Naturschutzgebiete in Hamburg Die schönsten grünen Lungen der Hansestadt

Hamburg zählt zu den zehn grünsten Metropolen weltweit - dank einer Vielzahl von Naturschutzgebieten. Wir stellen die schönsten vor
Wittmoor, Hamburg

Idyllen in der Großstadt: Kein anderes Bundesland hat anteilig so viel Grund unter Schutz gestellt wie Hamburg

Hamburg zählt derzeit 34 Naturschutzgebiete, die sich über fast zehn Prozent der Stadtfläche erstrecken – 7091 Hektar, fast so groß wie 10 000 Fußballfelder. Damit nimmt Hamburg einen Spitzenplatz ein: Kein anderes Bundesland hat anteilig so viel Grund unter Schutz gestellt. In Berlin etwa sind es nur drei Prozent, in Bremen 8,5 Prozent. Auch seine Vielfalt macht Hamburgs Grün besonders: Etwa in der Boberger Niederung im Osten der Stadt, mit ihrer hohen Düne, die der Wind im Urstromtal der Elbe vor Jahrtausenden aufgetürmt hat; seltene Grabwespen buddeln ihre Bruthöhlen in den Sand.

GEO Special - Hamburg
GEO Special Nr. 02/2019
Hamburg
Die Ausgabe von GEO Special über das "Tor zur Welt" - mit Insidertipps für die Hansestadt

Oder im Heukenlock am Ufer der Elbinsel Wilhelmsburg: ein Tiedeauenwald mit Silberweiden, Erlen und Pappeln, durch den sich Priele ziehen – idealer Lebensraum für den bis zu zwei Meter hohen Schierlingswasserfenchel, der weltweit nur zwischen Hamburg und Geesthacht wächst. Im Eppendorfer Moor, fast direkt am Flughafen, schwirren Eisvögel und Habichte, in den Kirchwerder Wiesen quaken Moorfrösche, im Süßwasserwatt des Schweenssands in Harburg haben Jungfische ihre Kinderstube. Rechnet man zu den Hamburger Naturschutzgebieten noch Parks, Wälder, Äcker und Weiden hinzu, ist die Hälfte der Stadt Grünfläche. Eine Studie hat vor Kurzem ermittelt, dass Hamburg zu den zehn grünsten Metropolen weltweit gehört.

Hamburgs schönste Naturschutzgebiete

Duvenstedter Brook, Hamburg

Damwild auf Futtersuche im Duvenstedter Brook

Duvenstedter Brook
Neben Hirschen sind Kraniche die Stars im Revier von Ranger Jörg Hartmann: Jedes Frühjahr staksen sie auf den Wiesen des Brook umher und führen ein kunstvolles Balzballett auf. Sehr lohnenswert ist ein Spaziergang durch das wildromantische Professormoor, in dem Birken aus dem torfigen Boden wachsen (im Nordwesten des Gebiets; auf das Schild am Duvenstedter Triftweg achten).

Anfahrt: Vom U-Bahnhof Ohlstedt mit der Buslinie 276 zum Duvenstedter Triftweg, von dort ca. 20 Minuten zu Fuß den Triftweg hinauf

Boberger Niederung
Dünen, blendend hell wie in der Wüste, dazu Moor, Marsch und Heide: Kein anderes Hamburger Naturschutzgebiet ist so vielfältig wie diese Gegend im Osten der Stadt. Besonders sehenswert ist der 30 Meter hohe Geesthang, an dem Menschen durch Tonabbau große Terrassen geschaffen haben. Dank Südlage wachsen dort heute gefährdete Orchideen wie der Große Händelwurz. Zwischen Blumen flattern an Sommernachmittagen die seltenen Grünwidderchen und andere Schmetterlinge. Besucher können die verschiedenen Landschaften auf Themenwanderwegen erkunden; Wanderkarten verkauft das Boberger Dünenhaus.

