Geschichtsirrtümer Warum Wikinger keine Hörner trugen - und es trotzdem viele glauben

Hörner gehören einfach zum Wikinger dazu - meint man. Doch am einzig erhaltenen Helm jener Zeit fehlt dieser Kopfschmuck
Vikinger Helm

So sieht der typische Wikingerhelm aus. Einen historischen Beleg dafür gibt es jedoch nicht

Unsere Kollegen von GEOEPOCHE befanden sich bei ihrer Ausgabe über die Wikinger in einer Zwickmühle. Sollten sie auf dem Titel Wikinger zeigen, wie sie jeder kennt - als gehörnte Krieger? Oder sich streng an die Fakten halten? Es siegte, natürlich, die Faktenfraktion. Und deshalb prangt auf der Titelseite des Magazins der hornlose Helm, der sich heute im Kulturhistorischen Museum der Universität Oslo befindet.

Es ist das einzige derartige Exponat aus der Wikingerzeit um 900 n. Chr. Das beweist zwar nicht, dass Wikinger nie Hörner trugen, aber wenn, dann allenfalls als Ornat bei Festen. Denn im Kampf wäre solch ein Kopfschmuck zweifellos sehr hinderlich gewesen - jeder Feind hätte den Helm mit einem Schlag auf die Hörner herunterfegen können.

Wagner-Oper schuld am Horn-Irrtum

Woher aber stammt das typische Bild vom gehörnten Wikinger? Das wissen Historiker ziemlich genau: Es wurde populär durch die Uraufführung von Wagners „Ring des Nibelungen“ aus dem Jahr 1876. Hier traten die nordischen Recken mit hornbewehrten Helmen auf - eine künstlerische Fantasie des Regisseurs.

Aber wenn schon nicht beim Kampf, dann waren Hörner zumindest bei den Trinkgelagen der Wikinger allgegenwärtig. Dort dienten sie, ganz sicher, als Gefäße für Met.