Seltenes Himmelsphänomen Stern von Bethlehem: Das Geheimnis hinter dem Weihnachtsstern

Jeder kennt den Stern von Bethlehem, doch über dessen tatsächliche Existenz streiten sich die Astronomen noch heute. War es ein Komet, eine Supernova oder vielleicht eine Planetenkonjunktion? Wir verraten, welche wissenschaftliche Erklärung die schlüssigste ist
Stern von Bethlehem

Supernova, Komet, Planetenkonjunktion - Welches Himmelsphänomen steckt hinter dem Stern von Bethelehm?

Er ziert die Spitzen vieler Weihnachtsbäume, beim alljährlichen Krippenspiel ist er eine feste Größe und den Weihnachtsohrwurm "Stern über Bethlehem" kann jeder mitsummen: Keine Frage - den berühmten Stern von Bethlehem, ein zentrales Motiv an Weihnachten, kennt jeder.

Der Weihnachtsgeschichte des Matthäus-Evangeliums zufolge leitete der helle Stern am Nachthimmel den Heiligen drei Königen den Weg nach Bethlehem. So fanden die Weisen aus dem Morgenland den Stall, in dem das Jesuskind geboren worden war.

Was steckt hinter dem Stern von Bethlehem?

Dass der Stern von Bethlehem kein Stern in eigentlichem Sinne war, ist Wissenschaftlern heute klar. Und bei dem Versuch, aus jahrtausendealten Texten historische Tatsachen abzuleiten, schwingt immer ein Hauch von Naivität mit. Denn der Forschungsgegenstand könnte auch schlicht das Ergebnis eines besonders kreativen Geschichtenerzählers gewesen sein.

Doch oft haben Erzählungen, wie die Weihnachtsgeschichte in der Bibel, eben doch einen wahren Kern. Wenn das Dreiergespann also nicht den Stern von Bethlehem gesehen hat, was könnten die drei Männer aus dem Morgenland dann tatsächlich in der Nacht von Christi Geburt am Himmel erblickt haben?

Diese Frage beschäftigt Generationen von Forschern seit Jahrhunderten. Die Suche nach dem Stern von Bethlehem ist fast so alt wie das Christentum selbst - und es entwickelten sich die wildesten Theorien.

Supernova, Komet, Planetenkonjunktion – was war bei Christi Geburt am Himmel zu sehen?

Jahrhundertelang hielt man einen Kometen für den hellen Wegweiser am Himmel. Da in der Antike Kometen jedoch nicht als Heilsboten, sondern als Unheilsbringer galten, ist das eher unwahrscheinlich. Denn wieso sollte ein Unheilsbringer am Nachthimmel die Geburt Jesu verkünden?

Eine zweite Theorie besagt, der Weihnachtsstern sei eine Supernova gewesen - also das kurze und helle Aufleuchten eines Sterns am Nachthimmel am Ende seiner Lebenszeit durch eine gewaltige Explosion. Gegen die Supernova-Theorie spricht jedoch, dass ein dermaßen auffälliges Himmelsphänomen von den Sternenforschern im Altertum nicht unbemerkt geblieben wäre. Zur Geburt Jesu, für die ein Zeitraum zwischen 7 und 4 vor Christus angenommen wird, verzeichneten die Astronomen jedoch keine solche Supernova.

Eine dritte - und auch die wahrscheinlichste - Theorie, lautet: Der Stern von Bethlehem war eine Planetenkonjunktion - also eine besonders enge Begegnung zweier Planeten, durch die beide Planeten von der Erde aus gesehen gemeinsam wie ein sehr heller Stern am Himmel erstrahlen.

Tatsächlich bewegten sich im Jahr 7 vor Christus zwei Planeten, nämlich Jupiter und Saturn, sehr nah aneinander vorbei. Diese "Große Konjunktion" fand im Sternbild der Fische statt und war genau genommen sogar eine seltene "dreifache Konjunktion". Denn die beide Planeten wurden gleichzeitig auch noch von unserer Erde überholt. Daher blieben Jupiter und Saturn scheinbar am Himmel stehen, was kundigen Himmelsbeobachtern aufgefallen sein dürfte. Diese Beschreibung passt zur biblischen Erzählung des Evangelisten Matthäus.

Konjunktion am Sternenhimmel

Aufnahme einer Konjunktion, als einer Begegnung der Planeten Venus und Jupiter

Ein weiterer Hinweis, dass das Leuchten von Jupiter und Saturn als Stern von Bethlehem gedeutet worden sein könnte, ist, dass Jupiter als Königsplanet und Saturn als "Planet des Volkes Israel" galt. Das Sternbild "Fische" war außerdem ein Sinnbild für das Land Judäa. Aus dieser so außergewöhnlichen Konstellation hätten die drei Weisen aus dem Morgenland schnell schließen können: Ein neuer König ist geboren!

Auch der Astronom Johannes Kepler glaubte an die Theorie der Planetenkonjunktion. Im Jahr 1603 beobachtete der Wissenschaftler am Weihnachtsmorgen am Himmel über Prag die Konjunktion von Jupiter und Saturn. Das Himmelsphänomen geschieht etwa alle 20 Jahre: Jupiter braucht fast zwölf und Saturn 30 Jahre, um einmal um die Sonne und durch alle Tierkreissternbilder zu wandern. Daher überholt Jupiter alle 20 Jahre den langsameren Saturn. Johannes Kepler rechnete zurück und kam zu dem Ergebnis: Auch im Jahr 7 vor Christus waren sich die Planeten Jupiter und Saturn sehr nahe gekommen!

Doch auch wenn sich die Hinweise verdichten, so sind sich Forscher auch heute noch nicht zu hundert Prozent sicher, dass der Weihnachtsstern eine solche Planetenkonjunktion gewesen ist. Der Stern von Bethlehem ist und bleibt also ein Rätsel - zumindest vorerst.

Sternbild
Bilder-Quiz
Erkennen Sie diese Sternbilder?
Wir zeigen Ihnen neun verschiedene Sternbilder. Wie viele erkennen Sie? Testen Sie Ihr Wissen über den Nachthimmel im Quiz!

Am 21. Dezember 2020 treffen Jupiter und Saturn wieder aufeinander

Ob der Weihnachtsstern nun eine Konjunktion von Jupiter und Saturn war oder nicht - kurz vor Weihnachten können wir das seltene Himmelsphänomen selbst am Nachthimmel beobachten! Denn so nah, wie sich Jupiter und Saturn in der längsten Nacht des Jahres am 21. Dezember 2020 kommen, standen die zwei Gasplaneten - von der Erde aus gesehen - schon lange nicht mehr beieinander. Zuletzt kamen sich Jupiter und Saturn im Jahr 1623 ähnlich nahe.

Am 21. Dezember 2020 sind Jupiter und Saturn am Himmel nur 0,1 Grad voneinander entfernt, die beiden Gasriesen verschmelzen dann zu einem großen hellen Planeten am Abendhimmel. Erst im Jahr 2080 wird es bei einer Großen Konjunktion wieder eine ähnliche Annäherung der zwei Planeten geben.

Wer die Große Konjunktion beobachten möchte, sollte eine möglichst freie Sicht nach Südwesten haben. Beide Planeten sind mit Einbruch der Dämmerung tief im Südwesten zu sehen und gehen nach 18 Uhr bereits wieder unter.