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Flugverkehr Möglich oder Mogelpackung? Hamburger Flughafen erklärt sich für CO2-neutral

Flugzeug steht am Terminal
Der Hamburger Flughafen nennt als Bausteine zum CO2-neutralen Flughafenbetrieb weniger Energieverbrauch, innovative Technologien, Naturschutzprojekte und Ausgleichszertifikate
© Tim Kaiser/AdobeStock
Auch ein Flughafen kann klimafreundlich betrieben werden. Der Hamburger Airport hat für seine CO2-Neutralität nun ein Zertifikat erhalten. Zum Ärger der Umweltlobby, denn der eigentliche Flugbetrieb bleibt außen vor

Der Hamburger Flughafen hat sich als erster deutscher Airport für CO2-neutral erklärt. Die Flughafengesellschaft präsentierte nun ein nach Kriterien des europäischen Branchenverbandes Airports Council International Europe (ACI) ausgestelltes Zertifikat.

"Seit dem Jahr 2009 hat Hamburg Airport seine jährlichen CO2-Emissionen um knapp 80 Prozent - von 40.000 Tonnen auf 8700 Tonnen - reduziert", hieß es in einer Mitteilung. "Um auch den restlichen CO2-Ausstoß vollständig zu kompensieren, muss Hamburg Airport derzeit noch in hochwertige Ausgleichszertifikate investieren."

Das Zertifikat deckt den laufenden Betrieb des Airports selbst ab, nicht den laufenden Flugbetrieb, der im Luftverkehr für die allermeisten Emissionen des klimaschädlichen Gases CO2 steht.

Umweltverbände finden klare Worte

Heftige Kritik kam aus der Umweltlobby. "Mogelpackung" und "Showveranstaltung", hieß es bei Verbänden und Initiativen. Der Hauptvorwurf: Die CO2-Bilanz blende die riesigen Treibhauseffekte aus, für die der eigentliche Flugverkehr noch für Jahrzehnte in der Luft verantwortlich ist.

"Es darf in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entstehen, dass Fliegen kein Problem mehr sei, nur weil der Flughafen selbst klimaneutral operiert", sagte der Hamburger Nabu-Vorsitzende Malte Siegert.

Bausteine der Klimaneutralität

Als Bausteine zum CO2-neutralen Flughafenbetrieb nannte die Flughafengesellschaft weniger Energieverbrauch, innovative Technologien, Naturschutzprojekte und Ausgleichszertifikate. So decke der Airport rund 70 Prozent seines Wärmeenergiebedarfs mit einem flughafeneigenen Blockheizkraftwerk ab. "Dieses ist hocheffizient und wird mit Erdgas betrieben. Der zugekaufte Grünstrom wird zudem zu 100 Prozent nachweislich CO2-neutral hergestellt."

Zudem sei die Fahrzeugflotte auf dem Vorfeld nahezu vollständig auf alternative Antriebe und Kraftstoffe umgestellt worden. Schließlich pflanze der Airport auf seinem Waldgelände im rund 30 Kilometer entfernten Kaltenkirchen in Schleswig-Holstein "aktuell zusätzlich über 50 Hektar Neuwald". Bäume binden beim Wachstum CO2 aus der Atmosphäre und leisten so einen Beitrag zum Klimaschutz.

dpa

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