Schwindender Lebensraum Was ein randalierender Elefant über die Krise der Dickhäuter in Thailand verrät

Khao-Yai-Nationalpark in Thailand: Straßen verkleinern und zerschneiden in Südostasien immer öfter die Lebensräume von wilden Elefanten. Die Folge sind häufigere Konflikte zwischen Mensch und Tier
Khao-Yai-Nationalpark in Thailand: Straßen verkleinern und zerschneiden in Südostasien immer öfter die Lebensräume von wilden Elefanten. Die Folge sind häufigere Konflikte zwischen Mensch und Tier
© Boonchai Wedmakawand / Getty Images
Mitten in der Nacht plündert ein wilder Elefant ein Restaurant nahe einem thailändischen Nationalpark. Warum zieht es die Tiere immer öfter in die Nähe der Menschen?

Ein nächtlicher Restaurantbesuch eines wilden Elefanten hat nahe dem bekannten thailändischen Nationalpark Khao Yai Spuren der Verwüstung hinterlassen. Das Tier durchsuchte am frühen Morgen gegen vier Uhr (Ortszeit) das Lokal Penlaos im Bezirk Pak Chong nach Nahrung, wie lokale Medien berichteten.

Der Elefant habe zunächst unter anderem einen Obststand des Restaurants durchsucht und Teile der Konstruktion stark beschädigt, darunter Regale und weitere Einrichtungen, schrieb die Zeitung "Bangkok Post". Auf Fotos waren zahlreiche auf dem Boden verteilte Trümmerteile zu sehen.

Lokal mit Michelin-Auszeichnung

Berichten zufolge hält sich das Tier häufiger außerhalb der Grenzen des Nationalparks auf. Anwohner vermuten, der Elefant könnte "einen Geschmack für menschliche Nahrung entwickelt" haben. Das Restaurant liegt nicht weit vom Khao-Yai-Nationalpark und serviert Gerichte aus dem Nordosten von Thailand.

Khao Yai gehört seit 2005 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Der Park liegt etwa 120 Kilometer nordöstlich von Bangkok. 

Mensch-Tier-Konflikte nehmen zu

Die Tiere leiden in vielen Teilen Asiens unter dem massiven Verlust ihres Lebensraums: Für Kautschuk- oder Palmölplantagen wird Wald gerodet. Zudem werden Straßen, Siedlungen und touristische Einrichtungen immer dichter an Elefantengebieten gebaut.

Gleichzeitig entwickeln sich die thailändischen Elefantenpopulationen rasant. Nach Angaben des Umweltministeriums leben derzeit rund 4000 Tiere in dem südostasiatischen Königreich. Die Geburtenrate steige, und in den kommenden vier Jahren könnte die Zahl auf 6000 Elefanten anwachsen. Das sei mit den zur Verfügung stehenden Waldflächen nicht vereinbar, heißt es.

Schon seit Jahren kommt es deshalb immer häufiger zu Mensch-Tier-Konflikten. Seit 2012 wurden in Thailand mindestens 240 Menschen durch Angriffe wilder Elefanten getötet, mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Im Khao-Yai-Nationalpark wurde erst im Februar dieses Jahres ein Camper von einem Elefantenbullen totgetrampelt. 

Seit Anfang 2025 testen die Behörden in Wäldern in den östlichen Regionen Thailands den Einsatz eines Verhütungsmittels, um die Geburtenrate bei den Dickhäutern zu reduzieren. Sollten die Ergebnisse positiv sein, sollen andere Regionen mit großer Elefantenpopulation nachziehen.

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