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Test: Die Last-Minute-Lüge
Viele Urlauber setzen auf die Ferienplanung in letzter Minute. Unser Selbstversuch zeigt jedoch: Wer zu spät bucht, den bestraft der Preis
Der Plan: Schnell mal ein Online-
Schnäppchen schießen. Kurz vor Ferienbeginn
werben die einschlägig bekannten
Websites mit "Traumurlaub zu Traumpreisen",
verheißen "Super Last-Minute-
Angebote – bis zu 70 Prozent günstiger".
Ich versuche mein Glück mit einer Woche
Mallorca. Die Auftaktseite von „Expedia“
zeigt "Click & Mix"-Angebote, Flug mit Hotel
ab 122 Euro. Okay, so günstig muss
es nun doch nicht werden. Das etwas edlere
"Iberostar Playa de Muro Village"
gefällt mir: Ich muss die Reisedaten
eingeben, Reisedauer,
Zahl der Erwachsenen und Kinder – inklusive
Altersangaben. "Expedia" nennt mir einen
Preis ab 722 Euro pro Person. Nicht
wenig,
aber fair. Ich klicke auf "weiter".
Jetzt listet mir die Website die Anbieter
auf, die meinen Wunschurlaub im Programm
haben, allerdings zu anderen Zeiten
als gewünscht. Erste Erfahrung:
Der Veranstalter bestimmt den Termin.
Meine Datumseingaben wurden – sagen
wir es mal so: "modifiziert". Ich finde
mich damit ab und wähle Zimmerkategorie
und Verpflegungsart.
Zwar schwant mir, dass der Preis
höher ausfallen wird, als auf der Auftaktseite
angekündigt, aber dass mein Last-
Minute-A benteuer dann 3514 Euro kosten
soll, schockt mich doch. Nicht wenig
Geld für Ferien auf einer Insel, zu der Flüge
ab 29 Euro angeboten werden.
Zweite Erfahrung: Die Welt wird kleiner.
Die Unruhen in Nordafrika haben das
Touristikgeschäft in der Region einbrechen
lassen. Wer nach Tunesien, Ägypten
oder Marokko reisen wollte, bucht um, die
Nachfrage
nach Zielen in Südeuropa
steigt. Ergebnis: Balearen und Kanaren
sind so gut wie ausgebucht. Gut, denke
ich, wenn alle auf Malle sind, fliege ich eben ans Rote Meer,
wo es längst wieder sicher ist. Ich rufe die Website "Nix-wie-weg"
auf. Es ist ein mühseliger Ritt durch die Eingabemasken.
Immer wieder muss ich Angaben ergänzen, das Datum korrigieren.
Schließlich entscheide ich mich für das Hotel "Royal
Grand Sharm", klicke auf "weiter" und bekomme die Anbieter
angezeigt. Doch wer gedacht hat, dass Ägypten 2011 rasend
billig geworden ist, liegt falsch. Dritte Erfahrung: Krisen kosten.
Wird eine Destination von einer Mehrzahl der Veranstalter
aufgegeben, fallen die Preise nicht, wie ich erwartet habe, sondern
sie steigen. Das liegt daran, dass die Fluggesellschaften
ziemlich schnell reagieren
und ihre Maschinen umrouten.
Schätzungen
zufolge wurden die Flugkapazitäten nach Hurghada
am Roten Meer um etwa 60 Prozent reduziert. Da können die
Hotels noch so tolle Angebote machen – das teure Ticket für
einen der wenigen Plätze in den Maschinen mit Ziel Nordafrika
macht alle Preisvorteile zunichte. So überrascht es nicht,
dass das Last-Minute-Angebot für ein Familienzimmer zu meinem
Wunschtermin erst mehr als 4000 Euro kosten soll.
Und dann erscheint die Meldung: "Die von Ihnen ausgewählte
Reise ist leider bereits ausgebucht." Vierte Erfahrung: Gutes
ist knapp und begehrt. Pech gehabt: Die Traumreise ist oft
längst ausverkauft. Die Rechner der großen Touristikfirmen
checken aus technischen Gründen nur einmal täglich, ob
Plätze noch verfügbar sind, erst dann wird das Angebot von der
Website genommen. So manche Last-Minute-Entdeckung ist
also bereits Geschichte. Resümee: Last-Minute ist Luxus.
Wer sparen will, bucht früh. Die Zeiten, in denen Kurzentschlossene
und Flexible garantiert Geld sparen konnten, sind
vorbei. Heute wird es meist teuer, die Ferienplanung bis zum
letzten Moment aufzuschieben.



Kommentare zu "Die Last-Minute-Lüge"
Seh ich genauso, außerdem hat z.B. Deutschland eine Menge interessante Regionen zu bieten! Deutschland-Reisen werden immer interessanter! http://www.hotelodeo.com
Warum muss Herr Lehmann ausgerechnet im SOMMER in den SÜDEN fliegen?? Bei uns in Mitteleuropa, den Alpen, oder sogar im Norden ist noch alles frei und preiswert. Weiterer Vorteil: kein Flug, sondern Bahn oder Auto, ev. sogar Fahrrad. Bitte umdenken!