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Deutsches Kaiserreich: Chronik: Deutsches Kaiserreich

Der erste Staat der Deutschen - Zahlen und Fakten


Seit 1815 existiert auf dem Territorium des späteren Deutschen Reichs und Österreichs der Deutsche Bund, eine Konföderation von anfangs 34 souveränen Fürstentümern, darunter dem Königreich Bayern, sowie vier Freien Städten.

Das zentrale gemeinsame Organ der Bundesmitglieder, der Bundestag in Frankfurt am Main, ist kein gewähltes Parlament, sondern ein von den Fürsten der Einzelstaaten beschickter Gesandtenkongress, der die gemeinsamen Angelegenheiten regeln soll; seine Beschlüsse sind für die Einzelstaaten bindend.

Die bedeutendste Macht innerhalb des Deutschen Bundes ist Österreich, dessen Vertreter auch den Vorsitz im Bundestag führt.


1862

23. September.
Berlin: Da das preußische Abgeordnetenhaus eine von König Wilhelm I. gewünschte Erhöhung des Militäretats ablehnt, trägt sich der Monarch mit Rücktrittsgedanken. Doch dann beschließt er, Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten zu ernennen: einen politisch hochbegabten, skrupellosen, erzkonservativen Junker.
Bismarck, den wohl vor allem seine Durchsetzungskraft und sein kompromissloser Monarchismus für die ihm anvertraute Aufgabe geeignet machen, verspricht dem König, auch ohne Zustimmung des Parlaments zu regieren.
Fortan führt er die Amtsgeschäfte ohne einen von den Abgeordneten bewilligten Staatshaushalt.


1863

23. Mai.
Leipzig: Ferdinand Lassalle gründet den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, die erste deutsche Arbeiterpartei. Zentrale Forderungen Lassalles sind ein Lohn, der nicht nur das Existenzminimum abdeckt, sowie die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts.
Im Laufe des Jahres führt der Politiker mehrere geheime Gespräche mit Bismarck. Der erhofft sich von Lassalles Partei politische Unterstützung im Kampf gegen die liberalen Politiker, die nach wie vor das preußische Abgeordnetenhaus dominieren.
Die Lohnarbeiter in der Industrie, deren Anteil an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen seit Jahren wächst, organisieren sich zunehmend in Arbeitervereinen und Gewerkschaften.


1864

Deutsch-Dänischer Krieg: Als Dänemark das Herzogtum Schleswig in sein Reich integrieren will, kommt es im Februar 1864 zum Krieg mit dem Deutschen Bund. Preußische und österreichische Soldaten besetzen Schleswig und können bei der Schlacht an den Düppeler Schanzen am 18. April die Entscheidung für die deutschen Staaten erzwingen. Nach dem Wiener Friedensvertrag werden die Herzogtümer Schleswig und Holstein fortan gemeinsam von Preußen und Österreich verwaltet.


1866

Die gemeinsame Verwaltung der zuvor erstrittenen Herzogtümer durch Preußen und Österreich scheitert, der Konflikt eskaliert im Sommer zum Krieg. Preußen erklärt den Deutschen Bund für aufgelöst und schlägt Österreich mitsamt seiner Koalition deutscher Mittelstaaten am 3. Juli bei Königgrätz. Damit ist der Weg frei für die von Bismarck favorisierte "kleindeutsche Lösung": die Einigung Deutschlands ohne Österreich.
Der Gebietsgewinn für König Wilhelm I. ist gewaltig: Zusätzlich zu Schleswig und Holstein, die nun allein Preußen unterstehen, annektiert er das Königreich Hannover, das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau und die bis dahin Freie Stadt Frankfurt am Main.
18. August.
Anstelle des aufgelösten Deutschen Bundes entsteht auf Initiative Preußens der Norddeutsche Bund, dem erst 18, dann 22 nördlich des Mains gelegene Länder mit etwa 30 Millionen Einwohnern angehören (und jetzt auch – anders als im Deutschen Bund – die östlichsten Provinzen der Hohenzollern- Monarchie). Da der preußische Staat vier Fünftel des Bundesgebietes umfasst, ist seine Vormachtstellung innerhalb des neuen Staatengebildes unumstritten.
Aus Rücksicht auf Frankreich, das nach dem preußischen Sieg über Österreich die Entstehung eines starken deutschen Nationalstaats fürchtet, bezieht Bismarck die süddeutschen Länder (Bayern, Württemberg, das Großherzogtum Hessen, Baden) nicht in den Staatenbund mit ein. Er schließt aber geheime "Schutz- und Trutzbündnisse" mit den Einzelstaaten, die sie verpflichten, im Verteidigungsfall unter preußischer Führung in den Krieg zu ziehen.


1867

März.
Der französische Kaiser Napoleon III. versucht, den preußischen Machtzuwachs zu kompensieren und einigt sich mit dem König der Niederlande über den Erwerb des von diesem in Personalunion regierten Großherzogtums Luxemburg. Da Luxemburg jedoch bis 1866 zum Deutschen Bund gehört hat, rebelliert die nationalistisch gesinnte Öffentlichkeit in Deutschland gegen den Kaufvertrag. Angesichts der Gefahr eines Krieges mit Preußen muss Napoleon auf den Kauf verzichten. Eine internationale Konferenz schreibt die Neutralität Luxemburgs fest. Diese diplomatische Niederlage verschärft die Spannungen zwischen Preußen und Frankreich.
1. Juli.
Die von Bismarck mitgestaltete Verfassung des Norddeutschen Bundes tritt in Kraft. Sie sieht für den Staatenbund einen nach allgemeinem, gleichem und direktem Männerwahlrecht gewählten Reichstag vor. Die eigentliche Macht liegt jedoch bei Wilhelm I. und bei Bismarck, der fortan auch als "Bundeskanzler" agiert.


1870

Deutsch-Französischer Krieg: Nach einem Streit um die spanische Erbfolge fordert Frankreich vom preußischen König, eine weitere Kandidatur eines Hohenzollern nicht zu unterstützen.
Die Absage Wilhelms I. wird von Bismarck absichtlich derart verkürzt dargestellt, dass sie Frankreich beleidigt ("Emser Depesche"). Frankreich erklärt Preußen am 19. Juli den Krieg. Nun werden die zuvor von Preußen mit den süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen abgeschlossenen Bündnisse aktiviert; gemeinsam mit Preußen und den übrigen Staaten des Norddeutschen Bundes ziehen sie gegen Paris. Auf dem Schlachtfeld ist Deutschland nun vereint – unter Führung Preußens und ohne Österreich.
In der Schlacht bei Sedan erringen die deutschen Armeen Anfang September einen entscheidenden Sieg über die Franzosen, deren Kaiser Napoleon III. gefangen genommen wird. Anschließend belagern die deutschen Truppen Paris.



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