Südamerika Uruguay - Die Entdeckung einer kleinen Schönheit

Der südamerikanische Winzling, der in weiten Teilen aus Pampa besteht, ist einer der fortschrittlichsten Staaten des Kontinents. Er fasziniert mit einer Welterbe-Stadt, Flüssen, die Ozeanen gleichen, leeren Stränden - und einem tiefentspannten Lebensgefühl. Die besten Tipps und Adressen für einen Urlaub in Uruguay
Reiter am Strand in Uruguay

Die Wanderdünen vor dem Hippie-Dörfchen Barra de Valizas lassen sich wie vieles in Uruguay gut per Pferd erkunden

In diesem Artikel
Hotels und Unterkünfte in Uruguay
Restaurants und Bars in Uruguay
Was Sie in Uruguay erleben können

Hört der Fluss denn gar nicht auf? Schon eine gute Stunde brettere ich mit der Schnellfähre aus Buenos Aires über den breitesten Fluss der Welt, den Río de la Plata, bevor ich endlich in dem Staat mit den meisten Us im Namen an Land gehe – und aus der hektischen Megacity am anderen Ufer in einer kopfsteingepflasterten Idylle lande.

Colonia del Sacramento ist die älteste Stadt Uruguays. Katzen rekeln sich im Schatten windschiefer Häuschen. Am Flussstrand sitzen Herr­schaften auf Klappstühlen und saugen Matetee mit Metallstrohhalmen, ihre badenden Kinder immer im Blick. Im kleinen Museum zur Stadtgeschichte hält die Dame hinter der Kasse Siesta, den Kopf entspannt auf den verschränkten Armen. Ruhig ist es sowieso, denn die UNESCO-geschützte Altstadt ist für Autos gesperrt. Nur ein paar als Blumenkübel dienende ­Oldtimer rosten pittoresk vor sich hin.

Auch in der Neustadt: Seelenruhe. Über den Wochenmarkt schlendern Touristen und Einheimische – die erkennt man sofort am Set aus Thermoskanne und Matebecher unterm Arm, die Alltagsausrüstung eines jeden Uruguayers – und kosten sich durch die zahlreichen Obst- und Käsestände. Die abgrundtiefe Entspanntheit ist bei meiner Autorundreise von Colonia bis zum Strandort Punta del Diablo kurz vor der brasilianischen Grenze im Osten eine ständige Reisebegleiterin.

Aber zuerst fahre ich von Colonia nach Norden ins Kleinstädtchen Mercedes am Río Negro mit seinen Art-déco-Häusern. Capitano Alejandro schippert mich über den Fluss, der sich als braune Schlange durch eine sattgrüne Wiesenlandschaft windet, durchsetzt von weißen Sandstränden. Am Ufer wachsen Wiesen in die Weite. Ich verstehe sofort, warum Uruguay ein Traumziel für Ornithologen ist. Während Alejandro schon wieder auf den nächsten Pfeifreiher, Goldschnabelsaltator, Rosalöffler oder Schwarzmantel-Scherenschnabel deutet, trockne ich mich gerade ab. Weil die Sandbank, an der wir mitten im Fluss angelegt haben, so einladend war und das Wasser so sauber.

Palacio Salvo in Montevideo

Den Palacio Salvo in Montevideo ließen zwei Textilindustrielle in den 1920er-Jahren am Plaza Independencia erbauen

Ein Land in dem man sich treiben lassen kann, weil Zeit nur eine Frage des Sonnenstandes ist.

Einige Kilometer weiter liegt Fray Bentos am Ufer des Río Uruguay. Auch hier sehe ich am Ortseingang wieder eine »Baby fútbol«-Schule, wo die Kleinsten das Kicken lernen. Uruguay ist zwar eins der säkularsten Länder Südamerikas – schon vor über hundert Jahren wurde die Trennung von Staat und Kirche beschlossen. Dafür ist aber nun Fußball die Staatsreligion. Immerhin war das kleine Land schon zweimal Fußballweltmeister: 1930 gewann es die erste Fußball-WM überhaupt, sie wurde im eigenen Land ausgetragen, und der hassgeliebte Nachbar Argentinien 4:2 geschlagen. 20 Jahre später kam der andere Nachbar, Brasilien, an die Reihe. So hat David beide Goliaths besiegt.

