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Winterreisen Sieben Tipps für Neulinge: So gelingt die Schneeschuhwanderung

Gute Orientierung und ein paar feste Wegpunkte sind beim Schneeschuhwandern essenziell. Wandernde laufen sonst Gefahr, sich im Weiß zu verirren
Gute Orientierung und ein paar feste Wegpunkte sind beim Schneeschuhwandern essenziell. Wandernde laufen sonst Gefahr, sich im Weiß zu verirren
© Jag_cz/Adobe Stock
Stille, Entschleunigung, die eigenen Spuren in den frischen Schnee treten: Das und viel mehr schätzen Schneeschuhwanderer an ihrem Sport. Doch wie geht man's an? Expertenratschläge für Anfänger

Inhaltsverzeichnis

Plötzlich muss man breitbeinig laufen wie einst Westernheld John Wayne, als sei er gerade vom Pferd gestiegen. Mit ungewohnter Auflagefläche von etwa 40 mal 20 Zentimetern unter den Schuhen. Man entfernt sich von Wegen und Pisten, tritt die eigene Spur in dicht verschneite Wälder und fühlt sich vollends im Einklang mit der Natur: Das ist das Schneeschuhwandern.

Zwei Profis aus der Tiroler Urlaubsregion Kaiserwinkl geben Tipps für Anfänger: die Bergführer Miriam Kitzbichler und Andreas Schwentner. Für Schwentner sind die Lust an der Bewegung und Winterbekleidung alles, was man für den Sport braucht. Doch es geht auch um Schuhwerk, Technik und die Anforderungen an das Gelände.

Kleidung und Vorbereitung

Fürs Schneeschuhgehen braucht es nicht zwingend einen Kurs. Und, wie beim Wandern auch, braucht es zudem nur wenig Ausrüstung, um die Natur zu erkunden. Standard beim kälteresistenten Outfit sind, wie Miriam Kitzbichler es trägt: ein Funktionsshirt für den Winter, eine Daunenjacke und eine Skitourenhose. Dazu Mütze, Handschuhe, Halstuch, bei Bedarf eine Sonnenbrille und Sonnencreme.

Wer auf Nummer sicher gehen mag: Zur Einführung ins Schneeschuhwandern gibt es etwa halbstündige Schnupperkurse, bei denen man unter Anleitung "ein bisschen im Flachen herumstapft und die Schneeschuhe ausprobiert", sagt Schwentner.

Schnupperkurse seien mitunter kostenlos, sofern Teilnehmer gleichzeitig eine kurze Anschlusstour oder eine Halbtagestour beim selben Anbieter buchen. Diese kosten dann ab etwa 25 Euro aufwärts. Alternative: einfach Schneeschuhe und Stöcke ausleihen. In Tirol kostet das etwa sieben Euro pro Tag.

Schuhwerk

Das Thema Schuhwerk betrifft gleich zwei wichtige Ausrüstungskomponenten: Denn man nutzt die eigenen Schuhe, um in die Schneeschuhe reinzuschlüpfen - und beide Modelle sollten gewisse Anforderungen erfüllen.

Die Guides empfehlen knöchelhohe, gut eingelaufene, möglichst wasserabweisende Wanderschuhe. "Niedrige Schuhe wie Laufschuhe kann man vergessen", sagt Schwentner, "denn dann fällt oben Schnee rein und man bekommt kalte Füße." Anfänger könnten so schnell den Spaß verlieren.

Wichtig für den Halt: Das Profil von Schneeschuhen sollte nicht bloß Dornen, sondern auch Zacken haben
Wichtig für den Halt: Das Profil von Schneeschuhen sollte nicht bloß Dornen, sondern auch Zacken haben
© Lilifox /Adobe Stock

Wer sich gleich selbst Schneeschuhe zulegen möchte, sollte beim Kauf ausschließlich welche aus Hartplastik ins Visier nehmen, rät Andreas Schwentner. Um auf dem Schnee den richtigen Halt zu haben, empfiehlt er Schneeschuhe mit zackiger Sohle. Exemplare mit kleinen Dornen seien zum Bergauf- und Bergabgehen weniger gut geeignet.

Zudem braucht der Schneeschuh vorne eine Aufschanzung, er sollte also nach oben gebogen sein. "Ist er flach, sticht man immer in den frischen Schnee ein." Das bremst aus.

