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Am Rhein Düsseldorf – die wunderschöne Kunststadt erleben

Blick auf Düsseldorf
Düsseldorf hat knapp 620.000 Einwohner*innen und ist eine vielfältige Großstadt
© mauritius images / Westend61 / A. Tamboly
Ob Flussflaniermeile, trubelige Altstadt oder ruhige Grünzonen: Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt zeigt sich vielfältig. Für einige Jahre war Düsseldorf die Wahlheimat unserer Autorin – eine Reise zu einigen ihrer Lieblingsplätze

Ein wohlig-warmes Gefühl steigt in meiner Brust auf, als ich beim Blick aus dem ICE Fenster den brüllenden Löwen an der Hausfassade im Zooviertel sehe. Als wir die vielen Neubauten an der Toulouser Allee passieren und ich langsam die Silhouette des 25-Hours-Hotels erblicke, weiß ich, dass ich angekommen bin – in der schönsten Stadt am Rhein: Düsseldorf. Der erste Besuch nach meinem Wegzug aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt macht mich etwas sentimental. Viele Orte, wie mein Lieblingscafé in der Brunnenstraße, die bunten Häuser in der Kiefernstraße, der Volksgarten und natürlich der Rhein, wecken Erinnerungen und machen für mich den besonderen Charme Düsseldorfs aus.

Direkt nach dem Check-In im Hotel am Donnerstagnachmittag im bevölkerungsreichsten Stadtteil Bilk, schlendere ich in Richtung der Brunnenstraße – für mich die schönste Straße der Stadt. Neben Wohnungen reihen sich kleine Geschäfte, Restaurants, Cafés und das Filmkunstkino aneinander – aber wirklich besonders machen die Menschen diese Straße. Eine lebendige Nachbarschaft, die zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt.

Süße Erinnerung auf der Brunnenstraße in Düsseldorf
Die "Süße Erinnerung" ist das Wohnzimmer von Bilk
© Semra Jaradat

Ein winziger Raum, hinter großen Glasscheiben, der auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkt, ist für mich das Bilker Wohnzimmer: Mein Lieblingscafé, die "Süße Erinnerung". Bei Kaffee und Tee vergehen die Stunden in dem kleinen, gemütlichen Café wie im Flug. Am Nachbartisch quatschen ein paar Studierende, während ein Gast Zeitung liest und in einer Ecke jemand am Laptop arbeitet. Wem süße Leckereien nicht genügen, kann in der "Süßen Erinnerung" Hummus oder Taboulé aus dem "The Funky Deli", ein paar Häuser weiter, essen. Wieder typisch für die Brunnenstraße – es ergänzt sich alles gegenseitig. Es macht Spaß, in der herzlichen Atmosphäre, bei netten Gesprächen, Leckereien zu genießen oder kleine Geschenke zu suchen. Wie in der Nussrösterei "Laikon". Mitten im Laden in einem großen Glastisch finden sich selbstgeröstete Cashews, Mandeln oder Pekanüsse. Ringsum stehen die Regale voll mit Spezialitäten aus Griechenland: Tahin, Gewürze, Öle, Oliven.

Zum Bummeln

Wer abseits der großen Ketten in Düsseldorf einkaufen will, kann die kleinen Geschäfte rund um die Bilker Kirche und die Lorettostraße besuchen. Nette Geschenke, Leckereien oder Fair-Fashion finden Reisende auch auf der Ackerstraße in Flingern Nord.

Ein Hauch von Japan in Düsseldorf

Vom Bilker S-Bahnhof, nur wenige Meter von der Brunnenstraße entfernt, ist es nur ein Katzensprung zu einer kleinen Reise nach Japan. Mitten im Zentrum zwischen dem Hauptbahnhof und der berühmten Einkaufsstraße Königsallee finden mein Freund Felix und ich uns in Little Tokyo wieder. Schon im 19. Jahrhundert knüpfte Düsseldorf erste Geschäftsbeziehungen mit Japan. Immer mehr Japanerinnen und Japaner kamen in die Rheinmetropole, und mittlerweile ist die japanische Gemeinde mit mehr als 8000 Menschen nach London und Paris die drittgrößte in ganz Europa. Besonders stark ist der Einfluss auf der Immermannstraße zu spüren, dort wurde an der Ecke zur Charlottenstraße das Deutsch-Japanische Center gebaut, das Zentrum der japanischen Geschäftswelt in Düsseldorf. Ringsherum reihen sich japanische Supermärkte, neben Buchläden, Manga-Stores, japanischen Kosmetikläden und Bäckereien.

