Energiewende 2.0 Erneuerbare boomen – in Asien

Mehr als die Hälfte aller neuen Stromerzeugung liefern mittlerweile Wind und Sonne. Verantwortlich dafür ist vor allem China
Windkraftanlage

Elektrizität, die von Windrädern an Land erzeugt wird, ist immer billiger zu haben - weil die Kosten für den Bau von Windrädern sinken

Die erneuerbaren Energien, allen voran Wind und Sonne, brechen immer neue Rekorde. Wie die Internationale Energiebehörde IEA mitteilt, machten die Erneuerbaren im Jahr 2015 erstmals mehr als die Hälfte der gesamten, neu geschaffenen Stromerzeugungskapazitäten aus. Von den insgesamt 153 Gigawatt (GW) entfallen nach Angaben der IEA 66 GW auf Onshore-Windkraft und 49 GW auf Photovoltaik.

Die regenerativen Energien sind damit der am schnellsten wachsende Sektor der Stromerzeugung weltweit. Verantwortlich dafür ist vor allem der Zubau in Asien – und die stark fallenden Kosten für die Produktion. Für die kommenden fünf Jahre rechnet die IEA damit, dass die Kosten für Photovoltaik weiter um ein Viertel und die der Onshore-Windkraft um 15 Prozent sinken werden.

Für den weltweiten Boom sorgt vor allem ein Land: China. Während der Ausbau in Europa stockt, entfallen ganze 40 Prozent der neuen Kapazitäten bei den Erneuerbaren allein auf das Reich der Mitte. Die Experten rechnen damit, dass 2021 sogar mehr als ein Drittel der kompletten Onshore-Windkraft und Photovoltaik in China erzeugt wird. Klimaschutz ist dabei nicht das einzige Motiv. China setzt vermehrt auf Erneuerbare, weil vor allem die Megacities im Qualm der Kraftwerke zu ersticken drohen.

Trotz Boom könnten Klimaziele verfehlt werden

Allerdings wird die Stromerzeugung nach den Prognosen der IEA im Jahr 2021 weltweit nur zu 28 Prozent regenerativ sein – zu wenig, um die Klimaziele von Paris zu erreichen. Auf der Klimakonferenz in der französischen Hauptstadt hatten sich die teilnehmenden Staaten darauf geeinigt, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen.

Was der Bericht verschweigt: Die Erneuerbaren haben auch Schattenseiten. So müssen für Wasserkraft-Großprojekte, etwa in China und Brasilien, Tausende Menschen umgesiedelt werden. In seiner Dezember-Ausgabe 2015 berichtete GEO über 2000 geplante Wasserkraftwerke auf dem Balkan. Was der „grünen“ Stromerzeugung dient, könnte die letzten unberührten Flusslandschaften Europas zerstören, befürchten Umweltschützer.

Der Bericht der IEA: www.iea.org/newsroom/news/2016/october/iea-raises-its-five-year-renewable-growth-forecast-as-2015-marks-record-year.html

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