VG-Wort Pixel

Werra-Burgen-Steig Geblümte Burg- und Talfahrt


Entlang der Werra zieht sich der Burgen-Steig und verbindet die Bundesländer Hessen, Thüringen und Niedersachsen miteinander. Klöster, Wehrkirchen, Burgen und Schlösser stehen malerisch am Wegesrand
Werra-Burgen-Steig: Die Burgen Ludwigstein und Hanstein sind Wegbegleiter auf einer Wanderung durch das Werratal
Die Burgen Ludwigstein und Hanstein sind Wegbegleiter auf einer Wanderung durch das Werratal
© picture alliance/dpa

Der Tag ist noch jung , und doch wiegen meine Glieder schwer. Das muss am Kettenhemd liegen, das ich mir übergezogen habe, um im wiedergekehrten Mittelalter auf dem Berlepscher Schlossmarkt nicht aufzufallen. Besonders kleidsam ist das rostige Teil nicht, dafür verleiht es mir beim Bogenschießen eine gewisse Standfestigkeit. Wir schreiben das Jahr 1369, zumindest hier und heute auf dem nordhessischen Bilderbuchschloss Berlepsch: Ritterlicher kann der Auftakt zu einer Werra-Wanderung nicht sein. Die trete ich dann ohne Rüstung an – zum Glück, denn es geht ordentlich bergauf und bergab auf dem 2013 neu eröffneten "Werra-Burgen-Steig Hessen".

Durch Buchenwälder windet sich der Wanderweg, durch Kornfelder und Kirschbaumwiesen; eine klassische deutsche Mittelgebirgslandschaft, geprägt vom Lauf der rund 300 Kilometer langen Werra. Auf fast jedem Hügel schinden ein Schloss oder eine Burg Eindruck, in die Täler schmiegen sich Fachwerkstädtchen wie Witzenhausen und Bad Sooden-Allendorf. Auch ohne Kettenhemd fühlt sich das wie Mittelalter an. So gemäßigt diese Landschaft auch wirkt, die Anstiege haben es in sich; Burgen liegen nun einmal verflixt unbequem.

Am folgenden Tag stehe unter den bleistiftspitzen Türmen von Schloss Rothestein, rechne mit fünf Minuten Aufstieg und gelange schnaufend erst eine halbe Stunde später ans Schlosstor. Auf der Terrasse belohne ich mich mit einem Stück Ahle Wurscht – und dem Wolkenschieberblick übers Werratal. Dann stapfe ich weiter, nun durch die "hessische Schweiz", über bewaldete Kalksteinformationen, deren Steilhänge leicht ins Rutschen geraten können. Auf dem Boden des Buchenwalds blühen unvermutet Orchideen. Ein ums andere Mal blicke ich von den Felskanten weit ins Land, über Höhenzüge und bewaldete Berge wie den Hohen Meißner (750 Meter), bis am späten Nachmittag plötzlich Gewitterwolken in der Ferne aufziehen. Doch ich habe Glück: Mein nächstes Etappenziel, den Werratalsee, erreiche ich noch im Sonnenschein. Hier kann ein jeder tapfere Wandersritter seine Rüstung ablegen und die Füße kühlen.

Erleben

Fast 500 Wanderkilometer ist der Werra-Burgen-Steig (Markierung X5) lang, der von Hannoversch Münden in Niedersachsen bis ins Quellgebiet der Werra in Thüringen führt. 2013 wurde das neue Teilstück in Hessen eröffnet (X5H). www.werra-burgen-steig.de

Zu Boot und zu Rad wandert man vorzugsweise flussabwärts. Die Werra ist mit Kajaks und Kanus vom Oberlauf im thüringischen Themar bis nach Hannoversch Münden befahrbar. Der Werratal-Radwegbeginnt noch früher, an den Werra-Quellen im Thüringer Wald, und führt über 306 Kilometer bis nach Niedersachsen. www.werratal.de

Der ideale Schlusspunkt einer Tagesetappe ist das Strandbad am riesigen Werratal-Baggersee. Die letzten paar Kilometer bis Eschwege schippert das Boot "Werranixe" vom Bad in die Stadt. www.eschwege.de, April bis Oktober

Essen & Trinken

Das Beste beider Welten ist das Kirschbier aus Witzenhausen, der "Stadt der Kirschen". Schinkels Brauhaus heißt die zünftige Schenke mit Biergarten, in der man sich neben Kirschbier auch Bio-Pils und Schwarzbierbrot schmecken lässt. Witzenhausen, Oberburgstr. 10, www.schinkels-brauhaus.de

Die romantische Trutzburg oberhalb von Bad Sooden-Allendorf muss man schon fast erklettern. Am besten mit einer Pause auf der Café-Terrasse von Schloss Rothestein. Dem Werratal-Panorama kann man mit einer frischen Holunderschorle zuprosten. Ach ja: Heiraten kann man hier oben auch. Schloss Rothestein, Tel. 05652-20 57, www.schloss-rothestein.com, Mo/Di geschlossen

Schlafen

Ein Turm, grandiose Ausblicke, dazu ein Burghof in schönster Weser-Renaissance: Als Jugendherberge ist Burg Ludwigstein das Ziel von Klassenfahrten und Ferienfreizeiten. Aber auch einzelne Wanderer können hier günstig schlafen. Witzenhausen, Tel. 05542-501710, www.burgludwigstein.de

Klein, schlicht, bescheiden – als niedliche Fachwerkherberge bezirzt die Pension zur Krone im Stadtkern von Allendorf. Kirchstr. 76, Tel. 05652-22 57

Mutet an wie ein Privathaus, doch die einfachen Zimmer im Naturhotel Hessische Schweiz reichen so manchem fußmüden Rucksackreisenden. Meinhard-Hitzelrode, Auf dem Gänseland 2, Tel. 05651-57 11, www.naturhotel.de

Ruhige Lage, Blick übers Werratal – und vielleicht eine kleine Massage? Der Berggasthof Ahrenberg ist eine Komfortzone zwischen Tagestouren. Bad Sooden- Allendorf, Auf dem Ahrenberg 5, Tel. 05652-18 54, www.hotel-ahrenberg.de

Idealer Ausgangspunkt einer Wanderung ist das Schloss Berlepsch – ein lohnendes Ziel gibt es auch ab. Die Bilderbuchburg wird in 20. Generation von derselben Adelsfamilie bewohnt, der junge Baron Fabian von Berlepsch überlässt Gästen gern das "Grafenzimmer". Witzenhausen, Berlepsch 1, Tel. 05542-507012, www.schlossberlepsch.de

Deutschland im Herbst

GEO SAISON Nr. 09/2014 - GEO Saison - Deutschland für ein Wochenende

Mehr zum Thema