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GEO Magazin Nr. 02/13 Seite 1 von 1


Grönland: Schätze unter dem Eis

Der Klimawandel fördert Grönlands Bodenschätze zutage. Die neu erlangte Macht will seine Regierung nutzen - etwa, um das EU-Importverbot für Robbenprodukte zu kippen


Grönland taut auf. Um 4,5 Grad Celsius ist die durchschnittliche Jahrestemperatur im Nordosten der Insel binnen 15 Jahren gestiegen; die Arktis erwärmt sich schneller, als es die meisten anderen Regionen der Erde tun.


Es taut im Scoresby-Sund, Ostgrönland (Foto von: Frans Lanting/Mint Images/Getty Images)
© Frans Lanting/Mint Images/Getty Images
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Es taut im Scoresby-Sund, Ostgrönland

Nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendetwas anderes gut wäre, sagte vor Jahren die grönländische Abgeordnete Juliane Henningsen über den Klimawandel: Zwar könnten Grönlands Jäger im Winter nicht mehr jagen, weil das Meereis nicht mehr trägt - dafür sei die Anbausaison länger, und die kaum 60.000 Einwohner seien inzwischen Selbstversorger bei Kartoffeln und Gemüse.

Das Wettrennen um Bodenschätze hat begonnen
Vor allem aber schmelzen Schätze aus dem Eis. Edelsteine, Eisenerz und Seltene Erden, enorme Mineralvorkommen: Basis für eine lukrative Bergbauindustrie. Bislang betreibt nur ein einziges Unternehmen eine ertragreiche Mine auf Grönland - aber mehr als 120 Standorte werden derzeit geprüft. Das Wettrennen um die Bodenschätze hat begonnen.

China, Südkorea und die USA schickten Delegationen. Die EU versprach Entwicklungshilfegeld, wenn Grönland China keinen exklusiven Zugang zu seinem Metallreichtum gewährt; "Rohmineraldiplomatie" nannte EU-Industriekommissar Antonio Tajani seine Bemühungen um ein einschlägiges Abkommen. Neben der EU und China haben sich auch Japan und Südkorea um einen permanenten Beobachterstatus im Rat der acht Arktis-Anrainerstaaten beworben, über den im Februar 2013 entschieden wird.

"Wir haben jetzt was anzubieten"
"Wir werden anders behandelt als noch vor wenigen Jahren", sagte Grönlands Vize-Premierminister Jens Frederiksen im Gespräch mit der "New York Times", und das nicht etwa, weil die Welt plötzlich bemerkt habe, dass Inuit nette Menschen seien: "Uns ist bewusst, dass wir jetzt etwas anzubieten haben."

Grönlands Regierung sieht in den möglichen Bergbauprofiten allen Bedenken von Umweltschützern zum Trotz nur Chancen. Als das Land 2009 die autonome Selbstverwaltung erhielt, begrenzte Dänemark seine jährliche Beihilfe auf rund 380 Millionen Euro, in den kommenden Jahren soll sie weiter reduziert werden. Die Bodenschätze könnten Grönland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch unabhängig machen - als vielleicht erste Nation, die der Klimawandel schuf.

Vorerst soll die neu gewonnene Mineralmacht helfen, politische Anliegen durchzusetzen: zum Beispiel die Aufhebung des 2009 verhängten EU-Importverbots für Robbenprodukte.




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