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Naturphänomen Warum tauchen vor Gewittern kleine schwarze Fliegen auf?

Thripse sind meist nur einen bis drei Millimeter lang. In der Vergrößerung sind ihre Fransenflügel zu erkennen
Thripse sind meist nur einen bis drei Millimeter lang. In der Vergrößerung sind ihre Fransenflügel zu erkennen
© WetterOnline
Gewittertierchen oder -fliegen treten vor Gewittern oft massenhaft auf – und krabbeln dann auch auf Menschen herum. Der Grund ist ihr Gespür für elektrische Felder

Viele kennen das: Kaum kündigt sich in der Schwüle des Nachmittags ein Gewitter an, krabbeln winzige schwarze Tierchen auf unserer Kleidung und unseren Armen. Kein Wunder, dass ihr plötzliches Auftreten ihnen umgangssprachliche Namen wie "Gewittertierchen" und "Gewitterfliegen" eingetragen hat.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die winzigen Tierchen können zwar fliegen, aber es handelt sich – biologisch gesehen – nicht um Fliegen, sondern um Fransenflügler: Ihre zwei Flügelpaare besitzen an den Rändern lange Fransen, mit denen sich die Winzlinge nicht gerade virtuos, aber effektiv in der Luft halten können. Weltweit gibt es rund 5500 Arten von Thripsen, wie die Insekten fachsprachlich genannt werden. In Deutschland kommen immerhin noch 214 vor.

Auch wenn es den Anschein hat: Thripse haben es ganz und gar nicht auf menschlichen Schweiß oder gar auf Blut abgesehen. Es gibt zwar Berichte von Menschen, die von Thripsen gestochen wurden. Doch die allermeisten Arten ernähren sich vegan – von Pflanzensäften und Pollen.

Doch warum treten sie oft massenhaft in der Schwüle des Nachmittags auf? Woher wissen die winzigen Insekten, dass sich meteorologisch etwas zusammenbraut? Können sie Blitz und Donner am Ende sogar voraussagen?

Thripse können lassen sich mehr treiben, als dass sie fliegen

Die Erklärung ist ebenso einfach wie verblüffend. Thripse sind so klein, dass sie von der Luft fortgetragen werden (was selbst bei Arten beobachtet wurde, die gar keine Flügel besitzen). Sie können mit dem Wind Hunderte Kilometer weit und mehrere Kilometer hoch "reisen" – haben selbst aber kaum Einfluss darauf, wohin die Reise geht.

Allerdings reagieren sie sehr empfindlich auf Spannungen in der Luft, wie der Fransenflügler-Experte Manfred R. Ulitzka auf seiner Homepage erklärt.

An Schönwettertagen mit einer Mindesttemperatur von 20 Grad Celsius, so der Biologe, brechen manche Arten zum sogenannten Schwarmflug auf. Wenn sich an solchen Tagen nachmittags ein Gewitter entwickelt, steigt die Spannung, und zwar im Wortsinn: Während bei einer normalen Wetterlage eine elektrische Feldstärke von etwa 0,1 Kilovolt pro Meter (kV/M) gemessen werden, sind es bei Gewitter bis zu 50 kV/m, sagt Björn Goldhausen, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline.

Ab einer Feldstärke von 8 kV/M stellen die Winzlinge ihre Flugaktivität komplett ein: Sie legen ihre Flügel an und gehen in den Sinkflug über.

Die Tiere versuchen nun schleunigst, die schützende Vegetation und den Boden zu erreichen. Denn nichts ist für die Flieger gefährlicher als ein kräftiger Gewitterschauer. Dass sie in Bodennähe nun auch vermehrt auf Menschen treffen, ist also Zufall. Auch prophetische Kräfte kann man den Winzlingen kaum nachsagen. Schließlich gehen sie erst dann in den Sinkflug, wenn auch Menschen merken: Da braut sich was zusammen.


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