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Radwege: Weg mit den Buckelpisten!
Stadtregierungen, wie die in Hamburg, wollen den Anteil der Fahrradfahrer im Straßenverkehr erhöhen. Prima! Aber damit das funktioniert, müssen erstmal bessere Radwege her
Neulich habe ich über die Segnungen des Fahrradfahrens geschrieben. Ich hatte da, Einwände vorwegnehmend, ein vorsichtiges "Aber" eingebaut. Es gibt nämlich auch Nachteile. Nicht am Fahrradfahren an sich, sondern an den, sagen wir, städtebaulichen Bedingungen. Zum Beispiel Buckelpisten, die den Namen Radweg nicht verdienen, aber als solche deklariert sind.
Autos fahren auf der Straße. Das ist ebenso trivial wie beneidenswert. Denn dieselbe Strecke mit dem Rad zu fahren, gleicht in einer Stadt wie Hamburg einem Hindernisrennen: Rauf auf den Radweg, wieder runter, weil man nach Regenfällen im Matsch versinkt oder wegen der Schlaglöcher um seine Speichen fürchtet. Oder weil der Weg so eng ist, dass eine Begegnung mit einem Fahrrad aus der Gegenrichtung (darf der hier eigentlich fahren?) tunlichst zu vermeiden ist. Vorbeischlängeln an Dingen wie improvisierten Verkehrsschildern, Mülleimern und anderen Mobilien. (Offenbar laden Radwege zum Ab- und Hinstellen ein. Dagegen würde kein Mensch auf die Idee kommen, irgendetwas einfach auf die Straße zu stellen.) Ganz zu schweigen von Schneebergen, die im Winter von den Räumfahrzeugen sorgsam auf dem Radweg deponiert werden. Eben dort, wo Platz ist. Dann über die Kreuzung, an der man nicht, wie die links abbiegenden Autofahrer, an einer Ampel, sondern an zwei Ampeln steht. Und Zeit verliert.
Klar, dass ich hin und wieder, ohne jeden Anflug von schlechtem Gewissen, auf die Straße ausweiche, den paradiesisch komfortablen Fahrbahnbelag und flottes Vorankommen genieße. Protesten von Autofahrern begegne ich mit gespielter Gleichgültigkeit.
Radeln in Hamburg: Da ist noch Luft nach oben
Von Münsteraner Verhältnissen - offenbar profitieren die Westfalen von der geografischen Nähe zur Fiets-Republik der Niederlande - ist in Hamburg keine Spur. Nicht umsonst markieren die beiden Städte den Anfang (Münster) und das Ende (Hamburg) des ADFC-Rankings, dem Fahrradklimatest 2005. Radwege, die den Anforderungen der StVO entsprechen, sucht man in der Hansestadt lange vergebens. Trotzdem zwingt in den meisten Fällen das blaue runde Fahrradschild zur Benutzung dieser Pisten. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, muss sich mit der Stadt vor dem Verwaltungsgericht anlegen.
Viele Stadtplaner und Politiker haben immer noch nicht verstanden, dass Radwege keine Fläche sind, die Autofahrer netterweise dem nicht motorisieren Verkehr zur Verfügung stellen. Wer, wie der Hamburger schwarz-grüne Senat, vollmundig eine "Steigerung des Radverkehrsanteils auf mindestens 18 Prozent" ankündigt, muss auch die Infrastruktur dafür bereitstellen. Das heißt: Autoverkehr zugunsten von Fahrradverkehr zurückdrängen. Wie sagte der dritte Bürgermeister von München, Hep Monatzeder, in einem Interview der Süddeutschen Zeitung? "Wir müssen Autofahrern Raum wegnehmen." Das ist ebenso unpopulär wie richtig.
Sicherer, schneller, billiger
Raum wegnehmen, ja, um Fahrradstreifen auf der Fahrbahn einzurichten oder - noch besser - eine ganze Spur für Fahrradfahrer zu reservieren. Denn das ist sicherer, schneller, billiger. Sicherer, weil jeder jeden sieht. Viele Unfälle passieren an den Stellen, wo sich die Wege von Auto- und Radfahrern unerwartet kreuzen. Radfahrer müssen als Teil des Verkehrs wahrgenommen werden. Also rauf mit ihnen auf die Fahrbahn! Und es ist billiger, weil es natürlich weniger kostet, eine Radspur auf der bestehenden Fahrbahn zu markieren, als einen kompletten Radweg mit separatem Unterbau und Teerdecke zu bauen.