Technik

Die Technik beim Schneeschuhwandern ist schnell erklärt: breitbeinig gehen und nur kleine Schritte machen. Der breitbeinige Laufstil ist wichtig, damit man sich nicht selbst auf die Schneeschuhe steigt und fällt. Die kleinen Schritte, damit die Sohlen den maximalen Halt im Schnee aufbauen können. "Wenn die Schritte zu groß werden, greifen die Zacken nicht mehr richtig, und man kann stolpern", sagt Schwentner.

Der Einsatz von Stöcken unterstütze beim gemächlichen Schritt. Denn das Tempo beim Schneeschuhwandern sollte weniger als vier Kilometer pro Stunde betragen.

Gelände

Andreas Schwentner rät: Nicht in zu steilem Gelände laufen. Denn selbst mit Schneeschuhen rutsche man dann mit jedem Schritt ein Stück zurück, der Körper muss also mehr arbeiten. Wer dennoch einen steilen Hang vor sich hat, sollte diesen nicht auf dem direkten Weg bezwingen. Der Bergführer empfiehlt stattdessen, in Zickzack-Kurven zu gehen.

Auf dem Weg nach unten spreche hingegen nichts gegen den direkten Weg. Das Schneeschuhprofil forme einen Schneekeil, der Wanderer vor dem Abrutschen schützt, sagt Schwentner. In der Praxis ist das erstaunlich entspannt.

Außerdem sollten Schneeschuhwanderer Tierfütterungsstellen sowie Quellschutz- und Aufforstungsgebiete meiden und diese besser weitläufig umgehen, sagt Miriam Kitzbichler.

Sinne schärfen

Schneeschuhe erlauben den Zugang zu Gebieten, die mit normalem Schuhwerk oder mit Ski nur schwer zu erreichen sind. Für Miriam Kitzbichler steigt der Erlebniswert, wenn sie bei der Wanderung Tierspuren entdeckt - etwa von Füchsen, Hasen, Rehen, Eichhörnchen oder Gämsen. Und sie schätzt es, achtsam auf dem Schnee zu gehen, und den Geräuschen der Fußstapfen zu lauschen, die zum Beispiel auf dem härteren Schnee im Wald ganz anders klingen als anderswo.

Andreas Schwentner gefällt beim Schneeschuhwandern besonders die Einsamkeit und die Stille. Er rät Anfängern dazu, ihren eigenen Weg zu finden, neue Spuren in den Schnee zu setzen. "Wenn man auf Winterwanderwegen oder an der Seite von präparierten Pisten geht, wird man den Spaß vom Schneeschuhwandern nie spüren", sagt er.

Tourenplanung in Eigenregie

Wer seine Tour durch den Schnee in Eigenregie planen möchte, kann sich beim jeweiligen Tourismusverband Tipps einholen. Essenziell ist laut Kitzbichler, dass man vorab Orientierungspunkte auf der Strecke recherchiert und sich den Rückweg gut anschaut. Denn: "Wenn alles weiß und überall Wald ist, kann die Orientierung schwierig werden." Alternativ zur Nutzung von GPS empfiehlt die Tourismusexpertin, eine altmodische Wanderkarte einzupacken.

Für Anfänger hält Andreas Schwentner Touren von bis zu zwei Stunden bei einer überschaubaren Anzahl an Höhenmetern für ideal. Wer eine Gipfelbesteigung plant, sollte nicht ohne heimischen Führer los, sagt der Experte.

Ausrüstung

Ein Tagesrucksack mit einem schützenden Ersatzkleidungsstück für Schlechtwetter ist unverzichtbar. Bergführerin Miriam Kitzbichler hat außerdem immer eine kleine Thermoskanne mit gesüßtem Tee dabei und oft eine Stirn- oder Taschenlampe, falls sie in die Dunkelheit gerät. Als Energiespender schwört sie auf Traubenzucker, Andreas Schwentner setzt auf Müsliriegel und Trockenfrüchte.

Um unterwegs einen gerissenen Schneeschuhriemen oder einen losen Wanderstock zu reparieren, kann es zudem hilfreich sein, ein paar Kabelbinder und Klebeband dabei zu haben.

Andreas Drouve, dpa

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