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40 Jahre Interrail 40 Jahre Interrail: Ticket in die Freiheit

Am 1. März 1972 wird eine neue Art des Reisens geboren: Interrail. Der Bahn-Pass ist das Ticket in die Freiheit für viele Jugendliche. Zum 40. Geburtstag des Tickets lässt GEO.de in einer Serie Reisende aus vier Jahrzehnten erzählen und stellt die beliebtesten Strecken vor

Für viele war es das erste große Abenteuer. Nie zuvor war es so einfach gewesen quer durch Europa zu reisen. Noch dazu ohne Eltern. Die meisten reisten mit Freunden in kleinen Gruppen und lernten dabei nicht nur neue Städte und Länder kennen, sondern oft auch eine Sommerliebe. "In Aix-En-Provence habe ich mir einen Sommerflirt gegönnt. Seinen Namen habe ich vergessen, aber er hatte die strahlendsten blauen Augen überhaupt", schwärmt Inga Voller auch noch über 20 Jahre nach ihrer Interrail-Reise.

Die Zugreise irgendwo zwischen dem elterlichen Reihenhaus und den Enden des europäischen Kontinents gehörte regelrecht zum Erwachsenwerden dazu. Bis in die 90er hinein symbolisierte Interrail diese Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit. Heutzutage müsste man dafür schon das Handy zuhause lassen und Internet-Café meiden. Und dennoch hat das Ticket seine romantische Anziehungskraft nicht ganz verloren. Viele schwärmen noch heute von dieser ersten großen Entdeckertour und geben ihre Erfahrungen bereits an ihre Kinder weiter.

40 Jahre Interrail: Mit Sonnenhut und leichtem Gepäck ist der Interrailer damals wie heute bestens ausgestattet.
Mit Sonnenhut und leichtem Gepäck ist der Interrailer damals wie heute bestens ausgestattet.
© Deutsche Bahn Museum

Vom Werbegag zum Dauerbrenner

40 Jahre Interrail: Die Werbeplakate für Interrail passten sich der Zeit an, wie dieses Exemplar von 1980.
Die Werbeplakate für Interrail passten sich der Zeit an, wie dieses Exemplar von 1980.
© Deutsche Bahn Museum

Der Traum vom Reisen war ursprünglich als einmalige Werbekampagne gedacht, anlässlich des 50. Geburtstages des Internationalen Eisenbahnverbands. Damals ermöglichte das Ticket jungen Menschen zwischen 10 und 21 Jahren 20 europäische Länder in der 2. Klasse für 235 Mark einen Monat lang zu bereisen. Lediglich die Fahrten in dem Land, in dem das Ticket erworben wurde, musste man zusätzlich zahlen. Wie viele spitzfindige Interrailer der ersten Stunde wusste auch Peter Soemer dies zu umgehen: „Wir sind 1973 einfach vom Rheinland mit dem Auto nach Venlo in Holland gefahren und haben uns das Ticket dort gekauft. Somit konnten wir dann auch in Deutschland umsonst reisen. Holland stand eh nicht auf unserer Reiseroute.“

Nach ein paar Jahren fand dieses Katz und Maus Spiel zwischen Reisenden und den europäischen Bahnverbänden ein jähes Ende, als die Regel eingeführt wurde, dass die Fahrkarte immer im eigenen Land erworben werden muss.

Die ganze Welt als Konkurrent

Seit den 70ern reisten rund 8 Millionen Menschen mit dem Ticket, die meisten nutzten es in den 80er und 90er Jahren. Dann bekam der Traum vom günstigen Reisen Konkurrenz: Billigflieger und Studententarife der Airlines ermöglichten es plötzlich, fast ebenso preiswert in noch fernere Länder zu gelangen. Die Jugend zog es nun mit dem Rucksack gen Südostasien oder für Work & Travel nach Australien. Interrail schien vom Aussterben bedroht zu sein. Um das zu verhindern, hob die Bahn die Altersbegrenzung auf. So können heute auch Familien mit dem Ticket Europa erkunden.

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