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Günter Standl "Ein Foto hat dann gewonnen, wenn man länger als zehn Sekunden darauf schaut"

Besonders am Hafen der kroatischen Stadt Zadar findet Günter Standl viele Motive
Besonders am Hafen der kroatischen Stadt Zadar findet Günter Standl viele Motive
© Günter Standl/laif
Von der bayrischen Idylle bis zum Fliegenfischen auf dem Sambesi hatte Günter Standl, 59, schon alles vor der Linse. Seit seiner Jugend ist er immer wieder auch privat an der kroatischen Küste unterwegs, früher im Tenniscamp, heute im Familienurlaub. Für GEO Saison 3/2022 hat er das Lebensgefühl der kroatischen Stadt Zadar mit der Kamera eingefangen.

Es zeichnet sich schon jetzt ab: Kroatien ist als Urlaubsland in diesem Sommer sehr begehrt. Sie können das nachvollziehen?

Oh ja… Als Fotograf merke ich vor allem, dass Kroatien ein ganz besonderes Licht hat. Es gibt hier über den Tag verteilt deutlich mehr reizvolle Lichtstimmungen als andernorts. Ganz früh am Morgen etwa, wenn alles in Gold aufleuchtet. Oder abends in der frühen blauen Stunde, kurz vor Sonnenuntergang, wenn der Himmel sich schon blau färbt, die Erde aber noch von Tageslicht gestreichelt wird. Und sogar der prallen Sonne kann man an der Adria viel abgewinnen, und prima mit Kontrasten, Licht und Schatten arbeiten. Bei sehr hartem Licht lassen sich beispielsweise in Zadar die für die Stadt typischen venezianischen Löwen gut fotografieren.

Zadar hat es Ihnen besonders angetan?

Auf jeden Fall. Für mich ist diese alte Stadt an der dalmatinischen Küste eine der schönsten im ganzen Land. Ganz ohne Kreuzfahrtschiffe, mit einer Altstadt, die auch vor Corona nicht überrannt war. Es gibt in der Gegend noch viele römische Relikte. Dazu steingewordene venezianische Einflüsse wie das Löwentor. Man kann in Zadar gut Geschichte bestaunen – und Gegenwart. Besonders am Hafen, etwa an der mittlerweile berühmten Meeresorgel. Sie sieht aus wie eine gewöhnliche Steintreppe, aber ihre Unterwasserpfeifen bringen im Rhythmus der Wellen so eindrucksvolle Töne hervor, dass sich hier alles zum Lauschen trifft. Reisende wie Einheimische. 

Blick auf Zadar
"Als Reisefotograf versuche ich immer, das Schöne einzufangen," sagt Günter Standl im Interview
© Günter Standl/laif

Ist das ein Moment für ein Foto?

Gut möglich. Als Reisefotograf versuche ich immer, das Schöne einzufangen – und nah ranzugehen. Ich muss die Szene beobachten und darf keine Angst vor Menschen haben. Das ist das Wichtigste. Meist entstehen beim Fotografieren interessante Gespräche. In Zadar habe ich mich auf der Suche nach dem besten Bild durch einen Wohnblock geklingelt. Und tatsächlich wurde mir die Tür zu einer Wohnung mit fantastischem Ausblick geöffnet. Einen Kaffee von den netten Bewohnern gab es noch obendrauf, Fotografenglück. Insgesamt aber geht es nicht nur um dieses eine Einzelbild, sondern darum, eine stimmige Geschichte zu erzählen – und mit ihr vor allem auch Emotionen zu übertragen, etwa diese Leichtigkeit vom Leben am Meer. Ein Bild hat gewonnen, wenn der Leser, die Leserin länger als zehn Sekunden darauf schaut. Dafür schleppe ich gern Stativ und drei verschiedene Objektive mit.

Haben Sie privat auch immer die ganze Ausrüstung dabei?

Nein, wenn ich ehrlich bin, tut es dann auch ein Handy. Die meisten sind mittlerweile so gut, dass sie für großartige Urlaubsfotos völlig ausreichen. Wenn man ein Auge für interessante Personen, Formen, Situationen hat, dann ist das gar nicht so wichtig, womit diese Erinnerung festgehalten wird. Wenn ich in Kroatienurlaube, will ich mich auf anderes konzentrieren: Auf dem Markt frischen Fisch kaufen, an der Küste entlangradeln, die nächste Fähre auf eine Nachbarinsel nehmen. Für mich ist das in jedem Fall der Big Shot in Sachen Lebensgefühl.

Interview: Kerrin Klüwer

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