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Cilento Kulinarischer Streifzug durch Süditalien


Einsame Berge, authentische Fischerorte, Traumbuchten, Ausgrabungsstätten und ein kulinarischer Promi: der Büffelmozzarella. Wir unternehmen einen Streifzug durch die süditalienische Region
Cilento: Seit 2500 Jahren stehen in der antiken Stadt Paestum drei griechische Tempel, so gut erhalten, dass sich gar die Akropolis warm anziehen muss
Seit 2500 Jahren stehen in der antiken Stadt Paestum drei griechische Tempel, so gut erhalten, dass sich gar die Akropolis warm anziehen muss
© Konrad Wothe/LOOK-foto

Weite Strände, einsame Buchten, hübsche Fischerorte und der Welterbe- Nationalpark "Cilento e Vallo di Diano", dessen Berge bis ans Meer reichen: Rund 100 Kilometer lang ist der Küstenstreifen dieses ursprünglichen Stücks Italien südlich von Neapel – das trotz seiner Schönheit immer ein bisschen im Schatten berühmterer Regionen stand. Geändert hat das ausgerechnet eine französische Komödie: "Willkommen bei den Sch’tis" diente als Vorlage für den Film "Willkommen im Süden", der die Geschichte um einen in die Provinz verbannten Postboten 2010 nach Kampanien verlegte.

Santa Maria del Castellabate

Eine Piazza, um die sich nicht nur im Kino alles dreht, autofreie Gassen, eine belebte Promenade und mittendrin, umrahmt von Adelspalästen und zwei Festungstürmen, ein muschelförmiger Stadtstrand. Die Filmschönheit im nördlichen Cilento ist eine prima Ausgangsstation für Ausflüge nach Paestum, wo drei griechische Tempel seit 2500 Jahren ihre weißen Säulen in den blauen Himmel recken. Nach der Antike-Tour unbedingt in der Tentua Vannulo vorbeischauen. In der Biokäserei gibt es den kulinarischen Promi der Region, die mozzarella di bufala, von Hand gezupft, sowie Eis und Joghurt aus Büffelmilch. Göttlich! (Capaccio Scalo, Via G. Galilei, www.vannulo.it). Oberhalb von Santa Maria, auf Augenhöhe mit Castellabate, dem Mittelalter-Juwel, das mit seinem Castello aus dem 12. Jahrhundert zu den "Schönsten Dörfern Italiens" gehört, liegt das Landgut € A’Crápa Magia. "Das bedeutet Die Ziege frisst und geht auf ein Sprichwort zurück: Solange die Ziegen zu fressen hatten, lieferten sie Milch, und den Bauern ging es gut", erzählt Gerda, die Nichte der deutschen Eigentümer, die die acht stilvollen Apartments in der Remise, im Backhaus, im Weinkeller und in den Stallungen verwaltet. Inmitten von Kräuterbeeten, Zitronenbäumen und Oleanderbüschen blickt man von den Terrassen bis zur Amalfitana (Loc. Il Cannito, Tel. 030-79 40 34 12, www.crapa.de).

Ascea

"A-skia nannten die Griechen die Gegend, ohne Schatten, deshalb reifen hier so gute Rotweine", sagt Dario Sabia, ein junger Winzer, der beim Örtchen Ascea Cabernet Sauvignon anbaut. Nicht nur in der Sprache haben die Griechen Spuren hinterlassen: Darios Weinberge liegen oberhalb von Velia, Heimat des Philosophen Parmenides. Die Ruinen der Hafenstadt werden immer noch ausgegraben, darüber thront, wie ein Sieg des Mittelalters über die Antike, eine alte Festung. Dario lebt auf Le Favate, einem gut 400 Jahre alten Landgut, das seine Mutter Elvira Licusati in einen eleganten Agriturismo mit Zimmern, Apartments und großem Pool verwandelt hat. Zum Frühstück auf der Terrasse gibt’s Hausgemachtes wie bruschetta, Ziegen-Ricotta, Aprikosenmarmelade oder soppressata di Gioi, eine Salami-Spezialität, abends Vier-Gänge- Menüs, zubereitet mit dem eigenen Olivenöl und serviert von Teresa, einer jungen Deutschen, die den Agriturismo mit Elvira führt (Contrada Favate, Tel. 0039-0974-97 73 10, www.favate.it). "Le Favate" ist eine gute Homebase für Touren ins Hinterland des Nationalparks, zu den Gole del Calore etwa, dem Wandergebiet rund um die Calore-Schluchten, oder zu den Grotte del Bussento, begehbaren Flusshöhlen zu Füßen des Örtchens Morigerati.

Pisciotta

Das Auf und Ab der verwinkelten Gassen, das verwaschene mittelalterliche Gemäuer und die von Cafés gesäumte Piazza machen das autofreie Städtchen, das an einem Hang am Meer klebt, zu einem der schönsten Orte. Man kann sich gar nicht entscheiden, wo man lieber isst: alici di menaica, traditionell gefangene Sardellen, unten an der Marina bei Angiolina (Via Passariello 2, Tel. 0039-0974-97 31 88, www.ristoranteangiolina.it), Fisch und Pasta in der guten, günstigen Osteria del Borgo (Via Roma 17, Tel. 0039-0974-97 01 13, www.osteriadelborgopisciotta.com) oder Pizza auf der Panoramaterrasse des I Tre Gufi (Via Roma 14, Tel. 0039-0974-97 30 42, www.ristoranteitregufi.it). Denselben Blick auf die Olivenhaine, das Tyrrhenische Meer und das Kap Palinuro, dessen Blaue Grotte es lässig mit der von Capri aufnehmen kann (Grottentouren starten im Hafen des Badeorts Palinuro), haben auch die Gäste im Hotel Marulivo, einem sehr persönlich geführten Designhotel mit elf Zimmern und einer großartigen Dachterrasse (Via Castello, Tel. 0039-0974-97 37 92, www.marulivohotel.it).

Scario

Pastellfarbene Häuser und Palmen säumen die Promenade. Der Glockenturm der Chiesa dell'Immacolata wacht über den kleinen Hafen, in dem Fischerboote dümpeln und Ausflugsschiffchen ablegen zu traumhaften, von Land kaum zugänglichen Badebuchten wie der Baia degli Infreschi. Der südlichste Ort des Cilento erinnert an die Cinque Terre in Ligurien. "Wer hier aufwächst, lernt die Natur zu lieben", sagt Nicoletta, die ihre Begeisterung gern teilt und ihre Gäste schon mal im eigenen Bötchen die unberührte, steil abfallende Küste entlangschippert. Im ehemaligen Haus ihrer Großeltern am Hang oberhalb des Ortes betreibt Nicoletta das kleine B & B Casa dei Nonni (La Pietra 6, Tel. mobil 0039-340-265 84 28, www. casadeinonni.eu). Wenn sie morgens auf der Veranda das Frühstück serviert, haben die Besucher allerdings nur Augen für eines: den weiten Blick über den Golf von Policastro bis zur Küste der Basilikata, die hinter Scario beginnt.


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