Die amerikanische Bildhauerin Anna Coleman Ladd zog mit ihrem Mann 1917 nach Frankreich, um entstellten Veteranen den Weg zurück ins gesellschaftliche Leben zu ermöglichen

Viele der verwundeten Männer trauten sich mit ihren entstellten Gesichtern nicht zurück nach Hause. Sie fürchteten Ablehnung und Isolation. In ganz Frankreich gab es nur ein Geschäft, das sich der Veteranen annahm. Es war der "Tin Nose Shop" des Bildhauers Francis Derwent Wood. Wer allerdings mehr als eine Blechnase benötigte, dem konnte nicht geholfen werden

Bis Anna Coleman Ladd in Paris ankam. Sie eröffnete unter der Schirmherrschaft des amerikanischen Roten Kreuzes kurzerhand ihren eigenen Laden und nannte ihn "Studio for Portrait-Masks". Hier verkaufte sie hautfarbene Masken an jene, deren Gesichter durch Projektile und Granatsplitter entstellt worden waren

Sie fertigte für jeden ihrer Kunden eine eigene Maske an. Dafür nahm sie Abdrücke der Gesichter und rekonstruierte anhand von Bildern vor der Verwundung die geschädigten oder fehlenden Partien

Die Maske goss sie aus Gutta, einem kautschukähnlichen Stoff, und legte sie in ein Kupferbad. Anschließend bemalte sie die Masken mit einer Farbnuance, die zum Hautton des jeweiligen Kunden passte. Dazu musste der Kunde die Maske tragen, während Coleman Ladd malte. Sie wollte den Ton so genau wie möglich treffen

Für Augenbrauen, Wimpern und Bärte nutzte sie Echthaar. Die Kunden durften sich die Form ihres Bartes aussuchen, die meisten entschieden sich für den klassischen Schnauzer

Damit die Masken auch hielten, bediente sich Anna Coleman Ladd der bewährten Methode ihres Kollegen Wood: Hautfarbene Schnüre oder Brillengestelle sorgten für den notwendigen Halt der maßgefertigten Masken

Mit ihrer Arbeit verhalf sie den teils bis zur Unkenntlichkeit entstellten Veteranen zurück ins Leben. Sie konnten sich wieder auf gesellschaftlichen Veranstaltungen blicken lassen und waren nicht mehr der Isolation ausgesetzt

Die französische Regierung honorierte die Arbeit von Anna Coleman Watts Ladd im Jahr 1932 mit der ritterlichen Auszeichnung und der Aufnahme in die Legion of Honour

In ungefähr anderthalb Jahren fertigte Anna Colemann Ladd fast 100 Masken per Hand an

Sie verkaufte die Masken zum Stückpreis von 18 Dollar, da ein Großteil ihrer Arbeit vom amerikanischen Roten Kreuz getragen wurde, welches auch ihren Laden finanzierte

Einige Zeit nach Ende des Krieges wurden ihre Dienste nicht mehr benötigt - und das Rote Kreuz schloss das Pariser Studio

Anna Coleman Ladd kehrte nach Amerika zurück und widmete sich dort der Bildhauerei

Eine ihrer Skulpturen verziert beispielsweise noch heute den Brunnen in den Boston Gardens. Sie trägt den Namen "Triton Babies"

Die Bildhauerein starb im Jahr 1936. Heute ist ihre Pionierarbeit eine Wissenschaft: die Anaplastologie

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