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Naturtalente: Die Ökokriegerin
Cécile Lecomte schläft wochenlang auf Bäumen, seilt sich von Brücken ab, klettert auf Strommasten, besetzt Abrissbagger und stoppt Züge mit radioaktivem Müll. Ihre Aktionen richten sich meist gegen die Atomenergie oder Gentechnik. Die 29-Jährige ist hauptberufliche Umweltaktivistin. Sie sagt: "Ich klettere für eine bessere Welt."
Es ist eine Frage des Willens - das wird schnell klar, wenn man Cécile Lecomte zum ersten Mal begegnet. Sie weiß, was sie will. Sie will, dass alle Atomkraftwerke für immer abgeschaltet werden - sofort. Sie will, dass Genfelder befreit werden. Sie will die Umwelt schützen. Und sie will nicht bloß darüber reden: Sie will handeln. "Ich kann nicht warten, bis vielleicht mal jemand etwas unternimmt", sagt sie, "wie viele Atomunfälle muss es noch geben, bis sich etwas Grundlegendes ändern wird?" Die 29-Jährige sagt: "Ich bin zwar nicht kräftig, aber ich habe einen starken Willen. Und wenn wir viele sind, können wir die Welt verändern."
Die Geschichte von Cécile Lecomte ist eine Geschichte der Gegensätze. Diese erzählt zunächst vom Oben. "Nach oben bewege ich mich flink wie ein Eichhörnchen", sagt sie. Das ist ihr Spitzname: Eichhörnchen. Denn Cécile Lecomte kann klettern und verbindet ihr Talent mit ihrem Protest. Sie nennt es "politisches Klettern". Drei Monate wohnt sie auf Bäumen, um den Bau einer Fernwärmetrasse für ein neues Kohlekraftwerk zu verhindern. Sie erklimmt Brücken und seilt sich über Gleise ab, wo Züge mit radioaktivem Müll rollen sollen. Strahlenmüll, von dem niemand weiß, wie gefährlich er wirklich ist und der quer durch die Republik transportiert werden soll. In Stuttgart steigt sie auf Abrissbagger, in Frankfurt blockiert sie den Flughafenausbau, in Dresden besetzt sie Bäume, um den Bau einer Brücke durch das Elbtal zu behindern. In Hamburg hängt sie sich kopfüber an die Glasfassade eines Energiekonzerns und spannt Transparente: "Gau-Roulette: Tschernobyl - Fukushima - Krümmel?"
"Öffentlichkeitsarbeit", nennt die Französin ihre spektakulären Aktionen, die sie meist mit der Unterstützung der Umweltorganisation "Robin Wood" durchführt. "Ich mache das nicht aus Spaß oder weil ich jemanden ärgern will", sagt sie, "wir brauchen diese Aufmerksamkeit zum Erreichen unserer Ziele." Manche nennen sie einen Störfaktor, eine streitbare Querulantin oder eine ernsthafte Gefahr. Für andere ist sie ein Vorbild, eine gewaltfreie Luftakrobatin und eine tatkräftige Umweltschützerin. Cécile Lecomte selbst sagt: "Ich bin Aktions-Kletterkünstlerin. Ich wäre nie bereit, Gewalt anzuwenden oder andere Menschen zu gefährden, da liegen für mich Grenzen."
Sie ist in den Vogesen geboren und in Orléans aufgewachsen. Schon als Kind hat sie ihre Hausaufgaben am liebsten auf dem Schrank gemacht. Und sie wollte immer auf das Dach, nach oben, dort wo die Katze war. Mit sieben Jahren begann sie im Verein zu klettern, jeden Tag. Mit 16 war sie französische Jugendmeisterin. Gemeinsam mit ihrer Mutter fuhr sie jede freie Minute in die Alpen. "Das Klettern ist sehr vielfältig, es findet viel im Kopf statt", erklärt sie, "du musst dir jeden Schritt genau überlegen und sehr flexibel sein, du musst immer neue Lösungen finden." Vor zehn Jahren ging sie nach Bayreuth, um zu studieren und die Sprache zu lernen. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste sie nicht viel über Atomkraft. Zu Beginn wunderte sie sich, dass man in Deutschland gegen Biber demonstriert. "Polizei, Knüppel und Biber", las sie in einer Zeitung. "Castor" - die Abkürzung für "cask for storage and transport of radioactive material" - heißt auf Englisch und Französisch Biber. In Frankreich verteilen Energiekonzerne Aufklärungsmaterial an Schulen, wo die Lokomotive einen lustigen Biberkopf hat. "Eine bewusste Verharmlosung", sagt Cécile Lecomte, "als Kind bin ich auch darauf hereingefallen."
Die Geschichte von Cécile Lecomte ist eine Geschichte der Gegensätze. Denn diese handelt auch vom Unten. "Unten, das ist nicht meine Welt", sagt sie, "ich habe Bodenangst." Sobald Cécile Lecomte die Erde berührt, verändert sie sich. Sie geht wie eine alte Frau. Jeder Schritt wird zur Qual und lässt die Gelenke brennen. Rennen geht schon lange nicht mehr. Vor sieben Jahren hat sie die Diagnose bekommen. Sie hat chronisches Rheuma, das mit Medikamenten allenfalls zu bremsen, aber nicht zu stoppen ist. Die Krankheit frisst ihre Knochen, auf dem Papier gilt sie als 60 Prozent behindert.
An Tagen wie diesem geht es nicht ohne Cortison. Die Schmerzen haben sie die ganze Nacht nicht schlafen lassen. Die Dauerentzündung und die Wirkung der Tabletten machen sie müde. Wasser sammelt sich in den Gelenken, die anschwellen wie Ballons. Handgelenke, Fußgelenke, Knie, Finger, Zehen. Die Krankheitsschübe sind sehr unterschiedlich. "Es ist schwer zu planen", sagt sie, "oft muss ich vor Aktionen Schmerzmittel nehmen." Dann taumelt sie zwischen Energie und Erschöpfung. Wenn sie klettert, hat sie weniger Beschwerden. Sie weiß, wie sie ihre Kräfte sparen kann, wie sie mit dem Körper balancieren muss, um ihre Gelenke möglichst wenig zu belasten. "Und auch das Adrenalin hilft mir gegen die Schmerzen."





Kommentare zu "Die Ökokriegerin"
Wow, eine bewegende Geschichte, Hut ab!
http://www.sortirdunucleaire75.org/ Manifestation Anti Nucleaire 11 juin : journée d’action internationale Manifestation à 14h30 – Départ République Anti Nuclear Demo: 11 June 2011, Departure République, Paris, FRANCE – Anti Atomkraft Demo am 11. Juni 2011, Treffpunkt: République, Paris, Frankreich. Rechtzeitig Busse und Mitfahrgelegenheiten von Deutschland organisieren. Diese Demo ist die WICHTIGSTE Anti Atom Demo im Moment in Frankreich weil DIREKT in Paris. Youth Hostels Paris: www.fuaj.org/ Please copy paste this message in ALL Internet-Forums you know + Facebook/Twitter/Myspace !!! http://www.sortirdunucleaire75.org/ http://www.sortirdunucleaire.org/ http://www.lesverts.fr/ http://www.greenpeace.fr/
Hut ab ! Da macht wirklich mal jemand etwas und das aktiv und unerschrocken. Leider sind diese Art von Menschen sehr rar. Schade, denn der schnöde Mammon " regiert " !!! Er hat es immer getan und wird es auch weiterhin tun. Kaum Chancen....