weibliche Anopheles-Mücken (hier: Anopheles albimanus) übertragen den Malaria-Erreger, den Parasiten Plasmodium, auf den Menschen

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