Endlich verstehen Was ist eigentlich "Direktsaft"?

Viele wollen keinen Saft aus Konzentrat - und geben für "Direktsaft" gerne mehr Geld aus. Aber was ist das eigentlich? Und wie gut ist der Saft wirklich? Wir erklären es
Direktsaft

Direkter geht's nicht. Doch paradoxerweise ist "frisch gepresst" nicht gleich "Direktsaft"

Die Deutschen sind Saft-Weltmeister: 31,5 Liter trank jede/r Deutsche im vergangenen Jahr – am häufigsten Orangensaft (dicht gefolgt von Apfelsaft). Doch beim Wissen über die leckere Erfrischung hapert es oft. Wie wird Saft eigentlich hergestellt? Und was bedeuten die verschiedenen Bezeichnungen auf den Etiketten?

Am meisten Stirnrunzeln dürfte der Aufdruck „Direktsaft“ auslösen. Ist Direktsaft das, was „direkt“ aus der Presse rinnt? Gibt es auch „Indirektsaft“? Und falls ja, was ist der Unterschied?

Der meiste Saft wird aus Konzentrat hergestellt

Die häufigste Herstellungsart von Orangensäften ist das Konzentrat, erklärt der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. (VdF). Weil es zu aufwändig und teuer wäre, etwa frisch gepressten Fruchtsaft aus Brasilien nach Übersee zu verschiffen, wird die gewonnene Flüssigkeit bis auf ein Sechstel ihres ursprünglichen Volumens eingedickt. Gleichzeitig werden die natürlichen Aromen entzogen. Übrig bleibt eine klebrige, süß-säuerliche Masse. Das Konzentrat kann nun bei minus 15 Grad bequem gelagert und verschifft werden und steht flexibel zur Verfügung.

Beim Hersteller wird das entzogene Wasser in Form von speziell aufbereitetem Leitungswasser wieder zugesetzt – ebenso wie die zuvor entzogenen Aromen. Rekonstituieren nennen das die Fachleute. Vor dem Abfüllen wird der Saft noch pasteurisiert, also kurz auf 80 bis 85 Grad Celsius erhitzt, um Keime und Bakterien abzutöten und den Saft so haltbar zu machen.

Direktsaft umgeht den Konzentrations- und Verdünnungsprozess

Anders der Direktsaft. Ohne den Umweg über die Konzentration (also „direkt“) wird der Saft gefiltert, dann allerdings ebenfalls pasteurisiert und abgefüllt. Außerdem dürfen Hersteller „rearomatisieren“, also natürliches Aroma zusetzen – ohne das auf dem Etikett angeben zu müssen.

Weil Transport und Lagerung höhere Kosten verursachen, kostet Direktsaft in der Regel mehr als Fruchtsaft aus Konzentrat. Viele schätzen allerdings das Mehr an Natürlichkeit und sind auch bereit, mehr dafür zu zahlen.

Während der Hinweis „Hergestellt aus Konzentrat“ gemäß der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung vorgeschrieben ist, ist der Aufdruck „Direktsaft“ freiwillig - wird aber von den Herstellern gerne als zusätzliches Verkaufsargument genutzt.

Beides, Fruchtsaft aus Konzentrat und Direktsaft, so der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie, ist „reiner Fruchtsaft“ ohne künstliche Zusätze. Nur, dass der halt vor dem Abfüllen unterschiedlich behandelt wurde. Auch eine NDR-Recherche konnte bei Geschmack und Inhaltsstoffen wenig Unterschiede zwischen beiden Herstellungsarten finden. Klar ist: Bei beiden Verfahren leiden Geschmacksstoffe und Vitamine. Denn Vitamin C etwa ist hitzeempfindlich.

Wer wirklich unbehandelten Fruchtsaft haben will, muss sich seine Orange eben selbst auspressen.

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