Archäologie Kot der Erkenntnis: Was Forschende aus menschlichen Ausscheidungen lernen

Ausgrabungen förderten in der jungsteinzeitlichen Siedlung ­Çatal­höyük in der heutigen Türkei jahrtausende­alte  Paläofäkalien zutage. Darin ­ein­geschlossen: Eier des Peitschenwurms, eines Darmparasiten
Ausgrabungen förderten in der jungsteinzeitlichen Siedlung ­Çatal­höyük in der heutigen Türkei jahrtausende­alte  Paläofäkalien zutage. Darin ­ein­geschlossen: Eier des Peitschenwurms, eines Darmparasiten
© Scott Haddow
Fäkalien sind ein wertvolles Werkzeug, um das Leben unserer ­Vorfahren zu erforschen. In versteinerten Exkrementen schlummern Daten über Umwelt, Gesundheit und Lebenswandel. Außerdem kennt Kot keine Klassenunterschiede und erzählt die Geschichte der Armen und Besitzlosen
Von Angelika Franz

Das größte erhaltene Stück Exkrement eines Menschen ist ein wahrer Brocken. Wer immer es im 9. Jahrhundert in der Stadt Jórvík, dem heutigen englischen York, herauspresste – ein 20 Zentimeter langes, fünf Zen­timeter dickes Stück Kot loszuwerden muss sehr erleichternd gewirkt haben. Vermutlich litt er oder sie zuvor an akuten Bauchschmerzen. Jedenfalls kann man sagen: selbst schuld. Denn eine Analyse des Stuhls verriet schlechte Essgewohnheiten. Obst? Kein bisschen. Gemüse? Fehlanzeige. Die riesige Wurst besteht fast ausschließlich aus ver­dauten Überresten von Fleisch und Getreide.

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