Relikt aus Pest-Zeiten Comeback durch Corona: Italien belebt die Wein-Fenster wieder

Während die Pest Europa heimsuchte, verkauften Italiener ihren Wein durch kleine Fenster im Gemäuer. Eine Tradition, die in Zeiten der Corona-Pandemie wiederbelebt wird
Comeback durch Corona: Italien belebt die Wein-Fenster wieder

Eingelassen in Hauswände und Gemäuer sind sie leicht zu übersehen - die Weinfenster in Italien erleben eine Renaissance

Es sind winzig kleine Fenster, eher Luken, die in die alten Mauern italienischer Städte geschlagen sind. In Florenz gibt es mehr als hundert von ihnen: buchette del vino heißen sie, Wein-Fenster.

Zum ersten Mal in offiziellen Dokumenten tauchen sie Angaben des Kulturvereins buchette del vino zufolge im Jahr 1634 auf - als Europa von immer neuen Wellen des schwarzen Tods heimgesucht wurde, als die Pest grassierte.

Aus den Berichten wird klar: Die Weinfenster hatten damals vor allem den Zweck, Wein verkaufen zu können, ohne mit potenziellen Pest-Überträgern in Kontakt zu kommen. Weinprobe in Zeiten von Social Distancing.

Es waren besonders die wohlhabenden Florentiner, die ihren in der Toskana angebauten Wein durch die kleinen Fenster verkauften. Entweder gaben sie eine bereits abgefüllte Flasche durch das Fenster heraus oder füllten mit einem kleinen Schlauch Wein in Gefäße, die Kunden ins Fenster hielten. Ihre Münzen durften die Kunden den Weinhändlern ebenfalls nicht direkt in die Hand drücken, sondern mussten sie in einen kleinen Becher werfen. Dort wurden sie in Essig gebadet, bevor sie in der Kasse landeten.

Zugegeben: Die Weinfenster sehen toll aus, voller Geschichten und Mythen - ein Zukunftsmodell waren sie aber bereits 1634 nicht. Denn italienischen Wein möchte man von einem Weinhändler kaufen, den man sieht, der einem vorschwärmen kann, wie vollmundig sein Wein schmeckt und dem man im Gesicht ablesen kann, dass er es ernst meint. Nicht aus einem gesichtslosen Fenster auf Bauchhöhe.

Aber: Seit die Corona-Pandemie die Welt im Griff hält und erneut auch in Italien von den Menschen fordert, sich nicht zu nahe zu kommen, feiern die buchette del vino ihr Comeback. Dieses Mal machten Eisdielen den Anfang. Statt Wein gibt es seit wenigen Monaten in Florenz Eiskugeln gegen Bares durch das jahrhundertealte Fenster einer Eisdiele.

Dann zogen auch die Weinhändler nach und verkauften auf dem Piazza Peruzzi und auf dem Piazza Santo Spirito ihre Ware.