Nudelsuppe in Düsseldorf
Vegane Ramen-Suppe bei "Takumi Veggie & Chicken"
© Rebecca Häfner

Vor den beliebten Ramen-Restaurants stehen die Düsseldorferinnen und Düsseldorfer regelmäßig Schlange, um eine der köstlichen japanischen Nudelsuppen zu essen. Mein Favorit liegt in der Parallelstraße: "Takumi Veggie & Chicken". Bunte Zeichnungen zieren die Wände, Bilder auf der Speisekarte verraten, was uns erwartet. Zwischendurch schallen immer wieder die japanischen Ausrufe der Kellnerinnen und Kellner durch den Raum. Traditionell wird Ramen mit einer Schweinebrühe serviert, im "Takumi Veggie & Chicken" bekomme ich eine vegane Variante des traditionellen japanischen Gerichts.

Tempelgarten des EKO-Haus in Düsseldorf
Der Tempelgarten zeigt ein Stück japanische Kultur in Düsseldorf
© Rebecca Häfner

Mein Freund und ich möchten uns nach dem lebendigen Treiben in Little Tokyo noch etwas Ruhe gönnen und fahren zum 1993 eröffneten japanischen Kulturzentrum im Stadtteil Niederkassel. Etwas versteckt zwischen Wohngebäuden liegt das EKŌ-Haus mit einem buddhistischen Tempel – dem einzigen der Jodo-Shinshu-Buddhisten in Europa. Wir besuchen den wunderschönen, kleinen Tempelgarten. Die manikürte Landschaft, die kleinen Brücken, der Wind, der durch die Blätter weht, lassen unseren Herzschlag langsamer werden. Zusammen mit dem von außen einsehbaren, reich mit goldenen Figuren verzierten Altarraum des Tempels erzeugt der Garten eine besinnliche Atmosphäre.

Kunst zieht sich wie ein roter Faden durch die Landeshauptstadt

Das Kunstverständnis in Düsseldorf hat wahrscheinlich niemand mehr geprägt als der Bildhauer, Zeichner, Aktivist und Lehrer Joseph Beuys. Möglichst viele Menschen sollten seine Kunst sehen, sie erleben und verstehen. Das hat die Stadt inspiriert: Ob an Häuserfassaden, an U-Bahn-Stationen der Werhahn-Line, in Galerien oder Museen – in Düsseldorf wartet an vielen Ecken der Stadt Kunst.

Streetart Kiefernstraße
Die Streeartart auf der Kiefernstraße ist längst Kult geworden (Archivfoto)
© IMAGO / imagebroker

In Flingern Süd schwingen sich gelbe Affen mit Gleitschirmen entlang, halten eine Kippe in der Hand, Regenbogenfarben zieren die Hauswände oder bunte Käfer krabbeln an der Wand empor. Als 1981 die ersten Häuser auf der Kiefernstraße besetzt wurden, ahnte wahrscheinlich niemand, dass die Häuser Jahrzehnte später noch stehen und die Streetart an ihren Wänden längst zum Kult geworden ist.

In den Museen der Stadt hängen große Meister, Installationen und moderne Kunst. Mein Freund und ich haben uns eine Ausstellung unter freiem Himmel im Ehrenhof und Hofgarten angeschaut. Der Ehrenhof ist ein Gebäudekomplex, der Tonhalle, Kunstpalast und NRW-Forum umfasst. Er ist anlässlich einer Großausstellung 1925/26 entstanden.

