Ruanda, Land der Frauen

Ruanda hat sich nach dem Genozid zum Musterland entwickelt – vor allem Dank der Frauen, die in Politik und Wirtschaft reüssieren. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag (12. Dezember)

Ein Film von Dirk Laabs

Ruanda war vor fünfzehn Jahren Schauplatz eines der furchtbarsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte als die Mehrheit im Land, die Hutu, Jagd auf die Minderheit, die Tutsi machte. Ein Völkermord, bei dem über eine Million Menschen umgebracht wurden. Heute ist Ruanda Vorbild für ganz Afrika. Kein anderes Land auf dem Kontinent hat in den vergangenen Jahren eine vergleichbare Erfolgsgeschichte geschrieben und sich so dramatisch verändert. Und das unter derart schlechten Voraussetzungen. Ruanda ist nicht mehr das ärmste Land in Afrika, es hat sich politisch stabilisiert. Diese Entwicklung ist vor allem das Werk der Frauen Ruandas. Sie haben das Land wirtschaftlich vorangebracht und zur Versöhnung zwischen Tutsi und Hutu beigetragen.

Epiphanie Mukashyaka ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie setzt heute mit ihrer Firma "BUF-Kaffee" über eine Million US-Dollar um. Sie kauft Kaffeebohnen in der ganzen Region auf, verarbeitet sie weiter und exportiert die Ware in alle Welt. Dabei setzt sie auf Gourmetkaffee, der besonders sorgfältig geerntet werden muss. Einfach war das nicht. Epiphanie Mukashyaka ist seit dem Völkermord in Ruanda 1994 Witwe. Ihr Mann und eines ihrer Kinder wurden während des Genozids von Hutu-Truppen ermordet. Trotz jahrelanger Not und politischen Wirren in der Nachkriegszeit hat es die heute 52-jährige Tutsi geschafft, ihre verbliebenen Kinder gesund groß zu ziehen. Alle haben sogar studiert. Dass ein normales Geschäftsleben in Ruanda heute möglich ist, erscheint wie ein Wunder: Völker, die sich vor wenigen Jahren noch brutal bekämpften, finden Schritt für Schritt zurück zu einem friedlichen Miteinander, zu einem gemeinsamen Leben. Eine wesentliche Rolle spielen dabei Frauen wie Epiphanie Mukashyaka. Die meisten Leute, die für die Tutsi-Geschäftsfrau arbeiten, sind Hutu.

Einen anderen Weg der Vergangenheitsbewältigung begeht die Theatermacherin und Autorin Hope Azeda, sie inszeniert in Ruandas Hauptstadt Kigali ein Stück über den Genozid. Nur wenn sich die Menschen weiter mit dem Völkermord befassen, so ihre Meinung, können Hutu und Tutsi die traumatische Vergangenheit auch nachhaltig bewältigen.

360°- GEO Reportage zeigt den Alltag verschiedener Frauen in Ruanda. Sie erledigen die meiste Arbeit und entwickeln das fruchtbare Land weiter. Sie wirtschaften erfolgreich und betreiben Aufklärung. Ruandas Frauen sind heute Garant für den Frieden und seit dem Völkermord die tragenden Säulen des Landes.

360°- GEO Reportage hat die starken Frauen in Ruanda besucht.

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Eine Frauenkooperative in Bugasera, Ruanda; während einer Arbeitspause. Frauen, deren Männer im Genozid ermordet wurden arbeiten hier mit Frauen zusammen, deren Männern selber Täter waren

Fact Sheet: Ruanda, Land der Frauen

  • 15 Jahre nach dem schrecklichen Völkermord in Ruanda sind noch knapp einhunderttausend Täter in Haft
  • Die "Genocidaire", wie die Mörder genannt werden, töteten damals innerhalb von nur 100 Tagen nahezu eine Million Tutsi
  • Heute geht es dem kleinen afrikanischen Land besser
  • Die Frauen bauen Ruanda wieder auf
  • Die neue Völkerverständigung geht sogar so weit, dass Witwen der Opfer mit den Frauen der Täter auf dem selben Feld zusammenarbeiten

Wiederholungen:

sonntags um 18.05 Uhr

13. Dezember 2009: Die Krabbenflut

20. Dezember 2009: St. Pierre und Michelon

27. Dezember 2009: Ein Baumhaus in Costa Rica

Arte Programm

Mit weiteren Informationen zu GEO-Filmen (Links, Buchtipps, Video-Kurzfassung u.a.)