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Das Junker-Haus: Geschnitzter Lebenstraum

Geisterhaus, schizophrene Kunst, Sinnbild einer unerfüllten Liebe: 20 Jahre lange beschnitze Karl Junker jeden Zentimeter seines Fachwerkhauses in Lemgo

"Wenn ich erst mal 80 Jahre tot bin, werden die Menschen endlich wissen, was für ein großartiger Künstler ich war", sprach der 1912 verstorbene Eigenbrödler Karl Junker zu den Bürgern von Lemgo. In den 20er Jahren wurde er zumindest in dem Buch "Bildnerei der Geisteskranken" als Beispiel schizophrener Kunst erwähnt und in den 50er Jahren berichtete die Münchner Illustrierte über sein "Geisterhaus".

Filigran geschnitze Decke
Filigran geschnitze Decke
© Michaela Vieser, Reto Wettach
Das Junker-Haus von außen
Das Junker-Haus von außen
© Michaela Vieser, Reto Wettach

Das so genannte Geisterhaus ist allerdings gar nicht als solches zu verstehen. Junker, der als Waise aufgewachsen war, sehnte sich nach Liebe und Geborgenheit. Nachdem er sein Kunststudium an der Akademie in München beendet hatte, baute er für sich und die Liebe seines Lebens 1889 in Lemgo ein zweistöckiges Fachwerkhaus. Da die Liebe nie erschien, verbrachte er fast 20 Jahre mit der Gestaltung des Hauses: Er beschnitzte alles, sowohl die Fassade, als auch das Innere. Kein Quadratzentimeter blieb unbeschnitzt. Selbst die Toilette ist mit Filigranschnitzereien übersät. Und kleine Zwischenräume bemalte er mit anthroposophisch anmutenden Bildern, die er seinen Träumen entnahm: Urmütter, Phalli und glückliche Menschen.

Die Leute aus Lemgo fanden das alles zu sonderbar und machten einen großen Bogen um Junkers Haus. Obwohl es nach seinem Tode zum Verkauf stand, wollte nie mehr jemand einziehen. Jetzt sind die 80 Jahre vergangen, und tatsächlich kümmert sich nun die NRW-Stiftung um die Erhaltung des Junker-Hauses. Inzwischen wird er nicht mehr als schizophrener Künstler, sondern als Vertreter der "Art Brut" verstanden.

Das Junker-Haus

Hamelner Straße 36

32657 Lemgo

Privat: 05261-213276

www.junkerhaus.de


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