Felix sieht auf seinem Handy die Skulptur YOUar
Der Partner Felix von GEO-Redakteurin Rebecca Häfner schaut sich die Skulptur "YOUar" an
© Jeremy Bailey, YOUar: Stainless Steel Ellipsoid Arch, 2021, Augmented Reality Sculpture. Courtesy the artist

Wir schauen uns digitale Kunst der "AR Biennale" des NRW-Forums an: Unscheinbare weiße Schilder mit dem Namen der Kunstschaffenden in Schwarz und ihre Werke in Rot angedeutet, weisen den Weg zu den digitalen Skulpturen. Eintritt kostet die Ausstellung nicht, doch die meisten Kunstwerke können wir erst nach einer Zahlung von 4,99 Euro sehen.

Felix zeigt auf den Geist des Ortes
Felix zeigt auf den "Geist des Ortes" des Künstlers Theo Triantafyllidis
© Genius Loci, 2021 at AR Biennale Düsseldorf. Augmented Reality Experience. Courtesy the Artist and The Breeder gallery

Wir laden eine eigens dafür entwickelte App auf unsere Smartphones und schon geht es los: Wir scannen den ersten Code eines der Schilder ein und plötzlich schwebt ein seltsames, wurmartiges, rosa Wesen mit einem Rüssel über dem NRW-Forum entlang und neongrüne Palmen wachsen hier. Außerdem hören wir, wie der "Geist des Ortes" von Theo Triantafyllidis etwas zu uns sagt. Die Ausstellung macht Spaß, weil wir selbst in die Kunstwerke eintauchen können, experimentieren und unsere Berührungen mit den digitalen Skulpturen in der App aufnehmen können.

Rebecca greift nach dem digitalem Kunstwerk Digital Atmosphere
GEO-Redakteurin Rebecca Häfner streckt sich nach den blauen Bläschen der digitalen Skulptur "Digitale Atmosphäre". Durch die App werden Besuchende Teil der Kunst
© Studio Above & Below: Digital Atmosphere, 2021

Ganz im beuysschen Sinne sind wir so auch Künstler*innen. Besonders beeindruckt hat mich das Werk des Studios Above & Below, das mit schwebenden, blauen Bläschen die Luftverschmutzung sichtbar macht. Steigt die Schadstoffkonzentration, verändert sich die "Digitale Atmosphäre" und die Bläschen bewegen sich schneller. Einziger Nachteil der Ausstellung: Der Akku meines iPhones schwächelte ziemlich schnell, doch in einem Pavillon können Gäste ihre Handys aufladen und kostenfreies WLAN nutzen. Noch bis zum 20. Februar 2022 können in Düsseldorf Kunstwerke auf dem Smartphonebildschirm lebendig werden.

Am Fluss entlang flanieren und durch die Stadtgeschichte reisen

Rheinuferpromenade Düsseldorf
Für mich die schönste Flussflaniermeile in Deutschland
© Rebecca Häfner

Vom NRW-Forum geht es über die Terrasse der Tonhalle in Richtung Altstadt. Und wir kommen zu einer der schönsten Flussflaniermeilen Deutschlands: der Rheinuferpromenade. Wir laufen quasi an der Düsseldorfer Stadtgeschichte vorbei: Die Flaniermeile verbindet den mittelalterlichen Stadtkern mit dem Schlossturm und der Lambertuskirche mit dem Landtag und dem innovativen Medienhafen. Besonders berühmt sind die avantgardistischen Gehry-Bauten.

Tipps zum Ausgehen außerhalb der Altstadt

Für Konzerte, Lesungen, Vorträge, Märkte und Partys ist das Zakk in Flingern Süd der perfekte Ort. Ein Feierabendbier lässt sich in der Kassette in Oberbilk oder bei Seifen Horst in Unterbilk genießen.

Imposant überragt der rund 240 Meter hohe Rheinturm die Szenerie. Die schöne Beleuchtung verrät uns die Uhrzeit – es ist die größte Dezimaluhr der Welt. Sie zu lesen, gelingt ganz einfach: Die weißen Bullaugen geben die Uhrzeit an und die roten Linien trennen Sekunden, Minuten und Stunden. Am besten unten mit den Sekunden beginnen.

Wird es in der Altstadt zu trubelig, ist der kleine Rosengarten am Stadtmuseum der perfekte Abstecher für ein paar ruhige Minuten. Durch das schmiedeeiserne Tor gelangen wir in den Garten, wo schöne, mächtige Buchen Schatten spenden, der zarte Duft der Rosen in der Luft liegt und sich ein paar Hummeln über den Blüten tummeln.

