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Erschöpfung Wenn der Körper immer müde ist

Seelische und körperliche Erschöpfung müssen nicht immer auf Burnout hinweisen - Gründe liegen häufig in der körperlichen und nicht in der seelischen Gesundheit
Erschöpfung

Erschöpfung muss nicht Burnout bedeuten; sie kann auch körperliche Gründe haben

Nicht immer sind die typischen Symptome des Burnout-Syndroms – vor allem die dauerhafte körperliche und seelische Ermattung – tatsächlich die Folge von Überlastung. Auch körperliche Faktoren können sie hervorrufen. „Vor der Diagnosestellung sind daher ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, eine körperliche Untersuchung sowie Labortests etwa der Blutwerte unerlässlich“, so Professor Martin Keck, Direktor der Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. „Burnout ist letztlich eine Ausschluss-Diagnostik.“


So kann sich hinter einer anhaltenden Erschöpfung und Niedergeschlagenheit eine Hashimoto-Thyreoiditis verbergen – eine Entzündungsreaktion der Schilddrüse, bei der das Immunsystem sich gegen die eigenen Zellen richtet und versucht, sie zu zerstören. Dadurch kann die Schilddrüse nicht mehr genügend Hormone ausschütten, was zu Burnout-ähnlichen Krankheitsanzeichen führt. Ähnliches gilt für eine Unterfunktion der Schilddrüse durch Jodmangel, für Virusinfektionen wie AIDS oder bakterielle Krankheiten wie Tuberkulose und die
von Zecken übertragene Borreliose. Manchmal wird das Gefühl des Ausgebranntseins auch durch Multiple Sklerose, durch Leukämie oder ein anderes Krebsleiden verursacht. In all diesen Fällen kann es zu einer dauerhaften Erschöpfung kommen, die in ihren Symptomen denen eines Burnouts ähnelt und von der sich der Organismus nicht von allein zu erholen vermag.

Wenn der Körper immer müde ist

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Dazu tragen mitunter auch scheinbar banale Ursachen bei: etwa starkes Schnarchen mit nächtlichen Atemaussetzern. Oder Eisenmangel, der bewirkt, dass zu wenig roter Blutfarbstoff (Hämoglobin) gebildet und der Körper nicht mit genügend Sauerstoff versorgt wird. Und selbst Nebenwirkungen von Medikamenten – etwa von Blutdrucksenkern – rufen bisweilen Burnout-ähnliche Symptome hervor. Noch komplexer wird es, wenn Ärzte das Chronische Fatigue-Syndrom vermuten: Die rätselhafte Erkrankung führt zu geistiger und körperlicher Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und Leistungsminderung – und ähnelt damit frappierend einem Burnout. Manche Ärzte gehen davon aus, dass eine Regulationsstörung des
Immunsystems die Hauptursache des Syndroms ist, ausgelöst durch einen Infekt oder eine andere körperliche Ursache. Andere verweisen darauf, dass viele der Betroffenen aufgrund der ständigen Erschöpfung depressiv werden, was die Burnout-ähnlichen Symptome verursache. Es ist daher wichtig, körperliche Ursachen für Erschöpfungssymptome auszuschließen. Denn die lassen sich oft mit Arzneien therapieren. Nur wenn sich herausfinden lässt, dass tatsächlich das Burnout-Syndrom vorliegt, sollte man eine Psychotherapie in Erwägung ziehen.