Anfahrt: Vom S-Bahnhof Mittlerer Landweg mit der Buslinie 221 bis Boberger Furtweg oder mit der Linie 330 bis Billwerder Kirche

Fischbeker Heide
Wer Mitte August in Hamburg ist, sollte dieses Naturschutzgebiet besuchen: Dann blüht auf dem weiten Hügelland im Süden der Stadt die Heide im allerschönsten Lila. Aber auch zu anderen Zeiten lohnt ein Spaziergang. Bei gutem Wetter kann man Zauneidechsen beim Sonnen und Jagen zuschauen oder die unterschiedlichen Spinnenarten zählen – seien Sie geduldig, es sind etwa 140. Am Infohaus (Wiedereröffnung am 1. Mai 2019 mit neuer Ausstellung) bricht in der warmen Jahreshälfte täglich so um 9 Uhr die Schäferin mit ihrer Heidschnuckenherde auf. Wer noch mehr Tiere sehen will, besucht den nahen Wildpark Schwarze Berge mit seinen Elchen, Wölfen und Waschbären.

Anfahrt: Vom S-Bahnhof Neugraben mit der Buslinie 250 bis zur Endhaltestelle Fischbeker Heideweg

Flottbektal
Hamburgs kleinstes Naturschutzgebiet liegt mitten im Jenischpark, einer großen Gartenanlage an einem Elbhang. Es erstreckt
sich entlang des Flüsschens Flottbek, an dem nachts Fledermäuse nach Insekten jagen. Manchmal ist hier auch der seltene Eisvogel zu sehen. Auf keinen Fall verpassen sollte man die wunderschön knorrigen Eichen auf dem Gelände, in denen Waldkäuze und Buntspechte leben. Von der Natur zur Kultur sind es nur ein paar Schritte: In dem Park liegen auch Sehenswürdigkeiten wie das klassizistische Jenischhaus, das Ernst-Barlach- und das Eduard-Bargheer-Museum. In nur wenigen Minuten gelangt man von hier zu Fuß zum botanischen Garten, in dem man unter anderem durch einen dichten Bambushain spaziert.

Anfahrt: S-Bahnhof Klein Flottbek

Waldkauz, Duvenstedter Brook

Wer genau hinsieht, entdeckt in den grünen Zonen Hamburgs viel Leben

Tipp: Vogel-Safari

Hamburg liegt an einer der großen Zugvogel-Routen zwischen der Arktis und Afrika. Besonders in der Wedeler Marsch am westlichen Stadtrand rasten oder überwintern jedes Jahr Tausende Graugänse, Krickenten und Kampfläufer. Im Herbst bietet der NABU Hamburg Führungen zu den Vogelquartieren an, neben der Wedeler Marsch auch durch den Duvenstedter Brook. Wer weitere Vogelarten kennenlernen will: Unter dem Motto »Was singt denn da?« organisiert der NABU von März bis Juni Rundgänge, zum Beispiel durch Planten un Blomen, den Stadtpark und über den Ohlsdorfer Friedhof.

Heuckenlock
Auf der Elbinsel Wilhelmsburg liegt einer der letzten Tideauenwälder Europas – eine dschungelartige Landschaft mit umgestürzten Bäumen und wucherndem Schilf, durchzogen von Prielen, in denen im Rhythmus der Gezeiten der Wasserspiegel steigt und sinkt. Im Uferschlick wächst Röhricht, dort verstecken sich Graureiher und lauern auf vorbeischwimmende Fische. Außerdem gedeihen hier Schierlingswasserfenchel und Wiebelschmielen – zwei Pflanzen, die man außer im Großraum Hamburg an keinem anderen Ort der Erde findet.

Anfahrt: Ab S-Bahnhof Wilhelmsburg mit dem Buslinie 351 bis Haltestelle Heuckenlock

Kaltehofe
Fast 100 Jahre lag auf dieser Insel nahe der Elbbrücken ein Wasserwerk. Heute ist das weite Gelände nicht nur Industrie-, sondern auch Naturdenkmal: Um die 22 ehemaligen Wasserfilterbecken mit ihren Pfeffermühlen-
Türmchen haben sich viele seltene Pflanzen und Tiere angesiedelt, etwa Kuckuck, Nachtigall und Dorngrasmücke. Ein Naturerlebnispfad führt etwa zur Vogelbeobachtungsplattform; der Museumshop verleiht Ferngläser.

Autor Oliver Fischer war mit einem Ranger unterwegs im Duvenstedter Brook. Lesen Sie die ganze Reportage "Wo die wilden Hirsche röhren" in der Hamburg-Ausgabe von GEO Special.

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