Blick auf den Rosengarten in Düsseldorf
In der Innenstadt von Düsseldorf eine Oase der Ruhe zu finden, ist nicht ganz so einfach, doch der Rosengarten ist perfekt für eine kleine Auszeit
© Rebecca Häfner

Den Abend lassen wir typisch düsseldorferisch ausklingen: An einem Tisch an der Ratinger Straße serviert uns ein Köbes in der "Füchschen Brauerei" ein Alt. Die schlagfertigen Kellner versorgen die Gäste so lange mit Bier, bis der Deckel auf dem Altbierglas landet. Sechs verschiedene Altbiere werden in Düsseldorf gebraut und die unterschiedlichen Sorten können alle in den Hausbrauereien in der Altstadt probiert werden.

Füchschen Brauerei
Die Altbierbrauereien sind in Düsseldorf immer gut besucht (Archivfoto)
© mauritius images / Werner Dieterich / imageBROKER

Wer die ruhigeren Ecken einer Stadt bevorzugt, wird im Düsseldorfer Norden fündig. Der Stadtteil Kaiserswerth hat einen dörflichen Charakter. Von der Haltestelle führt uns Kopfsteinpflaster durch die historische Altstadt. Wir laufen in Richtung Rhein, wo nach einer Kurve zwischen Bäumen dicke Steinmauern sichtbar werden. Sie gehören zu den Kaiserswerther Ruinen.

Kaiserpfalz in Düsseldorf
Einst trieben Herrschende hier Zölle ein – heute steht von der Kaiserpfalz nur noch eine Ruine
© Eduard Shelesnjak/Adobe Stock

Die Überreste lassen nur noch erahnen, welch große Bauwerke einst hier am Rhein standen. Es war ein guter Platz für die Regierenden: Durch die ehemalige Insellage Kaiserswerths und dem Standort an einer Außenkurve am Rhein hatten die gekrönten Häupter alle Schiffe im Blick und konnten so Zölle erheben. Noch heute können wir nach dem Erklimmen der Treppenstufen den Blick über den Rhein und die ganze Anlage genießen. Gerne stelle ich mir vor, wie Wachen im Bergfried das Treiben außerhalb der Burgmauern beobachteten. Oder wie die Herrschenden hier Feste gefeiert haben. Die imposanten Bauwerke mussten nach der Niederlage in den Spanischen Erbfolgekriegen 1702 gesprengt werden. Auch wenn heute große Teile der Burg nicht mehr stehen, hat der Ort etwas Mächtiges.

Gänse im Südpark
Viele Kanadagänse leben in der Parkanlage
© Rebecca Häfner

Für meinen Lieblingsort in Düsseldorf müssen wir zurück in den Süden der Stadt. Das Zeitfeld, die Uhren, die den Eingang des Volksgartes an der Kruppstraße zieren – sind wahrscheinlich eins der meist benutzen Bilder für die Zeitumstellung. So hat fast jede und jeder schon mal den Volksgarten gesehen, ohne dort gewesen zu sein. Schon 1895/96 wurde hier eine idealtypische Landschaft geschaffen, dichte Büsche, romantische Weiher und schöne Alleen zeichnen den Park aus. Unzählige Kanadagänse haben heute in der Parkanlage ihr Zuhause. Großzügige Wiesen laden im Sommer zum Picknicken ein.

Schwein im Streichelzoo im Südpark
Der Streichelzoo im Südpark ist für Groß und Klein eine Attraktion
© Rebecca Häfner

Nahtlos führt der Volksgarten in den Südpark, wo sich hübsche Gartenanlagen mit bunt blühenden Rosen, Kräutern und Teichen abwechseln. Im Bauernhof im Südpark können wir Esel, Schweine und Kaninchen besuchen. Das 30 Kilometer lange Wegenetz im Südpark lädt zu wunderschönen Spaziergängen ein. Wir genießen noch ein paar letzte Sonnenstrahlen, während wir ein paar Gänse auf der Düssel beobachten, die durch die Parkanlage fließt, bevor wir zurück nach Hamburg fahren.

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