Darauf ist jeder Uruguayer stolz, denn häufig wird das Ländchen einfach übersehen. Vielleicht, weil es zu wenig schlechte Nachrichten produziert. Politische Unruhen, Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen – Fehlanzeige. Einwanderer waren stets willkommen. Noch heute ist das Recht auf Einwanderung in der Verfassung verankert. Gemeinsam mit den uruguayos schufen sie im krisengeschüttelten Lateinamerika eine demokratische Wohlstandsoase.

Früher nannte man es nur »das Land der fetten Kühe«, wie mir später ein Mann am Strand des einzig glamourösen, wenn auch leicht trashigen Strandorts Punta del Este erzählt. »Iss deinen Teller leer«, hatten seine Eltern ihm bei Tisch gesagt, »in Europa müssen die Kinder hungern!«

Uruguay verfügt über ein sehr gutes Bildungs- und Sozialsystem und hat die fortschrittlichsten Gesetze Lateinamerikas – von Homo-Ehe bis Hasch-Legalisierung, alles erledigt – und eines der sichersten Länder ist es auch. Während Venezuela im Elend versinkt, Argentinien sich von Krise zu Krise hangelt und Brasilien neue Korruptionsrekorde aufstellt, hält man sich in der »Republik östlich des Uruguay«, wie das Land offiziell heißt, einfach aus allem raus. Uruguay ist weder aktiv im Waffenhandel noch beim Überfischen der Weltmeere, das Entführungsbusiness liegt darnieder, und im weltweiten Korruptionsindex ist das Land gleichauf mit Frankreich und im guten Mittelfeld.

Dies ist ein Auszug aus dem Text Uruguay: Eine kleine Sensation erschienen in GEO SAISON 10/2018.

Pampa in Uruguay

Nahezu die Hälfte des kleinen landes ist Pampa. Die landschaftlich reizvolle Gegend lässt sich per Auto oder Pferd gut erkunden

Hotels und Unterkünfte in Uruguay

Hotel MySuites. Schickes Hochhaushotel im Stadtteil Pocitos mit großen Designerzimmern, Kitchenette und Pool auf dem Dach. Gut sortierte Weinbar in der Lobby, zu Fuß nur fünf Minuten zum schönsten Strand der Hauptstadt (DZ/F ab 65 €).

Posada del Virrey. Historische Posada im Kolonialstil mit hohen Decken und dunklem Holz, nur drei Minuten von der Altstadt entfernt und 100 Meter vom Hafen. Zum Frühstück Croissants und frische Säfte (DZ/F ab 57 €).

Gran Hotel Fray Bentos. Einfaches, aber gutes Hotel mit kleinem Pool am Promena­den­ufer hoch über dem Río Uru­guay. Mit etwas Glück fährt einen Manager Fabrizio in seinem restaurierten Ford V8 Bj. 1938 rüber zum UNESCO- Weltkulturerbe, dem LEMCO-­Fabrikmuseum (DZ/F ab 72 €).

Estancia Santa Amelia. Neu eröffnetes Farmhotel, man wohnt im weitläufigen Herrschaftsgebäude mitten im Grünen, großer Pool, gutes Früh­stück mit Papageiengeschrei (DZ/F ab 78 €).

Posada Campo Tinto. Charmantes Boutiquehotel im Grünen mit süffiger Aussicht auf die umliegenden Weinberge. Pool und Terrasse versüßen den Sundowner (DZ ab 120 €).

Laguna Garzón Floating Hotel & Lodge. Neues Ökohotel mit zwölf schwimmenden Zimmerflößen zwischen Meer und Lagune, unvergleichlicher Ausblick, sowohl vom Zimmer als auch von der Lodge-Terrasse. Unbedingt den spektakulären Spaziergang machen, gleich nebenan, über die kreisförmige Brücke. Erbaut hat sie der in Uruguay geborene New Yorker Architekt Rafael Viñoly – ein cooler Weg übers Lagunenwasser (DZ/F ab 175 €).

Restaurants und Bars in Uruguay

Bodega Almacen de la Capilla. Beim Städtchen Carmelo am Río de la Plata führen Ana Paula und Diego Cordano in fünfter Generation eines der ältesten Weingüter Uruguays – mitsamt dem kleinen Gemischtwarenladen, der dem Gut den Namen gab und der wie ein kleines Museum der Kolonialzeit original erhalten blieb. Diego rührt das hausgemachte dulce de leche, Ana Paula macht den Biowein: fruchtigen Tannat, die Paraderebe des Landes, und einen wunderbar aromatischen Rosé vom Moscatel de Ham­burgo. Degustationsmenü mit reichlich Wein gibt’s unter der Pergola mit regionalen Käse-, Schinken- und Wurstspezialitäten. Wer zu viel probiert hat, bleibt am besten in der Honeymoon-Suite mitten im Weinberg (DZ/F 172 €).