Das neue Fahrradleihsystem in Hamburg, dem Augenschein nach ein voller Erfolg, zeigt, dass die Leute Rad fahren wollen. Jetzt muss auch der Platz dafür her!






Kommentare zu "Radwege: Weg mit den Buckelpisten!"
Radwege! Radfahrer leben gefährlich, absolut gefährlich! Glaubt man, dass ein Autofahrer im Besitz einer Fahrerlaubnis ist, fährt er Rad wie einer der noch nie etwas von Verkehrsregeln gehört hat, nämlich meist einfach querfeldein. Radwege sind ganz allgemein in einem sehr üblen Zustand, grundsätzlich! Ich habe auch keine Vorstellung was so ein Verkehrsplaner im Kopf hat. Radwege als ein notwendiges Übel neben der Fahrbahn zu integrieren, oder? Noch schlimmer sieht es aus wenn Radfahrer sich den Gehweg teilen müssen, ein garantierter Spießrutenlauf mit den Autofahrern die aus Grundstückeausfahrten oder auch aus Nebenstraßen kommen. Schön auch wenn Radwege ganz plötzlich im Nichts enden oder die Asphaltschicht, wenn es so etwas überhaupt gibt, von Wurzelwerk unterwandert wurde. Mein Vorschlag, Autos befahren die Radwege und die Radfahrer benutzen die Straße. Oh Gott, ein programmiertes Chaos!
Danke für diesen Artikel. Ich bin auf mein Fahrrad zwingend angewiesen, und die Hamburger Fahrradwege sind eine Zumutung. Hoffentlich wird man in Zukunft mehr Rücksicht auf die Sicherheit der Radfahrer nehmen.
Bevor Steuergelder für eine Erneurung der Infrastruktur verschwendet wird sollte man prüfen ob es sich auch wirklich lohnt, denn ich kann mir nicht vorstellen dass es die Bürger animiert Fahrrad zu fahren nur weil hier und da mal eine Bodenwelle etc. korrigiert wird. In den Niederlanden sind die Fahhrradwege auch nicht besser, trotzdem wird dort offensichtlich mehr Fahhrad gefahren. Den Bürgern kostenlos oder für kleines Geld Fahhräder zur Verfügung zu stellen, wäre wesentlich effizienter und Kostengünstiger.
Ich kann die Erfahrungen des Autors nur bestätigen. Ich hatte mich seinerseits bei den Behörden beschwert, warum die die Leihfahrräder anbieten, ohne erst mal Wege für diese Räder zu bauen. Immerhin haben sie überhaupt geantwortet. Mehr Radwege gibt es dennoch nicht in meiner Gegend in Hamburg. Aber wenn das Autofahren in Hamburg schon eine Katasttrophe ist, warum soll das Radfahren dann besser sein. Der Hamburg hält in seiner arroganten Art seine stadt für die beste der Welt und merkt dabei nicht, wie schlecht es an einigen Stellen läuft.
Oft ist es ja so, wenn die Fahrradwege extra neu gemacht werden, wird leider kein Teerbelag verwendet, sondern einfach nur feiner Schotter. Dann werden oft Fahrradwege von Traktoren missbraucht. Oder die Fahrradweg-Begrenzungspfosten einfach abgetrennt um sie anschließend mit Traktor oder Autos zu befahren.
Ich kann dem Autor nur voll und ganz beipflichten! Ich fühle mich ständig versucht, doch lieber die Straße als den Fahrradweg zu benutzen. Nicht nur, dass viele Fahrradwege in schlechtem Zustand, oder zugestellt sind, auch die Bordsteinabsenkungen sind sehr oft eine Zumutung, da viel zu hoch. Das erlebe ich auch bei aktuell neu hergestellten Kreuzungen. Man muss ständig auf fast 0 km/h abbremsen um sich die Räder nicht zu beschädigen. Offensichtlich fahren viele Sachbearbeiter in den Bauämtern nicht mit dem Fahrrad. Ich fahre gerne mit dem Fahrrad von Northeim nach Göttingen zur Arbeit. Das braucht 1 Stunde. Wenn ich konsequent die Straße statt des Fahrradweges benutzen würde, wäre eine ¾ Stunde ausreichend. Also liebe Bauämter und Stadt- und Kreisräte unternehmt etwas! Fahrradfahren ist gesund und schont die Umwelt.