Giftige Raupen Das sollten Sie über Eichenprozessionsspinner wissen

Warme Winter und trockene Sommer sorgen dafür, dass in Wäldern und Parks immer mehr giftige Raupen des Eichenprozessionsspinners leben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen
Eichenprozessionsspinner, Thaumetopoea processionea

Die Härchen der Raupen des Eichenprozessionsspinners können leicht abbrechen - und mit dem Wind verdriftet werden

In diesem Artikel
Wie sieht der Eichenprozessionsspinner aus?
Wann und wo tritt der Eichenprozessionsspinner auf?
Wie erkennt man ein Nest?
Warum ist er gesundheitsgefährlich?
Was sind die Symptome?
Welche Gegenmaßnahmen gibt es?
Was bedeutet der Eichenprozessionsspinner für die Forstwirtschaft?
Warum breitet sich der Eichenprozessionsspinner aus?
Gibt es eine Meldepflicht?

Der Eichenprozessionsspinner ist eigentlich ein harmloser Falter. Doch die Härchen seiner Raupen sind für Menschen giftig. So klagten etwa im baden-württembergischen Bretten 40 Schüler über Hautrötungen und Atemprobleme, 700 mussten evakuiert werden. Der Grund waren offenbar umherfliegende Reste der Härchen. Selbst in Norddeutschland breitet sich der Eichenprozessionsspinner immer weiter aus. Wir klären die wichtigsten Fragen zu dem problematischen Schmetterling.

Wie sieht der Eichenprozessionsspinner aus?

Der graue Falter mit einer Spannweite bis zu 30 Millimeter ist eher unscheinbar. Die entwickelte Raupe dagegen ist stark behaart, bläulich-schwarz und bis zu vier Zentimeter lang. Die Tiere legen zum Schutz vor Feinden die typischen Gespinstnester am Stamm oder in Astgabeln an. Nachts verlassen die Eichenprozessionsspinner in langen Reihen – daher der Name – ihr Nest, um zu fressen. Eine Verwechslungsgefahr besteht mit ungefährlichen Gespinstmotten. Deren Raupen sind jedoch gelblich-weiß, ihre Nester nicht anliegend, sondern mehr zwischen den Ästen von Bäumen und Büschen gesponnen.

Wann und wo tritt der Eichenprozessionsspinner auf?

Der Falter ist in Deutschland heimisch, breitet sich allerdings seit Mitte der 1990er Jahre verstärkt aus – mit regionalen Unterschieden. Besonders betroffen sind Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Der Eichenprozessionsspinner breitet sich aber auch in Norddeutschland immer weiter aus. Die Raupen schlüpfen im April und verpuppen sich im Juli.

Wie erkennt man ein Nest?

Die Raupen des Eichenprozessionsspinner leben zunächst ohne Nest in "Familienverbänden". Erst im Sommer spinnen sie ihre Gespinstnester, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Sie sind zu erkennen als ein durchsichtiges Geflecht aus Fäden, die Spinnenweben ähneln. Im Unterschied zu den für menschen harmlosen Gespinstmotten liegen die Nester am Stamm oder dicken Astgabeln an - und sind vor allem an Eichen zu finden.

Warum ist er gesundheitsgefährlich?

Eier, junge Raupen und die fertig entwickelten Falter des Eichen-Prozessionsspinners sind ungefährlich. Gesundheitsgefährlich sind nur die Haare von älteren Raupen, ab dem dritten sogenannten Larvenstadium. Die Haare dieser Raupen brechen leicht ab und können mit dem Wind weitergetragen werden, sich im Unterholz und Bodenbewuchs ablagern. Sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, das in der Umwelt noch jahrelang seine gesundheitsschädliche Wirkung behält. Es kann sowohl bei Menschen als auch bei Tieren eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auslösen.

Raupennest des Eichenprozessionsspinners

Gegen Ende ihres Raupendaseins bauen die Raupen des Eichenprozessionsspinners das typische Gespinstnest dicht am Stamm oder in Astgabeln

Was sind die Symptome?

Kommt die Haut mit den Härchen in Berührung, kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Die Symptome reichen von Juckreiz und Ausschlag über Hautentzündungen bis zur Nesselsucht. An den Augen können die Härchen für Augenreizungen sorgen, und eingeatmet können sie zu einer Reizung der oberen Atemwege, im Extremfall sogar zu Atemnot führen. Selbst Schwindel oder Fieber sind möglich. Gefährdet sind allerdings vor allem Arbeiter im Forst oder Baumpfleger. Auch Tiere leiden unter ähnlichen Symptomen.

Welche Gegenmaßnahmen gibt es?

Spaziergänger und Wanderer sollten vor allem Warnhinweise von Forstverwaltungen beachten und befallene Gebiete großräumig meiden. Extreme körperliche Reaktionen wie ein allergischer Schock sind zwar selten. Doch bei einschlägigen Symptomen sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Wer Raupen oder ein Raupennest entdeckt, sollte sie auf keinen Fall berühren. Denn die Brennhaare behalten ihre schädliche Wirkung auch noch, nachdem die Falter geschlüpft sind. Die getragene Kleidung sollte gewechselt und gründlich bei 60 Grad gewaschen werden, um Reste der Brennhaare zu entfernen und das Gift unschädlich zu machen.

Was bedeutet der Eichenprozessionsspinner für die Forstwirtschaft?

Tritt der Eichenprozessionsspinner massenhaft auf, kann er ganze Bäume oder sogar Waldstücke kahlfressen. Eichen, seine bevorzugte Speise, können zwar wieder austreiben. Doch wenn sie wiederholt befallen werden oder andere blattfressende Raupen hinzukommen, wird es für die Bäume eng. Zudem werden sie geschwächt und sind anfälliger gegenüber Trockenheit oder anderen Schädlingen. In Extremfällen kann die Forstbehörde die chemische Bekämpfung der Raupen anordnen.

Warum breitet sich der Eichenprozessionsspinner aus?

Der Eichenprozessionsspinner ist vor allem in Mittel-, Süd- und Südosteuropa heimisch, breitet sich aber auch nach Osten und Westen aus. Dabei profitiert er offenbar vom Klimawandel. Denn die Falter, beziehungsweise deren Raupen, lieben es warm und trocken.

Gibt es eine Meldepflicht?

Eine Meldepflicht besteht nicht. Aber wer Raupen oder Nester des Eichenprozessionsspinners entdeckt, sollte sie zeitnah den zuständigen Behörden melden, also dem Gesundheits- oder Gartenamt und im Wald dem Forstamt.