La Fusion Pizza & Café. Die vielen italienischen Einwanderer haben ihre Küche mitgebracht und sorgen landesweit für hohe Pizzaqualität. Aus rätselhaften Gründen sind die Pizzen Uruguays nicht rund, sondern rechteckig. Und nirgendwo sind sie so gut (und auch noch preiswert) wie in diesem kleinen, rustikalen Kunst-, Kaffee- und Holzofenpizzaladen im ewig rummeligen Punta del Este.

Francis. Besser kann man in der Hauptstadt kaum essen: In dem Restaurant geht’s lebhaft zu. Es gibt mediterrane Fusion-­Küche mit viel frischem Fisch und Meeresfrüchten, cremiges Risotto und eine beeindruckende Weinauswahl.

Jacinto Café & Restaurant. Mitten in der Altstadt hat die junge Starköchin Lucía Soria ein nettes Café eröffnet mit Bio­gebäck und hervorragendem Restaurant mit junger, origineller Küche und kompetenter Weinauswahl.

Café Brasilero. Für die merienda, den traditionellen Nachmittagskaffee, gibt’s keinen schöneren Ort als zwischen Messingleuchtern, Thonet-Stühlen und geätztem Fensterglas aus dem Jahr 1877. Künstler und Intellektuelle treffen sich hier zum Cortado oder zum Café Galeano, benannt nach Eduardo Galeano, Schriftsteller und ehemaliger Stammgast des Traditionshauses.

Was Sie in Uruguay erleben können

City-Tour mit Christine. Seit vielen Jahren lebt die aus Deutschland stammende Christine Dulin in Montevideo und bietet deutschsprachige Promenaden an: Besuch des Mercado del Puerto mit seinen traditionellen Grillrestaurants, Einblicke in die Welt des Karnevals, Mate-Tastings und eine Führung durch den Palacio Salvo.

Tangoabend. Während sich Montevideo immer noch mit Buenos Aires darum streitet, wer nun die eigentliche Tangohauptstadt sei, freute ich mich als lachender Dritter über das breite Abendangebot in der Hauptstadt.­ Wer überteuerten Touri-Nepp mag, findet Angebote für »echte Tangonächte« für 120 € und mehr an jeder Straßenecke. Insider gehen zur Milonga im Stadtteil ihrer Wahl, die Eintrittspreise variieren meist im einstelligen Eurobereich, die Getränkepreise ebenso. Wer nicht tanzt, lässt die Blicke schweifen und bestaunt die Tangue­ros. Altbewährt: die »Baar Fun Fun«.

Ritt durch die Pampa. Auch wenn es nicht leicht fällt, den Liegeplatz am Pool aufzugeben und der gutseigene Wein hervorragend mundet – die Gelegenheit, mit echten Gauchos durch Sierra und Pampa zu reiten, sollte man sich nicht entgehen lassen. Danach kann man den Capybaras, den größten und niedlichsten Nagetieren der Welt, im Gehege davon erzählen (DZ/F ab 95 €).

Fundación Atchugarry. Eine halbe Autostunde von Punta del Este entfernt hat der uruguayische Bildhauer Pablo Atchugarry in dramatisch schöner Landschaft auf 30 Hektar einen riesigen internationalen Skulpturenpark geschaffen, mit Café und Einzelausstellungshallen – und der Eintritt ist auch noch frei. In Europa wäre das eine Sensation.

Eine Bootsfahrt auf dem Río Negro war nach der langen Fahrerei auf staubigen Landstraßen genau das richtige: Käpt’n Alejandro ist ein leidenschaftlicher Vogelexperte und steuert sein kleines Motorboot souverän durch die geheimnisvolle Flusslandschaft des Río Negro. Mit Klapp- stühlen und Erfrischungen im Gepäck tuckerten wir los: Vorbei an überwucherten Ufern und un­zugänglichen Inseln, bis wir an einer abgeschiedenen Sandbank anlegten. Ganz allein schwamm ich im Río Negro, dann zwitscherten und piepten etliche der fünfhundert in Uruguay heimischen Vogelarten durchs Bild. Und am Ufer gegenüber, wusste Alejandro, machte Che Guevara einmal heimlich Urlaub. (16 Alejandro Corvi oder Jenny Guarula, Tel. 98498716 oder 98007817)

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