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Evolution: Leseprobe: Die Erfindung der Sinne

Wie die Natur im Laufe von Jahrmillionen aus simplen Sensoren hochempfindliche Sinnesorgane geschaffen hat


DIE WELTSICHT DER INSEKTEN: Ganz anders als bei uns Menschen sind die
Sinne der Gliederfüßer konstruiert: Ihre
Geruchsorgane
sitzen oben auf dem Kopf an
meist langen Antennen; die Gehörorgane
befinden sich häufig an den Beinen,
am Brustende oder am Hinterleib. Und ihre
Komplexaugen sind aus vielen Einzelaugen
zusammengesetzt. Dennoch sind ihre Sinne
ähnlich leistungsfähig wie die der Wirbeltiere,
sie registrieren genauso Schall und Licht,
schmecken oder riechen. Weil sich aber die
Insekten vor mehr als 400 Millionen Jahren
aus anderen Vorfahren als die Wirbeltiere entwickelten,
hat die Evolution ihre Sinnesorgane
auf eigene Weise geformt (Foto von: Tim Wehrmann für GEOkompakt)
© Tim Wehrmann für GEOkompakt
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DIE WELTSICHT DER INSEKTEN: Ganz anders als bei uns Menschen sind die Sinne der Gliederfüßer konstruiert: Ihre Geruchsorgane sitzen oben auf dem Kopf an meist langen Antennen; die Gehörorgane befinden sich häufig an den Beinen, am Brustende oder am Hinterleib. Und ihre Komplexaugen sind aus vielen Einzelaugen zusammengesetzt. Dennoch sind ihre Sinne ähnlich leistungsfähig wie die der Wirbeltiere, sie registrieren genauso Schall und Licht, schmecken oder riechen. Weil sich aber die Insekten vor mehr als 400 Millionen Jahren aus anderen Vorfahren als die Wirbeltiere entwickelten, hat die Evolution ihre Sinnesorgane auf eigene Weise geformt

Eigentlich ist es höchst erstaunlich: Selbst wenn wir unbeweglich auf einem Fleck verharren und nicht hin und her laufen, um den Raum zu erkunden, zeichnet unser Gehirn ein detailliertes, aktuelles Bild der Umgebung und dessen, was darin geschieht. Das ist möglich, weil wir mit hochempfindlichen Sinnesorganen ausgestattet sind, die Informationen aus der Umwelt regelrecht aufsaugen.
Sitzen wir etwa auf einem Stuhl in der Sonne, spüren wir mithilfe unseres Tastsinns das Holz am Rücken, die Lehnen, auf denen unsere Arme ruhen, und den Boden unter den Füßen. Wir fühlen die Wärme, der Gleichgewichtssinn bestätigt uns, dass wir aufrecht sitzen, und die Nase übermittelt den Duft eines frisch gemähten Rasens ans Gehirn. Die Ohren empfangen Schallwellen aus zig Metern Entfernung, bezeugen vielleicht das quirlige Palaver einer Gruppe von Schulkindern oder das Röhren eines Lkw, der in der Ferne vorbeidonnert.
Noch viel detailreicher sind die Informationen, die unsere Augen aufnehmen. Sie übermitteln die Gesichtszüge der Kinder, die Farben ihrer Kleidungsstücke, die Silhouette des Lkw und den verwirbelnden Qualm seines Auspuffs.


DAS OHR AM KNIE: Durch schlitzförmige Öffnungen gelangen
Schallwellen in das Gehörorgan im Bein der
Heuschrecke und bringen eine Membran
zum Schwingen. Nervenzellen registrieren
die Vibration und senden die Information als
elektrischen Impuls zum Gehirn des Insekts (Foto von: Tim Wehrmann für GEOkompakt)
© Tim Wehrmann für GEOkompakt
DAS OHR AM KNIE: Durch schlitzförmige Öffnungen gelangen Schallwellen in das Gehörorgan im Bein der Heuschrecke und bringen eine Membran zum Schwingen. Nervenzellen registrieren die Vibration und senden die Information als elektrischen Impuls zum Gehirn des Insekts


Weit in die Ferne reicht unsere Sehkraft. Die Lichtstrahlen, die wir von der Sonne empfangen, stammen aus 150 Millionen Kilometer Entfernung. Und in einer klaren Nacht können wir sogar die Andromeda-Galaxie als schwachen Schimmer sehen, deren Strahlen aus rund zweieinhalb Millionen Lichtjahren Entfernung (ein Lichtjahr entspricht etwa 9,5 Billionen Kilometern) durch die Weiten des Alls zu uns reisen.
Dass wir mithilfe unserer Sinne einen derart reichhaltigen Eindruck gewinnen können, dient allerdings nicht unserer Erbauung, sondern ist einfach eine Frage des Überlebens. Denn weder Menschen noch Tiere könnten in der Welt bestehen, hätten sie nicht Kenntnis von ihrer Umwelt.
Die Notwendigkeit, Informationen über seine Umgebung zu gewinnen, ist deshalb so alt wie das Leben selbst.
Nur wer sich in der Welt orientieren, Nahrungsquellen nutzen und Feinden entkommen konnte, vermochte sich zu behaupten und Nachkommen zu zeugen. Daher reicht der Ursprung der Sinne in eine Epoche vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren zurück.



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