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Fischerei: Fischzüge vor Afrika

EU-Trawler gehen vor afrikanischen Küsten auf Fang und entziehen, sagen Umweltverbände, einheimischen Fischern die Lebensgrundlage. Fischereiverbände bewerten die Lage ganz anders


Hunger, Krieg und Verfolgung treiben Tausende Afrikaner jedes Jahr zur Flucht nach Europa. Ein weiterer Grund ist die EU-Fischerei vor ihren Küsten. "Fischer werden in Staaten wie Senegal, Mauretanien oder Guinea selbst zu Flüchtlingen, weil sie ihre Arbeit verlieren", sagt Béatrice Gorez von der Coalition for Fair Fisheries Arrangements (CFFA).


Supertrawler aus der EU fischen die Gewässer vor Westafrika leer - sagen Umweltorganisationen (Foto von: Pierre GLEIZES/REA/laif)
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Supertrawler aus der EU fischen die Gewässer vor Westafrika leer - sagen Umweltorganisationen

Es gibt keine offizielle Statistik darüber, wie viele afrikanische Fischer zu Flüchtlingen oder Schleppern werden, weil EU-Trawler ihre Reviere vor der Küste leer gefangen haben. Die CFFA schätzt aber, dass ein Fünftel der afrikanischen Flüchtlinge Fischerei-Migranten sind. Überprüfen lassen diese Angaben freilich nicht. Nachvollziehbarer sind die Zusammenhänge, die Gruppen wie die CFFA, Greenpeace oder die Hilfsorganisation Action Aid aufzeigen: Weil viele europäischen Fischbestände angegriffen sind, muss die EU-Flotte in fremden Gewässern die Netze auswerfen. Rund 40 Prozent ihrer Fänge stammen mittlerweile aus außereuropäischen Gewässern. Um sich die Fangrechte zu sichern, schließt die EU mit anderen, oft afrikanischen Staaten Fischereiabkommen ab - die seit Jahren kontrovers diskutiert werden. Denn die Partnerstaaten, so beklagen die Kritiker, erhalten zu wenig Geld für die Fangrechte.


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Abnehmende Bestände

Das Hauptproblem ist aber die Überfischung, die Fischer zu Arbeitslosen macht - und dann zu Flüchtlingen. Die Fischerei vor Westafrika hat, unterstützt durch die EU-Abkommen, so stark zugenommen, dass einst üppige Bestände teils stark geschrumpft sind. Laut Action Aid ist ein Großteil der Arbeitsplätze der senegalesischen Fischindustrie bedroht. Fischereifirmen hätten in den vergangenen Jahren viele Angestellte entlassen. Auch in Mauretanien, Guinea und Guinea-Bissau sollen viele Fischer aufgegeben haben. "Wir brauchen attraktive Fischereiabkommen, die den Ländern Geld bringen und ihre Küstenfischerei schützen", sagt Béatrice Gorez von der CFFA.

Die EU-Kommission sah lange keine Verfehlungen in der Region und Zusammenhänge zwischen der EU-Fischereipolitik und dem Flüchtlingsproblem. Das betonten Sprecher der füheren Fischereikommissare immer wieder. Die neue Fischereikommissarin Marina Damanaki schlägt andere Töne an. „Wir sind nach Afrika gegangen, haben deren Fisch genommen, und jetzt gibt es dort für die Einheimischen keinen Fisch mehr“, sagte sie dem ZDF. „Nun müssen wir den dort angerichteten Schaden heilen, die Lage verbessern." Das versucht sie auch – etwa mit verbesserten Fischereiabkommen, die Garantien für faire Arbeitsplätze und nachhaltige Fangmethoden festschreiben.

Das Hauptproblem, so sagt Damanaki ebenso wie ihre Vorgänger, seien aber die „illegalen und unkontrollierten Fänge“. Sie machen Schiffe, die meist unter der Flagge von ärmeren und kleineren Staaten wie etwa Belize oder Honduras fahren, aber Firmen aus anderen Ländern wie zum Beispiel China, Russland oder Spanien gehören. Sie gehen in internationalen Hoheitsgewässern auf Fang, was die Kontrollen und Rechtsprechung im Fall der Anklage verkompliziert, wildern aber auch gezielt in fangträchtigen Küstenzonen wie etwa vor Westafrika. Manche Experten sehen hierin das dringlichste Problem im Kampf gegen die weltweite Überfischung.



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Kommentare zu "Fischzüge vor Afrika"

Dr. Rachida Zoubid | 29.01.2013 11:16

Nach eigenen empirischen Recherchen haben die in marokkanischen Gewässern geworfenen fremden Netze der spanischen-Flotten zum Beispiel den Fischfang durch einheimische Fischer reduziert und viele Fischer in der finanziellen Ruine getrieben, nachdem sie Herrn ihrer Gewässer waren und gutes Geld anhand des Verkaufs der teuren Fischsorten verdienen konnten. Die genannten Fischer sind der Meinung, dass ihr eigenes Land durch die mit Europa bzw. Spanien unterzeichneten Abkommen sie abgeschrieben habe und, dass viele Fischarten vor dem Aussterben bedroht wäre, weil sie von den Europäern überwischt wären, dass wenn die ausländischen Hochseefischerboots sie anstellen im Vergleich mit den europäischen Arbeitskräften, die im gleichen Boot arbeiten, sehr schlecht bezahlen und, dass es kein Sinn mehr habe im eigenen Land zu bleiben und zu beobachteten, wie man sie und die nachfolgenden Generationen aus Fischerfamilien am Rande der Gesellschaft getrieben werden. Demzufolge entscheiden sie sich für Beitrag melden!

Antonietta | 26.01.2013 18:50

Viele Gewässer, insbesondere die Meere sind überfischt. Viele Arten sind wegen zu hoher Fangquoten und umweltzerstörender Fangtechniken nahezu ausgerottet.
Aquafarmen sind keine Alternative, da sie im höchsten Maße umweltgefährdend und tierquälerisch sind. Weltweit werden so ca. 16 Mio. Tonnen Fisch gezüchet. Meist wird nur eine einzige Art in Monokultur mit umfangreicher Technik und Chemikalien auf engstem Raum herangezogen. Kraftfuttercocktails sollen die Fische schnellstmöglich verkaufsreif wachsen lassen. Die Stoffwechselprodukte der Fische verursachen eine explosionsartige Ausbreitung der Algen und eine ökologische Zerstörung des Gewässers.
In Anbetracht der Schadstoffbelastungen der Meere wird deutlich, daß Fisch kein gesundes Nahrungsmittel sein kann, denn aus verschmutzten Gewässern können keine "unverschmutzten" Fische kommen. Die in den Wassertieren abgelagerten Schadstoffe wie Arsen, Blei, Cadmium, Quecksilber und Pestizide werden mitgegessen. Beitrag melden!


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