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Klimawandel Bikiniwetter am Polarkreis: Nordwesten Sibiriens ächzt unter Hitzewelle


Während die Menschen in weiten Teilen Europas noch Winterkleidung tragen, erlebt der Nordwesten Sibiriens Rekordtemperaturen

Für manch einen Klimaskeptiker scheint der Mai in Europa eine Steilvorlage zu sein: Fällt die Erderwärmung aus? Oder macht sie eine Pause? Die Kurzantwort ist: nein. Die ungewöhnlich kühlen Temperaturen hierzulande können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie im Mittel weiter steigen. Und dass Wetterextreme zunehmen.

Wie dramatisch die Lage wirklich ist, zeigt ein Blick nach Russland. Im Nordwesten Sibiriens kündigt sich seit Tagen eine Hitzewelle an. Am Mittwoch wurden in der Stadt Nizhnyaya Pesha, knapp nördlich des Polarkreises, 30,3 Grad gemessen, in Kolezma waren es sogar 32,7 Grad Celsius.

Dem schottischen Meteorologen Scott Duncan zufolge liegen die Temperaturen in der Region 20 bis 24 Grad Celsius über den für diese Jahreszeit normalen Werten. Auf Twitter schreibt Duncan, die Temperaturen seien in dieser Region "wahrhaft außergewöhnlich für jede Zeit des Jahres, aber wirklich verblüffend für den Mai".

Die frühe Hitze bringt offenbar auch einen frühen Start der Waldbrandsaison in Sibirien mit sich: Milde Temperaturen und trockene Böden lassen Experten zufolge auch Brände wieder aufflackern, die als Glut im Boden den Winter überdauert haben.

Erst im vergangenen Jahr brach Werchojansk, einer der kältesten Orte der Welt, einen Hitzerekord. Dort waren am 20. Juni 38 Grad gemessen worden. Nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) lagen die Temperaturen in den Monaten Januar bis Juni in Sibirien fünf Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Im Juni allein seien es zehn Grad über dem Durchschnitt gewesen.

Folgen für das Wetter weltweit

Eine Konsequenz der steigenden Temperaturen ist das immer schnellere Abschmelzen des arktischen Meereises. Experten zufolge könnte der Nordpol schon 2035 im Sommer komplett eisfrei sein – was die Erderwärmung zusätzlich beschleunigt. Denn Eis- und Schneeflächen halten die Erdoberfläche kühl, während dunkle Wassermassen die Wärmestrahlung der Sonne absorbieren. Zu der Sorge um eine neue, heftige Waldbrandsaison in Sibirien kommt die Warnung von Klimaforschern vor schmelzenden Permafrostböden, die große Mengen CO2 und extrem klimaschädliches Methan freisetzen könnten.

"Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie die ganze Welt im Durchschnitt", kommentierte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Die Entwicklung habe weitreichende Folgen. "Die Pole beeinflussen Wetter und Klima in niedrigeren Breitengraden, wo Hunderte Millionen Menschen leben."


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