Milchpreis Milchpreis für Bauern sinkt auf Rekordtief

Der Milchpreis für Bauern ist erstmals unter 20 Cent gefallen. Das ist etwa halb so viel, wie die rund 75 000 Milchbauern in Deutschland zum Überleben brauchen. Einer der Hauptgründe für den Preisverfall: das Überangebot.
Milchpreis für Bauern sinkt auf Rekordtief

Zu viel Milch verdirbt die Preise - in Deutschland, der EU und Übersee

In Deutschland und der EU wird deutlich mehr Milch produziert als verbraucht – und das drückt auf die Preise. Seit vor gut einem Jahr die Milchquote abgeschafft wurde, hat sich die Situation noch einmal verschärft. Das spüren auch die Verbraucher: Anfang Mai boten Aldi und sein Billig-Konkurrent Norma frische Vollmilch zum Rekord-Tiefpreis von 46 Cent an.

Doch Bundelandwirtschaftsminister Müller (CSU) ist weiterhin strikt gegen die Milchquote: "Eine Rückkehr zur Milchquote wird es mit mir nicht geben."

Stattdessen plant die Bundesregierung sofortige Hilfszahlungen von 60 bis 100 Millionen Euro als Direkthilfen an die Milchbauern. Details sollen Ende Mai Politiker, Bauernvertreter und Molkereien auf einem Milchgipfel vereinbaren. Auch Steuererleichterungen und Bürgschaften der Bundesregierung, damit die Bauern leichter an Kredite herankommen, wollen die Beteiligten diskutieren. Bereits seit Herbst 2015 erhalten europäische Bauern 500 Millionen Euro aus Töpfen der EU, 70 Millionen davon gehen an deutsche Landwirte.

Der Grüne Häusling will eine neue Milchquote

Damit treibe Schmidt die Bauern nur in die Verschuldung – oder direkt ins Aus, meint der Europa-Abgeordnete der Grünen, Martin Häusling. "Zudem sorgt eine Produktion auf weiterhin hohem Niveau nur für volle Lager und damit für eine Verlängerung der Krise. Die europäische Agrarpolitik muss (…) endlich mit einer europaweiten Notreduzierung der Milchmenge den Markt steuern."

Doch die europäische Agrarpolitik setzt eher auf Absatzmärkte außerhalb Europas – und treibt mit ihren billigen Milchexporten die dortige Milchwirtschaft in die Existenzkrise. Doch nun schwächelt auch dort die Nachfrage – und lässt den Milchpreis weiter fallen: Der russische Absatzmarkt ist durch das Embargo blockiert, China kauft weniger europäische Milch, Neuseeland und die USA steigern ihre eigene Milchproduktion. Ein Ende der Krise scheint erstmal nicht in Sicht.

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