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Barcelona: Eine Stadt, die Trends schreibt
Diese Stadt folgt Trends nicht - sie erfindet sie selber. In Architektur und Mode, Clubleben und Küche. Das macht sie zu einer der aufregendsten Metropolen Europas
Die Nacht beginnt. Alle haben viel vor, dennoch nehmen sich alle viel Zeit. Der Morgen ist weit, und bis dahin begeht man in Barcelona die Nächte. Grüppchen schlendern dicht an dicht durch die Gassen rund um Santa Maria del Mar wie ein heiter dahinplätschernder Fluss, der die Kirche umspült wie einen mächtigen Felsen, sich verzweigt in den engen Gassen, zwischendurch zur Ruhe kommt auf Caféhausterrassen oder an Tresen voller Tapas.
Man wartet gerne
In der Bar "El Xampanyet", in der hauptsächlich Cava, der katalanische Sekt, serviert wird, stärkt sich ein flüsterndes junges Paar für die Disko, er füttert sie mit Schinken und Sardellen. Ringsum braust spanisch-katalanisches Stimmengewirr. Vor den Restaurants der Plaça Reial bilden sich lange Schlangen - auch zum Warten ist Zeit. Wer um Mitternacht noch keinen Tisch zum Abendessen hat, den fragt der Kellner ohne Wimpernzucken: "Wollt ihr in einer Stunde wiederkommen?" Wer mittags ruht, hat abends Kraft. Und wenn einen trotz Siesta die Müdigkeit überfällt, geht man im Wissen nach Hause, dass andere es übernehmen, die Nacht ganz auszuschöpfen. In der neuen In-Adresse "Club 13" zum Beispiel, den weißen Fluchten des "Salsitas" oder der "Kentucky Bar", in der zur Sperrstunde um drei Uhr die Rollläden heruntergelassen werden, ohne dass sich etwas an der Stimmung dahinter ändert.
Hinter dicken Mauern
In stillen Momenten, tagsüber, birgt die Altstadt dagegen ein anderes Geheimnis. Dann bewegt man sich zwischen den fünfstöckigen mittelalterlichen Gebäuden wie durch die Eingeweide eines mächtigen Körpers, in dem tief drinnen hinter dicken Mauern Leben pocht. So schmal sind manche Gassen der Viertel Barri Gòtic, des Born, der Ribera, dass nur beim höchsten Sonnenstand Licht auf den Boden fällt, ein Streifen, nicht breiter als ein Handtuch. Im Born sitzt Eleonor hinter einer hohen Glasflügeltür im Halbdunkel und sagt: "Manchmal erkenne ich mein Viertel nicht mehr." Sie sagt es staunend, nicht bitter, mit einem leichten Kopfschütteln, bei dem ihre weichen, weißen Locken wippen. "Aber ich bin froh, dass hier wieder Leben ist."
Dann kam die Avantgarde
Nachdem die Markthalle, eine großartige Eisenkonstruktion, in den siebziger Jahren ihre Tore schloss, wurde es ruhig im Viertel. Es verkam und wurde vergessen. Die dunklen Gassen waren nun unheimliche Orte. Doch dann zogen nach und nach neue Bewohner her. Die meisten jung, es machte ihnen nichts aus, dass die Häuser keinen Aufzug haben, nur enge, steile Treppen. Einige haben Cafés eröffnet oder Läden, in denen sie von mutigen Designern entworfene Mode verkaufen, Schmuck oder Schuhe. "Seltsam", sagt Eleonor amüsiert, "nie sehe ich auf der Straße jemanden in diesen Sachen."
Am Ende der Gasse - das Meer
Der Tag ist heiß, aber es geht jener angenehme Wind, bei dem man überall in der Stadt, selbst an tief im Häusermeer versunkenen Orten, versucht ist, die Augen zu schließen und sich einzubilden, man spüre die Frische der See. Hier im Born ist das Meer tatsächlich nicht weit. Vom Ende einer der Gassen dort vorn sind schon die Masten der Segelboote zu sehen. Eleonor liebt dieses Viertel, und seine neue Anziehungskraft erstaunt sie nicht. "Die Menschen spüren, dass das hier das wahre, das authentische Barcelona ist", sagt sie, und Stolz wärmt ihre Stimme. Die Statistik behauptet: Acht von zehn Barcelonern sind glücklich in ihrer Stadt. Mehr und mehr Ausländer ziehen her. Engländer, Deutsche, Italiener, Holländer oder Amerikaner, die eigentlich nur für ein paar Monate kommen wollten - vor Jahren.
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